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Neue Bestleistung am Bocholter Aasee
Es war meine zehnte Teilnahme. Achtmal davon an der Mitteldistanz. Und direkt vorweg: Es war die beste Leistung, die ich in den Jahren dort über die längste Bocholter Distanz abgeliefert habe. Zumindest habe ich das nach ausgiebigem Studium aller Ergebnislisten und dem Erfinden eines geheimnisvollen Wertes festgestellt.
Es war gut. Zwar nicht unbedingt beim Schwimmen, wo ich nach einem intensiven Schwimmtraining in diesem Jahr auf ein pulverisieren der alten Splitzeiten gesetzt hatte und auch nicht ganz beim Radfahren, wo ich mich diesmal gegen all meine unvernünftigen Gepflogenheiten gepflegt zurückgehalten habe. Dafür aber beim Laufen. Die Disziplin, die ich wegen anhaltender Muskelbeschwerden am wenigsten trainiert habe (erbärmliche fünfhundert Jahreskilometer) war am Ende sogar die, auf der ich deutlich schneller war als in den letzten Jahren.
Das erkläre ich mir damit, dass ich zum einen durch die selbstgewählte Schonung auf der Radstrecke nicht wie ein halbtoter die dritte Disziplin anging und zum andern durch den Umstand, dass mich der mehrmonatige Verzicht auf gezuckertes in diesem Jahr um einige Kilo leichter an den Start hat gehen lassen.
Schwimmen also schwach. Ist schon etwas enttäuschend, wenn man so viel schwimmt wie nie zuvor im Leben, im Becken gute Ergebnisse erzielt, sich auf den Start freut und dann feststellen muss, dass die zwei Kilometer für persönliche Verhältnisse wirklich unterdurchschnittlich langsam waren (38 minuten plus irgendwas, und das im Neopren…).Anscheinend habe ich durch das Fehlen der geliebten Bodenmarkierung und meiner Vorliebe für störungsfreies Schwimmen am Rand des Feldes so viele Umwege geschwommen bin, dass am Ende wahrscheinlich 2300 Meter auf einer Garminauswertung stehen würden, wenn ich denn so etwas haben würde. Aber egal! Drei Minuten mehr oder weniger im Nassen spielen am Ende sowieso eine untergeordnete Rolle.
Beim Radfahren ließ ich es gemächlich angehen. Zunächst trieb mich Rückenwind über fünfzehn Kilometer zum Wendepunkt, danach aber der Gegenwind nicht mehr in die Verzweiflung. Zu oft habe ich hier mit noch höheren Werten auf der Beaufort Skala zu kämpfen gehabt, als dass mich die angekündigten 5er Böen noch schocken konnten. Der Seitenstreifen und das kleine Blatt wurden meine Freunde auf dem Rückweg und diesmal kam ich auch ohne Lutscherbonus und einem Schnitt von knapp unter 32 über die 91,5 Kilometer (so zeigte es zumindest mein Tacho an).
Laufen. Noch nie habe ich die Jagd auf die acht Armbänder so entspannt begonnen. Eh ich mich versah war die erste Hälfte rum. Die ersten vier Runden in einer Zeit von 51min. Erst gegen Ende des Rennens stockte das Uhrwerk. Das Tempo ließ nach und als ich am Ende der sechsten Runde überlegte, ob fünf weitere Kilometer jetzt wenig oder viel wären, traf mich doch die Härte einer Mitteldistanz. Letztes Jahr scheiterte ich noch meilenweit an einer Zeit unter 5.30h. Diesmal merkte ich kurz vor Schluss, dass sogar sub 5.20h drin wären. So quälte ich mir auf den letzten fünfhundert Metern den Hauch eines Endspurts ab, um dann mit leiser Enttäuschung auf der Stoppuhr exakt 5:20:00sec lesen zu müssen. Glücklicherweise hatten die Zeitmessmatten es anders registriert und tatsächlich stehe ich mit einer Zeit von 5.19.59sec in den Listen. Sechszehn Minuten schneller als im Vorjahr und Welten besser als 2010. Dafür aber langsamer als bspw. 2005 bei meiner Mitteldistanz Premiere.
Das Dilemma meiner persönlichen Aasee-Triathlon Geschichte ist aber, dass die Radstrecke immer wieder verändert wurde und zudem das Wetter nie gleich war. Waren es am Anfang noch deutlich unter achtzig Kilometer auf winkeligen Feldwegen, so sind es seit drei Jahren über neunzig auf einer schnurgeraden Bundesstraße. Und da die Wetterbedingungen 2011 und 2012 zum Weinen schlecht waren, lassen sich die Zeiten aus den Jahren nur bedingt mit der weitaus schnelleren heurigen Zeit vergleichen.
Was konnte ich also tun, um meine Ergebnisse einigermaßen korrekt zu bewerten? Was für konstante Messgrößen gibt es, die statistische Schlüsse zulassen?
Beim stundenlangen Studium der historischen Ergebnislisten kam mir die Idee. Immer wieder stieß ich auf die gleichen Namen, die mal vor und mal hinter mir landeten.
Sind es nicht die immer gleichen Grenzgänger, die mit mir die Leidenschaft fürs Selberquälen teilen? Ist es nicht eine vergleichbare Kontrollgruppe, die Menge an Startern, die sich Jahr für Jahr mit ähnlichem Leistungsvermögen auf die gleiche Strecke bei dann identischen Wetterbedingungen begibt. Wäre es da nicht valide, die eigene Platzierung innerhalb der Kontrollgruppe als unbestechlichen Maßstab zu nehmen? So kam ich auf den Ergebnislistenquotienten (ELQ), bei dem ich die eigene Platzierung durch die Summe der männlichen Gesamtstarter zu teilen. Ich zählte also die Summe der Männer am Start (incl. derjenigen, die aufgegeben haben, denn wenn man sich bei widrigen Bedingungen durchkämpf, sollten die Starter mitgezählt werden, die es nicht geschafft haben) und stellte sie meinem persönlichen Ergebnis gegenüber.
Und so ergaben sich für mich folgende Werte: 2005 wurde ich 41 von wenigen 56 Männern. Als Quotient ergibt sich 0.732. Wäre ich letzter geworden, so hätte mein ELQ logischerweise 1 sein müssen (56 durch 56). Als erster wäre ein ELQ von 0.017 herausgekommen. Je kleiner der Wert, umso besser, je näher an der 1, umso schlechter.
Für die folgenden Starts ergab sich dann folgendes: 2006 118/160 ELQ 0.7372
2007 139/167 dann ein sehr mauer ELQ 0.832
2008 116/173 ELQ 0.67
2010 140/208 ELQ 0.67
2011 134/175 ELQ 0.76
2012: 120/171 ELQ 0.70
Und dann…. Tusch…!!!
2013: 117/184 mit dem sagenhaften Ergebnislistenquotienten von 0.63!!!! So weit vorne bin ich also noch nie im Feld der Bocholter Mitteldistanz gelandet.
Nächste Woche ist Düsseldorf dran. Und da ich auf kürzeren Distanzen weniger hartgesottene Mitstreiter habe, hoffe ich meinen Quotienten aus dem letzten Jahr (100er von 360 Startern. ELQ 0.27) noch senken zu können.

