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Am vergangenen Samstag war es soweit: Mein erster 24 Stundenlauf, mein erster Ultralauf stand an. Auf die Idee, diesen zu absolvieren, kam ich zwei Monate zuvor und überredete meinen Vater, ebenfalls teilzunehmen. Mein alter Herr hatte zuvor schon mehrere 24er absolviert, sein letzter lag jedoch schon mehr als 15 Jahre zurück. Also gingen wir vorsichtig, mit vagen km-Vorstellungen an den Start. Doch die magische 100 km – Grenze spukte in meinem Geiste herum.

Es war schön warm bei 25 °C und leichtem Wind. Der Rüninger Rundkurs ging 1km über Rasen, Asche- und Tartanbahn. Startschuss war um 15:00 Uhr. Das Starterfeld war bunt gemischt: Kinder, Walker, Staffeln, Spaß-Laufer und Ambitioniertere. Wer von 0 bis 4 Uhr 15 km oder mehr absolvierte, erhielt ein Moonlight-Runner T-Shirt. Daher gab es auch einige, die nur den Start, den "Moonlight-Run" und die letzte Stunde mitliefen.

Bei mir lief es bis km 35 gut, lief meine angepeilte 06:45 bis 07:00 min/km. Dann plötzlich ein stechender Schmerz im rechten Knie, ich humpelte zu einer Sitzgelegenheit und harrte kurz aus. Langsam, mit Schmerzen bei jedem Schritt ging ich die Runde zu Ende und setzte mich ratlos in die Schlange zur Massage. Dass eine Massage die Knieschmerzen nicht lindern würde, war klar, doch gab es meinem Knie eine kurze Erholungspause.

Anschließend ging es gehend wieder auf den Rundkurs, jede Runde probierte ich eine andere Kniebandage, da wir um die 5 verschiedenen dabeihatten. Keine half so richtig, doch gehen konnte ich inzwischen ohne Schmerzen und so ging ich bis ca. 23:00 Uhr meine 50 km. Danach legte ich mich 45 Minuten hin, wechselte die Kleidung und die Schuhe für den "Moonlight-Run". Für mich war's dann eher der Moonlight-Walk, der sich endlos lang hinzog. Die Dunkelheit und mein lädiertes Knie machten mir zu schaffen, doch um ca. 03:00 Uhr und mit 66km in den Beinen ging ich dann mein Shirt abholen. Allerdings hatte ich mir während meines „Martyriums“ eine schöne Blase unter dem rechten Fußballen geholt. Danach ging’s ab unter die Dusche und ins Zelt. Ich schlief mit dem Gedanken ein: „Morgen liegst du den ganzen Tag auf der Liege und läufst nicht einen Kilometer, du hast die Schnauze voll.“
07:15 Uhr morgens: Mein Vater stand auf und zog sich an. Ich sagte ihm, ich würde noch eine Weile schlafen, auch wenn der ganz vage Traum von den 100km dann geplatzt wäre.

Ca. 08:00 Uhr: Die Musik der Veranstalter setzte ein und ich beschloss, mich ebenfalls anzuziehen und wenigstens noch ein paar Runden zu gehen und dabei etwas zu frühstücken. Mein linker Fuß tat die erste Runde höllisch weh, aber so merkte ich wenigstens mein rechtes Knie nicht mehr. Nach zwei Runden gehen fing ich langsam an zu traben und siehe da: Mein rechtes Knie tat nicht mehr weh, ganz ohne Bandage. Mein linker Fuß war wohl auch warmgeworden, so war nur die Blase unangenehm.
Um 09:30 Uhr kam dann das Support-Team bestehend aus meiner Ehefrau und meiner Mutter und brachte Frühstück. Allerdings konnte ich gerade einmal ein halbes trockenes Weltmeisterbrötchen herunterkriegen. Ich trank größtenteils Wasser, selten mal ein wenig Iso-Gemisch.
Bei km 83 kam dann das größe Tief. Ich setzte mich an den Rand der Strecke vor die Absperrung, wo mein Support-Team stand und wollte einfach nicht mehr weiter: „Wo für das ganze? 100km? Den Unsinn mach ich dann halt nächstes Jahr mit einer ordentlichen Vorbereitung.“ Ich ging die Runde weiter, war allerdings so genervt von diesem langsamen gehen, dass ich lieber weiterlief.

Bei km 90 traf ich meinen Vater und sagte, dass nach dieser Runde Schluss sei. Er sagte mir, ich würde die 100km jedoch noch locker gehend schaffen. Aber gehen würde ich an diesem Tag nur noch ins Bett, das war klar! Am Ende der Runde legte ich mich auf die im Schatten eines Fahrzeugs aufgebaute Liege und trank zwei Becher Wasser. Nach 15 Minuten Pause entschloss ich mich, doch noch einmal loszulaufen. Bloß kein Gehen, nur Laufen, alles andere ist die Hölle!
Nach km 97 hatte ich mir die nächste Pause im Schatten verdient und nun war meinem Ziel so nah. Ich hatte noch fast eine Stunde Zeit, für 3km. Also ruhte ich mich 10 Minuten aus und lief dann erneut los. Am Ende der 98. Runde wurde ich vom Sprecher erwähnt und ich bekam leichten Applaus, Adrenalin floss durch meinen Körper, ich drückte nochmals ein wenig aufs Tempo. Der km 99 war durch und auf Start- und Ziel überholte ich erstmals bei dieser Veranstaltung meinen Vater, der „nur“ noch ging. Wieder wurde ich vom Sprecher erwähnt und nochmals zog ich an. Auf den letzten 500m meldete sich mein rechtes Knie erneut, doch egal, humpelnd-laufend wetzte ich gen Ziel, ein breites Grinsen zierte mein Gesicht. Geschafft! Unglaublich! Von vielen Seiten Applaus und ein wahnsinniges Glückgefühl breitete sich in mir aus, von welchem ich noch heute, Tage später zehre.

Wieder ging es auf die Liege in den Schatten. Ich ruhte bis 10 Minuten vor Schluss und lief dann erneut eine Runde mit. Am Ende der Runde war der Start- und Zielbereich plötzlich voller Leute, die klatschen. Ich wusste gar nicht, wie ich aus dem Bereich gelangen sollte. Also floh ich nach vorne, in noch eine Ehrenrunde! Diese letzte Runde war dann auch meine schnellste in den gesamten 24 Stunden. Im Ziel mit 102 km in den Beinen umarmten mein Vater und ich uns, überglücklich. Er hatte es mal wieder seinem Sohn mit 131 km gezeigt und ich lief das erste Mal über 100 km.

Heute, zwei Tage danach denke ich schon mit einem Kribbeln im Bauch ans nächste Jahr. Zur großen Freude haben sich die beiden Mitglieder des Support-Teams (Ehefrau & Mutter) entschlossen, im nächsten Jahr ebenfalls mitzumachen. Das Moonlight-Runner-Shirt sei so schön. ;)

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Tolle Leistung

oder wie der Dietzrun sagt, wenn es Dir bei einem Ultra gut geht, keine Angst das geht vorbei.

Gratuliere

Einen ganz herzlichen Glückwunsch

an dich und deinen Vater. Und nächstes Jahr setzt ihr euch einfach zu dem bunten Haufen der jogmapper hinzu. Mit so einer Truppe laufen macht doppelt Spaß.



manchen bei youtube

Danke :) das machen wir

Danke :) das machen wir nächstes Jahr. Da ist ja auch 5-jähriges rüningen-Jubiläum

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