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Es sind zwar noch 11 Tage bis es losgeht. Aber gefühlt habe ich seit vorgestern die Vorbereitung auf meine Triathlon-Langdistanz-Premiere bei den Ironman European Championships in Frankfurt abgeschlossen und werde die verbleibende Zeit dazu nutzen um Kraft zu tanken und nur noch in moderaten Einheiten meinen Körper immer wieder nochmal an das Tempo zu erinnern, was er denn am 7.Juli bei meinem längsten Tag des Jahres leisten soll.

Ein guter Zeitpunkt also für mich ein Resumé zu ziehen. Einen Blick zurück zu werfen auf die Entstehungsgeschichte der Idee, auf das permanente Auf und Ab in der Vorbereitung und einen Ausblick zu wagen, was mich wohl in Frankfurt erwarten wird. Es mag sein, dass es einige wiederholten Inhalte zu anderen Blogs gibt. Dennoch möchte ich die ganze Geschichte mal runterschreiben.

Die Idee

Es war der 23.Dezember 2011 - einer der ansonsten viel zu seltenen Tage, wo ich viel Ruhe und Zeit hatte mal zu mir selbst zu finden. Ich war schon bei meiner Familie in Köln und in Vorfreude auf die bevorstehenden Weihnachtstage. 2011 war das Jahr, in dem ich ernsthaft in den Wettkampf-Ausdauersport eingestiegen bin. Klar war ich vorher schon mal ein paar Volksläufe gelaufen, aber der Schlüsselmoment war wohl die Ziellinienüberquerung beim Düsseldorf-Marathon am 8.Mai. Eigentlich sollte es nur so eine Einmalgeschichte a la "hey, ich bin einen Marathon gelaufen" werden. Aber nachdem ich mit miserabler Vorbereitung das Ding in 4:13 Std. ins Ziel gerettet habe, war sofort der Gedanke da: "Das will ich nochmal erleben, aber dann mit Vorbereitung". Also habe ich angefangen leistungsorientiert Lauftraining aufzubauen und meine Marathonbestzeit in dem Jahr immerhin auf 3:32 Std. (Portland Marathon) verbessert.

Am 23.Dezember war dann aber der Moment, wo ich mit meiner Schwester einen faulen Vormittag machte und ihr erzählte, dass immer nur Laufen ja auch langweilig ist. Fahrradfahren würde mir sicher Spaß machen. Naja, und wer läuft und Rad fährt - der muss ja per Definition auch schwimmen. Es sollte Triathlon werden, die Entscheidung war gefallen.

Meine Schwester musste den Nachmittag arbeiten und ich fuhr nach Köln in die Stadt. Das mit dem Radfahren muss noch warten - so ein Rennrad (und das sollte es schon sein) kauft man nicht so im Vorbeigehen. Aber eine Badehose und Schwimmbrille kann man ja mal mitnehmen. Und zwei Bücher sollten es auch werden. Es wurde "Die Triathlon-Trainingsbibel" von Joe Friel und irgendwas a la "Das Ironman-8-Stundenprogramm". Und damit hatte ich auch schon den ersten Kardinalsfehler begangen. Triathlon ist nicht Ironman. Ironman ist nicht Triathlon. Ich wusste schon, dass es verschiedene Distanzen gibt und mehr als nur den jährlichen Triathlon auf Hawaii. Aber beim Kauf des Buches habe ich mich wohl eher von den Bildern, als dem Titel verleiten lassen.

Nach getätigtem Kauf setzte ich mich mit meiner Beute in ein Kaffee und blätterte mal durch. Da wurde mir schnell der Fehlkauf des Ironman-Buches bewusst. 3,8km schwimmen, 180km Radfahren und dann einen Marathon laufen. Völlig undenkbar - wer schafft das denn? Und der Friel sah interessant aus, aber seeeehr wissenschaftlich. Den würde ich wieder rauskramen, wenn ich weiß wie sich Radfahren und Schwimmen anfühlt. Das mit dem Schwimmen sollte schnell gehen, Badehose und Schwimmbrille hatte ich ja schließlich auch in meinen Beute-Beuteln.

Nach dem Kaffee sollte es weiter auf den Weihnachtsmarkt am Dom gehen, wo meine Schwester Würstchen verkaufte. Es blieb bei dem Plan, denn auf halber Strecke musste ich mich übergeben und hatte erstmal ein paar Tage Magen-Darm-Grippe.

Die Anfänge - Radfahren und Schwimmen als Ergänzung zum Laufen

Als ich dann am zweiten Weihnachtsfeiertag morgens nicht mehr mit einem grün-blauen Gesicht vor dem Spiegel stand, sollte es ins Schwimmbad gehen. Das Internet verkündete, dass so gut wie alles in der Umgebung zu hatte. Aber der gerade neu eröffnete Lentpark in Köln sollte die Möglichkeit bieten ein paar Bahnen zu ziehen.

Man muss dazu vielleicht noch sagen, dass ich Schwimmen schon immer gehasst habe. Im Sportunterricht war ich es gewohnt in allen Sportarten unter den Besten zu sein. Im Schwimmen nicht - also hasste ich es. Und versuchte auch gar nicht besser zu werden. Das wurde mir dann auch im Lentpark bitter bewusst. Na Prima, da würde ja noch einiges auf mich zukommen. Brustschwimmend kam ich zwar halbwegs vorwärts. Aber nach 2-3 Bahnen war selbst so schon eine Pause notwendig. Kraulschwimmen hatte ich nie gelernt, sah aber im Fernsehen doch recht einfach aus. Diese Illusion legte ich komplett ab, als ich versuchte die Bewegung zu imitieren und nach 10 Metern fast ertrunken wäre.

Meine erste Radausfahrt kam dann im März. Den Januar hatte ich dazu genutzt mich mal umzuhören und das Internet auswendig zu lernen, wo und was für ein Rennrad man wohl als Einsteiger käuflich erwirbt. Es wurde schnell klar, dass es Canyon werden sollte - die gewinnen überdurchschnittlich viele Tests. Und durch den Direktversand sind die Preise sehr fair - das war als mitten im Scheidungsprozess befindlicher Mann auch ein wichtiges Argument. Und als es dann auch noch das in meiner Größe passende Einsteigermodell im Outlet zum nochmal vergünstigten Preis von 829 EUR gab (es war ein Testbike für einen Journalisten, der es getestet hat), habe ich bestellt.

