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Sonntag, 11. August 2013

Es ist 3:30 Uhr und der Wecker klingelt. Nein, es ist kein Versehen, es ist pure Absicht und ich freu mich auf den Tag.

Der Monschau-Ultramarathon steht an, 56 Km durch schönste Eifellandschaft im Hohen Venn. Bisher haben mir alle nur davon vorgeschwärmt, nun will ich dies auf der 2. Auflage des Ultramarathons, der das Angebot des traditionsreichen Monschau-Marathons ergänzt, auch einmal erleben.

Es wird sowieso Zeit, dem Sommerschlaf zu entfliehen und allmählich ein paar Vorbereitungskilometer in die Beine zu bekommen.

4:20 Uhr sitze ich im Auto und fahre durch die Nacht in Richtung des Startortes Konzen. Um 5:30 Uhr bin ich dort, habe noch eine gute halbe Stunde für Startunterlagen und Orientierung. Gleich in der einsetzenden Morgendämmerung auf dem Weg zum Orga-Zelt nehme ich eine mir bekannt vorkommende Silhouette neben mir wahr. Ich reiße die müden Augen auf, tatsächlich, da spaziert gleich mal Ausdauer-Tausendsassa Carla-Santana neben mir, die mich zudem sogar wiedererkennt.

Sie hat mit waxl schon die Nacht im Dorf verbracht und hat schon Ortskenntnis. Das kommt mir angesichts der knappen Zeit sehr gelegen. Startnummer ist schnell geholt und während ich mich präpariere, bekomme ich dann auch waxl zu Gesicht.

Überhaupt, gleich noch mehr bekannte Gesichter: Gert Mertens, mit dem ich 6 Wochen zuvor einen 6-Stunden Lauf absolvierte und dann auch Reinhard, Andreas und Katja von den Laufmonstern. Ich selbst starte heute allerdings weder für Verein (TV Refrath) noch für die Laufmonster, heute verschreibe ich mich dem Diadora Runnng Team.

Während ich zum Start wandere und es langsam hell wird, frage ich mich, was ich bei diesem Ultra eigentlich erreichen will. Bei der Anmeldung habe ich "Lust auf einen langen Trainingslauf in schöner Landschaft" angegeben. Dem ist auch so, allerdings kann ich in einem Rennen nicht einfach nur gemütlich, daher rechne ich mal mit "Halbgas und schauen was dabei rauskommt". Auf jeden Fall will ich mich nicht abschießen.

Am Start taxiere ich die Gesichter: Ralf Preibisch und Andre Collet fallen mir auf, Gert Mertens kenne ich, dann noch der Eifler Markus Breuer. Immerhin schon mal vier Läufer, die schneller sein dürften...


Der Start

Dann geht es los. Ein mir Unbekannter im weißen Shirt prescht mit Andre Collet vorne weg und die weiteren ausgemachten Favoriten hinterher. Ich reihe mich auf Position 8 ein. Die kühle Morgenluft ist herrlich und wir laufen durch den Ort und über die Trasse der Vennbahn, dem Strehling entgegen, der höchsten Erhebung der Nordeifel. Ich laufe nun zusammen mit Markus Breuer, hinter einer 6 Mann umfassenden Spitzengruppe, die noch in Sichtweite ist. Insgesamt laufen die Ultras eine knapp 14 Km lange Schleife, die der Strecke des Marathons voransteht.


Der Sonnenaufgang

Markus und ich laufen ein gleichmäßiges Tempo, langsam entfernt sich die Spitze. Ich will nicht schneller und auch Ultra-Debütant Markus scheint sich einen genauen Plan zurechtgelegt zu haben. Auf der Höhe erleben wir einen tollen Sonnenaufgang, bevor es mit einem kurzen Wendepunktstück wieder zurück nach Konzen geht. Die Spitze kommt uns entgegen, dort wird nun mächtig Tempo gemacht.
Wir bleiben ruhig und sammeln noch auf der Ultra-Schleife zwei Läufer aus der Spitzengruppe ein. Nun sind es noch vier da vorne, die aber alle einen starken Eindruck machen. Schnell ist es ein Minutenrückstand...


Mit Markus unterwegs

Dann ist die Ultrarunde auch schon beendet und wir biegen nach ziemlich genau einer Stunde auf die Marathon-Strecke ein.


Am Marathonstart - nur noch 42.2 Km

Es geht durchs noch verschlafene Monschau und dann an der Rur entlang. Markus freut sich auf die Hügel, ich als Flachlandläufer eher weniger. Den ersten Anstieg nach 21 Km meistern wir gemeinsam, den großen Anstieg zwischen Km 26 und 28 durchs Holderbachtal muss ich Markus schon ein wenig den Vortritt lassen. Zwar läuft es nach wie vor rund, aber ich kann jetzt nicht überpacen, es ist noch ein weites Stück angesichts meiner Trainingsform im Aufbau.


Ultra macht Laune

Langsam setzt sich Markus ab, bis Km 34.5 ist er immer in Sichtweite, dann gibt er auf der nun mehrheitlich abfallenden Strecke richtig Gas und ich nehme nun etwas raus, da ich das Rennen ja schließlich als Läufer und nicht als Wanderer beenden möchte.

