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Der "größte Triathlon der Welt" fand letztes Wochenende in Hamburg statt. Mit mir, es war meine erste olympische Distanz. Also 1,5 Km Schwimmen in Binnen- Außen- und Kleiner Aster, 40 Km Radfahren an Hafencity und Landungsbrücken vorbei auf einem 10km-Wendepunktkurs Richtung Altona (richtig, bekannte Teile der Marathonstrecke!) und dann noch 10 Km Laufen entlang der Außenalster und zurück zum Ziel auf dem Rathausmarkt.

Jeweils Samstag und Sonntag gehen ca. 1500 Jedermänner und -frauen auf die Olympische Distanz und noch einmal so viele auf die kürzere Sprintdistanz. Zügig im 10-Minuten-Abstand werden 150er-Gruppen am Jungfernstieg auf die Schwimm-Strecke geschickt - eine Wahnsinns-Organisation. Wer jetzt überlegt - ja, natürlich, all diese 3000 Teilnehmer müssen auch wechseln. Klamotten, Equipment, Getränkeflaschen, Kopfbedeckungen, Schuhe und was man so bei einem Triathlon braucht. Also in einer Wechselzone, in der 3000 Räder und 3000 gelbe Postkisten Platz haben. In Hamburg ist das der 500m lange Ballindamm, an dessen einen Ende man vom Schwimmen reinkommt und später zum Laufen rausläuft, und an dessen anderen Ende man zum bzw. vom Radfahren raus- und auch wieder reinläuft. Wer jetzt immer noch gut mitliest, wird bemerken: Es gibt also Teilnehmer, die ihren Wechselplatz am ersten Ende haben, d.h. sie müssen MIT Rad an der Hand zweimal durch die komplette Wechselzone (je 500m) laufen. Die am entgegengesetzten Ende müssen natürlich diese Strecken auch laufen, haben aber auf dem Weg vom Schwimmen bzw. zum Laufen kein Rad an der Hand. Als Hamburg-Anfänger hatte ich ersteres Vergnügen. Also durfte ich mich zweimal MIT Rad durch die wuselige Wechselzone kämpfen :)

Aber egal, ich wußte, daß Hamburg nichts für tolle Zeiten ist, wenn man in Block "i" seine Heimat hat und wollte meine erste OD genießen. Am Vorabend waren wir bereits in Hamburg, haben auf dem Gänsemarkt Startnummer und Säckchen abgeholt und dann noch Schwimmstart und Wechselzone begutachtet. Abends schon bei noch Mitte 25 Grad, für das weitere Wochenende waren dann knapp 30 Grad angekündigt. Strahlend blauer Himmel, weiße Schiffe auf der Alster - ich war beeindruckt. Hoch beeindruckt, was da mitten in der City aufgebaut wurde. Ok, auch für die jeweils am Nachmittag startenden Profis, aber so kommen die Jedermänner in den Genuß einer Riesen-Kulisse aus abgesperrten Laufwegen zwischen Rathaus und Ballindamm, Tribünen, blauen Teppichen, unendlicher Ordner-Mengen und einer perfekten Organisation.

Wie gesagt, ich war beeindruckt… irgendwie so beeindruckt, daß ich das Schwimmen etwas verschlafen habe. Ich bin die 1500m bis auf die Wende um die Boje nach Unterschwimmen von Lombards- und Kennedy-Brücke komplett durchgekrault, habe mich recht gut orientieren können, die Tunneleinfahrt in die kleine Alster gut getroffen - und bin mindestens 5-6 Minuten langsamer als angenommen geschwommen. Fast 37 Minuten. Am Vortag war ich die halbe Strecke, also 750 Meter, in knapp 16 Minuten locker testgekrault… ich kann also wesentlich schneller. Beides ohne Neo, denn in Hamburg war bei 24,1 Grad Wassertemperatur Neo-Verbot. Was war das denn? Ich hatte mir ja vorgenommen, das Schwimmen beim ersten Mal auf dieser Distanz vor allem ruhig anzugehen, weil ich immer noch etwas Angst vor Atemnot im Freiwasser habe, aber das war eindeutig zu ruhig. Blöd. Gestern im See bin ich übrigens wieder ganz locker 3*550m-IVs in einer 2:00-2:05er Pace (also gut 2 Minuten pro 100 Meter) gekrault. Hätte ich das in HH durchgezogen, wäre ich dort besagte und berechnete 7 Minuten schneller geschwommen. Aber egal, abhaken, ich kam immerhin recht entspannt aus dem Wasser ;)

