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Endlich. Nach einer und einer dreiviertel Stunde habe ich Brillen, Helm, Handschuhe und ähnlich lästigen Kram hinter mir gelassen und beginne mit meiner Paradedisziplin: Dem Laufen. Nur, dass es sich nicht wie Paradedisziplin anfühlt. Eher so im Gegenteil. Der erste Kilometerpiep erfolgt nach 4'32" – naja. Geht ja noch – ich hatte schließlich 40 bis 45 Minuten für die 10 Kilometer prognostiziert. Der zweite lässt ewig auf sich warten, 4'46" ist ent-täuschend und passt zu den ganz neuen Schmerz-Erfahrungen, die ich gerade mache. 45 Minuten adé – Überleben hallo.

Wie konnte es dazu kommen? Die Antwort ist lang und reicht über zwei Jahre in die Vergangenheit zurück. Das Training für die 100km von Biel 2011 ist der letzte Mosaikstein für eine sehr gründliche, sehr lang anhaltende Entzündung zweier Sehnenscheiden im linken Fuß. Jahrelang überlastet, sage ich heute. Damals wäre mir nicht in den Sinn gekommen, dass ich mit meinen teilweise vielen, teilweise schnellen Wochenkilometern mir tatsächlich zu viel zumute. Es gab doch stets einige, die noch viel mehr liefen. Oder schneller. Älter waren. Ganz vereinzelt sogar unerfahrener. Immerhin: Ich laufe ja schon regelmäßig seit Mitte 2007.

Heute weiß ich, dass drei, vier, fünf Jahre Lauferfahrung nicht viel sind. Es gibt Menschen, die vertragen die Steigerungen von nix auf 140 Wochenkilometer mit Zwischenstop bei 10km in 38'irgendwas und Marathon in 3h01'irgendwas innerhalb von vier Jahren, nachdem sie – noch als Kettenraucher – mit Mitte Dreißig anfangen, sich überhaupt regelmäßig zu bewegen. Es gibt Menschen, die laufen ihren ersten Marathon in unter drei Stunden. Sie sind die Ausnahme. Ich gehöre nicht dazu.

Am 22. Mai 2011 laufe ich den Hamburg-Marathon als Trainingslauf. Im Juni will ich mir in Biel meinen Traum erfüllen. Manche möchten beim Marathon in New York dabei sein. Interessiert mich null. Biel ist mein Ziel. 100km durch die Nacht, in die Morgendämmerung.

Drei Tage nach Hamburg hake ich Biel innerlich ab: Die fiesen Schmerzen danach haben kein Jota nachgelassen. Das ist was Ernstes. Einige Zeit hoffe ich noch. Meinen letzten Lauf mit mehr als 10 Kilometern für lange Zeit bestreite ich mit einem mittels Orthese und etwa 1,50 Meter Tape ruhiggestellten linken Fuß im Laufstiefel. Noch während des Laufes erreicht selbst mich die Erkenntnis, dass ich mich da völlig verrenne – im wahren Wortsinn.

Von 100 auf null in Tagen. Ich leide. Mein Umfeld leidet mit, ich lasse ihm keine Wahl. Bevor ich Freunde verliere und Kollegen anfangen, zurückzumobben, ersteigere ich bei einem bekannten Online-Auktionshaus einen alten Alu-Renner der Hausmarke eines Fahrradsupermarkts. Dreifach-Kettenblatt vorne, neun Ritzel hinten. Gut eingefahrene 105er Gruppe von Shimano, solide. Die kombinierten Brems-Schalt-Hebel sind eine Offenbarung für mich, der ich zwar immerhin schon bei Klickpedalen angekommen war, aber noch mit nichtindexierter Rahmenschaltung am alten Stahlrahmen fuhr: Ich kann stehend zwei Gänge hochschalten. Geil.

