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Das Blogthema "Persönliche Betrachtung" beschreibt es wohl ganz gut. Wer in diesem Blog auf Wettkampfberichte, Überholmanöver, Zwischenzeiten oder Pacestatistiken hofft, der sollte bereits hier stoppen. Ich schreibe einfach mal ein paar Zeilen runter um meine Gedanken auszuspeichern.

Knapp 3 Wochen ist er nun her, mein Ironman, meine Langdistanzpremiere, zu der ich ausführlichst hier berichtet habe. Im übrigen vielen, vielen Dank für die Masse an Glückwünschen und Kommentaren - ich war/bin echt gerührt. Gleich im Anschluss habe ich mich für 2 Wochen in den Urlaub in die Mongolei verkrümelt. Im Nachhinein eine weise Entscheidung. Mag sein, dass es übersensibel klingt, aber das Ding mit dem Ironman war schon ein Brett für mich. 8 Monate lang ging ein Großteil meines Lebens nur auf diesen 7.Juli zu. War schon ganz gut dann gleich mal in eine ganz andere Welt und Realität geworfen zu werden, statt sofort den Schock des ganz normalen Alltags wieder auf sich zu nehmen.

Im Urlaub ist viel und auch wieder nichts passiert. 2 Tage das Nationalfest "Naadam", 8 Tage Trekken im Altai-Gebirge und nochmal 2 Tage in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Dabei durfte ich eine völlig andere Welt kennenlernen - erst in der Hauptstadt, vor allem aber im Gebirge, wo man wenn man überhaupt noch einen Menschen trifft, dann auf Exemplare, die noch Selbstversorger sind und/oder vom Tauschhandel leben. Gut, dass mich niemand gefragt hat, was ich so mache. Mit "Finanzprozessberater" hätten sie mal genau gar nichts anfangen können - im Gegenteil, ich hätte mich ganz schlecht gefühlt. Ein Teil des Trekkings war die Besteigung eines 4.193m-Meter hohen Berges - ebenfalls eine Premiere für mich. Es war eine tolle Erfahrung. Auf dem Weg runter hatte ich Glück. Ich wurde vom Blitz getroffen, sah plötzlich ein rotgelbes Licht vor Augen und hörte dieses typische Elektogeräusch "bssssss". Aber ich konnte gleich anschließend weitergehen...irgendwann nehme ich mir mal die Zeit und recherchiere, wie viel Glück ich gehabt habe, dass ich jetzt wieder hier sitzen kann und auch schon eine Woche wieder aktiv Sport betreibe.

Und damit zurück zum Thema. Irgendwann - trotz Urlaub - muss man sich ja doch der echten Realität wieder stellen und dann merkt man schnell, dass diese Perspektive auf dem 7.Juli fehlt. Ich hätte natürlich gleich für das nächste Jahr melden können und das als neue Perspektive nehmen. Aber ich hatte vorher schon die bewusste Entscheidung gefällt im nächsten Jahr keine Langdistanz zu machen. Ich möchte wieder eine machen, dazu hat es viel zu viel Spaß gemacht. Aber ich möchte mich für die nächste deutlich steigern. Also gilt es im nächsten Jahr schneller zu werden, insbesondere im Wasser und auf dem Rad, und dann mit neuer Grundschnelligkeit die Jagd auf die Langdistanz-Bestzeit aufzunehmen.

Nachdem ich in der Mongolei 2 Wochen gar kein Sport gemacht habe, startete ich hier am Dienstag langsam wieder mit ein paar Läufen, einer Schwimmeinheit und gestern einer langgezogenen 111km-Radausfahrt. Aber ich merkte auch schnell, dass ich einen klaren Plan braucht um wieder in einen Rhythmus zu kommen. Für die Mitteldistanz in Köln am 1.9. war ich schon gemeldet - da kann ich in meiner eigentlichen Heimat ein schönes Rennen abliefern und hoffe an der Strecke ganz viele Freunde und Familie anzutreffen. Zusätzlich habe ich jetzt für die Sprintdistanz in Celle am 18.8. gemeldet um wieder Wettkampfluft zu schnuppern und als Spaß- und Eventreise für die Jedermann-Olympische-Distanz im Rahmen des ITU-WM-Rennens in Stockholm am 25.8.. Dann soll aber auch Schluss für die Saison sein. Ich freue mich auch darauf mal ruhigere Wochenenden zu verleben, bzw. ein Alternativprogramm auszuleben. Dazu vielleicht gleich mehr.