Dann der erste Wechsel. Gut 6 Minuten sprechen für sich, zum Glück werden die Wechsel in Hamburg in den Ergebnissen extra ausgewiesen und nicht der Radstrecke zugeschlagen, sodaß die halbe Welt jetzt denken müßte, ich hätte mein Rad auf der Radstrecke geschoben. 200 Meter vom Schwimmausstieg laufen, Schuhe an, Helm und Brille auf, Startnummer um und los. Klingt flott, war es aber nicht. Erstmal habe ich bestimmt 30 Sekunden mit Wiederanbringversuchen meiner halbabgerissenen Startnummer am Gurt verplempert. Anfänger-Problem, gut sitzende Startnummern werden im Triathlon völlig überbewertet. Naja, und dann das "und los", das ja zunächst 500 Meter Laufen mit Rad an der Hand entlang des wuseligen Ballindamms bedeutete. Überholen war nicht.

Als ich mich endlich aufs Rad schwingen durfte, wurde das Leben leichter. Erstmal durch den Wallringtunnel, die Marathon-Erinnerungen kamen hoch. Dann 10 Km Hafen, Landungsbrücken, Elbchaussee usw. Richtung Altona, zurück bis zur Hafencity und noch einmal das Ganze. Trinken nicht vergessen, als Rookie in Hamburg startet man nicht nur ganz hinten in Block "i" sondern auch noch als letzte Gruppe, d.h. mein Lauf würde bereits in die Mittagshitze fallen. Der 30er Schnitt lief, aber Hamburg hat doch Wellen! Haben vorher alle gesagt, und als sie dann vor bzw. unter mir auftauchten, habe auch ich es endlich kapiert. Uff. Das hatte ich mir erholsamer vorgestellt. Dazu leichter Gegenwind aus Richtung Stadt, nun ja, am Wasser muß man eigentlich mit so etwas rechnen. Am citynahen Wendepunkt stand Schatzi, ich habe die Wende unfallfrei und einigermaßen fotogen hinbekommen, und dann auf zu "nochmal das Ganze". Nach 1:21h mußte ich vom Rad absteigen, der 30er Schnitt hat also fast geklappt. Ok, mehr war nicht zu machen.

In T2 wieder Laufen mit Rad. 500m, diess Mal habe ich überholt, die Wechselzone war leerer. Schuhwechsel, Gel, Schluck aus der Pulle und los. T2 war mit knapp 4 Minuten ok. Wie gesagt, lauft mal 500m mit Rad :)

Zum Laufen selbst ist nicht viel zu sagen. Ein 10er geht ja immer, auch bei inzwischen 28 Grad, und auch, wenn ich mit meinem Garmin irgendwie durcheinander kam. Laufen ohne Pace - back to the roots also. Leider sah ich auch keine KM-Markierungen (die standen erst auf dem Rückweg), und so gab es Laufen nach Gefühl. Gefühl, wie eben das Gefühl nach dem Radfahren so ist… erstmal blöd. Am Wendepunkt der Sprintdistanz wußte ich dann, daß ich wohl bei Km 2,5 war. An meinem Wendepunkt bei Km 5 hatte ich dann endlich eine Orientierung, 26 Minuten. Ok. Und zurück kam dann endlich der Laufrhythmus und ein besseres Gefühl dafür. Ich bin mit einem netten Andreas zusammengelaufen, der exakt mein Tempo lief und sich wie ich noch unterhalten konnte, habe viele der Sprintdistanzler überholt, und schon waren der blaue Teppich und die Tribünen da. Huch, eigentlich hätte ich noch eine Schippe drauflegen können. Zu spät, aber die Atmosphäre auf dem Rathausmarkt war zum Genießen. Ganz toll, Hamburg bleibt meine Perle! Nach gut 52 Minuten war der Zehner geschafft, lockerer Zieleinlauf in der Mittagshitze. Erste OD geschafft. Rumbummeln bei Sonne, Wasser, Bier, Kuchen, Obst - es war noch alles reichlich da, Schatzi im Gewühle gefunden und ab in die Team-Erdinger-Lounge direkt am Jungfernstieg zum Umziehen und Warten auf den Rad-Checkout. Dieser war dann auch noch einmal ein Erlebnis… 3000 Räder wollten ab 13:45 Uhr möglichst schnell vom richtigen Eigentümer aus der Wechselzone geholt werden. Aber auch das war perfekt organisiert.