15 Monate später habe ich bei weitem nicht soviel auf dem Rad gesessen wie ich vorher gelaufen war. Aber ein paar tausend Kilometer mit dem Rennrad und dem neuen, anständigen Alltagsrad sind zusammengekommen. Als ich wieder mit zarten Laufversuchen starte, behalte ich das Pedalieren bei, im Winter auch mal auf der Rolle auf dem Balkon.

Ende Januar 2013 überfällt mich ein ebenfalls rennradfahrender und sehr sympathischer Kollege im Treppenhaus. Ich habe eigentlich keine Zeit, obwohl ich mich total gern mit ihm unterhalte. Vier Minuten später strebe ich wieder meinen überfälligen Aufgaben entgegen und habe zugesagt, am 21. Juli 2013 bei der Olympischen Distanz in Hamburg im Firmeneinteiler zu starten. 1.500m Schwimmen, 40km Radfahren, 10km Laufen.

Nach ein paar Tagen wird mir die Tragweite meiner Zusage bewusst. Radfahren? Kein Thema. 10km Laufen? Auch ohne Training kein Problem. Aber anderthalb schnelle Schwimmkilometer? In der vierten Klasse habe ich mir das Jugendschwimmabzeichen Gold erschummelt, weil ich statt 25m Kraul zu absolvieren 25m getaucht bin, mit kraulähnlichen Bewegungen. Lehrer sowieso abgelenkt, zack, der letzte Haken, Stempel, Unterschrift.

"Kann ich ja später mal richtig lernen", dachte ich. Nach 30 Jahren ist es also soweit. Ich habe mir einen Trainer gesucht, nur für mich und meine Liebe, die die Gunst der Stunde nutzte. Anfänglich koordinative Katastrophe, nahm ich meine einarmigen, Abschlags- oder Nur-Bein-Hausaufgaben mit in den Urlaub in den 25°C warmen Atlantik, behielt regelmäßiges Schwimmen danach bei und war ein paar Tage vor dem Triathlon recht sicher, ruhig und locker 1.500m in offenem Wasser durchkraulen zu können – inklusive leidlich sauberer Technik, Orientierung, ohne Panik und ungefähr so schnell wie brustschwimmend. Natürlich den Auftrieb eingerechnet, den einem ein Neoprenanzug bietet.

Davon war ich etliche testgeschwommen, am Mittwoch zuvor lieh ich mir einen aus, der mir sehr zusagte. Samstagnachmittag bei der Wettkampfbesprechung dann die Gewissheit: Neoverbot, das Wasser ist zu warm, 24,5°C. Ui. Am Sonntagmorgen dann, 7:10 Uhr, Startblock B, an der Startleine, kraulte ich los. Schön weit außen, außerhalb des Gewühls. Es fühlte sich nicht gut an. 18 Schläge, 21 Schläge, Feierabend. Brustschwimmen. Viiiiiieeel besser. Also dann halt so. Nach 600m wusste ich auch wieder, wie das mit Streckung, Abdruck, Tempo geht und überholte etliche Jungs, die ziemlich brutal das arme Alsterwasser verkloppten. Von rechts kam einer näher, von links verschwamm sich gerade auch einer: Zupf, schmal gemacht und neun, zwölf schnelle Kraulzüge und die Jungs sind hinter mir und müssen jetzt selbst aufpassen, weil ich wieder auf Brust umsteige und deswegen mit den Beinen austeile.

Ein zweites Mal unter Kennedy- und Lombardsbrücke durch, dann links halten. Es dauert, bis man zurück beim Jungfernstieg ist. Ein muskulöser Alsterquirl zwingt mich, ihm hin und wieder auszuweichen, weil seine Orientierung eher schlecht ist und er abwechselnd 30° nach rechts und 30° nach links vom Kurs abkommt. Kurz vor der letzten Brücke ist er hinter mir, ich ziehe noch mal durch bis zur Schleuse, zwei Helferhände ziehen mich die blaue Ausstiegsrampe hoch und ich komme rennend zum ersten Mal an meinem Supportteam vorbei. Derweil erkenne ich, dass ich weniger als 33 Minuten gebraucht habe und bin schon mal zufrieden.

