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WiBoLt – eine Retrospektive

Ich habe mir bewußt Zeit gelassen mit meinem Bericht. Zum einen erwartete mich im Büro jede Menge Arbeit, - es ist schon schwierig genug sich so ein langes Ding in die recht stressige Zeit vor einer wichtigen Abgabe/Präsentation reinzulegen – zum anderen wollte ich das Erlebte erstmal ein wenig sacken lassen um zu klaren Schlüssen zu kommen.

Um es kurz zu machen: es war geil, sehr emotional, das Wetter hätte nicht schlechter sein können und es hat mal wieder den persönlichen Horizont verschoben um einen gewaltigen Ruck.

Doch der Reihe nach. Torsten machte mich auf das Projekt vor etwa einem Jahr aufmerksam. Er war schon mehrmals den KoBolt (Rheinsteig NonStopLauf Koblenz-Bonn, ca. 170km, jede Menge Höhenmeter) gelaufen und hatte schon letztes Jahr gesagt. Der Michael (Esser) hat da was vor…
Also flux Kontakt aufgenommen, in die Interessentenliste eingetragen und Harren der Dinge die da kommen. Michael meldete sich auch gleich mit den Worten: ich verzichte bei Dir auf das übliche Bla-Bla, 320 km sind weit, 11.700 HM sind viel. Du als Junut-Finisher weißt was Du Dir antust…