So stand mein Rad fertig für seinen ersten Einsatz in der Wohnung, aber draußen war noch Winter. Also war Geduld gefragt. Weniger Geduld hatte ich dann im Plan, wie ich das Thema Radfahren angehen sollte. Bevor ich zum ersten Mal auf meinem Rennrad saß, war ich schon für das Jedermann-Rennen "Rund um Köln" gemeldet. Wenn ich einen Marathon laufe, dann werde ich die 128km wohl auch noch schaffen. Und die führen schließlich zweimal durch Bensberg, also das Dorf wo meine Familie wohnt und die Idee vom Triathlon geboren wurde.

Da sich der Winter noch hinzog, war Rund um Köln (Ostermontag, 8.April 2012) das dritte Mal, dass ich auf meinem Drahtesel saß. Und es wäre fast das letzte Mal gewesen, denn nach einem geplatzten Hinterreifen auf einer 50km/h-Abfahrt, 4,5 Stunden bei 6 Grad und Dauerregen, hätte ich das Rad beinahe zum Verkauf in ebay gestellt.

Im weiteren Verlauf des Jahres näherte ich mich aber beiden Sportarten. Im Schwimmen eher mühsam - der Ansatz über Selbstversuche und Recherche im Internet sollte mich in der technischsten der drei Triathlon-Disziplinen nicht wirklich weiterbringen. Auch ein Wochenendworkshop beim Triathlon-Landestrainer Niedersachsens kam zu früh. Ich hatte noch nicht mal die Grundlagen um die Tipps und Übungen des Tages umzusetzen.

Auf dem Rennrad lief es besser. Muskuläre Beine hatte ich ja noch von meiner langjährigen Badmintonkarriere und die Umstellung der Muskulatur auf Radfahren verlief demzufolge recht gut. Ich fuhr noch einige Rennen des German Cycling Cups, der deutschen Jedermannmeisterschaft und konnte mich am Ende der Saison in den Rennen jeweils in der vorderen Hälfte der Ergebnislisten etablieren.

Trotz allem lag mein Fokus in dem Jahr noch auf dem Laufen. Ich stelle gerne ein Jahr unter ein Motto, bzw. Ziel. Für 2012 lautete das Ziel "Qualifikation für den Boston-Marathon", also eine Zeit unter 3:10 Std. zu laufen. Obwohl ich meine Laufleistung durch kontinuierliches Training weiter verbesserte, sollte ich dieses Ziel mehrfach knapp verfehlen. 3:12 (Hamburg), 3:16 (San Diego), 3:19 (Berlin) und 3:13 (Köln) lauteten meine Marathonzeiten in 2012. Die sub3:10 war aber leider nicht dabei.

Die ersten Triahlon-Wettkämpfe

Da ich mich im Sport gerne an meinen Herausforderungen entwickle, meldete ich auch für die ersten 3 kurzen Triathlons. Es sollten jeweils die Sprintdistanzen in Braunschweig, Hamburg und Celle werden.

Braunschweig war also die Premiere - und ich habe an diesem Tag viel gelernt. Im Schwimmen wäre ich fast ertrunken. Total übermütig habe ich mich mit den anderen Teilnehmern in den See gestürzt und nach ca. 50m quoll mir aufgrund nicht vorhandener Technik das Laktat schon aus den Ohren. Da mich alle anderen Teilnehmer ja noch überholen mussten und das neben, unter und über mir taten, hatte ich dann fast schon die Schnauze voll. Es ging nichts mehr...fast nichts...immerhin konnte ich mich brustschwimmend über Wasser halten und war der siebtschlechteste Schwimmer des Wettbewerbs. 4 Akteure hinter mir waren in der Altersklasse über 70(!). Auch beim Wechsel auf das Rad sollte ich Lehrgeld bezahlen. Ich hatte mir genau angelesen, wie man beim Wechsel Zeit spart und es lief auch super. Radschuhe schon eingeklickt, Fahrrad schnappen und aus der Wechselzone laufen, dann aufspringen, losfahren und während der Fahrt die Füße in die Schuhe schlüpfen und schließen. Soweit klappte dies auch und ich freute mich so sehr über diesen Teilerfolg, dass ich einen Moment unkonzentriert fuhr, in die Rille am Straßenrand geriet und einen filmreifen Sturz hinlegte. Ich brachte den Wettbewerb dann zwar zu Ende, daheim öffnete meine Schwester mir aber die Augen, als sie mir den Helm zeigte, der komplett gesprungen war. Sie war damals noch im Medizinstudium und sagte, dass so normalerweise die Schädelplatten von denen aussehen, die ohne Helm Fahrrad fahren. Also Glück gehabt.

Hamburg lief schon viel besser. Im Schwimmen die gleiche Katastrophe. Obwohl ich zwischenzeitlich mehrfach auf der Bahn die vollen 500m durchkraulte, ging im Wettkampf nichts und ich schleppte mich mühsam brustschwimmend in die Wechselzone. Allein dort überholte ich aber über 1000 Teilnehmer (Nachweis liefert die Ergebnisliste: Platz 1.921 nach dem Schwimmen, Platz 853 VOR dem Radfahren) und auch beim Radfahren und Laufen später viele viele weitere und so wurde ich am Ende 206. von 3.426 Finishern.

In Celle klappte es mit den Schwimmen erstmals besser. Gut die Hälfte legte ich kraulschwimmend zurück und profitierte noch davon, dass wir die 600m mit der Stromrichtung der Aller zurücklegen durften. Es war also immerhin ein Fortsschritt erkennbar.

Anmeldung für den Ironman Frankfurt

Wie schon gesagt - ich lebe von meinen Herausforderungen. Und so mitten in meinen ersten Triathlon-Wettkampferfahrungen wuchs dann doch der Plan mich an einer Langdistanz zu versuchen. Es ist halt die Königsdisziplin. Im Laufen eines Marathon kenne ich mich schon aus. Über 180km Rad war ich in meinem 2012er USA-Urlaub auch an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gefahren (Los Angeles - San Diego und zurück) und das mit dem Schwimmen sollte doch zu schaffen sein. Das Problem ist, dass die in Frage kommenden Wettbewerbe (es sollte schon eine Großveranstaltung mit viel Publikum und profesioneller Organisation sein) immer schon ein Jahr im Voraus ausgebucht sind. Es gab also nur die Optionen: Anmelden oder noch ein Jahr warten. Ich habe ehrlich gesagt nicht lange überlegt und mir einen Startplatz beim Ironman Frankfurt gesichert.

Als ich die Anmeldebestätigung bekam und die 515 EUR Teilnahmegebühr abgebucht wurden, lief es mir erstmal kalt den Rücken runter. Was habe ich denn bitte da getan?