Auch 300 Meter nach dem Ausstieg ist der blaue Teppich noch nass, dabei ist doch heute Morgen erst ein Startblock vor uns durchgekommen. Dann die ewig langen Reihen der Fahrräder, tausende davon. Sehr teure Carbonboliden mit Vollscheibenrädern dabei – da kostet ein Vorderrad mit Hochprofilfelgen mehr als das Doppelte meiner gesamten Triathlonausrüstung. Ich versuche derweil, barfuß mit Brille und blauer Badekappe in der rechten Hand effizient zu laufen, denn B28 ist ganz am Ende des Ballindamms, linker Hand, nur einige Meter vor der Radstrecke. Natürlich verpasse ich in meinem Zustand trotzdem mein Rad und renne wieder zurück.

Zuerst in das Startnummernband steigen. Dann Helm. Zumachen! Dann Brille richtig aufsetzen. Dann Socken und Schuhe. Es gibt Menschen, die sagen, Socken seien Mist und Zeitverschwendung. Ist mir egal. Ich ziehe immer Socken an, alles andere finde ich schrecklich. Ich habe mit nassen Füßen getestet, dass Socken anziehen sechs bis sieben Sekunden kostet, wenn ich lahm und zittrig bin und beschlossen, dass ich mir das leisten kann.

Seit wenigen Tagen sind die Schnürsenkel in meinen Laufschuhen getauscht gegen ein Schnellschnürsystem aus Gummibändseln und einem Verschlusspinöppel. Schuhe an dauert weitere fünf bis sechs Sekunden. Zumindest geht es so schnell, wenn man Socken anhat.

Beim Abhängen des Rads werfe ich - natürlich - das Nachbarrad runter, einer, der gerade gegenüber eincheckt, übernimmt das Richten und schickt mich auf die Reise. 40 Meter bis zur Zeitmessmatte, Linie, aufsteigen, los. 5'11" für den ersten Wechsel, angesichts der gefühlten zwei Barfußlaufkilometer bin ich mehr als zufrieden. Rechts und links kämpfen die meisten mit den eingeklickten Radschuhen, ich ziehe rechts und links den Riemen an meinen Hakenpedalen fest, leiste mir noch den Luxus, freihändig die Handschuhe von den Hörnchen und an die Hände zu ziehen und trete trotzdem früher hart rein als viele, die noch immer mit den Radschuhen kämpfen. Gel vom Rahmen, aufreißen, rein da, Wasser hinterher. Nach zwei Kilometern bin ich im Radfahren angekommen. Ich überhole. Ich überhole. Ich fahre an zuhause vorbei, Höhe S-Bahn Königstraße. Wow, das geht ja schnell, wenn die Straßen abgesperrt und Ampeln uninteressant sind.

Ich überhole. Ich überhole. Dann bollert einer auf einer Scheibe an mir vorbei, dass mir der Mund aufklappt: So eine Sitzposition werde ich nie einnehmen können, diese Beweglichkeit in Becken und unterem Rücken hat man sich entweder bis über 40 bewahrt oder bekommt sie nie mehr. Ich vermute, dass nur die Kurbel und Zahnkränze seines Rades mehr kosten als meine Ausrüstung. Er hat etwa 42 Sachen drauf und kurbelt schnell, ruhig und super gleichmäßig. Oberhalb der Beine bewegt sich nur der Brustkorb vom Atmen.

