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Etliches davon hatte ich mir ganz anders vorgestellt, nachdem mich ein Arbeitskollege im frühen Frühjahr dazu überredete, im Firmen-Einteiler bei der Olympischen Distanz des Hamburg-Triathlon am 21. Juli - also in einer Woche - anzutreten. Zum Beispiel hatte ich geglaubt, bis dahin wäre ich sicher. Wechsel? Kein Problem. Neo? Kann ich in sieben Sekunden an- und wieder ausziehen. Panne beim Radeln? Ich flicke den Schlauch Kraft meiner Gedanken, ohne überhaupt abzusteigen.

Dem ist nicht so.

Eine Woche vorher ist das Gefühl eher so wie 2008 beim ersten Marathon, nur noch unsicherer. Nein, stimmt auch nicht: Dass ich der Kombination aus 1500m Schwimmen, 40km Radfahren und 10km Laufen körperlich gewachsen sein werde, da bin ich mir recht sicher. Sofern ich nicht in den schmackhaften, wohlriechenden und besonders gesundheitsförderlichen Fluten der Binnenalster absaufe, wird es zumindest nicht an meinem Körper liegen, falls ich das Ziel nicht erreiche. Elf Wochen habe ich nach Marquardt/Dierkes trainiert, bin erstaunt über den einen oder anderen zusätzlichen Muskel, der mir gewachsen ist, der Ruhepuls liegt nur wenig über dem meines (Über-)Trainings, bevor ich 2011 eine 15monatige Laufpause einlegen musste, weil ich mir zuviel zugemutet hatte.

Vergangene Woche habe ich meinen alten Alu-Prügel mit Campagnolo-Zonda-Laufrädern ausgestattet, Kassette mit 11er Ritzel drauf, 23mm-4000S-Reifen statt 25mm Trainingsschlappen. Gestern kam noch ein Aero-Aufsatz auf den Lenker. Er ist zu kurz und unbequem, aber für 40km wird's wohl gehen und der Kilometerschnitt geht quasi ohne Aufwand um 3 nach oben.

Ich weiß immer noch nicht, ob ich die Klickpedale nehmen soll, in denen ich mich sicher fühle, aber die einen weiteren Schuhwechsel fordern. Oder die guten, alten Pedale mit Haken und Riemen, in denen ich mit den Laufschuhen fahren könnte, aber die sich irgendwie inzwischen viel schlechter und unsicherer anfühlen, als sie das damals, Ende der 80er, Anfang der 90er, getan haben.

Ich weiß immer noch nicht, wo ich meine Gels parken soll. Die Schlüsseltasche im Einteiler reicht für eins, ich will drei zu mir nehmen. Immerhin weiß ich, welches Gel ich nicht total eklig finde. In den kommenden Tagen muss ich das nur noch kaufen - falls ich einen Laden finde. Ich habe es bisher versäumt, irgendein Schuhpaar mit Schnellschnürsystem auszustatten. Ich habe noch nie einen richtigen Wechsel trainert. Ich bin noch nie 1.500m am Stück gekrault, überhaupt habe ich erst im März angefangen, die effizienteste Schwimmlage zu erlernen. Der Neoprenanzug von Tri11, den ich am Mittwoch ausleihen werde, wird mich hoffentlich unterstützen. Schwimmflügel wären beim Kraulen eher hinderlich.

Von geplanten 18 Kraft- und Rumpfstabi- sowie zwölf Lauf-ABC-Einheiten habe ich etwa elf und sieben absolviert. Viermal bin ich losgelaufen oder gefahren, ohne mir nochmal eingeprägt zu haben, was ich eigentlich genau trainieren soll.

Das war alles ganz anders vorgesehen. Und dann kam das ganz normale Leben. Und ich fragte mich, wie das eigentlich diejenigen machen, die auf eine Mittel- oder gar eine Langdistanz trainieren. Seit drei Wochen dann völlig Kraut und Rüben, denn bei meinem Vater in der fernen Eifel wurde Krebs diagnostiziert. Da wollte ich dann dabei sein, als er ins Krankenhaus kam, habe ihn direkt nach der OP leiden gesehen und gestern - schon viel, viel weiter genesen als erhofft - wieder Lächeln und Lachen. Beruhigt ging es gestern Abend wieder über die Autobahn heim, er hat mir viel Erfolg gewünscht.

Diese extreme Erfahrung bezüglich der Prioritäten war nützlich. Wenn ich in einer Woche zu meiner ersten Olympischen Distanz, zu meinem ersten Triathlon überhaupt mit Neopren und Kraulen und elektronischer Zeitnahme, starten werde, wird es das sein, was es ist: Mein Debut und eine Freizeitaktivität. Kein Rennen gegen die Firmenkollegen. Kein Beweis, dass man bei der ersten Teilnahme trotz ewig langer Wechselzone unter 140 Minuten bleiben kann. "Bei ihrem ersten Triathlon müssen Sie gar nichts, außer Spaß haben", schrieb mal ein Zeitschriftenredakteur sehr weise. Das allerdings sollte tatsächlich drin sein.