Aber ich hatte bezahlt und dann will ich dafür ja auch was bekommen. Das war der Moment, wo ich den mitterweile eingestaubten Joe Friel wieder aus meinem Bücherregal kramte. Bei näherem Hinsehen merkte ich, dass es ein tolles Buch ist um sich einen individuellen Trainingsplan herzuleiten. Individuell war deshalb erforderlich, weil alle anderen Trainingspläne von Annahmen ausgehen, die ich nicht einhalten konnte. 7 Tage die Woche Training, Radtrainingslager im Frühjahr. Ich habe 3 Tage die Woche meinen Sohn, an diesen Tagen ist kein Platz für Training. Und mein Urlaub war auch schon für spannende Reisen mit meiner Freundin verplant - da war nix mit Trainingslager im Frühjahr.

Eifrig bastelte ich mir also meinen Trainingsplan zusammen, der sich an den Mindestvorgaben von Joe Friel orientierte. 35 Wochen Vorbereitung und etwa 600 Jahresstunden Training waren angesagt. Dann die Aufteilung der Vorbereitungszeit in einzelne Phasen, innerhalb der Phasen dann Mikrozyklen von Belastung und Regeneration. Heraus kam mein Trainingsplan, der am 5. November 2012 startete. Das Jahresmotto 2013 sollte das Finish meiner ersten Langdistanz werden.

Die Vorbereitungsphase

Die Vorbereitungsphase bestand aus 12 Wochen. Drei mal 4 Wochen, wobei hier noch kein ausgeprägter Mikrozyklus aus Be- und Entlastung enthalten war. Es galt für mich primär erstmal meinen Körper an die größeren Umfänge zu gewöhnen. Größere Umfänge bedeutete konkret, dass jede Woche 10 Stunden Training auf dem Programm standen. Ich habe gleich gemerkt, dass mein Körper allein schon mit dieser Aufgabe zu kämpfen hatte. Die ersten 4 Wochen kam ich zwar auf die geplanten Umfänge. Aber jeweils am Abend hatte mein Körper ordentlich was zu verarbeiten. Innerhalb der 4 Wochen merkte ich aber schon erste Teilerfolge, denn es fiel mir von Woche zu Woche leichter. Da ich im Winter nicht auf das Radtraining an der frischen Luft verzichten wollte, erstand ich entgegen jeglicher finanzieller Vernunft ein Mountain Bike - wie schon beim Rennrad sollte es das Einsteigermodell von Canyon werden.

Aber schon die ersten beiden Ausfahrten bei Eis und Schnee sollten sich rächen. Ich bekam eine hartnäckige Nebenhöhlenentzündung. Konkret bedeutete dies, dass ich die Wochen 5 bis 7 meines Trainingsplans in Summe 8 der eigentlich geforderten 30 Trainingsstunden absolvierte. Erst in Woche 8, die Woche nach Weihnachten, begann ich wieder mit meinem Trainingsrhythmus.

Die Grundlagenphase

Ein geplanter Südafrikaurlaub, wo ich 2 Wochen meine Freundin besuchte und möglichst wenig trainieren wollte, machte eine leichte Umstellung des Phasenmodells erforderlich. Aber das war mit den Philosophien des Joe Friels auch vereinbar. Im Januar zog ich die 4wöchige Grundlagen 1-Phase vor, was bedeutete, dass die Umfänge erstmals von Woche zu Woche weiter angestiegen sind um dann in der vierten Woche (= die erste Urlaubswoche) eine Regenerationswoche folgen zu lassen.

Von "Woche zu Woche ansteigen" bedeutete konkret aus meinem 10 Std./Woche-Rhythmus auszubrechen und 12, 14 und 16 Stunden zu trainieren. Dafür wurde ich im Urlaub mit geforderten 8,5 Stunden "belohnt". Hier erlebte ich in kurz die Erfahrung, die ich bereits an Anfang des Trainingsplans gemacht habe. Mein Körper hatte sich gerade an 10-Stunden-Wochen gewöhnt, da habe ich nochmal weiter verschärft. Während mir die 12 Stunden sehr schwer fielen, wuchs meine Panik vor den 16 Stunden. Dies galt es sogar in nur 4 Trainingstagen abzuwickeln, da ich Freitag schon in den Urlaub flog. Aber es wurde tatsächlich von Woche zu Woche besser und letztlich habe ich die 16 Stunden in einer Woche sogar geschafft. Ich habe zwar ein wenig gemogelt, da ich die lange Einheit vom Sonntag der Vorwoche mit einbezogen habe. Aber mein Körper rechnet ja nicht in Wochentagen - für den waren es einfach 16 Stunden innerhalb von 6 Kalendertagen. Ich fühlte mich gut und sah den Urlaub als Belohnung für die ganzen Mühen an.

Das Training in dieser zeit war von zwei wesentlichen Faktoren beeinflusst. Ich kam im Schwimmen nicht in der von mir gehofften Entwicklungs-Geschwindigkeit weiter. Also mussten erste Notfallmaßnahmen her. Ich trat dem BTSV Ölper bei und hatte somit ab Anfang Januar eine feste Schwimmeinheit pro Woche mit Trainer. Die ersten Male ging es tatsächlich sehr detailliert um meine Technik und ich bekam wertvolles Feedback zu meinem Kraulstil. Leider wechselte das in den Folgewochen, und schon bald bestand das Training mehr aus Bahnen keulen. Aber auch das war besser als nichts. So war ich wenigstens einmal die Woche verpflichtet meine Schwimmeinheiten zu machen. Und je mehr Übungen ich kannte und meine Einheiten dadurch auch abwechslungsreicher gestalten konnte, umso öfter ging ich dann auch selber schwimmen. Denn es war nicht mehr ganz so langweilig. Dennoch muss ich sagen, dass ich oft nach Schwimmeinheiten völlig resignierte. Es ging zwar langsam aber sicher vorwärts, ich verlor aber den Glauben daran, dass ich bis zum 7.Juli in der Lage sein werde 3800m zu schwimmen. Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, dann hätte ich definitiv meinen Startplatz zurückgezogen. Ich habe nicht daran geglaubt den Ironman ernsthaft finishen zu können. Da die Option aber nicht mehr bestand, blieb nur die Hoffnung, dass der Knoten noch platzt und ich irgendwie die erste Teildisziplin überstehen würde.