Jetzt habe ich also wieder einen Plan und auch im ganz normalen Alltag und Berufsleben komme ich von Tag zu Tag mehr an. Immer wieder drifte ich aber noch in Gedanken an den 7.Juli zurück. Ich bin gespannt, was ich in ein paar Jahren sage. Liegt es an der Langdistanz, oder daran, dass es eine neue Premiere war? Oder daran, dass der Zieleinlauf am Frankfurter Römer einfach der Oberhammer ist? Aber die Gedanken an den Tag, vor allem den Zieleinlauf sind schon etwas ganz besonderes. Besser als jeder Marathon, jede Bestzeit, besser als alles, was ich bislang erlebt habe. In der Mongolei bauchte ich nur die Augen zu schließen um die Gefühlsregungen nochmal durchzumachen, während die einzelnen Filme vor meinem inneren Auge abliefen.

Nicht, dass das immer noch funktioniert, aber gestern habe ich als Hilfsmittel für die nachhaltige Erinnerung noch die Rennfotos gekauft. Ein ganz schönes Investment, aber die Bilder sind zu gelungen um die Eindrücke zu konservieren. Meine Schwester hat schon ein tolles Video von dem Moment gemacht, wo ich in den Zielkanal einlaufe - eigentlich der alleremotionalste Moment, noch mehr als die Ziellinienüberquerung: Zielkanal-Video.

Aber auch die Fotos von der Ziellinie lassen mir immer noch eine Gänsehaut über den Rücken laufen. Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr an alle Details erinnern. Ich weiß nur, dass ich kurz vor der Linie nochmal stehengeblieben bin, mich umdrehte und die tausenden Zuschauer auf den Tribünen gesehen habe, die meine Freude wohl aufgegriffen haben und Stimmung ohne Ende gemacht haben. Die folgenden beiden Bilder könnte ich mir stundenlang ansehen. Was für ein Moment! Und wenn sich schon der Finisher vor mir noch umdreht, dann muss ich da wohl eine ganz schöne Show abgezogen haben. Die Blicke der Zuschauer und das Lächeln in ihren Gesichtern unterstreichen diesen Eindruck. Ich glaube genau das sind die Momente, wofür man sich die ganze Vorbereitung antut.

Ziellinie 1

Ziellinie 2

Am 4.August ist der Braunschweig-Triathlon - genau vor meiner Haustür. Aber als Neumitglied des Vereins darf ich nicht teilnehmen, sondern so ein Event mal aus Sicht eines Helfers erleben. Es freut mich total, dass ich den Eventfotografen machen darf. Ich habe in meiner letzten "Sportkarriere" vor fast 20 Jahren meine aktive Badmintonzeit noch als Fotograf und Berichterstatter für die damals 3 größten Badmintonmagazine mitfinanziert. Auch jetzt, wenn ich mal bei einem Triathlon bin, wo ich nicht aktiv teilnehme, habe ich die Kamera dabei - zuletzt z.B. beim Escape-from-Alcatraz-Triathlon in San Francisco oder den beiden olympischen Triathlonrennen in London. Jetzt bekomme ich sogar ein Motorrad, samt Fahrer gestellt um bessere Bilder vom Radsplit zu machen. Die Perspektive fehlte mir bislang und ich werde mal ganz genau in mich hineinhören, wie viel Spaß mir das macht. Ich überlege schon seit Monaten diesen Nebenverdienst wieder aufzuziehen. Jetzt, da der 7.Juli vorbei ist, hätte ich auch wieder etwas mehr Platz im Kopf und Zeit für diesen Gedanken.

Bleibt noch der aktive Sport. Wie gesagt, ich bin schon wieder gut reingekommen. In meinem Trainingsplan habe ich eine zweite Leistungsspitze für die Mitteldistanz in Köln eingebaut. Liegt eigentlich nicht so gut, zu weit weg um nach Frankfurt die Form einfach zu halten. Aber auch zu nah dran um einen komplett neuen Aufbau zu betreiben. Ich habe mir für diese Woche noch eine Übergangswoche mit 10 Trainingsstunden gegönnt. Dann kommen zwei Aufbauwochen um nochmal Umfänge zu machen und dann auch schon wieder zwei Wochen Höchstleistungs-Phase, mit hoher Intensität und Geschwindigkeit. Nach einer weiteren Woche Tapern kommt dann auch schon Köln. Und dann werde ich wohl froh sein, dass ich in den Wintermodus schalte, mal wieder andere Sportarten zum Ausgleich, wieder verstärkt Kraft- und Rumpfstabilitätstraining (habe ich richtig Nachholbedarf) und Schwimmtechnik statt Tempo-Intervalle.

