Benutzerbild von robind

... nun gut, Dick Bockel (der spätere Sieger) ist ja auch 1:15h vor mir gestartet. Aber das ist schon ein seltsames Gefühl, du versuchst in den Radrhythmus zu kommen und dann rauscht auch schon das Führungsfahrzeug an dir vorbei. Genau, am 14. Juli fand die Challenge Roth statt! Eine echte Challenge, erfolgreich gefinished, gesund ins Ziel gekommen, genossen.

Ich war schon seit Donnerstag vor Ort, wollte auf meiner ersten Langdistanz alles mitnehmen. Freitag morgen wurde der Main-Donau-Kanal zum Schwimmen freigegeben. Mann war das eine warme Plärre. Aber man hört immer mal wieder, dass die Schleusenwärter nachhelfen, wenn das Wasser zum Wettkampf zu warm werden sollte. Dann wird nämlich Frischwasser nachgegeben. Am Sonntag sollten es dann 22°C sein, eine Wassertemperatur, die auch noch mit Neo angenehm zu schwimmen ist.

Freitag - Pastaparty. Es war zwar verdammt voll, aber die Stimmung war super. Man merkte sofort, dass ich nicht der einzige war, der vor Nervosität beinahe platze. Am Samstag dann Rad-Checkin und Material-Schaulaufen. Da kommst du dir mit deinem lumpigen Tria-Hobel ganz schön klein vor.

Der Sonntag beginnt sehr früh. Als bekennender Morgenmuffel ist es schwierig um 4 Uhr aufzustehen, um einen Langdistanz-Triathlon zu absolvieren, das ja auch noch Spaß machen soll. Fakten, die um 4 Uhr morgens nicht zusammenpassen. Dann doch noch etwas gefrühstückt, eher etwas reingedrückt. Um diese Zeit schmeckt alles nur nach warm und kalt - Kaffee warm, Brötchen kalt. Raus aus der Ferienwohnung, Tri-Top vergessen, nächster Versuch. Ab zum Auto, Neoprenanzug vergessen. Jetzt aber! Ist wirklich alles da? Die Tasche ist voll, wird schon passen. Wir sind nicht die ersten an der Hilpoltsteiner Lände. Es ist kalt, mein Thermometer zeigt 12°C an. Ich habe nur meine Badeschlappen mit und an. Die Sonne versteckt sich noch hinter Heuberg. Der Kanal ist wärmer als die Luft, Wasserdampf steigt auf. Die Stimmung ist irgendwie gespenstig und angespannt.

Mit Rad-/AfterRace-Beutel und Luftpumpe bewaffnet geht es in die Wechselzone. Schritt 1: Radbeutel gemäß der Startnummer ablegen. Ich hatte eine hohe 3200er-Startnummer, da wird der Platz sicherlich irgendwo ganz weit hinten sein. Tja, da hört es aber bei der 3199 auf. Achselzuckend durch den Ablageplatz geirrt, ein Helfer fragt nach meiner Startnummer. Er meint auch, dass ich sicherlich da ganz weit hinten sein müsste. Musste ich leider negieren. Jetzt irren zwei Leute (der liebe Helfer und ich) achselzuckend durch den Ablageplatz. Entwarnung nach kurzer Zeit; da wurde ganz vorne auf der rechten Seite eine extra Reihe für die ganz langsamen aufgemacht. Ein Beutel weniger.

Schritt 2: Jetzt zum Rad und den 8-Bar-Wettkampf-Luftdruck rauf. Mein Rad stand mittlerweile irgendwo anders. Das habe ich wohl am Vortag total verpeilt. Die Standplätze waren auch nicht durchnummeriert, da war ich sicherlich nicht der einzige der gesucht hat. Aber bei vielleicht 10-15 Hobel in einer Reihe war es schnell gefunden. Meine Familie stand schon am Zaun und hat mir die Luftpumpe abgenommen. Meine Mutter war sichtlich aufgeregter als ich. Ich war noch im gewohnten Triathlon-Vorbereitungswahn, da hast du noch keine Zeit zum Nachdenken.