Ebenfalls das Training erschwert hat das extreme Wetter. Es war ein richtig kalter Winter. Und in Erinnerung an meine Nebenhöhlenentzündung wagte ich mich wochenlang nicht vor die Tür. So fand mein Training fast vollständig Indoor statt. D.h. Laufeinheiten auf dem Laufband und viel Indoor Cycling. Einerseits war ich überrascht, dass ich mich an die langweiligen Laufbandeinheiten gewöhnen konnte. Andererseits merkte ich dann aber auch, dass eine weitere Erhöhung der Umfänge auf dem Laufband nicht mehr ging. Besseres Wetter musste her...

Doch alle Hoffnung brachte nichts und bis inklusive Mitte März war nur an Indoor-Training zu denken, da draußen zum Teil hohe Minusgrade herrschten. Der Wendepunkt sollte der Celler Wasalauf werden. Für den war ich gemeldet und der Plan war eigentlich dort mit dem Rennrad hinzufahren. Soweit der Plan - tatsächlich waren an dem Tag Schneegestöber und minus 7 Grad. Also habe ich auch von der Anreise mit dem MTB abgesehen. Aber der Lauf selber ging gut. Er sollte der Beweis werden, dass die ganzen mühsamen Laufbandeinheiten immerhin erfolgreich waren. Völlig ohne Vorahnung, wo ich leistungsmäßig stehe, finishte ich den 20km-Lauf in 1:28:31 Std. Das waren mindestens 5 Minuten schneller, als ich es mir selbst zugetraut hatte. Und so fing ich an zu grübeln, was ich wohl beim Berliner Halbmarathon und zwei Wochen später dem Hamburg Marathon leisten konnte. Beide Läufe waren eher als Trainingseinheit eingeplant und ich wollte sie eigentlich nicht voll laufen. Aber nach Celle war die Frage schon spannend, was so gehen könnte.

Zwei ungeplante Bestzeiten im Halbmarathon und Marathon

Berlin ging ich noch recht locker im Kopf an. Dort war ich im Vorjahr 1:29:52 Std. gelaufen, also unter der magischen 90-Minuten-Grenze. Somit hatte ich damals schon meinen Frieden mit dem Wettbewerb gemacht und war mir sicher, dass ich die Zeit in 2013 nicht verbessern konnte. Doch es war einer dieser besonderen Tage. Es war erstmals seit Wochen schöner blauer Himmel und mit etwa 7 Grad Außentemperatur auch keine Dauerfrostveranstaltung. Und es lief - ich bin einfach mal drauf losgelaufen, habe mir lange einen "Hasen" genommen, der mich in der eigentlich viel zu schnellen Pace weiter über die Strecke gezogen hat, bevor ich dann selbst merkte, dass ich ja einige Grundlagen gelegt hatte und im Gegensatz zu ihn das Tempo dann auch noch auf den letzten 3km halten konnte. Das Ergebnis war eine unfassbare 1:26:59 Std.. Eine Bestzeit von der ich sicher bin, dass sie noch mehrere Jahre Bestand haben wird.

Gleich anschließend begann mein Kopf zu arbeiten. Im Gegensatz zum Berliner Halbmarathon hatte ich mit dem Hamburg Marathon noch eine Rechnung offen. Da war noch das Ding mit der Boston-Qualizeit von sub3:10h. Nach den bekannten Umrechnungsfaktoren von Halbmarathon auf Marathon wäre auf Basis der Berlin-Zeit eine 3:04 bis 3:07 möglich gewesen. Jetzt war ich zu nah dran, als das ich es in Hamburg nicht drauf ankommen lassen wollte. Und als dann eine Woche vor Hamburg die Anschläge auf den Boston-Marathon passierten, rief ich das Motto "Jetzt erst recht!" aus. Ich wollte 2014 in Boston dabei sein und dazu brauchte ich die sub3:10. Gleichzeitig hatte ich aber auch Angst zu verkrampfen, denn die Zeit in Berlin war wahrscheinlich deshalb möglich, weil ich völlig locker und ohne Erwartungen ins Rennen gegangen bin.

Die Befürchtung sollte auch zum Teil eintreten. Es war ein anderer Tag als Berlin. Die Beine waren schwerer, meine eigenen Erwartungen höher. Aber andererseits hatte ich zu der Zeit die Grundschnelligkeit und auf Basis meines Trainingsplans hatte ich auch Vertrauen darin, dass ich hinten raus die Grundlagen gelegt habe um nicht einzubrechen. Es wurde ein Kampf, aber ich habe mit meinen Kräften gut gehaushaltet und ab km36 bewusst Tempo raus genommen. Ich wollte gar nichts riskieren und habe mich nicht von der durchaus möglichen 3:05 ode 3:06 verleiten lassen. Ich wollte die sub3:10 - und die wurde es in 3:08:41! Es gibt tolle Fotos von mir vom Zieldurchlauf. Ich habe mich noch nie so sehr über ein sportliches Ergebnis gefreut. Ein Jahr lang war ich dieser Zeit hinterhergelaufen und nun hatte ich sie schwarz auf weiß. Was sie wirklich wert ist, wird sich im September zeigen, wenn die Anmeldung für Boston läuft. Wegen der Anschläge soll sich die Nachfrage nach Startplätzen um den Faktor 15 erhöht haben. Derzeit rechnet man damit, dass man mindestens 5 Minuten unter Qualifikationszeit gelaufen sein muss um in Boston tatsächlich an den Start zu gehen. Ich bin nur 1:19 Minuten unter Qualifikationszeit. Aber das kann ich nicht mehr beeinflussen und bis zur Anmeldung im September werde ich auch definitiv keine Zeit unter 3:05 laufen können. Es bleibt also einfach nur die Hoffnung.

Im Nachgang des Hamburg Marathons habe ich dann vielleicht einen Fehler in der Ironman-Vorbereitung gemacht. Ich war mir zu sicher in der Laufform und andererseits heiß darauf endlich mehr Rad zu fahren. Also habe ich das Lauftraining vernachlässigt und jetzt merke ich doch zusehends, dass ich die Zeiten aus dem April nicht mehr annähernd laufen kann. Ich hätte es etwas ausgewogener machen müssen. Ende Mai bin ich noch den Edinburgh-Marathon gelaufen. Dieser sollte ein Trainingslauf in der Pace, die ich den Marathon im Rahmen des Ironman laufen wollte (3:30Std). Aber es siegte die verlorene Laufform und unter allergrößten Schmerzen brachte ich diesen Marathon in 3:32 Std. ins Ziel. Die gleiche Zeit laufen, nachdem ich vorher 3,8km geschwommen und 180km Rad gefahren bin? Völlig undenkbar. Ich hoffe die Kurve noch genommen zu haben und habe das Lauftraining seither wieder ernster aufgenommen. Die letzten Tests gehen in die richtige Richtung, aber von der Illusion in Frankfurt eine 3:30 zu laufen, habe ich mich schon verabschiedet.

