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Gestern war wieder einer von diesen perfekten Läufen.
Nach 10 Tagen, gefüllt mit nur einer Waldrunde von 10km musste ich einfach wieder ausprobieren, was die Wade sportlicher Aktivität zu entgegnen hat. Es war mit Sicherheit keine gute Idee, hierfür die neuen Saucony Kinvara zu tragen, die bisher nur die Aschebahn vom Tempotraining kannten und dort zwecks langsamer Umgewöhnung auf weniger Dämpfung auch vorerst bleiben sollten. Aber was soll ich sagen? Kein Schmerz, kein Dichtmachen des Muskels, kein Ziepen. Besser hätte es nicht laufen können.
Vor gut drei Wochen hatte bei besagten Intervallen auf der Bahn (schöne 500-400-300-200-100) die rechte Wade zugemacht. Bei weiteren Läufen schmerzte der Muskel merklich punktuell, sodass ich abbrechen musste. Anschließend wanderte der Schmerzpunkt runter Richtung Achillessehne --> Alarmglocken an!! So einen Mist sollte man unter keinen Umständen manifestieren lassen…
Zwei Wochen starke Laufreduktion und Umstellung auf Radfahren haben offensichtlich schon gewirkt. Dazu gelegentliches Ausrollen der Wade mit einem Tennisball und zack… Der perfekte Lauf.
Vor zwei Jahren laborierte ich an derlei Geschichten gut dreimal so lang. Der stetige Fortschritt im Lauftraining ist unverkennbar und zeigt so deutlich wie sonst fast nirgendwo, dass sich Einsatz, Disziplin und Ausdauer lohnen können.
Bin ich im letzten Jahr zum ersten Mal über 1000km gelaufen, sind es 2013 bisher schon gut 700. Eindeutiger Höhepunkt war der Hermann. Hierzu gab es sehr ausführliche und schöne Berichte, die ich nur unterschreiben kann. Örlinghausen war unvergleichbar. Meine längsten Vorbereitungsläufe gingen über 25km, im Nachhinein war ich zu schlecht vorbereitet und habe unfreiwillig überpacet. Am Morgen musste ich wegen überraschend kalter Temperaturen von kurzer Hose mit Taschen auf lange Tight umstellen und die Riegel mangels Platz meinem Mitläufer anvertrauen. Und was ist passiert? Bei KM10 haben wir uns nach einer Pinkelpause verloren und er dachte, ich hätte Ihn in der Zwischenzeit überholt. Also lief er schneller, um mich einzuholen. Mit meinem Proviant !! Bei Km20 hatte ICH IHN endlich wieder und war bei Km25 völlig platt. Die letzten 6 waren kein Vergnügen mehr, haben mir aber gezeigt, wie viel eigentlich noch drin ist, obwohl man das Gefühl hat, jeden Moment einfach umzufallen und bei den Sanis aufzuwachen. Am Ende wollte mein Magen nichtmal mehr Tee annehmen. Beim Wechsel von Traben auf Gehen kam Schwindel auf. Finish war dann bei 3:16, für ein Debüt und geplante 3:30 garnicht mal so schlecht. Und es bleibt die Erinnerung an eine gigantische körperliche Erfahrung und Ausnahmesituation, gepaart mit unvergleichlichen Momenten auf der Laufstrecke. Und vor allem: DURCHGEHALTEN !
Auch sonst hat der Sport jeden Fitzel meiner Freizeit und des Alltages komplett erfasst. Ja, Laufen macht süchtig. Im Sportstudio lernte ich einen angehenden Physio kennen, der mich schon seit Monaten privat behandelt und berät. Eine Win-Win-Beziehung. Er lernt am praktischen Objekt, ich erfahre direkte Behandlung bei kleinen Zipperlein. Er hat mir die Teilnahme am Hermann ermöglicht und will mich noch bis zum ersten Marathon begleiten, der vorsichtig für nächstes Jahr ins Auge gefasst wird (Hannover oder Kassel).
Freitags ist Tempo- und Techniktraining mit dem örtlichen Triathlonverein. Lauftechnik hat sich nach vorsichtiger Selbsteinschätzung von Fünf auf Dreiminus verbessert.
Morgens beim Aussteigen aus der Bahn beobachte ich die Beinstellung von Passanten. Manche Menschen gehen wie Pinguine! Auch sonst gibt es allerlei interessante Variationen!
Neulich beim Treffen mit Kumpels am See: Sie hatten einen 11er-Kasten Bier dabei, ich war 30Minuten mit Fahrradanhänger und einjährigem Sohnemann angereist, war in Radtrikot und Klickis und passte nicht richtig ins Bild. Aber so fühl ich mich wirklich wie ich selbst.
Ein kleines Läufchen zum Sportstudio, viel befahrener Radweg in die Stadt. Ein älterer Herr schickt sich laaaangsam an, mich zu überholen, bleibt aber eine ganze Zeit lang hinter mir. Irgendwann überholt er, ruft mir zu: „Sie laufen zwölf Km/h“ --- „Oh, toll, oder?“ --- *er verzieht das Gesicht zu einem Lachen* „Jaaa kloar“ *fährt weiter*
Inspiriert von einem Blog der letzten Woche hier auf jogmap bin ich auch die 40km zur Arbeit mal mit dem Rad gefahren. 1:33h !Zurück mit Umweg am Mittellandkanal warens 52km, aber so schön, dass ich das jede Woche einmal versuchen möchte, wenn das Wetter mitspielt.
Was soll ich sagen, der Rest des Jahres wird noch voller Bewegung stecken. Und meine Botschaft an alle, die auch schlechte Zeiten im Training durchmachen: Dranbleiben, es lohnt sich! Durchhänger gehören dazu. Selbst den Profis ergeht es so. Man muss nur draus lernen und sein Training anpassen. Niemals den gleichen Fehler machen wie vor dem Zipperlein. Ursachen suchen, angehen. Besser machen. Menschen mit Ahnung fragen, wenn man nicht weiter weiß. Ihr macht das!
Und großen Dank an die jogmap-Verantwortlichen für diese Plattform!

4.6
Gesamtwertung: 4.6 (5 Wertungen)

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