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Gern wäre ich wieder in Grainau beim ZUT dabei gewesen. Der war allerdings diesmal nicht mit dem restlichen Leben kompatibel. Nachdem ich drei Wochen jeweils von montags bis freitags lehrgangsbedingt nicht zu Hause war, wollte ich nicht ohne die Familie in die Alpen reisen. Mal ganz davon abzusehen, dass dies für FrauCherry und die Zwillinge nicht zumutbar gewesen wäre.
Freitags nach dem Seminar Sack und Pack samt Familie einzusammeln und nach Grainau zu hetzen wäre auch nicht die optimale Lösung gewesen.

Deshalb wurde mein Sommerprogramm den Gegebenheiten angepasst: Tausche G. gegen G und ZUT gegen EUT. Grindelwald im Juli statt Grainau im Juni und Eiger statt Zugspitze. Die Rahmendaten sind fast identisch, nur dass im Schatten des Eiger zusätzliche 1400 (oder waren es 1700?) Höhenmeter warten. Und im Sommerfahrplan soll ja selbst der EUT ein Vorbereitungslauf sein! Alles andere, als ein Grund, sich auf die faule Haut zu legen!

Es war wieder höchste Zeit für einen längeren Lauf. Ein Stirnlampenlauf wäre auch wieder angebracht gewesen. Der favorisierte Stirnlampenlauf wäre nur eine Woche vor dem EUT, so kurz davor wollte ich keinen Lauf über 50km absolvieren.

Der andere sollte an dem Wochenende direkt nach dem Lehrgang, dann quasi „nur um die Ecke“, also einigermaßen Familienkompatibel sein. Deshalb meldete ich mich auf den letzten Drücker noch zum Fidelitas Nachtlauf in Karlsruhe an.

Nach der Einkaufsorgie mit der Familie auf die Schnelle in die Laufsachen geworfen, nebenbei den Track auf den Garmin gezogen, den Streckenplan betrachet und das Equipment gepackt. Das Startgelände war übersichtlich, ebenso die Läuferschar, alles unaufgeregt. Ultra eben. Staunte ich in der Vorwoche beim Höllenbergtrail, wie eine Dorfveranstaltung zum Event gepusht wird, so war es hier das krasse Gegenteil.
Lehrgangsabwesenheit, Unaufgeregtheit und Volkslauffeeling hatten zur Folge, dass die Dimension des Laufes bis zum Start noch nicht so recht in meinem Kopf angekommen war.

Toll war es, einige Leute zu treffen, die ich teilweise schon lange nicht mehr gesehen hatte: Mausux, Kawitzi, Mainrenner und Dietzrun sowie einige Verdächtige, die sich nicht im Jogmap-Universum tummeln.

Zu Beginn lief es ganz gut. Vielleicht zu gut und cherry65 etwas zu schnell. Obwohl durchschnittlich alle vier Kilometer ein VP war, führte ich einen Laufrucksack mit, weil ich diesen über den Sommer wieder öfter in der Welt umhertragen darf. Allerdings war ich froh drum, ihn dabei zu haben. Ich schwitzte so, dass ich zwischen den VP’s auch immer wieder am Trinkschlauch nuckelte.

Ok, zu Beginn waren einige sonnige Abschnitte über Felder, durch Stadtteile im Karlsruher Osten oder durch Industriegebiete, aber zu heiß war es nicht wirklich. Da war in der Woche vor dem Wettkampf schon extremeres geboten. Allerdings hatte ich um den Lehrgang herum eine Menge verschiedenster Sportarten ausgeübt. Vielleicht war auch das ein Grund, dass ich so viel Wasser durch meinen Körper schleusen musste.

Ich bemerkte, dass ich mich etwas bremsen musste. Das hat offenbar funktioniert. Bei km 23 überholte mich Kawitzi. Er schien so frisch zu sein, als sei er gerade an der letzten Ecke losgelaufen. Nach dem VP bei km 25 bot er sich an, mit mir mitzulaufen. Ich sagte ihm, dass er durchziehen solle, da er mir viel zu schnell war. Ich wäre gern mit ihm gelaufen, in diesem Moment war dies jedoch die richtige Entscheidung.
Ich hatte das Gefühl, was würden meine Beine langsam zu machen, als wäre der gewohnte Bewegungsspielraum etwas eingeschränkt. Mental wirkte sich dies nicht gerade positiv aus. Viele, die ich zuvor eingesammelt hatte, überholten mich nun wieder. Ich ließ mich jedoch nicht unterkriegen.

Etwa ab km 40 realisierte ich, dass es wieder besser lief, ein gutes Zeichen, schließlich war gerade mal die Hälfte der Strecke eingetütet. Nun musste dich meine eigenen Wasservorräte fast nicht mehr bemühen.

Bei km 45 war es an der Zeit, die Stirnlampe auszupacken, um sie bei Bedarf den Mondschein unterstützen zu lassen. Zugleich legte ich die Armlinge um die Handgelenke auf stand-by. Bald war es angenehmer die Arme bedeckt zu haben. Das ständig klatschnasse Shirt wärmte genug, dass ich keine Jacke benötigte, während viele andere Läufer schon in ihre geschlüpft waren.

