Benutzerbild von waldboden

Liebe Jogmapler,
in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Sportmedizin ist ein Artikel mit Studie an 1089 Ausdauersportlern mit der Frage, ob bzw. bei wie vielen eine "Sportsucht-Gefährdung" vorliegt. Der Artikel beschreibt, wie Sportsucht und die Vorstufe - Gefährdung für Sportsucht - zu definieren und zu messen versucht werden. Ein paar Abschnitte des Artikel füge ich hier ein, der Original-Artikel ist online downloadbar.

Viel Diskussionsstoff und viele Fragen zur wissenschaftlichen Methodik, aber dennoch für mich interessante Gedanken dabei ...

Herzliche Grüße,
waldboden

Die Gefährdung zur Sportsucht in Ausdauersportarten
Ziemainz, Stoll, Drescher, Erath, Schipfer, Zeulner
Jahrgang 64, Nr. 2 (2013) Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin
Online unter: http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/artikel/archiv-2013/heft-2.html#c253003

Suchthaftes Verhalten und/oder die Gefährdung zu suchthaftem Verhalten im Zusammenhang mit Ausdauersport wurde in der jüngeren Vergangenheit überwiegend im Zusammenhang mit der „Laufbewegung“ thematisiert (37). Die Laufbewegung nahm hinsichtlich der Teilnehmerzahlen und der zu bewältigenden Strecken in den 1970er Jahren in den USA, Deutschland und anderen europäischen Staaten eine rasante Entwicklung. Auf diesen Boom in der Laufbewegung folgten Triathlonwettbewerbe und inzwischen immer exotischer anmutende Wettkämpfe mit extremen Herausforderungen an die Ausdauerleistungsfähigkeit der Teilnehmer (Dschungelmarathon, Norseman, Marathon des Sables, 10-20fach Ultratriathlon) (3,28,34). Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung wurde zunächst von sportmedizinischer und sportpsychologischer Seite hinterfragt, was Menschen dazu bewegt regelmäßig Strecken zwischen 20 und 100km zu laufen und was ihnen hilft, diese Distanzen zu überwinden (34,36). So erscheint es wenig verwunderlich, dass Laufsucht oder running addiction verstärkt als Erklärungen herangezogen wurden (3).
...
Weiterführende Überlegungen befassten sich mit der Beurteilung der Sportsucht als eine negative oder positive Sucht.
...
Zielstellung
Die hier dargestellte Untersuchung soll dazu beitragen, weitere epidemiologische Erkenntnisse im Hinblick auf die Gefährdung zur Sportsucht im Bereich der Ausdauersportarten zu erhalten. Hierbei sollen demographische Variablen, wie Geschlecht, Alter, Sportart, Trainingsalter und Trainingszeit im Vordergrund stehen, da diese bislang erst wenig und meist an kleinen Stichproben untersucht
wurden.
...
Die Fragestellung wurde im Rahmen einer Querschnittstudie an Ausdauersportlern untersucht.
Die Athleten wurden zufällig ausgewählt. Hierzu wurde eine Reihe von Athleten im Anschluss an sechs Ausdauersportveranstaltungen (zwei Lauf-, zwei Triathlon- und zwei Radsportveranstaltungen) zufällig kontaktiert. Die Betreffenden wurden dann über einen schriftlichen Fragebogen nach dem Wettkampf befragt.
Die Rücklaufquote betrug 92,2%.

Sportsuchtgefährdung wurde operationalisiert über das Screeningverfahren „Exercise Addiction Inventory“ (EAI).
...
1. Training ist das wichtigste in meinem Leben
2. Es haben sich bereits Konflikte zwischen mir und meiner Familie und/oder meinem Partner bzgl
der Menge meines Trainings ergeben
3. Ich nutze Training als einen Weg um meine Stimmung zu ändern (z.B. um mich aufzuputschen,
um mich abzureagieren)
4. Mit der Zeit habe ich die Menge meines Trainings pro Tag erhöht.
5. Wenn ich ein Training ausfallen lassen muss fühle ich mich launisch und reizbar.
6. Wenn ich die Menge meines Trainings reduziere und dann wieder beginne, ende ich immer wieder
bei der Menge, die ich vorher durchgeführt habe

Alle Fragen sind mit einer fünfstufigen Antwortskala versehen: 1 trifft gar nicht zu – 5 trifft sehr zu.