Das soll auf beiden Runden der einzige Triathlet bleiben, der mich überholt und den ich dann nicht mehr wieder bekomme. Drei oder vier bleiben auf meiner Höhe. Sehr, sehr viele sind langsamer. Einen halben Stundenkilometer, drei Stundenkilometer, sieben Stundenkilometer. Teufelsbrück. Wende. Mit Druck den leichten Anstieg hoch. Wieder Reisegeschwindigkeit, vorne großes Blatt, 52 Zähne, hinten das dritt- bis fünftkleinste, also 13 bis 15 Zähne. Multipliziert mit 90er Trittfrequenz ergibt einen Schnitt von etwa 37km/h, wie mir Garmin nachher verrät.

Nach der ersten Runde fühle ich mich pudelwohl im ersten Radrennen meines Lebens. Wende am Ballindamm, Anfeuerung vom Doppelsupport, kräftig antreten. Rechts und links die Jungs, die versuchen, ihre eingeklickten Schuhe anzuziehen: Jetzt erst frisch auf der Radstrecke. Ich überhole. Zweites Gel. 1% landet auf Hand und Oberschenkel. Ein Gramm Gel hat übrigens ungefähr die Klebekraft von sieben Tuben Pattex.

Dann überholt mich einer. Schickes, klassisches Kuota-Rad, Sattelstütze nach vorne gekröpft, lehrbuchmäßige gemäßigte Zeitfahrhaltung auf dem Auflieger, ruhiger, kraftvoller Tritt. Die Nummer 11197, Gabriel, verrät mir der Zettel an seinem Startnummernband. Ich schaue auf den Garmin und sehe, dass meine Herzfrequenz auf unter 80% gesunken ist. Versetzt, um mich nicht des Windschattenfahrens schuldig zu machen, setze ich ihm nach. Wir wechseln uns ab: immer, wenn er ein bisschen eindöst, überhole ich; immer, wenn ich etwas schlafe, überholt er und weckt mich. Zwölf Kilometer später sage ich: "Macht Spaß mit Dir", als er überholt. Zwei Kilometer später fragt er zurück, ob ich noch eine Runde fahre oder auch Laufen dran sei – wir biegen beide auf den Ballindamm ab, ich nach 1h05'55" – sehr geile Zeit für meine ersten 40 Zeitfahrkilometer ohne den Hauch eines Windschattens.

Die ewige Leier aus den Lautsprechern: "Zweite Runde olympisch: Links. Sprintdistanz: rechts. Zweite Runde olympisch: Links. Sprintdistanz: rechts. Zweite Runde olympisch: Links. Sprintdistanz: rechts." Riemen lösen, Linie, absteigen, Sattel fassen und ab zu B28. Direkt hinter dem Zaun mein Support – perfekt. Fahrrad aufhängen, Helm und Brille fallen in die Kiste, Handschuhe hinterher und los. Direkt vor mir der Kollege, der viel Rad fährt und nach 28 Minuten mit Schwimmen fertig war. Nach 2'50" (der Weg zum Laufen ist kürzer als der vom Schwimmen) gibt er mir an der Zeitmessmatte, als ich gerade die Startnummer nach vorne drehe, einen Klaps: "Hau' ab!" Den anderen Kollegen hatte ich auf der Radstrecke überholt. Nicht gemerkt.

Und jetzt: Das Laufen. Ich quäle mich an meinem auf eine kleine Gruppe angewachsenen Support und B28 jenseits des Zauns vorbei und versuche, locker auszusehen. Zwei Kilometer danach gebe ich den Versuch, so zu wirken, auf. Ich fühle mich richtig Scheiße. Innenseite Oberschenkel: Hölle. Rückseite Oberschenkel: Geht gar nicht. Ich versuche, mich abzudrücken. Schrittlänge zu erhöhen. Oder Frequenz. Es passiert genau gar nix. Mein Puls ist bei 162 festgetackert, gerade mal 80% der HFmax. 178 bis 180 wäre jetzt gut, dann würde ich auch nicht zwischen 4'40" und 4'50" rumdümpeln.