Schritt 3: Den Start der ersten Gruppe angucken. Ich startete erst in der 13(!). Welle, hatte also noch verdammt viel Zeit. Den Start der Pro's wollte ich aber nicht verpassen. Ab zum Kanal, ich stand auf Höhe der Startlinie. Das war ein irres Gänsehaut-Gefühl. Es wurde von 10 runter gezählt. Und dann? Startschuss? Nix gehört. Da stand ich - wieder achselzuckend - diesmal zusammen mit vielen anderen Athleten. Aber die Meute ging los! 6:30 Uhr. Der Wettkampf beginnt!

Schritt 4: Rad vorbereiten. Gels und Riegel verstauen, meinen Panik-Mars-Riegel ans Oberrohr kleben. Das ist ein echter Geheimtipp: wenn es dir echt mies geht, dann verbringt so ein Mars-Riegel echte Wunder. Das ist ein echter Zucker-Schock! Nach ein paar Minuten geht es wieder besser. Eins vorneweg, ich habe ihn nicht gebraucht! :-) Da waren viele nette Leute am Wechselplatz, wir haben uns nett unterhalten, ein bisschen gefachsimpelt, die Zeit verging angenehm schnell. Mittlerweile war die Schlange am Dixi auch leerer, da ging es auch da flott. Jetzt noch dick Sonnencreme und Bodyglide auftragen und rein in den Neo.

Die Show beginnt! Am Wechselplatz haben wir uns noch gegenseitig gut abgelenkt. Jetzt wird es ruhiger, aufgeregter, in der Magengegend fängt es an zu grummeln. 7:40 Uhr: Check-In am Schwimmstart und rein ins Wasser. Den Neo fluten und jetzt noch die gut 100m zum Schwimmstart einschwimmen. Am Rand kann man gut stehen, jetzt heisst es bis 7:45 Uhr warten. Der Countdown startet: 10, 9, 8, 7, 6, 5, das einzige Mal an diesem Tag "Oh scheiß was treibst Du hier" gedacht, 4, 3, 2, 1, PÄNG! Ok, von hier kann man also den Startschuss hören - das sollten meine letzten Gedanken vor dem Schwimmen gewesen sein.

Swim: Ich wollte entspannt durchschwimmen, mich aus allen Schlägereien raushalten. Das Schwimmen im Kanal ist wirklich einfach - auf der einen Seite alle paar Meter eine grüne Boje, auf der anderen Seite ist der Kanal auch schon zu Ende. Man konnte die Zuschauer beobachten, die parallel zu den Athleten spaziert sind. Und *schnips* da war dann auch schon die erste Wendeboje, abgeklatscht und zurück zur Lände. Abklatschen muss man natürlich nicht, aber darauf habe ich mich 1.5km gefreut! Zurück an der Lände starteten dort gerade die Staffeln, das war eine Bombenstimmung. Da kriegst du selbst im Neo eine Gänsehaut. Kurz gerechnet, die Staffeln starteten eine Sunden später, also ca. eine Stunde für 3km. Yeah! Jetzt nur noch 2 Mal 400 Meter. Das war dann einfach, schon 100-fach im Training gemacht. An der zweiten Wendeboje abgeklatscht (musste sein) und zurück. Nach 1:24h bin ich dann entspannt aus dem Wasser raus.

T1: Mein Rad-Beutel lag ja separat gleich vorne rechts. Hihi! Das war einfach zu finden. Dann ins Wechselzelt, Neo aus und Socken und Radschuhe an. Noch ein wenig Sonnencreme von einer Helferin abgeholt und ab geht's zum Rad.

