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Am Samstagnachmittag machte ich mich auf den Weg ins Südwestpfälzische Spirkelbach zur Höllenberg Trail Trophy.
10 Kilometer standen auf der Tagesordnung. Start war um 15 Uhr. Die 25 Grad fühlten sich bei reichlich vielen Wolken gar nicht so übel an.
Im Startbereich wurde mit Bombast-Rock und immer wieder mit Wolfgang Petrys Liedausschnitt „So ein Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle – Hölle, Hölle, Hölle“ eingeheizt.

Nach ein paar Hundert Meter waren wir aus dem Ort draußen und stiegen in die Trails ein, zunächst auf dem Kleinen Rauhberg. Ich startete verhalten, um nicht auf den ersten Kilometern zu überpacen. 135 Höhenmeter waren hier zu erklimmen und wir kamen an einer imposanten Buntsandsteinformation vorbei, dann folgte der erste Downhill, auf dem ich die ersten Läufer einsammelte.
Etwa bei km 3,5 durchquerten wir den Ort und den Start/Zielbereich in dessen Zentrum. Es folgte der steile 160-Meter-Anstieg auf einen Sattel des Höllenberges. Auf dem Trail war ein Überholen nur selten möglich, der Wunsch dazu keimte allerdings nicht viel öfter auf.

Jenseits des Bergsattels gaben wir wieder eine Menge Höhenmeter ab, nur damit wir auf dem felsigen Serpentinenpfad wieder heftig um 180 Höhenmeter zum Gipfel des Höllenberges aufsteigen konnten. Im Vorbeilaufen genoss ich die wunderbare Aussicht an einer Lichtung im Wald. Einzelne Läufer konnte ich auch dort einsammeln. Ebenso wie auf dem Abstieg auf den Bergsattel, den wir zuvor überquert hatten. Nun liefen wir längs auf dem Bergkamm entlang. Auf der zunächst sanft ansteigenden Strecke kam ich gut voran. Der Pfad wurde nun immer steiler, gefühlt lief ich jedoch locker und mit unvermindertem Tempo weiter. In der Realität dürfte ich schon etwas langsamer geworden sein. Ein paar Läufer sackte ich auch hier ein.
Hier waren einige Familien und vor allem viele Kinder mit Bambini-Lauf-Startnummern, die uns anfeuerten.
Am Ende des Steilstücks hatten wir schon wieder 75 Höhenmeter gewonnen und ich bedauerte fast ein wenig, dass es schon vorbei war.

Ungefähr 1½ Kilometer vor dem Ziel bogen wir auf einen herrlichen Serpentinenpfad zum finalen Downhill ein. Ich kachelte herunter, was das Zeug hielt. Bei den Kehren hatte ich das Gefühl, dass ein nachfolgender Läufer immer näher käme. Er schaffte es allerdings nicht, an mich heranzukommen. Am Ende der Serpentinen –es ging immer noch bergab- kam ich zu den nächsten Läufern fast auf Tuchfühlung. Noch ein paar Hundert Meter flach auf einem Weg an einer Ziegenwiese vorbei, über ein kleines Holzbrückchen, dann war das Zieltor schon fast erreicht.
Im Ziel war über ein Podest zu rennen, rechts und links schossen neben jedem Zieleinläufer Flammen empor. Bei meinem Zieleinlauf sang Freddie Mercury „I want it all, I want it now“. Ein solches Gänsehautfeeling erlebte ich bei einem 10er noch nie zuvor.
Mit meinen 1:03:51 Stunden bin ich ganz zufrieden, schließlich verteilten sich 550 Höhenmeter auf die Strecke. Zum Ende des Laufes vor allem beim Downhill hatte ich so viel Adrenalin freigesetzt, dass von Müdigkeit oder Erschöpfung keine Spur zu entdecken war

Das Nachlaufessen, für den ein Bon bei den Startunterlagen war, war lecker und mit Liebe zubereitet.

Die Läufer, die es wollten, konnten oder brauchten, durften anschließend noch eine 20-km-Runde auf ihrem Mountainbike drehen. Man konnte den Run, die MTB-Tour, beides zusammen als Einzelstarter oder als Team Läufer/Biker buchen.

Wer wissen möchte, wie man einen Volkslauf, wie es ihn in fast jedem Dorf gibt und die oft austauschbar sind, zu einem tollen Event boostet, sollte sich mal die Höllenberg Trail Trophy betrachten. Diese klasse Trails hat allerdings nicht jeder, um solch eine Veranstaltung aufzuziehen.
I’ll be back!

Zusatz:
Manchmal bin ich ein braver Ehemann, der auf seine Frau hört. Bevor ich mich nach Spirkelbach auf den Weg machte, schlug sie vor, dass ich ja nach dem Lauf noch eine Runde drehen könne, um den Sonntag ganz der Familie zu widmen. Für mich dachte ich, dass ein Läufchen nach dem Wettkampf ja mal gar nicht ginge.
Nach dem Nachlaufessen mit Sportsfreunden, fragte ich mich, warum eigentlich nicht? Ich fühlte mich immer noch zum Bäume ausreißen. Deshalb legte ich auf der Rückfahrt in Albersweiler einen Stopp ein, rannte in gemäßigterem Tempo auf den Orensberg und kreiselte auf dem oberen Abschnitt. Dabei sammelte ich auf 13,5 Kilometer nochmals 800 Höhenmeter.

Weil ich derzeit von montags bis freitags am Rande der Schwäbischen Alb auf einem Lehrgang bin, hatte ich die Möglichkeit, jeden Lauf auf profiliertem Terrain zu machen. So kamen diese Woche immerhin über 2900 Höhenmeter bei 73 Streckenkilometer zusammen. Dazu kam eine 2-Etappen-Mountainbike-Tour über 67 km mit 1500 Höhenmetern, dabei bin ich MTB-Novize.

cherry65

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Das ist doch mal ein Quälixfaktor für die Woche!

Hut ab!

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Dienstreise...

..als Trainingslager nutzen. Finde ich extrem familienfreundlich!
Gratuliere zu diesen schönen, hohen; zu den gemütlichen und auch zu den schnellen Kilometern!

Statt 13,5km ...

... hätte es schon ruhig noch mal das Doppelte sein können. Obwohl, wir sind ja erst im Aufbau. Das wird noch.
;-))
PS: "Im Vorbeilaufen genoss ich die wunderbare Aussicht an einer Lichtung im Wald." Ich hätte den Satz vermißt, wenn er nicht gestanden hätte. ;-)

Wuaaaaah,

das liest sich höllisch schön! Aber nach dem Trainingslager standest Du wohl voll im Saft.

Ja, zum Auslaufen nochmal 13,5 km - bekloppt sind wir irgendwie alle, oder? Hauptsache der Sonntag stand dann ganz im Zeichen der Familie ;).

Du hast also

dein gesamtes Sportwochenende auf den Samstag gelegt, bist dafür mit einer klasse Zielzeit, mit insgesamt jeder Menge Höhenmetern und Kilometern, einen von Flammen gesäumten Zieleinlauf und ganz sicher mit einem großen Strahlen der Family belohnt worden. Na wenn du nicht alles richtig gemacht hast, dann weiß ich auch nicht;-)
Ganz herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Samstag und speziell natürlich zum klasse Finish!!!

Lieben Gruß
Tame

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