Die Zeit des Radfahrens

Der Hamburg-Marathon war auch gleichzeitig der Abschluss der insgesamt 12wöchigen Grundlagen-Phase. Jetzt sollte die 8wöchige (also 2x4 Wochen) Aufbauphase folgen, in der die Umfänge leicht zurück gingen, dafür aber die Intensität kräftig anstieg.

Im ersten 4-Wochen-Aufbauzyklus fuhr ich sehr viel Rad und auch drei Rennen des German Cycling Cups (Göttingen, Rund um Köln, Frankfurt). Das waren auch gute Trainingseinheiten umbei hoher Belastung über einen langen Zeitraum von bis zu 4 Stunden Sport zu machen. Da ich Göttingen und 'Rund um Köln' auch schon im Vorjahr gefahren war, hatte ich auch einen guten Vergleich zur Entwicklung meiner Radleistung. Insbesondere am Berg vernahm ich erfreulicherweise, dass ich die Zeiten über die gleichen Berge um 10-15% verbesserte. Und beim Rennen in Frankfurt hatte ich großen Spaß, als ich mit dem Feldberg (15,1km Anstieg, 653 Höhenmeter) erstmals einen Anstieg nahm, der auf großen Radrundfahrten in die Kategorie 1 eingeteilt würde.

Nach den drei Radrennen kam noch ein weiteres Spaßevent. Bei "London Revolution" wurde eine fixe Radstrecke ausgeschildert, auf der in an zwei aufeinanderfolgenden Tagen insgesamt 360 Rad-km, einmal großzügig rund um London gemacht habe. Hier habe ich dann am ersten Tag auch erstmals in 2013 Bekanntschaft mit der Ironman-Wettkampfdistanz von >180km gemacht. In Erinnerung bleiben wird mir aber noch mehr der zweite Tag, wo wir u.a. über Boxhill fuhren, dem Berg über den das olympische Radrennen 9mal führte. Außerdem war noch eine Runde auf dem Velodrom enthalten, wo 1948 die olympischen Bahnradwettbewerbe ausgetragen wurden. Und kurz vor dem Ziel ging es über die Tower Bridge. Eine gelungene Veranstaltung.

Dann kam aber die Erkenntnis, dass ich nur mit Radtraining den Ironman auch nicht finishen werde und stellte den Fokus wieder ganz auf Triathlon um. Insbesondere für das Schwimmen stellte ich einen Notfallplan auf. Ich hatte mich zwar sicher weiter verbessert, aber jetzt galt es sicherzustellen, dass ich irgendwie die 3,8km absolviert kriege. Also setzte ich ein Mikroprogramm unter dem Motto "Raus aus der Komfortzone" auf und schwamm alles an Freiwasser, was ging. Erst noch eine Trainingseinheit über immerhin 2,4km, dann die olympische Distanz beim Peine-Triathlon. Ich nahm am Testschwimmen des Ironman Frankfurt teil, wo ich dann tatsächlich erstmals die vollen 3,8km schwamm und tags drauf folgte dann noch die Mitteldistanz des Bad Bodenteich Triathlons, wo der Schwimmsplit auch auf 2000m verlängert war. Die Erkenntnis war im Rahmen der Voraussetzungen ganz erfreulich. Ich bin und bleibe zwar ein sehr langsamer Schwimmer - aber durch das Freiwasser kamen bei mir keine wesentlichen zusätzlichen Probleme hinzu. Außerdem habe ich beim Testschwimmen bewiesen, dass ich die 3,8km schwimmen kann - und das schon im Orginalgewässer des Ironman. Das war sehr wichtig für den Kopf.

Außerdem musste ich das Lauftraining wieder intensivieren. Der Schock von Edinburgh saß im Kopf noch tief. So baute ich ein paar längere Läufe in meine Koppeltrainingseinheiten ein und lief noch einen echten langen Lauf 3 Wochen vor Frankfurt. Außerdem trat ich schon lang überfällig dem Triathlon-Team-Braunschweig bei, wo ich fortan einmal wöchentlich sowohl Lauftechnik-Übungen, als auch verschiedendste Intervalle laufe um meine Grundschnelligkeit wieder zu erhöhen.

Diese Trainingserfolge nahmen mir auch die wiedergewonnene Skepsis, ob und wie ich den Ironman finishen würde. Im Schwimm-Notprogramm festigte sich die Annahme, dass ich im Freiwasser ca. 2:15 - 2:20 pro 100m schwimmen kann, aber mit der Distanz und Ausdauer ganz gut zurecht komme. Es ist einfach nur eine Frage des Kopfes, denn so richtig Spaß macht mir das Schwimmen immer noch nicht.

In Peine legte ich dann einen sensationellen Radsplit über die 40km hin. Ich fuhr fast einen 37km/h-Schnitt und konnte die anschließenden 10km in auch noch akzeptablen 44 Minuten laufen. Die Mitteldistanz in Bad Bodenteich war da wieder etwas ernüchternd, denn ich kam auf dem Rad nur knapp über 30km/h, rannte dafür den Halbmarathon in ebenfalls akzeptablen 1:44 Std.. Zu dumm, dass ich dann am nächsten Tag realisierte, dass ich das Hinterrad am Rad leicht schief einsetzte und dieses über die kompletten 90km an der Bremse schleifte. Richtig peinlich, aber besser es passiert mir in Bad Bodenteich, als über die 180km in Frankfurt.

Fazit der Vorbereitung

Nach allem emotionalen Auf und Ab in der Vorbereitung, würde ich jetzt sagen, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten das beste rausgeholt habe. Ich habe mich weitgehend an den Trainingsplan gehalten und damit die Empfehlungen gehalten, die erfahrene Trainer an potentielle Langdistanzabsolventen aussprechen. Dennoch weiß ich natürlich jetzt schon, dass ich auch Fehler in der Vorbereitung gemacht habe. Ich habe lange Zeit das Schwimmen zu sehr vernachlässigt, weil es mir keinen Spaß machte. Mit etwas mehr Willen, wäre ich jetzt sicher 10 bis 20 Sekunden pro 100m schneller. Aber es reicht mir für den ersten Ironman zu wissen, dass ich die 3,8km schaffen kann ohne ernsthaft von der Cut-off-Zeit von 2:20 Std. gefährdet zu sein.

