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Nur noch ein paar Tage, dann wird der Eiger Ultratrail in Grindelwald gestartet und ich werde dort am Start stehen.

101 Kilometer – eine Distanz, die ich im letzten Jahr beim Zugspitz-Ultratrail schon einmal unter die Füße genommen habe.
6.700 Höhenmeter – Das wird für mich ein Vorstoß in eine neue Dimension. Der ZUT hat „nur“ 5000 Höhenmeter.

Bin ich darauf ausreichend vorbereitet?
Die Kurzfassung: Ich hoffe es, das Ziel ist schließlich „nur“ Spaß haben und ankommen. Ich habe trainingsmäßig mein Möglichstes getan, ohne Arbeit und Familie zu vernachlässigen. Die 100 Wochenkilometer habe ich in diesem Jahr noch nicht sehr oft überschritten.

Während mir im Frühjahr der A*** auf Grundeis ging, weil mir reihenweise die Vorbereitungswettkämpfe weggebrochen sind –zumeist weil mich die Zwillinge an ihren Erkältungen teilhaben ließen- lief es zuletzt ganz gut.

So weit wie möglich habe ich meine Trainings in profiliertes Gelände verlegt. Ich muss Euch allerdings nicht damit langweilen, hier die Vorbereitung haarklein aufzudröseln.

Einige Kleinigkeiten gibt es aus dem Kuriositätenkabinett zu berichten.

Zunächst aus der Abteilung "nutze das was du hast"
Kürzlich bekam ich über das große Soziale Netzwerk mit, dass die Elite der Szene sich in Chamonix tummelte, um einen VerticalK, einen Höhenkilometer auf relativ kurzer Distanz zu laufen. Das Routing verlief in engem Zickzack in der Schneise einer Seilbahn hoch, sah sehr interessant aus und sie bekamen die 1000 Höhenmeter auf nur 3,8 Kilometer „gebacken“.

Ich dagegen kam nach jenem Wochenende ins Schleudern, weil ein Impftermin für die Kids zu einer Zeit anstand, zu der ich mich normalerweise im Wald herumtreibe. Was tun? Am Vorabend mal wieder beim Lauftreff vorbeischauen, den ich schon eine Weile vernachlässige? Das ist derzeit aber Premium-Kinderbespaßungszeit. Die soll den Zwillingen nicht flöten gehen.

Später laufen gehen, wenn die Kids im Bett liegen. Wäre möglich gewesen, fand ich aber nicht wirklich prickelnd, obwohl ich hin und wieder recht spät auf der Piste bin, wenn es sein muss sogar nach 23 Uhr.

Die glorreiche Idee war, dass ich (das Paradebeispiel eines Langschläfers), am Folgetag morgens vor dem Dienst laufen könnte. Statt von daheim in der Ebene zu laufen, fuhr ich an den Rand des Nordschwarzwaldes in der Peripherie der Stadt, in der ich arbeite, um dort am Hang zu kreiseln. Es sollte nicht nur am Hang sein, sondern auf der Mountainbike-Downhillstrecke mit ihren Rampen, Wurzeln und Felsbrocken. Dort brausen die Biker nur mit allen möglichen Protektoren herunter und bergab bin ich dort nicht viel schneller, als bergauf. Genau richtig für ein Alpinsimulationstraining.

Meine Idee war, den VerticalK auf der MTB-Strecke zu laufen. Statt nur hoch, wie die Eliteläufer in Chamonix, musste ich eben immer wieder "zurück auf Los".

Ich hatte mit sechs Uphills gerechnet, es waren dann sieben erforderlich. Dabei kamen 1077 Höhenmeter zusammen auf gerade mal 11,5 Kilometer. Das macht dann statistisch einen VerticalK (nur uphill) auf 5,34 km.

Dass ich dafür zwei Stunden gebraucht habe, ist vielleicht nicht wirklich phänomenal, aber es hat Spaß gemacht und scheinbar hat es gereicht, etwas Adrenalin freizusetzen, denn ich kam trotz des frühen Aufstehens ohne Müdigkeitsanfälle durch den Arbeitstag.