Nun bin ich also alleine unterwegs, nur ab und zu laufe ich einen joggenden "Walker" auf, die auch bereits um 6 Uhr auf die Strecke gingen und denen die Ultra-Schleife aber vergönnt blieb.


Ganz allein unterwegs für die letzten gut 22 Km

Langsam wird es anstrengend, aber mittlerweile ist auch Km 50 erreicht, den vorletzten Anstieg am Leyloch kann ich ebenfalls noch läuferisch bewältigen. Die Beine werden schwerer, aber die Muskeln halten brav durch.


Langsam wird die Anstrengung auch sichtbar

Dann geht es plötzlich von der Straße ab in die Wiese und einen letzten kurzen, aber tückischen Anstieg hinauf. Dann ist die Kirche von Konzen zu sehen und der letzte Kilometer fliegt noch einmal etwas schneller vorbei. Ich biege auf die Zielgerade ein und überquere als zufriedener 6. nach 4:10:52 Std. die Ziellinie.


Auf der Zielgeraden

Der starke M50er Ralf Preibisch aus den Niederlanden hat gewonnen, mein Mitläufer Markus Breuer hat mir auf der zweiten Rennhälfte noch 10 Minuten abgenommen und konnte im Schlussspurt noch den Belgier Gert Mertens abfangen, der 3. wird. Ein verdientes Podium. Auf die Plätze 4 und 5 habe ich etwa 5 Minuten Rückstand, hinter mir kommt erst nach gut 9 Minuten der nächste Läufer ins Ziel. Ich hänge also irgendwo dazwischen und weiß nicht recht, ob ich "rest of the best" oder "best of the rest" bin. Aber eigentlich ist mir das auch egal, der Lauf hat viel Spaß gemacht und die Landschaft und die Athmosphäre waren die Reise auf jeden Fall wert.


zufrieden im Ziel

Zwei Stunden kann ich neben der verdienten Dusche auch noch die geniale "After-Run"-Atmosphäre genießen, dann muss ich leider den Ort des Geschehens verlassen. Siegerehrung und weitere Gelegenheiten zum Plaudern müssen daher leider ausfallen. Schade... aber auch so war es ein toller Tag in der Nordeifel!

4.90909
Gesamtwertung: 4.9 (11 Wertungen)

mein lieber Scholli

best of the rest oder rest of the best??? Never! Nichts davon.

Ok, ich gehöre dann eher zum Riesenfeld, was weit hinter solchen Spitzenläufern sich abmüht, aber es ist superinteressant mal zu lesen, was "da vorne" so passiert. Danke fürs Mitnehmen!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Starke Leistung

Hi Moritz,

auch hier nochmals Glückwunsch zu deiner Leistung und dem tollen Bericht. War ja mal wieder fast ein Laufmonster Stammtisch ;-)

Gute Erholung und wir sehen uns dann in Wesseling?!

LG Kay

You are the best!!! :o))

Für mich jedenfalls!!
Die anderen kenn ich ja nicht! ;o))

Hey, ganz dicken Glückwunsch zum 2. Platz in Deiner AK und zu diesem genialen "Trainingsultra"! :o)))
Du bist echt ein Flitzeblitz und die Bilder sind einfach superklasse.

Habe mir da auch den Stream gekauft, der ja dort noch ganz erschwinglich war.
Die Siegerehrung war ultramäßig wirklich als aller letztes im Programm, wo kaum noch jemand da war.
Nimm Dir nächstes mal etwas mehr Zeit, dann kriegste von mir auch ein Nachlaufbier! ;o)
Schön, Dir wieder über den Weg gelaufen zu sein!
Mensch, der erste Sieg wird nicht mehr lange auf sich warten lassen bei Dir.
Bleib gesund und fit! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

boah...

...das ma ultragut, finde ich! vergiss den rest, das war best! ;-)
____________________
laufend gratuliert herzlich zu dem schönen lauf: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Schöne Bilder

und ein super Lauf.

Meinen Glückwunsch dazu.

Gruß Nicole

Deine Sorgen...

bzgl. best of.. oder rest of... möchte ich haben.
Mir genügt rest of the rest..

da

schliesse ich mich Dietzrun an: Du hast Sorgen!!

Respekt vor deiner Leistung!

GT

"laufend laufen, laufen wir laufend!"

Donnerlötschen!!!

Kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen. Wow, was bist du schnell! Interessant mal was aus der ersten Reihe zu lesen. Ganz fetten Glückwunsch!!!

Lieben Gruß
Tame

Ein lockerer Trainingsultra - und dann 6.?

Das war Spitzenklasse - und noch mit viel Spaß! Nee, nee, nix "rest of" - Top 10!

Danke!

Danke für alle Reaktionen und Glückwünsche.

@Carla-Santana: Ja, Nachlaufbier muss das nächste mal drin sein. Egal, wer es dann ausgibt. :)

@waxl: ganz meinerseits. freu mich immer, jogmapper in freier wildbahn anzutreffen. :)
nächstes mal hoffentlich inklusive nachlauf-bier, aber musste leider dann um 12 schon weg.

@kaysa: Wesseling-Bonn-Wesseling klappt urlaubsbedingt nicht. Sehr schade, aber kann man nichts machen.

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