Terry, Szabo und Griffiths (39) postulieren, dass für Personen, die im EAI einen Wert von 24 Punkten oder höher erreichen, ein erhebliches Risiko besteht, Sportsucht zu entwickeln. 13 bis 23 Punkte sprechen für das Vorliegen einiger Sportsuchtsymptome, während bei 0 bis 12 Punkten von keinerlei Symptomatik ausgegangen werden kann. Eine entsprechende Erläuterung, warum die Bereiche so festgelegt worden sind, geben die Autoren nicht.

Insgesamt nahmen 1089 Sportler an der Befragung teil.

Es zeigte sich, dass insgesamt 4,5% der Befragten (N=46) sportsuchtgefährdet waren, ihre EAI-Scores betrugen mindestens 24 Punkte. 83,1% der Stichprobe (N=853) wiesen einige Sportsuchtsymptome auf (13-23 Punkte) und 12,4% der Teilnehmer (N=127) waren ohne Sportsuchtsymptome (0-12 Punkte).

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (2 Wertungen)

Ja und?

Von allen mir bekannten Süchten, ist das die, die mir am sozialverträglichsten erscheint. Und wenn schon Sucht, dann lieber nach Ausdauer, als nach Alk, Nikotin oder Geltung...oder was man sonst so haben kann.
Und die Sportsucht geht ja im Regelfall auch nicht mit Beschaffungskriminalität oder der Gefährdung Unbeteilgter einher, also, keep on... ;-)
Es grüßt Fritze

"To finish, you have to start!!"

Wie, ja und?

Warum gleich diese Defensiv-Bemühungen?

Nichts, dem Du da widersprichst, wird doch behauptet.
Ob die "Sucht" positiv oder negativ zu werten sei, bleibt doch z.B. ganz explizit offen. Gib's zu - Du hast das gar nicht gelesen, oder? Nur "Gefährdung durch Sportsucht" und dann reflexartig los.
Das ist eine (wahrscheinlich ergebnisoffene) wissenschaftliche Studie - und eine in meinen Augen nutzbringende noch dazu.

Also reg Dich ab ... sonst meint noch jemand, Du seist betroffen ...

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC

Kommt ja auch auf die Zielsetzung an!

Wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, arbeite ich natürlich auch mit viel Herzblut darauf hin, egal ob dieses Ziel sportlicher oder sonst welcher Art ist! Wenn ich in solchen Phasen - jetzt auf's Laufen bezogen - nicht trainieren kann oder ein Training ausfallen lassen muss, weil eben gerade etwas anderes wichtiger ist, nervt mich das schon! Zumal das Laufen auch für mich eine Kraftquelle für den Alltag bietet. Somit kann ich also mit dieser "Sucht" sehr gut leben! In Regenerationsphasen sehe das natürlich längst nicht so eng! ;-)

Ansonsten kann ich Fritze nur beipflichten, die Sportsucht tut wenigstens niemandem weh! Zumindest solange Familie und Job nicht darunter leiden. Also... geht weiterhin Laufen, und zwar mit höggschder Disziplin!
;-))

Interessant!

Abschließend würden mich auch die Folgen von Sportsucht auf Körper und Geist, ob negativ oder positiv (wenn es die bei einer "Sucht" denn gibt) interessieren.
Wie kann sowas enden?
Klar, körperlicher Burnout!
Immer?
Die Alarmzeichen kann ich so schon über die Screenings ableiten.
Solange ich es noch schaffe, diese zu erkennen und zu reagieren wird schon alles gut sein.

Die Folgen im Alter bei dauerhaften körperlichen Extrembelastungen an den Grenzen sind ja hinreichend bekannt, sei es durch Arbeit oder Leistungssport.

Wobei ich zum Beispiel das Marathon- oder Ultralaufen als Hobby bewußt nicht an den absoluten Leistungsgrenzen, die ja mit effektivem Training und Gewöhnung immer weiter verschoben werden, wieder ganz anders sehe.
Suchtcharakter?
Vielleicht ein bisschen?
Aus Sicht des Durchschnittsmenschen oder Durchschnittssportlers bestimmt.
Für mich kaum, aber das behaupten evtl. Betroffene ja immer. ;o)

Lieben Gruß Carla, für die sich in der Freizeit fast alles um Sport dreht :o)
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Auch wenn ich nur auf wenige Punkte komme...

