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Mittlerweile sind ja unter uns Jogmappern eine ganze Menge Freunde des Natural-Running. Ein paar Erfahrungen kann ich auch dazu beitragen.

I. "Barfuß-Schuhe"

Im Oktober 2011 habe ich meinen ersten "Barfuß-Schuh" gekauft, den New Balance Minimus MT10RD (Trail-Variante des Minimus-Schuhs). Er sieht so aus. Ich nutze diesen Schuh regelmäßig, vor allem für Lauf-ABC und Koordinationstraining. Aber er taugt auch sehr gut für schnelle kurze Strecken. Im August 2012 habe ich mit diesem Schuh meine 5km-PB deutlich verbessert. Er sitzt sehr gut und sobald ich ihn an habe, steigert er meine Bewegungslust. Toller Schuh. Aber eine Fersendämpfung hat er gar nicht. Fersenlauf ist ganz unmöglich mit diesem Schuh und er stellt hohe Anforderungen an Wade und Achillessehne. Langsam dran gewöhnen. Ich laufe ihn derzeit auf Strecken bis maximal 15km.

Auf der Marathon-Messe des Freiburger Marathons (April 2013) habe ich mir einen zweiten Barfuß-Schuh gegönnt (ich pendele ja zwischen zwei Wohnorten und habe deshalb wahrscheinlich doppelt so viele Laufschuhe, als die meisten anderen). Es ist der Vivobarefoot Evo-II. Hier gibt es Bilder und Eindrücke über diesen Schuh. Ich persönlich mag ihn bisher nicht so gerne, wie meinen Minimus. Er ist noch puristischer, quasi nur noch eine Sohle zum unterschnallen. Ich verwende ihn für Lauf-ABC und sehr kurze Läufe (bis 6km). Schnell bin ich mit diesem Schuh noch nicht gelaufen, beim starken Abdruck rutsche ich ein bisschen im Schuh hin und her, was zu unangenehmer Reibung führt.

II. Leichte Trainingsschuhe mit geringer Sprengung

Auch aus dieser Kategorie habe ich derzeit zwei paar Schuhe in Gebrauch. Die kommen einem konventionellen Laufschuh schon deutlich näher, als die reinen Barfußschuhe.

Den Saucony Kinvara 3, habe ich mir im November 2012 gekauft, damals schon als runtergesetztes Auslauf-Modell. Hier ein Link dazu. Diesen Schuh konnte ich ohne spezielle Eingewöhnungszeit problemlos zum schnellen Halbmarathon anziehen. Perfekte Passform. Wiegt nichts: der Fuß ist im Schuh gefühlt leichter als ohne. Eine echte Rakete. Absolute Empfehlung für schnelle Läufe. Diesen Schuh will ich nicht mehr missen.

Für das gleiche Einsatzgebiet bei meinen Schleswig-Holsteiner Läufen, verwende ich seit April 2013 den Asics Gel-Lyte 33-2. Hier gibt es ein bisschen was darüber zu lesen. Im Vergleich zum Kinvara schneidet er in meinem persönlichen Test schlechter ab. Er ist auch superleicht und fühlt sich beim Anziehen toll an. Aber die Passform ist offenbar für meinen Fuß nicht ganz so perfekt. Ich bekomme mit diesem Schuh leicht Blasen auf der Innenseite des Längsgewölbes an der Sohle. Beim schnellen Laufen auf Asphalt kommt es mir nach ein paar Kilometern so vor, als ob meine Sohlen in Flammen stehen. Bei etwas moderaterem aber noch flottem Tempo gibt es nichts auszusetzen.

Insgesamt hat mich die Auseinandersetzung mit dem Natural-Running, inspiriert vor allem durch Kapitel 2 der Marquardt-Laufbibel, subjektiv weitergebracht und mir objektiv noch einmal eine spürbare Verbesserung meines Lauftempos gebracht. Allerdings auf Kosten des Energieverbrauchs. Das effektivere Laufen führt zu einem geringeren Energieverbrauch bei gleichem Tempo (nachgewiesen bei mir durch Atemgasanalyse) - also vielleicht nichts für "Abnehmläufer" ;-)

Gruß
Uli

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Danke Uli!

Genau das, was ich grade brauche. ;-)
Bin auch nach der Lektüre der Laufbibel auf Lighttrainer umgestiegen. Lauf-Abc mache ich barfuss auf Rasen.
Nun wollte ich ebenfalls Barfuss-Schuhe probieren.

Ich werde dem Laufladen meines Vertrauens mal ein paar Wünsche mailen, damit ich alles ausprobieren kann.
Wie Strider habe ich auch Pronationsschuhe gehabt und Einlagen.
Aber nach kurzer Besserung waren die Beschwerden wieder da. Seit der Umstellung sind die auf jeden Fall besser geworden.

uneingeschränkte Zustimmung

Den Minimus Trail laufe ich gerne im Wald, Strecken bis 15km gingen bislang problemlos. Asphaltstrecken bis Halbmarathon laufe ich mit dem Saucony Typ A4.
Für Halbmarathon (wenn mit Kopfsteinpflaster) und Marathon ist mein Lieblingsschuh der Kinvara (mittlerweile der 4er), absolut genial.
Ab Marathon brauche ich noch bequeme Schlappen: Mizuno Wave Precision ist da mein Favorit ;-)

Habe vor Jahren angefangen mit stark gestützten und gedämpften Schuhen plus Einlage (wegen Extremspreizfuß und Arthrose im Großzeh), hatte trotzdem immer wieder Beschwerden. Seit meiner Umstellung auf leichtere Schuhe (2011 mit dem Kinvara 2) keine Probleme mehr!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Bei mir sind

die Brooks Pure Connect (bis HM) und die Kinvara 4 (für die langen Läfufe und bis M getestet) am Start. Allerdings würde ich Kinvara nicht als Minimalschuh bezeichnen, da er sehr wohl eine Sprengung hat (ich meine 4mm - was nicht viel ist).

War bei mir ...

... ganz genauso. Der effizientere Laufstil ergab deutlich bessere Werte bei der Atemgasanalyse.

Da ich viel im Gelände laufe, gönne ich mir bei längeren Sachen und schwierigeren Untergründen etwas mehr Schutz. Einfache Trails bis 15 km funzen mit dem minimalisischen Merrell Trail Glove (Sprengung 0, 176 g, Vibram-Sohle) sehr gut. Richtig Spaß bei anspruchsvolleren Sachen hab' ich neuerdings mit dem Salomon Sense Ultra (4mm Sprengung, 210 g), fast wie ein Socken das Ding. Auch gut für mich: inov-8 Roclite 243 (3 mm/ 243 g).

Bin vor gut 2,5 Jahren immer mehr Richtung Natural Running abgebogen. Angefangen mit Barfußläufen auf Rasen von 2-3 km, gelegentlich Fivefingers auf Asphalt, dazu immer mehr Schuhe mit niedriger Sprengung und nahem Bodenkontakt gelaufen. Die 320 km letztes Jahr beim Transalpine im Wechsel zwischen inov-8 Roclite 285 und Salomon Fellcross waren dann auch genau richtig.

Meine aktuellen Knieprobleme spüre ich übrigens am wenigsten, wenn ich barfuß oder in den Merrells unterwegs bin. Aber Trail Ultras in Merrells traue ich meinem durchaus schon vorjustierten Chassis immer noch nicht zu. Im Sense Ultra oder Roclite 243 geht's aber schon.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

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