Meine Gesamtzeit hatte ich während des Wettkampfs komplett aus den Augen verloren. 3:01 h… ich war erstmal enttäuscht. Ich hatte 2:50 h angepeilt. Aber wieder nüchtern betrachtet war das bei 7 Minuten zu viel Geschwimme und insgesamt fast 11 Minuten Gewechsele nicht drin. Platz 133 bei den Frauen und Ak 11 entschädigt aber etwas.

Insgesamt war Hamburg mal wieder absolut eine Reise wert. Der Triathlon da ist verhältnismäßig teuer, aber ein Mal wenigstens mitzumachen, lohnt sich. Auch für Supporter. Es ist ein Riesen-Event, perfekt organisiert, findet vor Traumkulisse (Alster, Hafen, Landungsbrücken, Rathaus, Ballindamm, Jungfernstieg, Profirennen) statt, und man hat das Gefühl, an etwas ganz Großem teilgenommen zu haben. In meinen Augen höchst empfehlenswert!

LG Britta

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (8 Wertungen)

Gratuliere,

schön wie Du einen mitnimmst auf deinen Triathlon, wunderbar zum Lesen und in der Tat wird vieles überbewertet.
bg

Achim

Also ich finde...

für Deine erste OD hast Du das bei einem Event dieser Größe mit Platz 133 und AK11 schon verdammt gut hinbekommen!!
Wär doch schlimm, wenn kein Verbesserungspotential mehr erkennbar wäre?!

Viel wertvoller sind doch die Erfahrungen, die Du dort sammeln durftest...beim Tria ist eben alles etwas komplizierter, als bei einem reinen Laufevent.
Da muss man sich erst mal reinfummeln und meines Erachtens ganz wichtig, diese großen unvergesslichen Dinger genießen und aufsaugen.

Topzeiten sind bei den kleineren Events oft einfacher zu erreichen und Platzierungen natürlich auch.
Daher würde ich den Focus bei solchen Traumevents gar nicht unbedingt nur darauf legen.

Nen Platten wär doch viel ärgerlicher gewesen, wird aber irgendwann auch mal passieren wahrscheinlich.

Jedenfalls gratuliere ich Dir ganz herzlich zu Deinem klasse Finish!
Hamburg würde mich auch mal reizen. :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Glückwunsch zur ErstlingsOD!

Liebe Britta, das hast du alles ganz souverän gemeistert. Und deine Zeiten finde ich genial! So schnell möchte ich auch mal schwimmen können, wirklich. Deine Platzierung finde ich ebenfalls sehr beachtlich.
Danke für diesen schönen Bericht, der wirklich viel Lust auf Hamburg macht.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Moin und Glückwunsch!

Glückwunsch und schön, dass es Dir in Hamburg wieder gut gefallen hat!

Als Zuschauer konnte ich immerhin ein wenig zur Atmosphäre beitragen - die Stimmung fand ich auch richtig gut!

Herzliche Grüße vom Hamburgschlumpf (der bislang nur um die Alster rennt statt in ihr schwimmt...)

Wie sich die Wahrnehmungen

Wie sich die Wahrnehmungen unterscheiden. Ich würde mir über die 37 Minuten ohne Neo ein Loch in den Bauch freuen.

Herzlichen Glückwunsch zur ersten OD! Und Platz 11 in der AK ist schon ein Wort. Da sind ja schon so zweieinhalb andere Leute mit am Start, die wissen wie man Triathlon betreibt.