Und ich muss noch stärker darauf achten ausgewogen zu trainieren. Zu ausgeprägte Blöcke zu einzelnen Disziplinen bringen zwar jeweils dort etwas, aber die Form in den anderen muss ja auch gehalten werden. Die Schnelligkeit beim Laufen bleibt einem nicht erhalten, wenn man nicht ab und zu seine Muskeln auch wieder an die Schnelligkeit erinnert. Wenn man Triathlon macht, dann richtig. Und es macht keinen Sinn auf zu vielen Nebenschauplätzen zu agieren. Ok, ich werde wohl auch im nächsten Jahr einen Frühjahrsmarathon ins Auge nehmen - und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es Boston sein wird. Aber so witzig die Rennen des German Cycling Cups und zweitägige Rundfahrten um London auch sind. Es kostet doch wahnsinnig viel Zeit und birgt auch Risiken in den großen Fahrerfeldern mal zu stürzen. Wenn ich die Zeit ab/an Haustür rechne, dann hätte ich die gleiche Zeit besser für lange Radausfahrten nutzen sollen und wäre dennoch entspannter durch die Vorbereitung gegangen.

Toll ist aber - egal wie es am 7.Juli ausgeht - das Gefühl zu wissen, was man seinem Körper so beibringen kann, wenn man es vernünftig und planvoll angeht. Ich möchte Frankfurt finishen und habe nicht gleich noch ein ambitioniertes Zeitziel ausgerufen. Und allein das ich jetzt gerade fest damit rechne die Ziellinie zu überqueren macht mich stolz. Es fühlt sich einfach gut an und ich danke meinem Körper, dass er es völlig verletzungsfrei bislang mitgespielt hat.

Bevor ich in die Zukunft schaue ein paar Zahlen:
Ich habe seit Beginn meines Trainingsplans 364 Stunden Sport gemacht. Laut Trainingsplan vorgesehen wären sogar 406 gewesen, aber da kann ich mit Leben.

Verteilt auf die 3 Disziplinen entspricht dies:
- 93km Schwimmen (in 61:15 Std.)
- 4.861km Radfahren (in 168:30 Std.)
- 1.294km laufen (in 120:00 Std.)
- 14:15 Std. Athletik/Krafttraining

Ausblick 1: das Rennen

Ich habe es im letzten Absatz geschrieben. Mein persönliches Ziel ist die Finish-Linie. Das steht über allem. Ich habe in der Vorbereitung einen netten Mitakteur kennengelernt, der versucht die Hawaii-Quali zu erreichen. Er hatte mir zwischendurch Mut gemacht, dass ich bei meinem Leistungsvermögen auch mit einer Spitzenzeit im Bereich um 10:20 bis 10:35 Std. rechnen kann. Aber viele Gedanken und Gespräche wiederum mit anderen (langdistanzerfahrenen) Triathleten ergab, dass ich mich nicht mit einer Zeit stressen will. Ich will die Erfahrung machen und dabei auch noch einen Puffer lassen, dass ich mich für eine neue Langdistanz dann in der Zeit verbessern kann.

Aber - ok, es ist ein leichter Widerspruch zum letzten Absatz - man rechnet ja doch, was so realistisch gehen könnte. Im Schwimmen darf ich mir kein Zeitziel setzen - wenn ich da am Anfang zu viel will, dann drohe ich gar nicht anzukommen. Ich rechne mal mit den 1:29 Std., die ich beim Testschwimmen erreicht habe. Auf dem Rad fällt es mir schwer eine Zeit zu schätzen. Unter 6 Std. (30 km/h) sollten es auf jeden Fall sein. Eine 5:30 Std. (32,7km/h) halte ich für machbar und alles drunter wäre ein unerwarteter Zeitgewinn. Wenn ich es schaffe den Marathon durchzulaufen, dann hoffe ich auf eine zeit zwischen 3:30 und 3:45 Std.. Kommt aber nach rund 10 Stunden Sport der Mann mit dem Hammer und ich muss die letzten km gehen, dann kann es auch schnell eine 4:00 bis 4:30 Std. werden.

Zusammengesetzt ergibt sich also ein Zeitfenster zwischen 10:30 Std. - wenn es absolut optimal läuft - und 12:00 Std.. Aber auch wenn ich total zusamenbreche und eine Pause machen muss und erst nach 13 Stunden das Ziel erreiche, auch dann werde ich glücklich sein. Es zählt das Ankommen. Bestzeiten kann ich immernoch aufstellen.

Ausblick 2: Was kommt danach?

Ich habe diese Frage lange Zeit ausgeblendet. Kunststück, denn ich hatte ja auch keine Ahnung, was mich in der Vorbereitung und beim Ironman selber erwartet. So ganz konnte ich es aber doch nicht abwarten und habe jetzt mal ein paar Gedanken in die zweite Jahreshälfte und in 2014 verschwendet.

Der Rest 2013 muss ruhiger werden. Die letzten 35 Wochen waren eine unglaubliche Belastung für meinen Körper und meinen Kopf. Davon muss ich mich erstmal erholen. Fest steht aber gleichzeitig, dass ich dem Triathlonsport erhalten bleibe. Ich bin zu 99,9% sicher, dass es keinen "einmal und nie wieder"-Kurzschlusseffekt geben wird. Direkt nach Frankfurt geht es erstmal für 2 Wochen in den Urlaub. Trekking in der Mongolei steht auf dem Programm und ich werde weder Laufschuhe, Schwimmsachen, geschweige denn mein Fahrrad mitnehmen. Danach werde ich ganz langsam wieder einsteigen - in geringeren Umfängen. Und 3 Wettkampfziele für die zweite Jahreshälfte habe ich auch schon aufgetan.

Am 1.September bin ich bereits für die Mitteldistanz des Köln-Triathlon gemeldet. Das ist mein Heimspiel und ich hoffe dort viele bekannte Gesichter zu sehen. Auch dort werde ich ohne Zeitziel an den Start gehen. Schneller werden kann ich auch in 2014 - dazu gleich mehr. Als Event- und Stockholmliebhaber stehe ich kurz davor für den Stockholm-Triathlon am 25.August zu melden. Das ist das vorletzte Rennen der diesjährigen Kurzdistanz-WM und es gibt auch ein Jedermannrennen über die olympische Distanz. So kann ich nochmal die wunderschöne Stadt besichtigen, die besten Kurzdistanzler der Welt begutachten und auch selber ein wenig Sport machen. Und auf dem Weg dahin kann ich ja noch am 18.8. den Triathlon in Celle mitnehmen. Der ist quasi vor der Haustür und hat mir schon letztes Jahr gut gefallen.