Das hat man nun davon, wenn man einen Premierenlauf besteht, selbst schuld dachte ich.
Also, nun galt es. Meine Vorstellungen waren der Junut und den KUT als Vorbereitung, evtl. sogar den Rennsteig und ansonsten. 8 kg abnehmen, mind. 120 km in der Woche laufen. Was soll ich sagen, das wurde natürlich nichts. Nicht nur, daß sich besagte o.g. Abgabe im Büro in die Länge zog und wir Extrarunden – verbunden mit sehr viel Nachtarbeit- drehen mußten, sondern auch daß an ein trotz der Extra-Arbeitsbelastung familienkompatibles Aufbautraining gar nicht zu denken war. Den JUNUT als Testlauf beendete ich planmäßig nach 172 km, obwohl ich eigentlich 200 km laufen wollte, aber das ist eine andere Geschichte.
Das ließ hoffen, daß man zumindest mit solch langen Distanzen und dem damit verbundenen Schlafmangel noch irgendwie zurechtkam. Kein Wunder bei dem Training im Job…
Nach dem Junut wurde es arbeitsmäßig noch bescheidener, somit kam ich in den letzten Wochen vor dem WiBolt auf sage und schreibe 11,3 km -innerhalb von 5 Wochen.
Keufelskopf und Rennsteig ließ ich ebenfalls sausen, machte noch ein langes Wochenende in Hamburg und fand mich pünktlich um ca. 17.00 Uhr am Mittwoch am Biebricher Schloß ein.
Was solls, Training wird im Allgemeinen überbewertet. Die Devise war von vornherein klar: Ankommen ist die Devise, idealerweise vor dem Cut off der VP´s diese wieder verlassen und im Laufe des Sonntags eintrudeln. Ob im gesetzten Zeitlimit von 90 h oder danach war eigentlich zweitrangig – das redete ich mir zumindest ein.
Langsam aber sicher trudelten die üblichen Verdächtigen ein, die sich einem solchen Hirnriß nicht verschließen können. Die meisten kannte ich vom Junut oder von sonst irgendeinem langen Lauf: Thomas Ehmke, Michael Frenz, Jin Cao, meinen Vereinskollegen Torsten Riemer, Steffen Kohler – er verband seinen Lauf mit einer Spenden-Sammelaktion, Jörg Finkbeiner, Hartmut Lindner, Ewald Komar, Joachim Siller und noch viele mehr. Joachim meinte, er wollte sein Auto in Lahnstein abstellen, doch dort kam ein Gewitterregen, da ist er wieder ins Auto und wollte eigentlich den Lauf stecken und nach Hause fahren. Doch kurz vor Wiesbaden hat es ihn doch gejuckt und er ist nur mal soo vorbeigefahren – natürlich ist er gestartet. Da ich am Tag von Hamburg runtergefahren war konnte ich schon berichten was uns eventuell erwartet. Die dunklen Wolken am Horizont waren echt und es wird uns auch erwischen – ein tröstlicher Gedanke, wozu hat man sonst die sündhaft teure Goretex-jacke und die Regenüberhose bei? Überhaupt warum ist mein Rucksack so voll und die anderen so leer? Von den ursprünglich ca. 75 Startern hatten nur 59 den Weg nach Biebrich gefunden, zumindest erhöhte das mathematisch die Chancen unter den ersten 50 zu landen!
Ebenfalls vor Ort traf ich meine Eltern, die aus dem Taunus gekommen sind. Papa sagte, daß er mich bis Koblenz (km 170) begleiten wolle. Bis dorthin ist er den Rheinsteig schon gewandert und kannte viele Streckendetails. Silke und die Kinder noch kurz umarmt, wir sehen uns Sonntag abend.
Noch flux den Einweisungen des gps-trackings gelauscht, eben diese den Lieben mitgeteilt, damit sie einen auch finden und ggfs. aus dem Hochwasser rausziehen können – schon ging es mit 5 Minuten Verspätung um 18.05 Uhr recht unspektakulär los. Nach 500 m bin ich auf Kawitzi und fraggle aufgelaufen – kurz einen guten Lauf gewünscht und schon waren sie weg…