Hin und wieder überholt einer und ich versuche, mich dranzuhängen. 166, 168, nach spätestens vierhundert Metern reißt der Kontakt wieder ab. Wenn ich bei den 10 Kilometern des Alsterlaufs die Krugkoppelbrücke im tiefroten Bereich von der anderen Seite nehme, ist sie eine unangenehme Steigung. Heute nehme ich sie kaum wahr.

Wende. Mein erstüberholter Kollege hat inzwischen den zweitüberholten überholt – knapp zwei Kilometer hinter mir. Ich kämpfe weiter dafür, meine Reisegeschwindigkeit zu erhöhen – vergebens. Weiterer Verpflegungsstand. Viele Mitstreiter machen eine Gehpause zum Trinken. Ich laufe natürlich weiter. Ein Hauch Erfolgserlebnis-Würze in der Depri-Suppe des schlechtesten Laufs seit 2008, als mir am Alsterlauf die Galle hochkam.

Dann überholt mich ein roter Fortuna-Einteiler, großer Mann, breite Schultern. Ich hänge mich dran. Diesmal hält's. Ich sage: "Ich renne einfach mal der Fortuna hinterher", er lächelt über die Schulter.

168. 169. 168. 170. Wenigstens das. Die Kilometer sind extrem zäh.

Am Sprintwendepunkt vorbei. Unermüdlich der Tenor aus den Lautsprechern "Olympisch: Geradeaus. Sprint: In 100 Metern wenden. Olympisch: Geradeaus. Sprint: In 100 Metern wenden. Olympisch: Geradeaus. Sprint: In 100 Metern wenden." Die Helfer hier tun mir leid – nach zwei Tagen Dauerbeschallung hört man das vermutlich noch im Tiefschlaf.

Irgendwann könnte mal Kilometer acht kommen, der Arsch. Tut er auch. Aber eben: Irgendwann. Etwas vor Kilometer neun zieht Herr Fortuna davon. Ich halte immerhin das Tempo, glaube ich. Vereinzelt klatschender, johlender Zuspruch von der anderen Seite des Absperrgitters: Großartig. Lebenselixier.

Rechts in Große Bleichen. Ach ja, stimmt ja. Hört das denn nie auf? Aber dann, nach dem Linksabbiegen in die Poststraße, sieht man direkt die letzten paar hundert Meter bis zum Zieltor. Geil. Endlich Motivation. Hinter mir zieht einer einen anderen und gibt ihm die Anweisung: "Den holst Du Dir". Der meint mich! Nee, mein Freund, das tut der nicht. Das würdest nicht mal mehr Du schaffen. Ich beschleunige. Ich beschleunige. Ich beschleunige.

Endlich gehen auch mal die Meter etwas schneller vorbei. Blau unter mir. Ich leidlich schnell, aber wenigstens jetzt mit deutlicher Flugphase. An zweien renne ich wohl noch vorbei, dann bin ich im Ziel. 45'45". Na, das Elend hielt sich ja dann doch noch halbwegs in Grenzen, denke ich mir so – wenigstens ein 4'3x"-Schnitt. Nach 2h32'29" ist meine erste Olympische Distanz vorbei. Glückwünsche von inzwischen sechs Menschen – toll! Ein paar Minuten später zuerst der erstüberholte Kollege, danach der, der mich überredet hatte. Kollege Nummer vier etwas später und auf die Kollegin warten wir ein Weilchen. Zu fünft dann das Firmenteam-Foto danach.

Ich ahne schon in den Minuten nach dem Rennen, wieso beim Triathlon die Erfahrung so eine große Rolle spielt – das ist schon deutlich komplexer als n Kilometer in möglichst wenig abfallender Laufgeschwindigkeit zu bewältigen.

Drei Tage später ist meine Vermutung Gewissheit: Um ein paar Minuten und einigen Spaß habe ich mich durch schnelles Brustschwimmen gebracht. Die Adduktoren habe ich noch nie zuvor so brutal gespürt. Die zweite Baustelle, die Oberschenkelrückseiten, sind meiner "klassischen" Rennradposition geschuldet: Ich sitze hinter dem Tretlager statt darüber – wenn man nachher nicht läuft, ist das gut. Sonst – nicht so.