Diese Woche habe ich schon 7 3/4 Stunden auf der Uhr. Bin gespannt, wie ich am Wochenende die verbleibenden gut 2 Stunden über die Bühne bringe. Bei den vorhergesagten Rekordtemperaturen wird es wohl auf eine weitere Schwimmeinheit und vielleicht noch ein gemütlicher Lauf in den frühen Morgenstunden hinauslaufen. Mal sehen...

4.75
Gesamtwertung: 4.8 (8 Wertungen)

:o) Danke!

kann Dir das voll nachempfinden und war grade nach dem Lesen wieder in Roth beim Zieleinlauf...unvergesslich!!

Deine Gedanken decken sich in vielen Teilen mit meinen.
Habe mich auch bewusst nicht für 2013 für Roth angemeldet.
Es war was einmaliges uns ganz Besonderes, kaum vergleichbar mit meinem ersten Marathon oder sonstigen tollen Erlebnissen, eben einzigartig! :o)

Genau, wie Du möchte ich auch nicht sagen, dass ich nie wieder eine LD machen werde, doch, da habe ich wirklich Lust drauf, aber ob ich dann echt zeitlich mehr erreichen will/kann, steht auf einem ganz anderen Blatt, dass ich noch nicht beschrieben habe.

Es gibt noch soooo viele Dinge, die ich tun möchte und mein Trainingsaufbau wäre sicherlich noch weitaus optimaler und näher an der Trainingslehre zu bestreiten, aber ob ich das wirklich will, weiß ich nicht, noch nicht. :o)

Das Geschreibsel von Roth ist ja noch nicht mal trocken und die letzten Monate waren schon auch bei mir focussiert, wenn auch etwas aufgelockert durch tolle Zwischenevents, was ich immer wieder so tun würde!
Vielleicht melde ich mich doch noch kurzfristig zu einem kleineren Triathlon bei mir in der Nähe an, mal schaun.

Du hast ja auch noch ein schönes Nachprogramm vor Dir, wozu ich Dir ganz viel Spaß und Erfolg wünsche!
Nach dem Wettkampf ist vor dem nächsten! ;o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

haste gut gemacht jung,

respekt, und glückwunsch

Sehr schöner Artikel.

Sehr schöner Artikel. Wirklich großen Respekt vor der Leistung und der investierten Zeit.

Deine Zielfotoshow muß echt

Deine Zielfotoshow muß echt cool gewesen sein, der arme Typ, der sich da umdreht, der hat doch jetzt bestimmt beim Erinnern an seinen Zieleinlauf "nur" Deine Bilder vor Augen :)))

Aber ich denke, eine erste Langdistanz sollte mit Recht etwas absolut Besonderes sein und auch so im Gedächtnis bleiben, zumal, wenn man es in Deiner Zeit schafft! Es ist eben viel mehr als ein (in vielem besser berechenbarer) Marathon. Es kann unterwegs unendlich viel mehr passieren, Triathlon ist viel (!) mehr als die Summe der Einzeldisziplinen, und das Ganze dann ausgedehnt auf gut 10 Stunden - da hast Du echt was Einzigartiges geschafft, das noch lange Gedanken-Parties verdient. Und auch verdient, nicht gleich im darauffolgenden Jahr zeitlich getopt zu werden, ich finde Deine Planung gut und richtig, keine LD zu planen. Wir machen ja Triathlon gerade wegen der Abwechselung.

Dein "Rest"-Programm überschneidet sich in zwei Events mit meinem, wie schön, und das Foto-Projekt finde ich super, das macht bestimmt riesig Spaß. Du auf dem Motorrad, ich seh' Dich schon vor mir...

Bis spätestens in 3 Wochen auf all meinen Hausstrecken,
LG Britta

Ebenso Tria-infiziert

doch bei mir wirds nicht mehr für ne LD oder MD reichen denk ich. Um so mehr Respekt zolle ich denen, die MD oder gar LD finishen.
Fürs kommende Jahr hab ich mir schon mal die ein oder andere OD rausgepiekt und dann schau mer mal, wies weiter geht.

Ich wünsch dir für deine Vorhaben, egal, ob aktiv oder passiv, ganz viel Erfolg und vor allen Dingen...

danke fürs Mitnehmen in deine Gedankenwelt!


Laufen formt Körper, Geist und Seele.
Distanz ist, was der Kopf drauß macht.

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