Na ja egal, wir haben ja noch so viel Zeit, der erste VP Schlangenbad ist bei km 16,7 – also nach meinem Verständnis ca. 2,5h und wir werden uns bestimmt noch sehen. Schon gab es die ersten Verlaufer und man mußte aufpassen, die Markierung ist zwar häufig aufgepinslet, doch mitunter recht klein oder zugewachsen oder man läuft im Tran einfach jemand hinterher, der den Weg auch nicht besser weiß…Genau die passierte nach etwa 2 Stunden, kawitzi und fraggle sah ich am Horizont. Neben mir meinte einer noch, ich galub da geht’s rechts ab, alle liefen geradeaus so einen schönen langgezogenen Waldweg runter, die Richtung stimmte auch irgendwie. Nach ca. 1km bog besagter Weg jedoch gemächlich in die falsche Richtung. Also anhalten, Karte raus, reinschauen und Uups… Die Mitläufer liefen weiter in der Hoffnung irgendwie die Kurve zu kriegen, ich entschied mich umzukehren und wieder hochzustapfen.
Oben angekommen traf ich Ewald und wir liefen so zusammen nach Schlangenbad. Dorthin waren meine Eltern ebenfalls gekommen. Sie waren kurz nach Hause gefahren um mir noch einen Buff sowie ein Regenverdeck für den Rucksack mitzubringen. Beides hatte ich im Eifer des Packens vor Hamburg irgendwie vergessen.
Es gab zu trinken von der Schlangenbader Heilquelle, Kawi und fraggle kamen ebenfalls ums Eck und nach kurzer Stärkung gings weiter. Es war mittlerweile 21h, die Stirnlampe brauchte man noch nicht. Da ich meinen Eltern keine weitere VP mitten in der Nacht zumuten wollte schickte ich sie heim. Gegen Morgen wollte ich mich melden und Papa kommt dann wieder an die Strecke. Zwischenzeitlich gab es ja noch das Niederwald-Denkmal bei km 54, der nächste offizielle VP. Das ist vielleicht der größte Unterschied zu den Läufen, die man im allgemeinen kennt. Hier ist man durchaus mal 30km auf sich gestellt und das kann je nach Verfassung am Anfang des Rennens 6h dauern, zum Schluß auch mal 8-10 stunden. Man sollte also dementsprechend Verpflegung mit sich haben und Getränke mind 1 Liter. Unterwegs streift man ja ab und zu eine Ortschaft, dort gibt es Kneipen, Friedhöfe, Brunnen. Jedenfalls man kann in der Regel schon Getränke nachtanken.
Die nächsten km lief ich mit Martin, wir hatten beide die gleiche Geschwindigkeit und es war recht nett mit ihm. Er hatte gps dabei, was sich bei solch langen nicht markierten Läufen durchaus empfiehlt. Ich bin bisher ohne ausgekommen habe mich aber auch schon mächtig verlaufen. Das muß man sich in Zukunft einmal überlegen…
In Kiedrich (km 25) ließ ich Martin in der örtlichen Kneipe um 23h beim Bier zurück, mich zog es weiter. Man umrundete das Kloster Eberbach, bei km 37 waren meine Getränkevorräte mehr. Dort passierte ich einen Vorgarten mit Wasseranschluß füllte meine Trinkflaschen auf und kam nach weiteren 500 m zu einem Kühlschrank, voll gefüllt mit Kasse. (Kühns Mühle) Das ließ ich mir doch nicht entgehen und trank eine gekühlte Apfel-Schorle, eine Wohltat. Super Idee von den Leuten der Mühle, außerhalb der Geschäftszeiten den Wanderern diesen Service zu bieten, vielen vielen Dank!
Frisch gestärkt ging es weiter. Als ich am Niederwald-Denkmal an dem VP ankam (ganz stilvoll in einem offenen Rebenhaus Tempel) – setzte ich mich erst mal. Dort erfuhr ich von ersten Abbrechern bzw. Aufgaben. Das Wetter hielt bis dato eigentlich, zumindest waren die Regenklamotten noch im Rucksack, also daran konnte es nicht gelegen haben.
Beim Niederwald-Denkmal traf ich auf Kawitzi und fraggle, wir liefen ein Stück zusammen und genossen kalten Instant-Kaffee frisch zubereitet – ein Gaumenschmauß.
In Assmannshausen (km 60) wartete mein Papa auf mich, es gab warmen Kaffee und der Tag hatte uns wieder. 13h unterwegs, es war 7h Uhr morgens. Nächster Treffpunkt wurde in Lorch ausgemacht (km 75). Es wurde langsam mittag. Danach ging es nach Kaub. Den Weg dorthin verbrachte ich mit einem Finnen JussiRiku Helander. Der war sehr lustig. Er sagte auf Englisch. Ok let´s go right – um prompt dann links abzubiegen. Irgendwie verpeilt – wie wir alle überkam es mich.
