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Wenn man so langsam in die Jahre kommt und schon Marathon und Hermannslauf hinter sich hat, dann sucht man nach neuen Herausforderungen. Kurz nachgedacht und Entschluss gefasst: Triathlon sollte es sein.
Dummerweise vor 5 Jahren das Rennrad wegen Rückenschmerzen verkauft ...
Pah, geht auch so!
Wie lange habe ich eigentlich schon nicht mehr geschwommen??? Also immer mal wieder im Urlaub im Meer geplanscht, aber so richtig geschwommen? Das muss in meiner Schulzeit gewesen sein (Abi 1977). Aber damals war ich ne Bombe im Schwimmen. Na und Laufen sollte ja kein Problem sein.
Kundig gemacht, was so die richtigen Einstiegs-Distanzen sind. Angeblich soll der olympische Triathlan 750m Schwimmen, 20km Radfahren und 5km Laufen enthalten. Zum Einstieg genau das Richtige, das kann man sich zutrauen.
Blieb noch eine Frage zu klären: Wo und wann sollte das Schwimmen stattfinden. Das nahegelegene Freibad bietet Dienstags und Donnerstags Frühschwimmen ab 6:00 Uhr an.
Passt! Am heutigen Donnerstag macht unsere Firma BYOBD (Be Your Own Boss Day). Man darf an diesem Tag, den wir regelmäßig einmal im Jahr begehen, machen, was man will.
Der Wecker schellt um 6:00 Uhr. 10 Minuten später quäle ich mich aus dem Bett. Ein prüfender Blick ins Wetter: kein Regen. Also los! Die Badehose aus den 90er Jahren aus der Schublade gekramt, Laufsachen angezogen, ein leichtes Frühstück und dann mit dem Fahrrad zum 3km entfernten Freibad geradelt.
Das Tor offen, aber im Kassenhäuschen niemand zu sehen. Ich suche erst mal jemanden, bei dem ich meinen Eintritt bezahlen kann. Dabei checke ich die vier einsamen Frühschwimmer ab, die bereits im Wasser sind. Ein Rentner, zwei ältere Damen und ein offensichtlicher Crack mit Ganzkörperkondom, Badekappe und Schwimmbrille.
Um 7:23 Uhr stürze ich mich in das angenehm temperierte Wasser und ziehe meine Bahnen, natürlich im klassischen Brust-Stil. Der Rentner und die älteren Damen haben keine Chance und werden mehrfach überrundet. Nach der ersten Bahn, die ich natürlich viel zu schnell angegangen bin, lasse ich es etwas langsamer angehen, aber durchaus zügig, wie ich finde. Ganz ok für einen 55 Jahre alten Mann, der zuletzt vor über 35 Jahren richtig geschwommen ist.
Die geplanten 750 m sind nach ca. 15 Minuten geschafft. Ich beschließe, die 1000m voll zu machen. Der Eintritt von 3 Euro muss sich ja wenigstens lohnen.
Die letzte 50m Bahn wechsle ich selbstbewußt in den Kraul-Stil und erreiche mit letzter Kraft den Beckenrand. Raus aus dem Becken! Schwimmen macht ganz schon schwere Beine und der Blick ist leicht getrübt vom Chlorwasser. Egal, raus aus der nassen Badehose und die trockenen Laufklamotten angezogen. Und ab zu meinem Rad. Es ist mittlerweile nicht mehr einsam, ein zweites Rad hat sich hinzugesellt.
Ich steige auf mein Treckingrad mit Packtasche, in der ich meine Schwimmsachen verstaue. Rennräder werden überbewertet!
Ich mache mich auf meine 20km Tour. Nicht gerade im Renntempo, aber doch zügiges Tourentempo. Nach 21,78 km parke ich das Rad bei mir zuhause vor der Garage. Ohrstöpsel in die Ohren, Iphone eingeschaltet und los.
Die ersten Meter fühlen sich seltsam an und ich fühle mich, als hätte ich Pudding in den Beinen. Nach zwei Kilometern schaue ich auf meine Uhr und bin überrascht, wie schnell ich unterwegs bin. Das Gefühl sagt was anderes. Wahrscheinlich machen meine Beine unwillkürlich im Rad-Rhytmus weiter.
Nach 5,2 km bin ich in einem neuen Jahresbestzeit wieder zuhause.

Hat eigentlich richtig Spaß gemacht! Gut, das Radfahren war jetzt ein bißchen langweilig, aber ich habe beschlossen zumindest öfter zu schwimmen.
Und ein bißchen stolz war ich auch. Wenn es auch nur ein Rentner-Triathlon war.
Aber die Familie holt einen ganz schnell wieder runter. Frau und Kinder halten mich für total bescheuert. Aber da steh ich doch drüber ;-)

5
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Coole Story - gefällt mir.

Coole Story - gefällt mir. Mal so aus der Hüfte den BYOBD-Rentner-Marathon ins Leben gerufen.