Bike: Der Radpart ist wirklich schön! Die Strecke ist recht anspruchsvoll aber auch toll und flüssig zu fahren. Die ersten 20km sind schön zum Einrollen, ab dem Seligstädter Berg heißt es dann nur noch kurbeln bis nach Greding. Dann wird es ein paar Kilometer schön wellig. In meinen Augen der anspruchsvollste Teilstück der Strecke kommt dann zwischen Kilometer 50 und 60: Immer nach Westen, immer mit Gegenwind, immer eine ganz fiese stetig steigende Steigung. Physisch ist die Steigung keine große Herausforderung. Aber wenn dieser blöde Kopf nicht wäre! Der kann deine Oberschenkel schon zum Glühen bringen. Dann rollst du nach Hilpoltstein und erreichst den Solarer Berg. Dieses Bild in meinem Kopf lasse ich mir einrahmen! Du kommst vor Hilpoltstein vom Kränzleinsberg runter, ballerst durch Hilpoltstein, kommst in die leichte Rechtskurve, es wird ruhiger - und auf einmal siehst du diese Wand von Menschen vor dir. UNBESCHREIBLICH! Es ist ganz bestimmt kein Berg, eher ein knackiger Anstieg. Er soll wohl auf ca. 500m 9% Steigung haben. Du fährst da aber im L’Alpe d’Huez-Stil durch eine enge Menschengasse, langsam geht einfach nicht. Ich bin glaube ich noch nie eine Rampe in solch einem Tempo und Puls hochgefahren!! Das Grinsen kriege ich immer noch nicht aus dem Gesicht! :-) T2 habe ich dann nach 180km in 5:58h mit erstaunlich frischen Beinen erreicht.

T2: Das Rad wird einem von einem Helfer abgenommen. Die Laufbeutel liegen aufgereiht vor dem Wechselzelt. Eigentlich reicht es, wenn man seine Startnummer in Richtung Wechselzelt brüllt, dann kommt ein weiterer Helfer und hält deinen Beutel schon für dich bereit. Laufsocken- und -Schuhe an, Mütze auf. Loslaufen? Nö! Dixi! Seit Rad-Kilometer 150 musste ich mal. Aber da waren es ja nur noch 30km. Wegen so eines kurzen Endspurtes anhalten? Wenn man bereits 5/6 des Radkurses hinter sich hat, dann denkt man so. Aber das es noch eine weitere Stunde auf dem Rad werden sollte, habe ich nicht so richtig registriert. Und das hat meine Blase gemerkt, entsprechend lange hing ich auch in der Wechselzone fest. Es wollte einfach nicht aufhören! ;-)

Run: Die Marathonstrecke ist glücklicherweise einfach zu laufen. Von Roth zum Kanal, dann links rum nach Schwand. Dort eine Schleife durch den Ort, wieder zurück zum Kanal. An der Halbmarathonmarke bist du zurück an der Rother Lände, weiter geradeaus nach Eckersmühlen, Schleife durch den Ort und zurück zur Lände. Zum Ende noch zurück nach Roth, eine Runde durch den Ort und ab geht es auf die Festwiese. Auf dem Weg nach Norden nach Schwand hatte ich angenehmen Gegenwind. Auf dem Rückweg dann - was für eine Überraschung - Rückenwind. Der Kühleffekt ging verloren und wurde entsprechend zäh. Jede 2km gab es aber einen Verpflegungspunkt mit genügend Wasser und Schwämme zum Kühlen. So konnte man die Temperatur gut ertragen. Kurz vor dem Halbmarathon hat dann mein Magen angefangen zu streiken, da wollte irgendwie nichts mehr rein. Aber wenn nix geht, Cola geht immer. In der zweiten Hälfte habe ich es an den Verpflegungsständen ein wenig ruhiger angehen lassen, um richtig zu trinken. Der letzte Wendepunkt des Tages in Eckersmühlen war dann doch schon ganz schön emotional. Jetzt geht es nach Hause! Nur noch 14km! Zurück zum Kanal, der war mittlerweile komplett im Schatten und die Temperatur richtig angenehm zum Laufen! Das letzte Mal an der Lände vorbei und der Moderator schickte uns hoch emotional auf das letzte Teilstück nach Roth. Die letzten 10km bin ich mit Marcel aus Luxemburg gelaufen. Das es Marcel aus Luxemburg ist, habe ich erst viel später registriert, auf der Laufstrecke war es der mit dem blau-weißen Trisuit. Bei Km 39 fragt er mich, wann ich denn gestartet bin. Ich: "7:45h" Marcel: "Dann bist Du ja auf sub12-Kurs! Dann musst Du aber auch durchlaufen!". Also laufe ich Forrest-Gump-Like wie von Hornissen gestochen los. Das musste der beste Split vom ganzen Marathon gewesen sein! In Roth fühlt eine Schleife über den Marktplatz. Die Laufstrecke ist vielleicht nur 2m breit, links und rechts voll besetzte Bierbänke. Du wirst förmlich ins Ziel getragen! Wer da kein Pipi in den Augen bekommt... Am Ausgang von der Innenstadt bei km 40.5 noch schnell 'nen Krampf im linken Oberschenkel mitgenommen. Vollgestopft mit Adrenalin merkst du das kurze Zeit später gar nicht mehr. Jetzt ging es nur noch ins Zielstadion. Noch schnell so eine Staffel, die den ganzen Weg blockiert hat, überholt, die Zielgasse gehörte mit alleine! Marathon in 4:15h - klasse! Ich wurde von Felix Walchshöfer, dem Chef des Rennens, persönlich empfangen. Eine schöne Geste. Noch ein bisschen wackelig auf den Beinen stand ich noch ein paar Minuten hinter dem Ziel und schaute zurück auf die Strecke. Emotional ist dieser Moment nur ganz schwer zu beschreiben, ich selbst brauche sicherlich noch ein paar Tage, um diese Situation zu erfassen. Ich musste noch auf Marcel aus Luxemburg warten. Ich war dann auch sein erster Gratulant. Seine erste Bemerkung: "Ich will ein Bier, alkoholfrei natürlich! Darauf freue ich mich schon seit 21km!" Wir haben dann noch gemeinsam angestoßen und ein wenig gefachsimpelt.