Gem. gps war ich im hinteren Drittel des Feldes, Torsten war kurz vor der Loreley (erster Schlafpunkt), mein Gott, was war der schnell!. Ich hatte geplant so um 15h auf der Loreley zu sein. Das hätte für den ersten stint 21 Stunden bei 105 km bedeutet. 5´er schnitt – dem Gelände und Trainingszustand angemessen fand ich.
Auf dem Weg zur Loreley ging mir immer und immer wieder die Zeile `Ich weiß nicht was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin. Ein Märchen aus uralten Zeiten - das geht mir nicht aus dem Sinn! ..´ durch den Kopf. Ich hatte einaml zum Miau geschrieben: wenn gar nichts mehr geht hilft nur noch das Aufzählen sinnfreier Reime.
Mein Gott, die Halluzinationen setzen aber früh ein…egal, der (Ohr-) Hirnwurm war gefunden und setzte sich fest. Zwischen Kaub und der Loreley traf ich Torsten Frau und Tochter. Die verbrachten die Zeit zwischen dem supporten mit Wandern. Die Strecke nach Lorch hatte es in sich, ständig überquerten wir von Matsch zerfurchte Abschnitte, ich stand knöchelteif im Schlamm und watete durch.
Um 15h kam ich dann an die Loreley, traf dort … Kawitzi und fraggle, und aß dort eine Suppe. Ich beschloß weiterzulaufen in die Dunkelheit hinein und verließ die Loreley so gegen 15.45 Uhr. Als jugendlicher war ich dort einmal zum Musikfestival. Eben für dieses wurde gerade die Bühne aufgebaut. Es sollte am Wochenende losgehen. Ein wenig wehmütig zog ich weiter. Kurz darauf überholten mich… Kawitzi und fraggle, wer sonst. Sie waren insgesamt schneller unterwegs, allerdings machte ich weniger Pausen. Es war jedoch eine Frage der Zeit, bis ich sie komplett ziehen lassen mußte. Mit meinem Vater hatte ich als nächsten Punkt Wellmich ausgemacht, danach wollte er ein Zimmer für die Nacht suchen, etwa in der Höhe von Kestert (km 125) Ich war inzwischen recht müde und langsam, eine erneute Nacht ohne Schlaf war unmöglich. Am Ortseingang von Oberkestert traf ich meinen Papa bei einem Weinschoppen mit den Eingeborenen und er meldete Vollzug in der Zimmersuche. Ich beschloß noch bis Lykershausen zu laufen 8so bis 22h. Dann wollte ich drei Stunden in dem 2 km entfernten Zimmer schlafen und um eins wieder auf die Strecke. Kurz nach Papa traf ich auf das Kawi-mobil und die beiden waren gerade dabei sich bettfertig zu machen.
Kurzer Austausch von Zärtlichkeiten, wir sehen uns ….
In Lykershausen stand schon das Taxi parat brachte mich zum Zimmer und zur Dusche, um 3h zu ruhen und vor allem: Socken und Schuhe wechseln. Mittlerweile war das 4. Paar Socken naß, die Schuhe ebenso und ich wollte von den Hokas auf INOV-8 wechseln, da die Hokas auf den Matschstücken eine Katastrophe waren. Man rutschte mehr zurück als man vorwärts ging.
Gefühlsmäßig ging es zwar mit den INOV-8 besser, jedoch stellten sich nach kürzester Zeit wieder nasse Socken und Schuhe ein. Hier kam ich dann in besagtes Unwetter mit Starkregen und so konnte ich endlich meine mitgebrachte Gore-Tex-Klamotten ausgiebig testen…
Gegen Morgen erreichte ich Filsen, am Ende von Filsen ein nicht angekündigter VP mit einem kleine Lagerfeuer – eine Wohltat! Im Sprinter übernachteten 2 Läufer, gerade als ich gehen wollte kamen 2 weitere Läufer an. Sozusagen high life am VP, an denen ansonsten nur ein Läufer alle 2 h vorbeikam…
Nach Filsen kam Osterspai, das Dinkholder Tal, sowie die nächste VP (Braubach, km 150).Hier war schon abzusehen, daß mein Tempo den Umständen Tribut zollen mußte. Ich kam max. mit 4 km/h voran. Zu wenig um den 2. Cut-off zu erreichen. Hier kamen zuerst die Gedanken an Abbruch (und villeicht kurz auf dem Weg nach Filsen, aber das Lagerfeuer hat es dort gerichtet) In Braubach verarztete ich meine Blasen und zog wieder Hokas an. (Die Inov-8 waren im Matsch zwar besser, bereiteten mir aber Blasen).