Die dritte Baustelle wird mir erst bewusst, als nach 30 Stunden massiver Wadenmuskelkater einsetzt. Klar: Die Haken und Riemen verbinden den Fuß gut mit dem Pedal – aber im Gegensatz zu Radschuhen haben flache Laufschuhe eine butterweiche Sohle. Also müssen die Muskeln kontrahieren, um den doch kräftigen Druck aufs Pedal zu bringen. Das erklärt mir dann auch, warum ich selbst in Phasen geringen Schmerzes mit dem Gedankenmodell „Abdrücken“ beim Laufen nicht schneller geworden bin. Aus den Unterschenkeln war einfach die Luft raus.

So spannend hätte ich mir die Erfahrung Triathlon bestimmt nicht vorgestellt. Und auch nicht so lehrreich. Ich werde weiter kraulen üben. Ich werde an meiner Position feilen und Mitte August in Celle bei so einer kleinen Spaßveranstaltung testen, das Erdachte umzusetzen, vielleicht sogar mit echten Radschuhen.

Vor allem aber, das freut mich total, werde ich wieder mehr laufen. In Triathlon-Trainingsplänen spielt Laufen eher so eine Nebenrolle. Auch deswegen habe ich jetzt wieder richtig Bock auf meine Paradedisziplin.

5
Gesamtwertung: 5 (21 Wertungen)

Jetzt bist du Triathlet

Infiziert. Und planst schon den nächsten ;-)
Irgendwie ist das bei den meisten so ;-)
Dass Celle Spaß macht, stimmt. War im letzten Jahr dabei (war auch mein zweiter Tria dort) und starte dieses Jahr wieder.
Besonders schön liest sich aber dein Bock auf deine Paradedisziplin :-)

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Guter Bericht

man konnte richtig mitleiden. Aber trotz allem Schmerzen echt Respekt für die Sport-Leistung.
und auch für die Schreibleistung.

Endlich! Rü lebt und

Endlich! Rü lebt und schreib wieder. Wie habe ich diese Berichte vermisst, da muss ich direkt wieder an den Müriz-Bericht von vor gefühlten 100 Jahren denken.

Schön, dass Du wieder da bist!

Gruß,
der Esel

"Wie assich is dat denn: über drei Stunden für nen Marathon!?"

wie geil! Schön, dass wir parallel so gleichschwingende Erfahrungen machen. Wenn ich geahnt hätte, welche neuen Horzizonte mir die Verletzungen durch die einseitige Laufüberlastung eröffnen würde, ich hätte mich fast darüber gefreut.

Der Läufer stinkt nicht - das sind Bakterien die absterben wenn sie seinen Schweiß fressen!

Schöner Bericht vom Tria,

Schöner Bericht vom Tria, deine Erfahrungen kann ich so teilen :-), auch Deine allerersten. Danke für die Offeneheit.

Wow

Ich saß in der ersten Reihe! War ziemlich cool dein Bericht! Live kann es nicht viel besser sein.

Gruß
Rico

Hey Rü,...

wenn ich das alles so lese, komm ich zu dem Schluss, dass erstens Tria für Dich wieder ein klasse Einstieg ist mit all den unterschiedlichen Anforderungen und Details, da gibts immer was zu tun.
Zweitens wäre es, wenn das mit dem Laufen wieder mehr, schneller und länger werden sollte, eine gute Abwechslung sowie mit Rad- und Schwimmtraining Schonung und Regeneration für die Knochen.
Drittens ist das ne spannende Sache für den Sommer
und viertens schult es auch die Gelassenheit und Ruhe, wenn der Plan funktioniert...wenn! ;o))
An das ganze Gerümpel zum Mitschleppen gewöhnt man sich!;o)