... 4. und 6. treffen voll zu. Aber was ist daran Sucht?
Sind wir nicht alle gerne diesbezüglich süchtig?
;-)
PS: ich mag laufen. Ich mag lange laufen. Und doch hab ich 8 Wochen ohne überlebt. Zeit mir den Raucher oder Spriti, der das kann. ;-))

Muss ich mir jetzt alles abgewöhnen

Ob die Operationalisierungen...

im Falle von Ausdauersport so ideal sind? Es liegt doch z.B. in der Natur der Sache, dass man z.B. die Menge des Trainings mit der Zeit erhöht, da man eben mehr Ausdauer bekommt und dann länger laufen KANN. Mache ich das nicht, nutze ich ja die Effekte meines Trainings gar nicht voll aus. Würde ich hingegen z.B. Gewichtheben betreiben, könnte ich vielleicht die gleiche Zeit pro Tag trainieren, aber würde mit der Zeit mehr Kilo stemmen, sodass ich vom Trainingsstand her vorankäme, ohne bei Frage 4 zwangsläufig nen hohen Wert zu erzielen. Das ist bei Ausdauersport so fast nicht möglich. Wer Trainingspläne mit steigenden Umfängen durchzieht, kriegt zwangsläufig hohe Werte bei Frage 4, wenn ers ein bisschen ernst meint mit der Erreichung des Ziels z.B. Marathon auch bei Frage 5 und 6. Ist auch nur logisch, dass man bei einer auf Wettkämpfen gezogenen Stichprobe von Leuten größtenteils hohe Werte vorfindet.
Ich laufe momentan nur ziellos vor mich hin, keine 20 km pro Woche, und hab trotzdem schon einen Haufen Punkte, weil mir diese paar Kilometer verdammt wichtig sind, mein Partner sich gerne drüber aufregt und ich mich regelmäßig auch durch Laufen abreagiere. Ich glaube, dieses Screening ist ein bisschen "übervorsichtig" angelegt und nicht ideal für Ausdauersport geeignet.

Völlig fehlt mir eine sonst bei Suchterkrankungen häufig gestellte Frage, in etwa: "Ich betreibe meinen Sport weiter, auch wenn ich bereits verletzt bin oder durch das Training gesundheitliche Schäden drohen". Kann man vielleicht von einer Studie, die bewusst offen lassen will, obs auch ne positive Sucht sein könnte, nicht erwarten, aber Frage 6 ersetzt das für mich nicht ausreichend.

Im übrigen: 92% Rücklaufquote? :D Da sieht man mal, wie auskunftsfreudig "wir" sind, wenns um unseren Sport geht, bei vielen anderen Studien kann man von so hohen Werten nur träumen.

Wo fängt die Sucht an...

...ist doch immer wieder spannend zu diskutieren.
Zunächst also danke an Waldboden für den Anstoß zur Diskussion. Interessant finde ich auch, wer hier postet :-)
Ich ganz für mich alleine denke, dass Sucht da beginnt, wo die Kontrolle über das eigene Verhalten endet.
Wenn ich ein Ziel verfolge, und auch mal laufe, obwohl ich keine Lust habe, dann nenne ich das "zielstrebig" oder "diszipliniert".
Wenn ich aber ein Ziel verfolge, und auch laufe, wenn ich krank bin oder verletzt und das Ziel über allem steht, dann sieht die Bewertung sicher anders aus.
Ob die 6 Fragen aber geeignet sind, herauszufinden, ob man "nur" ehrgeizig oder "schon" süchtig ist, das bezweifle ich auch ein wenig. Aber so als Denkanstoß finde ich es schon ok.

die Natur des Menschen

Die grundlengede Fragestellung ist aus aktueller kultureller Sicht zwar nachvollziehbar, allerdings wird aus meiner Sicht vollkommen ausser Acht gelassen, das Mensch nunmal durch die Evolution zum Laufen konditioniert wurde. Leider ist die Fortbewegung auf zwei Beinen in unserer heutigen Kultur ja quasi schon beinahe überflüssig, allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass dies vor einigen Jahrtausenden noch gänzlich anders war. Vielleicht gehen die vermeintlich Süchtigen (oder Gefährdeten) ja auch eher auf ihr evolutionäres Potential ein als der Rest der (möglicherweise degenerierten) Gesellschaft?! Wäre ein interessanter Ansatz für eine alternative Studie.

Hilfe, meine Frau ist süchtig!!!