Für den Winter möchte ich dann ein paar grundlegende Baustellen beseitigen. Ebenso, wie ich im Laufen, Radfahren und Schwimmen dieses Jahr einige Grundlagen gelegt habe, fehlt mir an anderer Stelle noch die Basis. Für ganz wichtig halte ich meine körperliche Grundverfassung. Ich habe in der Ironman-Vorbereitung eigentlich nur performanceorientiert trainiert. Mein Körper wird es mir aber danken, wenn ich meine Rumpfmuskulatur deutlich stabilisiere, Muskulatur am Oberkörper aufbaue und meine vielen verkürzten Muskelgruppen streche, streche, streche. Das wiederum soll die Grundlage für meine Ziele in 2014 legen. Die Basismuskulatur und Beweglichkeit soll mir helfen darauf noch mehr Performance aufzubauen und sicherzustellen, dass ich mich weiterhin unverletzt steigern kann.

Und 2014 möchte ich dann schneller werden. Wahrscheinlich wird mein Motto/Ziel für 2014 die Qualifikation für die Mitteldistanz-(Ironman 70.3-)Weltmeisterschaft in Mont-Tremblanc, Kanada. Von den Zeiten her sollte es möglich sein, wenngleich ich auch ein wenig Glück benötigen werde, da die Startplätze nach Platzierung in den Qualifikationsrennen vergeben werden und man nie weiß a) wer als Konkurrent teilnimmt und b) wer dann auch seinen potentiellen Startplatz in Anspruch nimmt oder auf den jeweils nächstplatzierten weitergegeben wird.

Die notwenige Zeitverbesserung soll im Wesentlichen durch deutlich verbesserte Technik beim Schwimmen kommen, sowie der Stabilisierung meiner Radleistung. Wenn es schaffe bis nächstes Jahr so im Mittelfeld aus dem Wasser zu kommen, dann meine Radleistung von Peine von 40 auf 90km ausdehne und abschließend den Halbmarathon in der Zeit von Berlin, zuzüglich eines realistischen Abschlages wegen vorheriger Disziplinen, laufen kann, dann sollte ich im Bereich von 5:00 Std. sein.

Aber das ist alles Zukunftsmusik - jetzt zählt Frankfurt und bis dahin sind es - wie gesagt - nur noch 11 Tage.

4.714285
Gesamtwertung: 4.7 (7 Wertungen)

Hut ab...

vor der Länge sowohl deines Vorhabens und der bis dahin gemachten Trainingseinheiten und auch (mit einem lachenden Auge) vor der Länge deines Blogs.

Ich bin selbst Newbie in Sachen Triathlon und bewundere immer die, die weiter als OD gehen. Mir wird es wohl bis OD reichen.

Ganz doll viel Erfolg wünsch ich dir, drück ganz fest die Daumen, dass du den Lohn deiner Mühen gut einfahren kannst.


Laufen formt Körper, Geist und Seele.
Distanz ist, was der Kopf drauß macht.

Ich habe alles gelesen!

Das hat zwar etwas gedauert, hat sich aber gelohnt. Ich bin sehr gespannt, wie du deine Vorbereitung im Wettkampf umsetzen kannst. Bin zwar selber Langdistanzunerfahren, glaube aber beurteilen zu können, dass du genug in den Beinen hast, um es zu schaffen.
Mein dringender Rat ist: Schau beim Fahrradfahren nicht auf die Zeit! Wenn Du dich zu sehr am Tacho festklammerst und hoffst, irgendeinen Schnitt mit Kampf zu erreichen, dann kann es Dir passieren, dass du zu viele Körner verschossen hast, bevor der MARATHON (das muß man sich hin und wieder vor Augen führen, dass es nicht "eben noch Laufen", sondern wirklich Marathon ist) beginnt.
Ich wünsche Dir alles Gute und drücke Dir heftig die Daumen.
Beste Grüße vom Kenianer
PS: Und wenn Du mir Deine Adresse zusendest, dann wäre ich bereit, dir für ein Finish als Sonderprämie einen weiteren Beitrag für deine Triathlonbibliothek zu schicken.
Barfuß aus dem Jogmap-Shop

Jaja, der Blog ist lang.

Jaja, der Blog ist lang. Aber nachdem ich den einen oder anderen Text zuletzt eher gekürzt habe um ihn leserlich zu halten, habe ich hier mal meinen ganzen Kopf leergeschrieben. Ich habe es im Zweifel für mich selbst gemacht, damit ich es in ein paar Monaten oder Jahren nochmal und nochmal lesen kann, wie es mir so erging. Wenn es doch ein paar Jogmapper gibt, die ganz bis zum Schluss kommen freut mich das, dann kann die Story nicht total langweilig sein ;-).

Danke für Eure aufbauenden Worte. Ich werde nach der Langdistanz ein Update geben. Aber wohl kürzer, denn wahrscheinlich werde ich noch nicht mal die Kraft haben meine Finger lang zu bewegen und zweitens geht es ja am Tag 2 nach der Langdistanz in die Mongolei...nicht nur ohne Trainings-Gerätschaften, sondern auch ohne Technik-Schnick-Schnack ;-)

Habe voller Interesse

diese Zusammenfassung gelesen. Das war spannend und überhaupt nicht langatmig, fand ich.
Du bist klasse vorbereitet. Und wenn nichts Unerwartetes dazwischenkommt, wirst du in 11 Tagen schon Ironman sein. Wahnsinn!
Meine Daumen sind gedrückt. toi, toi, toi!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Schöner Blog - interessante Wahrnehmung.....

....Denn du schreibst: "einer der ansonsten viel zu seltenen Tage, wo ich viel Ruhe und Zeit hatte mal zu mir selbst zu finden...".
Kann ich gar nicht nachvollziehen. Trainierst und läufst du für Geld oder für andere. Ist das alles bloß reiner Stress.
Wenn nicht, dann tust du das doch eigentlich nur für dich. Soll heissen, du hast viel Zeit für dich - oder?. Du füllst sie halt mit Sport - das ist doch gut so.
Ich wünsche dir viel Erfolg und warte auf die Erfolgsmeldung aus Frankfurt.