Ich werde jetzt noch die zu kurzen Griffe meines Aero-Aufsatzes ein wenig nach innen schwenken, nochmal die Hakenpedale am alten Aluprügel montieren und dann zur letzten "richtigen" Trainingseinheit - zwei Stunden GA1 auf dem Rad und einer halben Stunde GA1 in den Laufschuhen - aufbrechen. Doch, ja. Spaß sollte wirklich möglich sein. Auch für mich als ziemlich blutigen Anfänger.

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (10 Wertungen)

sehr spannend! Bitte, bitte

sehr spannend!
Bitte, bitte lass uns wissen, wie es ausgegangen ist!
Ich finde Tria ja sowas von cool und bewundere jeden, der sich traut. Ich nämlich nicht...
Ich wünsch dir viel Glück, du schaffst das schon! Und Spass sowieso :-)))

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

So was machst du!?

Dann wünsche ich dir viel Spaß und viel Glück für dein Debüt und deinem Vater wünsche ich alles Gute.
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LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

medium rare

kann doch eine sehr gute Basis für einen ganz besonderen Genuss sein! Ich drück dir die Daumen dafür.

Deinem Vater wünsche ich, dass er seine Erkrankung Rest-los überwindet!

Volker



Jogmap Schleswig-Holstein - neongelb beflügelt

Für's Schwimmen

dann noch die Bleifüße ab und die Flossen anschrauben :kicher: und alles wird gut! Du machst das. Und wieso bitte willst Du in 140 Minuten mit dem Spaß schon durch sein?

Wir harren des Berichts! Bitte unbedingt Vollzug melden. Köstlich.

Alles Gute

du machst das schon und dann erwarten wir natürlich einen schönen Wettkampfbericht ;-)

lg us de Schwiiz,

deine Buddy Flora Hessensis

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Hab Spaß!

Wenn Du die Weisheit des Zeitschriftenredakteur beherzigst, kann gar nichts mehr schief gehen.
Genieße es und habe Spaß.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Und immer schön nervös bleiben...

...viel Spaß am kommenden Sonntag und Du hast die Prioritäten schon richtig gesetzt!

ZüperOli

Ach Rü,...:o)

perfekt englisch wird es doch beim ersten Mal nie, also genieße es einfach und sauge dieses Flair einfach in Dich auf. Ich glaube, es passt zu Dir, wobei Du sicherlich das Langstrecken-/Ultradenken dort etwas vermissen wirst, alles so hecktisch und viel Krempel und so...aber es macht unglaublichen Spaß, egal, ob VD/OD/MD oder LD!!
Du musst Dich auf so viele verschiedene Dinge einstellen, dass selten alles perfekt werden kann.
Da kannst Dir Deinen Radrahmen vollkleben mit Gels und Riegel, wenn Du willst!
Damit verunstalten sogar die Profis ihre unglaublich schicken Boliden...mit ganz einfachem Kreppklebeband, womit Ersatzschlauch und auch Werkzeug befestigt werden, weil Satteltasche ja unairodynamisch ist.
Das Auge darf ruhig leiden! ;o)
Hey, mach Dir einen richtigen Spaß daraus, denn es wird viel zu schnell vorbei sein!!
Prioritäten sind jeden Tag neu und anders.
Da passt ein Plan oft gar nicht und man ärgert sich nur über die Nichterfüllung und wird unsicher. Nicht nötig, geht auch ohne, hauptsache die Grundlagen passen und Erfahrungen muss man einfach sammeln, daran kommt man nicht vorbei, keiner!!
Gut, dass es Deinem Pa wieder besser geht und er Dir Erfolg wünscht!
Er kennt Dich am besten! :o)

Ich wünsche Dir auch Erfolg, aber noch viel mehr Spaß dabei!
Rock it und lass Dich nicht plattschwimmen, die Kerls sind da knüppelhart! ;o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

"Bei ihrem ersten Triathlon

"Bei ihrem ersten Triathlon müssen Sie gar nichts, außer Spaß haben", schrieb mal ein Zeitschriftenredakteur sehr weise.

Genau so ist das. Ich wünsch Dir viel Spaß und laß Dir Zeit - bezahlt ist schließlich bezahlt *grins*

Alles Gute für Deinen Vater.

LG

nich lang schnacken...

...lass ma knacken! ab ins wasser, auf´s rad, in die laufschuh!
du machst das schon... :-)
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laufend glaubt an rü: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

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