Auf dem Weg nach Lahnstein hoch traf ich einen `Mitläufer´, der war in der Nacht mit Steffen Kohler in der Ruprechtsklamm und die hatten abgebrochen wegen Unbegehbarkeit. (3h für 1,5 km, viele Stürze). Gott sei Dank war ich so langsam, daß es tags da durchging. Generell interessierten sich viele für unseren Lauf und was wir so vorhatten bis Sonntag mittag.
Auf dem Weg zum Lahntal galt es einige Bäume zu überklettern. Der Starkregen hatte die Kronen schwer werden lassen und die Bäume sind einfach mitsamt Wurzel umgekippt. Zuhause war ebenfalls ein Baum vom Nachbar auf dessen Scheune gefallen, ansonsten alles soweit in Ordnung bei uns. Die Ruppertsklamm blieb uns Nachläufern dann erspart, wir konnten die diretssima den Berg hochnehmen, wobei da muß ich nochmal hin…
Auf dem Weg nach Koblenz passierte dann ein Mißgeschick. Ich habe irgendwo eine Abzweigung übersehen und bin dann nach ein wenig Umherirren einer Markierung auf den Bäumen gefolgt, die mir logisch erschien. Jedenfalls kam ich ca. nach einer Stunde an eine Stelle, die ich schon kannte;-))
Und ich bin hier nie in meinem Leben vorher langgelaufen, ergo bin ich im Kreis gelaufen. Na Suuper!
Also erneut hoch und geflucht wie ein Rohrspatz, diesmal die richtige Abzweigung.. erneut verlaufen, wieder Telefon rausgekramt, Papa angerufen. Er kam, hatte Kaffee parat, wir fuhren zu einer Apotheke, neues Blasenpflaster holen und Franzbranntwein, wieder zurück an die Strecke und weiter geht’s. Hier war wieder einmal ein ganz großes mentales Tief zu überwinden. Zumal alle Beteiligten sagten: ab Koblenz wird’s erst richtig spannend…
Na ja, irgendwie qüälte ich mich wieder aus dem Auto, weiter geht´s. In Koblenz Ehrenbreitsstein angeschaut – sehr schön. Auf dem Weg um die Burg kam mir ein junges Päarchen entgegen, das sagte sie haben heute schon 15 Teilnehmer getroffen und wünschen mir viele Glück. Ich bedankte mich artig und schaute mir ein schönes Stück Gartenarchitektur an. Mittlerweile gleichte mein Tempo dem einer Schnecke…aber Koblenz hat was, das kannte ich z. Zt. noch aus meiner Bundeswehrzeit in Bad Ems, das Gartenschau-Gelände kannte ich jedoch noch nicht.
Urbar stand an – der beiden Franks Heimat – hier traf ich eine Gruppe von 30 Wanderern und wir unterhielten uns angeregt. Valendar, Sayn, Rengsdorf. Ich kann mich kaum noch an diese Passagen erinnern, ich war einfach zu müde. Nach Rengsdorf ein langer schlag nach Altwied, dort traf ich meinen Vater nochmal. Morgens um 3h am Samstag, 3h vor dem Cut off in Neuwied. In Altwied rockte die Dorfjugend und lief nachts nackig aus der Disco direkt vor mich – vor Ihnen ein Außerirdischer mit Stirnlampe, der sich mühsam in Zeitlupentempo weiterbewegt. In Altwied habe ich nochmals 15 Minuten im Auto gedöst. Zwischenzeitlich wußte ich, daß der Cut off in Neuwied aufgehoben wurde, ich wollte es dennoch vor 6 dorthin schaffen. Um 05.50 betrat ich die Turnahlle, nicht ohne eine Erkenntnis reicher: auch gps schützt vor Verlaufen nicht. Etwa um 5h morgens kamen mir 2 Läufer des WiBolt entgegen, und schwörten Stein auf Bein, daß sie auf dem richtigen Weg seien, sie seien doch vor etwa 45 Minuten am Schlafpunkt 2 los, genau auf dem track.
Als ich erwiderte: ich war noch nicht am Schlafpunkt und ich denke, ich geh in die richtige Richtung, ihr nicht – da schauten sie mich ungläubig an, leifen noch etwas weiter und überholten mich sehr wortkarg nach 10 Minuten wieder – diesmal in richtiger Richtung.
In der Turnhalle Neuwied schlief ich bis 09. Uhr Freitag morgen, dann wurden wir geweckt, aß noch etwas Nudeln und brach um 09.30 Uhr auf – Noch 26,5 h für 100 km – das sollte doch gehen, wenn ich mich ein wenig ranhalte. Für den mittleren stint habe ich für 100 km allerdings 32h gebraucht.