Den Trick, wie Du 750m in 15 Minuten schwimmst und dann in den Kraulmodus umsteigst, musst Du mir noch verraten. Das geht in die Kategorie, dass ich noch gaaaaaaaanz viel im Schwimmen dazulernen kann/muss. Aber klar, Du warst ja 1977 beim Abi-Schwimmen eine echte Granate...(macht die Begründung es für mich besser oder schlimmer?).

Für die olympische Distanz müsstest Du jetzt alle 3 Disziplinen die jeweils doppelte Distanz absolvieren, aber das würdest Du sicher auch aus dem Stand hinbekommen.

Und ich werde auch nicht verstehen, wie man Radfahren langweilig finden kann, wenn man vorher schwimmen war...aber da gilt ja zum Glück die Weisheit: "jede Jeck iss anders"

Hab genau die Einheiten grad erst erlebt

in Moritzburg und das nannte sich JedermannDistanz. OD sind 1500, 40 und 10, soviel ich weiß.
Aber es liest sich schön, wie du mal eben aus der Schulter nen Tria schüttelst.
Möcht auch wissen, wie du noch einfach mal eben so nach xx metern Brust noch Kraul anhängen knnst...
Das Gefühl der Puddingbeine nach dem Rad ist ok und normal, ebenso das Tempo, welches dir erst mal langsam vorkommt, während du läufst, doch die Beine können nicht anders, wollen den RadlTrott weiter rollen. Oft genug erlebt im Koppeltraining.

Achso.... auf das *du bist doch verrückt* reagiere ich schon nimmer

Respekt für deine Leistung mal eben so. :-)


Laufen formt Körper, Geist und Seele.
Distanz ist, was der Kopf drauß macht.

sehr schön ;-))

Die OD hat 1,5/40/10, aber du hast die Sprint- oder Volksdistanz absolviert. 1km in 15min ist für mich jenseits jeglicher Vorstellung ...

Ich bewundere bei unseren heimischen Volksdistanzen immer die älteren Herrschaften: die schwimmen Brust, radeln in Baumwollklamotten und Wollsocken in Laufschuhen mit ihrem Tourenrad vorne mit Körbchen, in dem die Wettkampfbanane liegt, und laufen anschließend in stoischer Ruhe ihre 5km - und ich muss sehr kämpfen, wenn ich vor ihnen im Ziel sein will. Da sind noch 70jährige dabei!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Volks-Distanz 600m - 20 km - 5 km

Ja, Bert, da finde ich mich irgendwie wieder.

Jahrelang wollten wir in Kitzingen beim Mainfranken-Triathlon als Staffel mitmachen, wobei ich den Laufpart übernommen hätte. Es scheiterte immer daran, dass wir keinen Schwimmer fanden, der im Main schwimmen wollte.
Dann 2012 lud die örtliche Tageszeitung Mainpost 10 Rookies ein, die einen Triathlon machen wollen, Voraussetzung war, dass man noch nie einen gemacht hat. Ich habe mich beworben und war dann mit 47 Jahren der Rookie-Opa und durfte mich mit einer Triathlon-Lehrerin und den anderen 9 Rookies vorbereiten (Dank an Helga Schartel http://www.lauf-fuer-dein-leben.de/). Meine Familie hat mich 3 Monate aufgezogen, nach dem Motto, jetzt spinnt er total.
Schwimmen (warum muss diese Disziplin unbedingt sein ?) war noch nie so meins. Ich kann nicht kraulen, dafür schwimme ich Brust fast so schnell wie andere kraulen, also bin ich lieber dabei geblieben. Radfahren war für mich ein echtes Erlebnis, Rennmaschine vom Kumpel ausgeliehen und los ging es. Der Berg ist mein Freund (ehrlich). Bin mittlerweile zum echten Radfreak mutiert. Und Laufen habe ich ja schon gekonnt.
Dann kam der 11.08.2012, der erste Triathlon meines Lebens und es war geil. Resultat 90.Platz (vorderer Mittelfeldplatz) und nach unseren 2 Sportstudenten und der Schweinebacke Heiko (hat mich kurz vorm Ziel noch geschnupft, bin ich als Rookie-Opa 4. von 11 Rookies geworden.
Aber das schönste ist, wenn Deine ganze Family Dich anfeuert und Deine beiden Jungs fränkisch trocken sagen, "Respekt alter Mann, hätten wir Dir so nicht zugetraut." Das ist das größte Lob, dass Du kriegen kannst.

4 Wochen später habe ich dann Bad Kissingen gemacht. Leider interessiert Triathlon dort keine Sau.

Ich freue mich deshalb schon wie ein Schnitzel, wenn es am 10.08.2013 den nächsten Mainfrankentriathlon gibt. Kann ich nur jedem empfehlen. Hätte so gerne die olymische Distanz gemacht, aber das scheitert an der langen Schwimmdistanz.

Tipp: http://www.mainfrankentriathlon.de/

Euer Runningbeanie

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