Hallo Eisenmann in spe,also

Hallo Eisenmann in spe,
also langweilig war das jetzt ganz sicher nicht!!! Im Gegenteil, ich fand es spannend, zu lesen, wie du über die Idee bis zur Entscheidung über Training bis hin kurz vor den Start gekommen bist. Ich kenne deine Gedankengänge und Zweifel gut!
Ich mach zwar kein Tria, habe aber dieses Jahr mneinen ersten Ultra gelaufen und das war ganz ähnlich. Unbedingt musst du uns erzählen, wie es war, wenn du über die finish Linie gelaufen bist!!!
Und ich finde triathlon dermaßen spannend, cool und herausfordernd, das ich nicht unbedingt ausschließen kann, es irgendwann nicht doch auch mal zu probieren. Muss ja nicht direkt die Langdistanz sein ;-)
Ich drück dir die Daumen und wünsche dir viel Glück, Erfolg und Spass!!

Ach ja und nochwas: Canyon Räder sind cool, ich habe auch eins :-))) ein MTB, ich liebe es...

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Eine mir fremde Welt....

..und dennoch habe ich diesen laaangen Blog gelesen und fand kein Wort zuviel darin.
Ich finde es sehr faszinierend, mit was für einer Langfristigkeit und Disziplin Du Dein Ziel verfolgst und dabei durchaus ehrgeizig, aber dennoch überhaupt nicht verbissen wirkst.
Ich wünsche Dir viel Glück für Dein Langdistanzdebüt!

Das liest sich so

professionell. Und ich bin mir sicher Du wirst Deinen Spaß in Frankfurt haben. Einen Punkt habe ich aber nicht gefunden: Ernährung im Wettkampf. Hast Du Dir dazu auch Gedanken gemacht? Würde mich wirklich interessieren.

Aber die Umfänge passen in mein alleinerziehende-berufstätige-Mutter-Budget nicht rein. Das muss mit weniger Aufwand gehen! Natürlich nicht in 10 h. Das 8-h-Buch hab ich auch im Regal :grins:

Danke! :o)

War total gefesselt von Deinem Blog.
Habs im Auto als Beifahrer auf der Autobahn bei der Schlängelfahrt durchs
Sauerland gelesen und mir wurde kotzschlecht...
Ich konnte einfach nicht aufhören, zu lesen!! ;o)

Man, Du bist verdammt gut vorbereitet und das wird bestimmt ne hammerstarke
Leistung, die Du da abliefern wirst!!
Beim lesen musste ich zwangsläufig auch an mein LD-Debüt eine Woche später in Roth denken...vielleicht war mir auch deshalb schlecht??!

Ich drück Dir ganz fest die Daumen und freue mich jetzt schon auf Deinen nachfolgenden Blog! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

der Bericht lohnt sich

unbedingt aufheben und mit dem strahlenden Finish füllen!!!

ich habe übrigens auch ein Canyon, mein Triarad ;-)

Bin sehr beeindruckt von deiner Disziplin und Zähigkeit, aber auch von der Ruhe (so scheint es mir jedenfalls). Ich habe es ja in Frankfurt 2011 auch probiert und bin am zweiten Cutoff gescheitert, allerdings habe ich in keiner Disziplin deine Zeiten aufzuweisen ;-))

Wünsche dir ganz viel Spaß, gute Nerven und einen schönen Wettkampf!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

HAB SPASS!

Ich glaube fest daran, dass das das wichtigeste ist! Ohne Spaß an diesem Sport kann ich mir die Quälerei (ja das passiert machmal) nicht vorstellen. Ich habe ja noch eine Woche mehr Zeit, werde am Wochenende nocheinmal kräftig reinhauen und dann herunter fahren.

Auch ich habe zum Anfang recht strickt nach Friel trainiert, habe es dann aber recht flott beiseite gelegt. Für mich hat das nicht funktioniert. Ich war im Frühjahr (hier: Winter) im Trainingscamp und konnte dort viele wertvolle Tipps, Tricks und Erfahrungen mitnehmen.

Viel Erfolg und berichte auf jeden Fall wie es war! Ich werde das Rennen sowieso verfolgen.

Keine Längenkritik!

Nicht missverstehen bitte!
Ich denke auch, vor allem tut es sich nach so langer Vorbereitungszeit auch gut, all das erlebte und erreichte von der Seele zu schreiben, den ideellen Ballast abzuwerfen, um dann entschieden leichter und lockerer an DEN start gehen zu können.

Ich drück dir fest die Daumen für ein gutes Gelingen. :-)


Laufen formt Körper, Geist und Seele.
Distanz ist, was der Kopf drauß macht.

danke!

für diese ausführliche Beschreibung!

Da bekommt man doch auch gleich Lust!!!
Ich werde den Blog auf jeden Fall merken und zum passenden Zeitpunkt (in der Vorbereitung auf meinen ersten Ironman (in 10 Jahren vielleicht ;-)) wieder rauskramen!

Ich würde mich freuen über einen Wettkampfbericht!

keine Rede von langweilig

im Gegenteil: sehr informativ, sehr detailliert, sehr persönlich - danke!

Daumendrückend grüßt
Volker



Jogmap Schleswig-Holstein - neongelb beflügelt

Ich habe ja den größten

Ich habe ja den größten Teil Deiner Vorbereitungen hier in den täglichen Buddy-Einträgen mitverfolgt, kenne viele Deiner Gedanken hinsichtlich der Planung und zum Verlauf des Plans, habe inzwischen ebenfalls den Friel durchgearbeitet bzw. trainiere mit Deiner Hilfe danach, und so kann ich sagen: Wenn Du (nach dem Tag X und dem wohlverdienten Urlaub natürlich) noch Deine Wettkampfanalyse machst, dann hast Du das umfangreiche und theoriereiche Werk perfekt in die Tat umgesetzt!

Respekt, ganz alleine hast Du für Dich beschlossen, DEINEN Plan für Dich und Deine Gegebenheiten zu schreiben, hast ihn erstellt, umgesetzt, durchgezogen, wenn nötig wohlüberlegt angepaßt und wußtest so wie von Friel gefordert in jedem Workout, was Du jetzt gerade warum tust. Und es hat funktioniert, Du hast nebenbei tolle neue PBs und persönliche Traumziele erreicht, Du bist gesund geblieben, Du hast Grenzen ausgelotet und verschoben, Du hast Dich selbst besser kennengelernt, und die gesamte Vorbereitung ist rund und in sich stimmig gelaufen. Ja, natürlich auch mit Fehlern, deren Erkennen und Korrigieren gehören zum Plan. Wenn nicht zu dem abgelaufenen dann zum langfristigen, der sich über weitere Saisons erstreckt und sukzessive Deine gesammelten Erfahrungen berücksichtigen wird.

Super gemacht, danke für diese genau-richtig-lange Zusammenfassung, Du kannst schon jetzt, wie auch immer der TagX verläuft, riesig stolz auf Dich sein!

LG Britta

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