Auch die Unterschiede der Klientel Triathleten und Läufer/Langstreckenläufer werden Dir noch deutlicher ins Auge fallen, wobei ich glaube, für beides bist Du wie geschaffen!
Behalte die Lockerheit bei und schöpfe und koste das für Dich mögliche und sinnvolle aus.
Freue mich, dass Dein Feuer wieder so schön brennt! :o)

Fette Gratulation zum ersten Triafinish mit verdammt ziemlich sehr sehr guter Zeit....hast ja alle Deine Kollegen stehen lassen!! RESPEKT!! :o)

Lieben Gruß Carla

"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Erst gestern sprachen wir davon ...

... der RÜ ist zwar ein geplagter, aber begnadeter Sportsmann und er schreibt großartige Berichte!

Ich schließe mich dem Esel an: Er ist wieder da! Schön!!

Klasse Wettkampf, geniale Analyse und großartiges Ergebnis!

ZüperOli

Was soll man schreiben?

Geile Nummer, riesen Glückwunsch!

Fragen bleiben:
Wie verhält sich die Klebekraft von Gel zu Uhu?
Und kann man Dextro liquid mit Sekundenkleber vergleichen?
Sollte man die Fahrradkette mit Gel behandeln damit diese schneller Dreht?
Kann man Kettenöl durch Torfu ersetzen?

"Ein Leben ohne Klebkraft ist denkbar, jedoch sinnlos"

Schleswig-Holstein im Herzen,
BORN im Kopf

Astrein!

Sehr schöner Bericht!
Ich wundere mich nur, wie Du all diese Gedanken (die - wenig überraschend - den Meinen genau gleichen) behalten kannst?
Wenn ich nachher im Ziel bin, kann ich mich kaum noch an das Erlebte erinnern - es sind nur noch Schlaglichter übrig.

Egal, super Beitrag! Virtuelles Schulterklopfen zum ersten bestandenen Triathlon!
Und, wie die Vorredner schon bemerkt haben: INFIZIERT!

"Was vom Paradies so übrig blieb"...

... lese ich immer.
Respekt.
Alles IST gut.
LGRE

Voll krass!

In superfixer Gesamtzeit erledigt. Ey man, das mit dem Brustschwimmen hab ich auch gemacht bei Neoverbot - und die Laufzeit danach kam auch ungefähr hin. Aber die Radzeit - da müsste ich noch ein paar Jährchen für üben :grins:

Toll gemacht - und jo, im Herbst geht's dann wieder nur auf die Laufstrecke. Aber Rad und Schwimmen werden weitestgehend beibehalten, hihi.

Willkommen im Lager der Triathlon-Verseuchten!

lieber rü...

...was hab ich deinen blog hier grad mit wonne verschlungen!
und ich freu mich so richtig ganz dolle, dass es bei dir schwimmt, radelt und vor allem wieder läuft.
deine blogs haben gefehlt...
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laufend gratuliert herzlich dem neu-triathleten: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

Super Sache!

Danke für diesen genialen Bericht -- inklusive Zeitschleife.
Beim Lesen (und noch danach) hab ich sehr interessante Bilder im Kopf -- Danke auch für diese "kleinen Details am Rande"...
Wirklich: sehr sehr geil!

Gruß, Dominik
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"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Der Hammer

Eine starke Nummer hast Du bei dem Triathlon abgezogen und Dein Bericht ist der Hammer!

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Glückwunsch zum Finish

Da hat ein Kämpfer gefinisht. Herzlichen Glückwunsch.

Und vielen Dank für den lesenswerten, unterhaltsamen, klugen Bericht.

keep on running
Uhrli

liebe Grüße aus Saarbrücken

wir sitzen gerade mit Inumi am Computer auf der Terrasse zwischen Umzugskartons und Renovierungsspuren und schreien Brötchen über deinen Bericht. Danke!!!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

:0)

Du warst einfach nur gut!

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