Aber ich war guter Dinge. Aus Ermangelaung an Socken zog ich meine alten Bundeswehrsocken an, die ich eigentlich als Schlafsocken mithatte. Der Plan war, daß diese Socken die Feuchtigkeit aus den Schuhen ziehen und ich irgendwann wieder wechseln wollte. 5km später waren die klammotten wieder komplett naß, da ich durch kniehohes Gras waten mußte und das Wasser zur Abwechslung von oben in die Socken lief…
Was soll ich sagen. Es ging wirklich gut, ich konnte bergab und auch gerade traben, die zeit verlief wie im Flug, die Versorgungsintervalle vom Papamobil wurden wieder länger, alles wird gut…
Ein Treffpunkt in Rheinbrohl konnten wir nicht einhalten, da unerwarteterweise die strecke abweichend vom plan doch hoch durch die Weinberge ging – ab zum Haus Bergfriede über glatte Steine und ganz schön rutschig.
Ariendorf, und dann kam Linz. Dort verpflegte ich mich in einer örtlichen Pizzeria mit kleinen Pizzinis und aß Crepes mit Nutella am VP ( Danke Jogmap!!!-unbekannterweise)kurz vor Linz war Bianka zu mir aufgelaufen und fragte mich, ob wir die letzte Nacht nicht zusammmen laufen wollen. Sie hatte ziemlich mit Blasen zu kämpfen und Raimund – ein krankheitsbeding verhinderter Starter – hatte Sie schon prima verarztet.
Wir liefen weiter, ich hatte einen riesen-Klops im Magen, das dauerte bis ich die 3 kleinen Pizzinis verarbeitet hatte. Wir umrundeten das Erpeler ley und es ging weiter Richtung Bad Honnef. Bald wurde es dunkel und richtig … wir verliefen uns erst mal gründlich. Also wieder Karte und gps abgeglichen und irgendwie auf den Weg zurückfinden. Baianka wurde immer stiller und klagte wieder über große Schmerzen. Also `flying doctor´ Raimund angerufen und zum nächsten Treffpunkt bestellt.
In Mühlenberg war dann endgültig Schluß für Bianka. Während Raimaund versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war döste ich ein wenig im auto und machte mich schweren Herzen alleine in die letzte Nacht. Noch 45 km to go und 14 h bis cut off, geht also…
Ich stapfte durch die Nacht, der weg nach Bad Honnef zog aberwitzige Schleifen legte mich ein wenig auf einen Holzstapel zum ausruhen. Kaum abgelegt sah ich ein Licht. Jörg kam heran und so hatte ich einen angenehmen Gesprächspartner für die Nacht. Jörg hatte gps – welch Luxus. Wir umrundeten Bad Honnef gefühlte 5-mal, erklommen den Drachenfels, dort war eine schicke Abendparty am Ausklingen und die Gäste warteten um 04 Uhr morgens auf die Zahnradbahn.
Irgendwie kamen sich beide Parteien deplaziert vor….
Weiter ging es Richtung Petersberg, das Ende naht.
Tatsächlich ging es angenehm durch den wald, wir konnten viele Stücke traben und es ging erstaunlich gut. Etwa 5km vor dem Ziel kam uns ein Läufer mit WiBolt-Helfer-Shirt entgegen. Wir begrüßten uns lautstark und wir bekamen genau den weg erklärt. Jetzt verlaufen wär ja auch blöd…