Hallo,

meine Frau ist süchtig; ich bin entsetzt:

1. Training ist das wichtigste in meinem Leben

Nö, macht aber trotzdem einen Punkt für nix.

2. Es haben sich bereits Konflikte zwischen mir und meiner Familie und/oder meinem Partner bzgl der Menge meines Trainings ergeben

Ja, oft hat sie keine Lust, wenn ich sage, wir laufen noch eine Runde mehr.
Ganz klarer Konflikt, also fünf Punkte, macht schon sechs.

3. Ich nutze Training als einen Weg um meine Stimmung zu ändern (z.B. um mich aufzuputschen,um mich abzureagieren)

Ja, bisher hat sie sich noch nach jedem Lauf besser gefühlt als vorher. Das
ist eine ganz klare Stimmungsänderung. Wieder volle Punktzahl, macht dann derer
schon elf.

4. Mit der Zeit habe ich die Menge meines Trainings pro Tag erhöht.

Und wie! Als sie anfing, war sie froh über den ersten Fünfer. Fünf läuft sie
inzwischen in FiveFingers zum Entspannen zwischendurch. Oh Gott, schon wieder
volle Punktzahl und mit 16 mittendrin in der Suchtkrise!

5. Wenn ich ein Training ausfallen lassen muss fühle ich mich launisch und reizbar.

Wie etwa gestern, als der für den Nachmittag geplante Lauf wegen des Wetters
ins Wasser fiel. Müsste eigentlich zehn Punkte geben. Aber immerhin sind wir
mit den fünf möglichen hier schon bei 21.

6. Wenn ich die Menge meines Trainings reduziere und dann wieder beginne, ende ich immer wieder bei der Menge, die ich vorher durchgeführt habe

Zum Glück! Wäre ja zu dumm, wenn das nach einer Erkrankung, Verletzung oder
Urlaub als Ursache für die Reduzierung nicht klappen würde. Leider auch hier
wieder volle Punktzahl. Macht 26, also Sucht!!!

Und was die Damen und Herren noch vergessen haben:

7. Immer wenn meine Frau einen Lauf absolviert hat, trägt sie ihn teilweise noch vor dem Duschen bei Jogmap ein (,um mich zu ärgern).

8. Freut sie sich wie Bolle, dass sie in dieser verdammten Stadtliga vor mir liegt.

9. Waren Läufe schon kurz vor einem Abbruch, wenn der Akku vom Garmin mal leer war.

Ich halte einige der genannten Kriterien bezogen auf Lauftraining für nicht übertragbar. Man hat in den genannten Kriterien offenbar eine anerkannte Sucht wie Rauchen einfach durch Training ersetzt, was, wie oben gezeigt, zu unsinnigen Ergebnissen führt.
Immerhin sind die Verfasser der Studie nicht statistiksüchtig: Wie kann es denn sein, dass jeder absolute Sportverweigerer mindestens 20 % der maximalen Punktzahl erreicht?

Fazit: EU-Bini ist also süchtig! Schön, auch das verbindet uns.

Machmalhindu

Mal so gesehen,

was dir von der Natur gegeben ist, ist doch eigentlich keine Sucht. Vergleich ich mal mit der Tierwelt: Mein Hund kann ich süchtig machen um Drogen zu finden oder so was, aber von Natur aus läuft der gerne, freut sich wenn ich mich aufraffe und mit ihm ´ne Runde renne. Mach ich das eine Weile nicht faulenzt er nur rum, kriegt dann Verdauungsprobleme und wird dick, fängt an Unsinn zu machen, buddelt im Garten rum, nagt an seiner Hütte, Stühle und was weiß ich. Der ist doch nicht süchtig nach laufen, der brauch das um gesund zu bleiben. Wenn es ihm zu viel ist bleibt der einfach stehen und bei großer Wärme auch. Wenn es so weit ist, ist es allerdings schon fast zu spät, weil der Hund an sich zur Übertreibung neigt oder besser gesagt niemals zurückfallen will/darf. Quasi Urinstinkt - wer aus der Gruppe zurück fällt bleibt auf der Strecke. Eigentlich allerhand Parallelen oder nicht? Sind wir nu also süchtig? Nee, man neigt aber zum Faulenzen und das macht auch krank, uns genauso wie den Hund, weil wir nicht zum Rumsitzen gebaut sind, dann hätten wir nämlich nicht überlebt. Punkt

Mal läuft´s und mal läuft´s besser.

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links