Die lange Wechselzone habe ich vom Vorjahr auch in Erinnerung. Dein Bericht liest sich so, als ob Du die Radschuhe schon am Wechselplatz angezogen hast? In Hamburg lohnt es sich m.E. die Radschuhe schon einzuklicken und auf der Fahrt in die Schuhe zu schlüpfen. Aber das bringt ggf. auch nur 30 Sekunden oder so...was sind das schon im Vergleich zu den Minuten, die Du allein beim Schwimmen mit Deinem Potential noch rausholen kannst. Beim nächsten Mal, ohne die "Premierennervosität" wirst Du locker unter die 3h-Grenze kommen.

Gratulation zur Erstlings-OD!

Und dann gleich bei so einem Mega-Event - voll der Hammer. Da warst Du ja schon geflasht im Wasser.

Kleiner Tipp: mit MTB-Schuhen kann man auch recht gut laufen :grins: und braucht nicht in festgeklickte Schuhe schlüpfen (vermutlich würde ich dabei vom Rad fallen).

Genieße den Erfolg - das Ergebnis ist doch wirklich sehenswert.

Also, ich habe zum Glück

Also, ich habe zum Glück ebenfalls MTB-Schuhe, bin ja Rad-Anfänger mit ebensolcher Ausstattung. Insofern ging das Gerenne auch von den Füßen her, aber trotzdem mußte ich eben 500m mit Rad durch das emsige Gewechsele eiern.

Öh, Schuhe am Rad steht bei mir auch noch lange nicht an. Zum einen wegen meiner Koordination (ich kann mal gerade unfallfrei aus der Flasche trinken, also beim Radfahren), und außerdem braucht man dazu doch solche Tria-Radschuhe, deren Klett-Laschen offen eben nicht in Richtung Speichen/Kette/... ragen, oder?

LG Britta

Glückwunsch

Hört sich nach einem tollen Event an und von 52 min. auf einem 10er träume ich auch ohne Rad und schwimmen noch... ! Glückwunsch zu einer ersten OD!

Super OD Debüt!

Das hast Du prima hinbekommen -- auch ich finde Deine Zeiten echt eindrucksvoll!
Sich für ein Triathlon-OD-Debüt dann so eine Kulisse auszusuchen: Respekt!
Aber vielleicht auch einfach nur klasse -- es liest sich so, als hättest Du es geschafft die ganze Veranstaltung zu genießen! So soll es doch sein -- und dass Du an Zeiten feilen kannst (und wirst) steht außer Frage.... =)

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Gratulation auch von mir

und danke fürs Mitnehmen auf dieses Event. Werd ich mir fürs kommende Jahr mal vormerken.

Ich denk auch, beim ersten Mal werden Platzierungen und Zeiten überbewertet, wenngleich 11. der AK doch ganz gut klingt.

37min für 1500m... ich würd mich freuen, wenn ich das im WK hinbekäm. Bin die Tage 38min geschwommen, allerdings Brust, weils mit Kraul noch hapert. Und mehr gleitend als Schwimmbewegung machend. Spart Kräfte. Und im Becken... ist ruhiger als Freiwasser.
Mein größtes Potential ist Radfahren. Da gehts mir wie dir... *unfallfreies Trinken* aufm Rad will gelernt sein. und wenn mein Radl wieder heile ist, gibts ne lange Ausfahrt.
52min für den 10er hintendran ist ne gute Hausnr.
Also wenn ich persönlich bei 3:30 einkäm, wär das ein megaErfolg. :-)

Und Hamburg ist immer eine Reise wert, ob nun mit oder ohne Triathlon.

Wünsch dir viel Erfolg für weitere Events. Meine nächste JD wird nicht unter 3 Std abgehen... Crossstrecke


Laufen formt Körper, Geist und Seele.
Distanz ist, was der Kopf drauß macht.

Nicht nur du bist beeindruckt...

....auch ich bin beeindruckt und zwar von deiner Leistung! ;-) Toll, dass du daran teilgenommen hast. Du kannst sehr stolz auf deine Leistung sein, ganz sicher!!!

Lieben Gruß
Tame

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