Es ging runter Richtung Rhein, durch Ramersdorf durch und am Rhein entlang Richtung Kennedybrücke. Der Fußweg am Rhein war komplett überflutet, die Strecke entlang genossen wir richtig. Noch flux über den Rhein, und um Punkt 10.00 Uhr liefen wir am Sonntag auf dem Marktplatz ein, umarmten Michael und ließen uns feiern. 320 km (sicherlich ein paar mehr wegen Verlaufer), 11.700 HM, 88h, das sind die nackten Zahlen.
Langsam aber sicher füllte sich der Marktplatz – Siegerehrung sollte um 12.00 Uhr sein, Kawitzi kam gutegelaunt ums Eck, fraggle kam mit einer 5-Combo ins Ziel, die Stimmung war super gut.

Und jetzt, was hat es gebracht? Erstmal die Erkenntnis, daß man auch Tiefs überstehen und Regen, Schlamm und sonstwas einen nicht abbringen kann.
Nach 3h Schlaf ist man wie neugeboren.
Gps sollte man sich doch irgendwann zulegen – nur was nutzt es einem wenn man den track falschrum läuft?
Blasen sind handlebar
Kawi ist ein Tier, fraggle auch.
Wenn ich groß bin lauf ich das nochmal am Stück…

5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Genialer Bericht

vielen Dank dafür und nochmals herzlichen Glückwunsch zu der Hammerleistung.
Relativ schlecht vorbereitet in so ein Abenteuer starten und dann so viele mentale Tiefs bekämpfen, ganz grosses Kino.

LG,
Anja

sehr eindrucksvoll!

dein Bericht schildert noch einmal sehr drastisch, mit welchen Schwierigkeiten Ihr zu kämpfen hattet. Gerade deswegen meinen größten Respekt vor Deiner Leistung!!! Das werde ich wohl nie erreichen... Danke fürs berichten.

Hofpoet

vielleicht mal reinsehen: Siebengebirgsrun.de meine Laufseite

Auch diesen Bericht...

...habe ich gelesen und kann es immer noch nicht fassen, wie man Dreihundertzwanzig km am Stück laufen kann.
Der helle Wahnsinn!
Und ich hoffe sehr, dass es nicht die Nutella-Crepes waren, die Dir im Magen gelegen haben :-(
Gratulation zum Sieg des Kopfes über den Körper!
Unbekannte Grüße, WWConny

An den Nutella Crepes lags definitiv nicht

Liebe Conny, nein es waren die Mini-Pizzen. Vielan Dank für die gelungene Überraschung. Es war ausgesprochen lecker!!

Jörg

Atemberaubend

Habe deinen Bericht gerade verschlungen und bin erneut sprachlos, wozu Läufer im Stande sind. Herzlich Glückwunsch zum Kampfesgeist und grandiosem Finish!
Und du bist sicher, dass die nackten Leute keine Halluzinationen waren?

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ja! Du auch!!!

Du hast auch die 320 Schlammbergsturmregenkilometer bezwungen und Du bist genauso ein harter Hund, wie die anderen!!
Ich kanns kaum glauben, 5 Wochen vorher fast nix gelaufen und dann so ein Ding???!
Hammer!!
Uusi, Du bist echt ein Knaller! ;o)
Ganz große Bewunderung und Gratulation zu dieser phantastischen Leistung!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Lieber Uusi,

ich kann mich nur Wiederholen:
Das ist für mich alles unglaublich, nicht nur wegen Länge und Hm,gerade auch wegen des Sauwetters und des Mitschleppens von Ausrüstung und Verpflegung.
Vom Verlaufen will ich gar nicht reden, ich hätte geheult vor Wut.
Auch Dir Glückwunsch und RIESENRESPEKT!

Einfach nur Irre! ...

... und mit der Vorbereitung noch etwas Bekloppter.
Herzlichen Glückwunsch! Das war ein hartes Stück Arbeit und verdient größten Respekt!
;-)
Das Schlimmste aber: Ich kann es mir vorstellen. ;-))

Schön

geschrieben Uusi.
Ich kann es wieder fühlen...

Das nächste Mal machen wir es bei besserem Wetter und mit GPS.

LG
Fraggle

Herzlichen Glückwunsch

...Tolle Leistung und ein echt schöner Bericht!
Es ist schon faszinierend zu lesen, was einem auf den 320km da alles passieren kann und durch den Kopf geht.... (und auch, wie unterschiedlich ihr drei die selbe Strecke wahrgenommen habt)
Erhol dich weiterhin gut!

