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Kreischend, stampfend und schnaufend bahnt sich die Gruppe Orks den Weg den Berg hinauf. Ängstlich suche ich nach einem Ausweg. Verstecken und warten, bis sie vorbei sind? Das kann dauern. Möglichst gut Tarnen und vorbeiziehen? Ich entscheide mich für die zweite Variante. Das bedeutet aber auch, möglichst schnell Land zwischen die Orkgruppe und mich zu bringen.

Mit gesenktem Kopf gelingt es mir, weitestgehend unbemerkt die Orks zu umgehen. Immer aufwärts. Zügig verklingen die schrecklichen Laute hinter mir und ich gebe Gas. Speedhiking wider Willen.

300 Höhenmeter geht es immer steil bergauf. Bei jedem Blick zurück wird die Gruppe Orks kleiner. Mein Plan geht auf. Vorbei an der winzigen Holzhütte eines Schäfers sehe ich vor mir den Taleinschnitt. Bis zum Bach geht es wieder runter. Die mühselig erarbeiteten Höhenmeter wieder vernichten, bevor es auf der anderen Seite noch steiler wieder rauf geht. Ich lasse es runter laufen, soweit es geht. Immer mit bangen Blick zurück. Orks kennen keine Angst. Gerade bergab sind sie unschlagbar schnell.

Nach der Bachüberquerung geht es wieder raufwärts. Nebel steigen vom Tal auf und tragen die gutturalen Laute der Orks zu mir. Ich drehe mich um... und da sind sie. Die Gruppe hat sich gespalten. Die kleineren Orks sind rennend bereits am Bach angekommen. Der Abstand ist bedrohlich geschrumpft. Ich muss mich ranhalten. Nur am Rande nehme ich noch den blauen Eisenhut auf der Strecke wahr... wunderschön und hochgiftig.

Es gelingt mir, mich wieder ausser Sichtweite der Orks zu bringen. Der Weg schlängelt sich über eine riesige Wiese überseht mit Findlingen... und vielen Hindernissen. Vierbeinig mit feuchten braunen Augen und viele feuchte braune Haufen hinterlassend. Im Slalom muss ich Tiere und Hinterlassenschaften umrunden. Wertvolle Zeit geht verloren...

Am Geröllfeld angekommen, kann ich die Orks wieder erst hören, dann auch sehen. Die Gruppe hat sich wieder zusammengerottet. Jetzt geht es erst richtig steil rauf. Auch Kletterpassagen sind dabei. Der aufsteigende Nebel hüllt die Felsblöcke in ein gespenstisches Licht. Und immer wieder dieses Kreischen und Stampfen hinter mir. Ich treibe meine müden Beine an. Jetzt ja nicht aufgeben.

Und dann sehe ich das erste Zwischenziel. Der Zweisee. Auf 2200 m Höhe mitten in einem Talkessel. Ich halte kurz inne, um dieses traumhafte Stück Natur vor der Bergkulisse zu geniessen.

Dann geht es weiter. Am See vorbei auf die andere Seite des Kessels. Kurz bevor der nächste Anstieg kommt gönne ich mir eine kurze Trinkpause. Inzwischen sind die Orks auch angekommen. Sie nehmen mich nicht wahr, als sie schreiend an den See rennen.

Ich mache mich zügig an den weiteren Aufstieg zum Zweiseetörl. Oben angekommen erkenne ich gerade noch die Orks, die am Seeufer lagern. Jetzt fühle ich mich einigermassen sicher. Die normale Route von Orks führt jetzt nach links zurück zu ihrem Hauptlager. Mein Weg führt mich bergab zum Einsee.

Stille und Einsamkeit umfängt mich. Munter plätschert ein Bach am Wegrand und mündet auf einem kleinen Plateau in den Einsee. Ist der Zweisee noch gewaltig in den Talkessel eingebettet, so ist der Einsee einfach nur romantisch. Hier mache ich gerne eine kleine Pause.

Der letzte Aufstieg führt mich an der Rückseite des Hausbergs entlang. Rechts bricht er schroff ins nächste Tal ab. Das gibt den Kletterpassagen die besondere Note. Plötzlich höre ich einen ohrenbetäubenden Pfiff. Ich zucke erschreckt zusammen. Bewege mich nicht mehr. Suche Stabilität. Schaue mich um. Aber leider kann ich das Murmeltier nicht finden.

Am Berg vorbei komme ich wieder auf eine Findlingswiese. Ein Auerhuhn schreckt auf und ergreift die Flucht vor mir. Mein Blick sucht den Auerhahn. Ich kann ihn nicht finden. Dafür das Auerküken, immer dicht bei seiner Mutter. Ich folge den beiden noch eine Weile, bis der Weg abbiegt Richtung Ochsentörl.

Aus meinen Gedanken werde ich diesmal durch Wiehern und Schnauben aufgeschreckt. Auf dem Bergrücken vor mir grast die Haflinger Herde, die ihre Sommermonate hier oben mit ihren Fohlen verbringt. Ohne Gatter, ohne Stall. Völlige Freiheit auf den weitläufigen Wiesen. Allerdings entdecke ich diesmal das Futterhaus. Das Gras hier oben würde für die prächtigen und kräftigen Tiere auch kaum reichen.

Leichtfüßig suche ich mir meinen Weg am Knoten vorbei und abwärts übers Moor. Durch die lange Hitzeperiode ist es fast ausgetrocknet. Auch die Pilze sind verschwunden. Dafür schlage ich mir den Bauch mit Heidelbeeren voll. Jetzt rächt sich allmählich das hohe Tempo. Das rechte Knie tut bergab gehörig weh. Ich packe die Stöcke aus und verschaffe mir für die letzten Höhenmeter bergab noch etwas Erleichterung. Dann erreiche ich schon den Forstweg zurück zum Lager.

Die Orks begegnen mir nicht mehr. Sie haben mir aber ein gehöriges Tempo erschafft. Statt der 7 Stunden, die ich normalerweise für diese Wanderung brauche, habe ich sie in 6 Stunden geschafft. Ohne Kniezwicken wäre es vielleicht
noch schneller gegangen. Sportlich gesehen sind Orks im Nacken also richtig gut fürs Tempo.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Orks - in der Gegend?

Das wird sicherlich die recht harmlose - aber immer hungrige - Gruppe der ORtsKundigen sein...

Danke für die schöne Motivationsidee und die schöne Geschichte

Du wirst die Berge lieben lernen........

Nun, diese Orks...

... waren eher ortsunkundig... ;-)

Und die Berge lasse ich mir von ein paar Orks natürlich nicht vermiesen... :-)

Immer mit der Ruhe! :-D

Oder auch:
Nicht so hastig, kleiner Hobbit!

Gruß

Sirius
...der in Mittelerde rennt.

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