Sub12? Pahh, locker! 11:49h. Marcel konnte wohl auch nicht mehr richtig rechnen. Was für ein Tag, verdammt hart, es gab Höhen und Tiefen. Ich habe aber jede Minute genossen. Die Challenge Roth ist einfach eine super Veranstaltung. Eine Top-Organisation und vielen, vielen tausend hoch-motivierten, engagierten Helfern. Als Athlet brauchst du dich nur noch ums Rennen kümmern, alles andere wird dir abgenommen. Das fängt beim Abholen der Startunterlagen an und hört nach dem Bike-Checkout noch lange nicht auf. Wer mit einer Langdistanz liebäugelt, den kann ich Roth zu 100% empfehlen!!

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Echt Deine erste

Echt Deine erste Langdistanz??? Das klingt hier alles so dermaßen entspannt, ich fasse es gar nicht! Wie genial, wenn so ein Debüt SO läuft, ganz ganz herzliche Glückwünsche zu dieser Leistung!

LG Britta

ich kenn da noch jemand hier ...

... die da rum ROTHiert ist ! die muss noch ein bisschen was schreiben ...

Ein bisschen wahnsinnig seid ihr ja schon :-) was für ein Aufwand, was für eine Leistung !!!
Und dann noch SO EINE EISENHARTE ZEIT !!! Für mich unvorstellbar ! für dich "pahh, locker" :-)

cool - ich gratuliere dir ganz herzlich !

und vielen Dank fürs virtuelle Mitmachen lassen !

VG

Boah, robind,...:o)))

jetzt war ich grad schon wieder dort...hoffentlich hats mein Chef nicht gesehn!!

Ich finde dort alles wieder in Deinem genialen Blog und wärest Du nicht in Startgruppe 13 (das wäre meine Wunschgruppe gewesen!!!), sondern bei mir in 3 drin gewesen (ok, allein unter Frauen wär für Dich sicher auch nicht ganz unangenehm?!?), hätten wir im Ziel einen zusammen trinken können...natürlich alkfreies Erdinger, is klar, ne?!! ;o)

Und danke, es beruhigt mich, dass ich nicht die einzige bin, die zu dusselig ist, ihr Rad korrekt zu parken! :o))

Gratulation zu Deiner grandiosen Debütleistung, Du Eisenmann!! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

noch so´n...

...total verROTHer triathlonni! super leistung! ich zieh meinen hut!
____________________
laufend gratuliert herzlich: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

Voll cool mal eben die erste LD sub 12!

Ich fass es nicht. Hammer, Hammer, Hammer! Und noch am Ende einen draufgelegt beim Marathon. Das hört sich alles sehr entspannt an!

Gratuation dem Eisenmann!

Ich verehre...

LD-Triathleten.

Klarstellung

Es war nicht locker, die 12 Stunden zu unterbieten. Ich kam nur locker unter die 12 Stunden ins Ziel! Ein schönes Wortspiel ;-)

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links