Ihr alle drei seid echt der Oberhammer!

Falls dir Anfang Oktober ne Woche lang langweilig sein sollte, der Michael (Meldeläufer) plant in der ersten Oktoberwoche den Goldsteig nonstop ...

660 Km / 198 Stunden / 30.000 HM ...

Bis dahin kannste ja noch was trainieren .. Ach ne wird ja überbewertet ;-)
Echt Wahnsinnsleistung von euch ... !
Glückwunsch

If you see me collapse,
pause my Garmin...

Stark, ganz schön sogar!

Uusi, du hast vielleicht Nerven! Aber stimmt schon, wenn man im Kopf fit ist, dann kann man sich das Training sparen. Außerdem fallen die letzten fünf Wochen vorher ja auch unter Tapern, was ja quasi eine wichtige Trainingseinheit ist.
Unfassbar, was ihr geleistet habt! So eine WiBoLt-Finisher-Medaille sollte eigentlich bei der Jobsuche jedes Empfehlungszeugnis ersetzen...viel mehr Einsatz kann man nicht zeigen. Top!

Dnake

für die Inneneinsicht während solch eines Laufs. Ist schon spannend, wie man irgendwie immer weiter machen kann, obwohl die äußeren Umstände eigentlich dagegen sind. WOW, herzlichen Glückwunsch zu dieser Wahnsinnsleistung...keep it simple...

lesen und ungläubiges Staunen...

macht sprachlos - selbst mich!

Wahnsinn, klasse und Glückwunsch!

ZüperOli

Respekt ...

...und Hochachtung ... eine irre Leistung !
Werde versuchen, nächstes Jahr Urlaub zu bekommen um als Support dabei sein zu können.
Herzlichen Glückwunsch !
Gezeiten

Der Uusi...

... ist ein fieser Möpp, er hat nicht meinen Blog gelesen :0(...

Aber ein Läufer ist er, ein verdammt guter :0) !!!

Aber dafür ist sein Dad ein lieber!
Er war mein Live Tracker :0))))))! Der kannte sich doch glatt in dieser nassen, trostlosen Gegend aus !?

Gruß,
Kaw.

mitgelaufen...

...und mitgelitten hab ich grad beim lesen, lieber uusi! danke!
wie auch kawi und fraggle gehörst du für mich mit in die heldenreihe...
____________________
laufend merkt sich auch unnützes, wie z. b., dass sie keine minipizzen essen sollte, wenn sie mal 320 km rennt: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

Gelesen habe ich ihn schon,

Gelesen habe ich ihn schon, nur habe ich mich nicht getraut den grossen Kawi zu kommentieren ;-)))
Nein im Ernst. Ganz grosser Spocht, Du Sprinter...
Wir sehen uns hoffentlich bald wieder, nicht erst im September 2014 auf dem Goldsteig...

Uusi
P. s: Schöne Grüsse vom Dad.

endlich

hatte ich jetzt die Zeit, deinen Bericht auch zu lesen !
und genauso wie die beiden anderen, lässt du mich erfurchtsvoll staunen.

für mich eine unfassbare Leistung !!!!

Solltet ihr irgendwann den Goldsteig laufen, wäre es mir eine Ehre, euch ein Stück darauf zu begleiten ... der führt durch meine Heimat.

Hoffe, du hast dich schon wieder etwas erholt und es geht dir körperlich gut ! Der Kopf wird wohl eine Weile länger brauchen, um derartiges zu verarbeiten ...

Vielen Dank fürs teilhaben lassen !

unbekannter Weise

aber auch Dir meinen allerherzlichsten Glückwunsch zu dieser unverstellbaren Leistung.
Ihr seid doch alle nicht normal ;-)))
Toller Bericht, danke fürs aufschreiben.
VG, KS

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