Ganz schlüssig bin ich mir noch nicht, ob der VerticalK auf dieser Bodenwelle (verglichen mit alpinen Strecken) oder mein früher Start das sensationelle war.
Hier das Höhenprofil:
1 VerticalK

Weil es so schön war, bin ich in der Folgewoche noch zwei Mal dort gewesen, allerdings auf moderateren Wegen.

Bei einem Auftritt sollten es Bergintervalle werden. Nach rund 600 Metern Warmlaufphase ging es am Fuß des Berges los. Immer das gleiche Stück hoch und runter hatte ich zuvor hin und wieder gemacht. An diesem Tag wollte ich eine neue Variante ins Spiel bringen: 400 Meter (horizontal natürlich) den Berg hoch, dann rund 350 Meter gemütlich runtertraben – 400 hoch – 350 runter – 400 hoch ...

So habe ich mich nach und nach den Berg hochgeschraubt. 12*400 Meter mussten für reichen. Für die beiden großen Vorhaben des Sommers hätten 12*1000 Meter sicher besser ausgesehen, dazu hätte ich aber wirklich viiiiiel zu früh aufstehen müssen, um zu passabler Zeit im Büro zu erscheinen.
2 Intervalle

Gelinde gesagt außergewöhnlich war das Training auch am vorletzten Wochenende:

Samstags half ich einem Bekannten. Sechs Stunden Kies schaufeln und mit der Schubkarre herumkutschieren. Anschließend war ein paar Stunden Kinderbespaßung angesagt. Danach entsagte ich dem Lockruf der Couch und drehte eine Runde durch Feld und Wald, wobei ich um 22:45 Uhr erst aus dem Wald kam. Der Lauf wurde mit 18km etwas länger, als ursprünglich beabsichtigt, da er fluffig von der Sohle ging. Sinnvollerweise lief ich im Hellen über das Feld und als es schon dunkel war, im düsteren Wald.

Am nächsten Morgen zu meinem Pfälzerwaldlauf kam ich nicht ganz so früh los, wie ich es beabsichtigt hatte. Nun hatte ich den Preis für die Aktivitäten des Vortages zu zahlen. Ich war ziemlich lahma*****ig unterwegs, geschmerzt hat nichts, ich war einfach nur langsam. Dafür war der Lauf etwas chaotisch.

Unterwegs registrierte ich, dass meine Laufhose auf der Rückseite nasser war, als dies normalerweise der Fall wäre. So kann doch nicht der Schweiß herunterrinnen! Ich stellte fest, dass es aus dem Laufrucksack tropfte. An der Unterseite der Trinkblase war die Schweißnaht undicht geworden. Mist! Um das restliche Wasser zu retten, setzte ich die Trinkblase über Kopf in das Fach ein. Zu Beginn schwappte noch etwas Wasser raus, aber es hielt sich in Grenzen.

Allerdings reichte das Wasser, das an den Beinen hinunterrann, um Socken und Schuhe zu fluten. Da läuft cherry65 durch den knochentrockenen Wald mit nassen Füßen – na toll.

Das Trinken funktionierte, so lange Wasser im Schlauch war, da der Trinkschlauch nun oben lag. Dann war die Luft aus der Trinkblase zu ziehen – und anschließend kam: nix mehr. Die Trinkblase zog sich oben so zusammen, dass die Ansaugöffnung abgedichtet war – nochmals toll.

Um zu trinken war nun eben der Rucksack abzuziehen, Reißverschlussfach öffnen, Leck an der Schweißnaht mit den Fingern zusammenkneifen, Rucksack auf den Kopf drehen, damit die Trinkblase wieder richtig positioniert ist, trinken, Fach verschließen und Rucksack wieder aufsetzen. Immerhin stand nach dieser Prozedur noch ein Schlauch voll Wasser zum nächsten Genuss zur Verfügung.