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

ELQ...

...gefällt mir :-)

Glückwunsch!

Mein Taschenrechner ist gezückt und ich mach mich mal gleich dran meine ELQs auszurechnen. Allerdings habe ich wenig Hoffnung eine ELQ-Verbesserung zu errechnen, denn diese blöden Weiber werden alle immer schneller, da kann ich gar nicht gegen an trainieren ;O).

ELQ

auf solche Begriffe wie QF (Quälix-Faktor), ELQ (Ergebnislistenquotient), PB (persönliche Bestzeit / -leistung) kommt man wohl nur im Alter!

Tolle Sache, das in Bocholt, und wesentlich günstiger zu haben als irgendein "Namens"vertreter. Und da Du schon vorher eine Lanze dafür gebrochen hast - auch in der Nachbetrachtung absolut empfehlenswert!

Glückwunsch zum besten MD-ELQ!

Ist ja aus dem Schachsport bekannt...

;-)

"Wenn Du eines Tages vor den großen Schiedsrichter trittst, so wird er Dich nicht fragen, ob Du gewonnen hast, sondern wie Du gespielt hast."

Im Schach heißt es ELO,

ELQ kannst Du Dir noch beim Patentamt patentieren lassen.
Zu empfehlen ist das europäische Patentamt, die patentieren fast Alles, sogar Brokkoli, wie ich kürzlich lesen durfte.

Den ELQ kann man durch Berücksichtigung der Altersklassen noch verfeinern, in dem man einen Altersklassen-ELQ einführt oder untersucht, wie eine Altersklasse sich zum gesamten Starterfeld verhält. Ein weites Feld für einen Statistik-Freak.

Für Dein Heimspiel im Düsseldorfer Hafenwasser wünsche ich Dir viel Erfolg.

LG
krowil

06.Juli Himmelgeister HM ?
01.Sept Kö-Lauf
13.Okt Köln HM

ELO kannte ich bislang wirklich nicht!

Habe mich mal schlau gemacht. Ist aber weitaus komplizierter zu berechnen und viel komplexer als der ELQ.
Die Anregung mit Vergleichen von Altersklassen finde ich sehr interessant.
Ich persönlich finde es spannend, herauszufinden welchen durchschnittlichen ELQ ich auf verschiedenen Distanzen habe. Bie Volkstriathlons und Veranstaltungen mit hohem Eventcharakter habe ich aufgrund schwächerer Mitstarter häufig viel bessere WErte als bei Vereinsorganisierten Mitteldistanzen, die eher hartgesottene Sportler anlockt.

Schöne Rechnerei

Das muss ich auch so feststellen.
Im letzten Jahr beim Triathlon in Hamburg, mehr Event geht nicht, hatte ich einen ELQ von 0,0659...das stimmt, Platz 70 von 1069 und in Peine, wo auch die Niedersächsische Landesmeisterschaft ausgetragen wird, hatte ich einen ELQ von 0.67.

Glückwunsch erstmal zum klasse Wettkampf!

Der ELQ ist eine geniale Idee, lieber Kenianer. Werde ich mir merken und anwenden.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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