In der Dunkelheit war tatsächlich ein trailiges Stück zu laufen, vielleicht 300 Meter lang. Die restliche Strecke war viel zu gut ausgebaut, um den Lauf als echtes Stirnlampenlauftraining für alpine Strecken durchgehen zu lassen.

Um Mitternacht kam ich am VP in Marxzell im Albtal an. Nun schlängelte sich der Weg dem Flüsschen entlang nach Ettlingen. Gelegentlich sausten Fledermäuse durch den Rand des Lichtkegels, ein paar Mal leuchteten tierische Augenpaare im dem Unterholz auf. Nun machte mir auch das kilometerlang durch den dunklen Wald Laufen nichts aus, ich war längst wieder recht gut drauf.

Nach dem Durchqueren des nächtlichen Ettlingen kamen wir bald wieder in vertrautes läuferisches Terrain.
Fast am Ende des letzten Waldstücks löste sich an einem Grillplatz gerade eine Party auf. Ein paar der jungen Leute klemmten sich an mich dran, liefen mit mir mit, in ihrem jugendlichen Überschwang auch mal rückwärts oder um mich rum. Ihre Sprache machte deutlich, dass ihre Vorfahren für einige Generationen hinter dem Ural gelebt haben. Sie waren ausgelassen und angeheitert. Doof wurden sie nicht, dennoch unterließ ich es, sie zur nächsten Ausgabe des Fidelitas Nachtlaufs als richtige Teilnehmer einzuladen.

Nun ging es noch an Sportgeländen vorbei, auf dem Rasen um einen Sportplatz herum durch das Zieltor.
Um 2:38 Uhr war ich ins Ziel gekommen. Im Laufe des Sonntags bekam ich mit, dass Marathon-Jan, mit dem ich im Vorjahr gemeinsam den ZUT überstanden hatte, fast zeitgleich in Grainau finishte.

Der Fidelitas Nachtlauf führt durch die Ausläufer des Nordschwarzwaldes in einem großen Bogen um den Karlsruher Osten, meist durch Wald und Feld. Eine ganze Reihe Ortschaften werden durchlaufen. Landschaftlich ist der Lauf ganz nett, die Strecke verläuft jedoch fast nur auf Asphalt und sehr gut ausgebauten Wald- und Feldwegen.

cherry65

4.666665
Gesamtwertung: 4.7 (3 Wertungen)

Mount Cherry,...:0)

Wir haben Dich vermisst und oft an Euch gedacht, aber manchmal passt es einfach nicht und man kann nicht alles haben. Du hast ja auch noch ein großes Highlight dieses Jahr, da sollte das Training schon angepasst sein! :0)
Am Jägersteig hatte ich Glück und kam dieses Mal im Hellen runter. Die das im Dunkeln machen mussten, hab ich nicht beneidet, das ist höllisch schwer!
Mit Deiner Erfahrung und Umsicht hast Du das glaub ich ganz gut im Griff, da mach ich mir keine Sorgen. Diese Nachtläufe gefallen mir trotzdem, wenn die mit Profil nicht immer so weit weg wären...:0)

Cherry ist bereit! Eindeutig!
Feinjustierung beim Tempo muss man immer wieder mal machen! ;0)
Gratuliere zum Mondscheinfinish! :0))

Lieben Gruss Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Armlinge auf stand-by

hihihihi, habe ich auch so gemacht. Es war schön, Dich mal wieder getroffen zu haben! Und für einen Trainingslauf warst du ganz schön fix. Bis bald mal wieder...keep it simple...

Der wäre dann wohl eher was für mich???

War ja schon länger auf der Liste...

Cherry wieder on tour, schön zu lesen! Und Armlinge stand by kenne ich auch ;-)))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Puhhh...

... ich hatte Glück,ich bin gerade noch im hellen rein gekommen *kicher*...
Nein, eigentlich wollte ja keiner mit mir Laufen, die haben mich alle fortgeschickt :0( !?

Und Mausux hatte mich solange mit seinem Rad begleitet, bis er den Geruch von Bratwurst in seiner Nase verspürt hatte
und dann trieb es auch Ihn ganz schnell davon...

Aber ich denke, wir beide werden irgendwann einmal ein Bergläufchen zusammen rocken, davon bin ich überzeugt ;0)...

Gruß,
Kaw.

Meine Motivation rennt nackig mit 'nem Cocktail über die Wiese.

War schön mit Euch. Gerne

War schön mit Euch. Gerne wäre ich noch ein wenig mitgefahren, aber die Bratwurst rief :-).

Hoch leben ...

... die Alternativprogramme ;-). Du wirst ganz sicher top vorbereitet sein, wenn es Ende August rund um den Mont Blanc geht-. Ich eher nicht ;-).

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Improvisation

Manchmal geht's nicht anders, wenn man so viel unter einem Hut bringen muss... und immer wieder machst du das beste daraus und lässt dich dabei sogar nicht mal vom Asphalt abschrecken! ;-)

Man kann nur auf einer Hochzeit tanzen,

aber wichtig ist doch, DAS man tanzt ;-)
Sehr schön!!!

Lieben Gruß
Tame

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