Als würde dies nicht schon reichen, hatte ich es mal wieder geschafft, mich auf einem Waldweg lang zu machen. Natürlich war es nicht auf einem anspruchsvollen Trail, denn dort ist man ja aufmerksam. Nöö, es war auf einem simplen, fast flachen Waldweg. Außer einer kleinen Schürfwunde am Knie ist zum Glück nix passiert.

Trotz allem hat der Lauf Spaß gemacht. Ein paar neue Trails, um meine Lieblingsrunde weiter aufzupeppen habe ich auch noch entdeckt.

cherry65

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Dnake für den Tip ...

... mit den Höhenmetern an der Seilbahn in Chamonix. Sind grad da angekommen. Morgen Früh wird noch mal der Blick von Plaine Joux rüber zum Mont Blanc genossen und Morgen steht das Wohnmobil dann in Chamonix, um Mittwoch Früh nach courmayeur mit dem Bus zu fahren und dann weiter auf der UTMB-Strecke zu Laufen. Mal sehen, wie weit ich komme.
Aber in Chamonix an der Seilbahn hoch, ist echt noch so ne Überlegung.
Dir viel Spaß! Du machst das schon.
;-)

Respektables Programm

Marke "Not macht erfinderisch", was?

Ob mir als Flachlandliebhaber das Spaß machen würde? Na, bestimmt mehr als Alternativtraining.

Dir viel Spaß in Grindelwald, die Szenerie dort ist ja umwerfend.
(no pun intended)

@Schalk

Google mal nach der Seite vom VerticalK Chamonix. Auf der Seite ist rechts das Routing in einem Google-Earth Screenshot.
Viel Spaß in Chamonix.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Heute

Heute war das bemerkenswerte das Tierleben. Ein Wildschwein, ein Fuchs, ein Reh mit Kitz und der absolute Hammer waren zwei Rehkitze, die einträchtig einen Pfad entlang getrottet sind. Die waren echt süß. Ob das auch Zwillinge sind? Bevor sie mich bemerkten bog ich ab, um sie nicht zu verscheuchen.
cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Trailprophäe am Knie

Da können wir uns wohl die Hand reichen! Ich habe nämlich auch mal wieder eine, weil ich mal wieder Mutter Natur geküsst hatte! Wenn ich nämlich "fliege", dann auch auf vergleichsweise flachen Trails. Hier neigt man ja doch dazu, die Füße nicht hoch genug zu "lüpfen", während auf den ruppigeren und auch gefährlicheren Abschnitten kaum etwas passiert, weil man da ja höggschd konzentriert ist.

Deine Trinkblase ist wohl ein Auslaufmodell?
;-))

Straffes Programm

so eine Familie. Daneben darf man dann beim Laufen ruhig mal erfinderisch sein. Grindelwald wirst Du rocken!

Ideen gibt's. VerticalK, Quälixfaktor, ...

Uiui, Blasenschwäche, wie nervig! ;o)))

Du, ich kann Dir noch einen kleinen Funken Hoffnung machen!

Mein Bergtraining, selbst für den ZST sah kaum anders aus, alles gezackt und gehüpft, keine langen Anstiege...leider, aber es geht auch ohne...irgendwie!
Mit dem Profil kannste sogar danach Dein Brötchen aufschneiden! ;o))

Laufen außerhalb der normalen Geschäftszeiten, also vor der Arbeit und auch nachts, ist auch machbar.

Cherry, ich bin davon überzeugt, diese Mittel werden reichen!!
Nur den Waldboden küssen, das solltest Du lieber lassen.
Spare Dir die Küsse lieber auf für die liebe Frau Cherry und die Rabauken! :o))

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

So sehen meine Trainingskurven ...

... auch oft aus. Rauf und runter und rauf und runter und ... Letztes Jahr hab' ich das über Monate jeweils einmal pro Woche durchziehen können. In diesem Jahr hatte das Knie was dagegen. Wo keine echten Berge sind, muss man sich halt was basteln ;-).

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

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