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Gerade, als ich mich zum Laufen umziehen wollte, regnete es junge Hunde. Ich wartete noch einen Moment, es regnete weniger und zog mich um und stattete mich sicherheitshalber mit einer Schirmmütze aus. Als ich am Spiegel vorbei kam, musste ich unwillkürlich lachen. Die langen strohblonden Haare hingen hinten aus der Mütze und das Spiegelbild erinnerte mich sehr an Otto Walkes ;-) Na, dann geht halt Otto heute laufen, dachte ich.
Schon nach einem Kilometer in meinem Berg hörte ich es grusen und knacken und fürchterlich laute Motorengeräusche. Ich lief weiter und in meinem Kopf kreisten schon die Gedanken, was ich mache, wenn da so ein Holzwirtschaftsfahrzeug mitten auf meiner Laufstrecke steht.
Aber zuerst musste ich mal den steilen Trail hoch, der sich durch die Regenfälle wieder in ein wasserführendes Bachbett verwandelt hat. Oben angekommen lief ich weiter und nach der nächsten Biegung sah ich die Bescherung.
Ein Monsterschredder stand mitten auf dem Waldweg, seine Ausladung ragte weit über beide Seiten des Weges hinaus. Das Motorengeräusch derart laut, dass nicht daran zu denken war, dort irgend jemand auf mich aufmerksam machen zu können, damit ich dort passieren könnte.
Also wieder zurück und schnell überlegen, wie ich möglichst streckentreu weiterlaufen kann. Ich musste dazu einen höllischen, steilen Bikertrail wählen, der haarscharf am Abgrund entlang führte und dessen Belag aus Steinen, Schlamm und Wurzeln bestand.
Danach ging es über die geteerte Passstrasse wieder ein Stück runter, wo ich an meine alte Strecke anschliessen konnte. Gut ein Kilometer lief es toll, dann das nächste Hindernis.
Einige Bäume waren auf einen kleinen Weg im Steilhang gefallen. Drüber klettern oder umkehren, war jetzt die Frage. Ich entschloss mich zum Drüberklettern, denn irgendwie musste ich ja heute mein Trainingsziel, den Höhenweg noch erreichen.
Da ich von weitem immer noch die lauten Motorengeräusche hören konnte, brauchte ich auch nicht an die Möglichkeit denken, den besagten Weg für den Rückweg zu nutzen. Das war ärgerlich, den hier konnte man zum Schluss noch mal ordentlich Höhenmeter sammeln.
Aus diesem Grund baute ich jetzt noch ein paar Nebenhügelchen mit ein, um eine möglichst gleich profilierte Strecke zu haben.
Dann ging es die zuvor erwähnte Passstrasse rauf, komisch, die kam mir beim Ablaufen irgendwie kürzer vor :-)
Nun kam wieder der steile Bikertrail. Gerade, als ich vorsichtig über die verschiedenen Untergründe lief, kam mir der Gedanke, was wohl wäre, hier an so einem Engpass in so einer abgelegenen Gegend jemanden zu begegnen und prompt kam mir ein Mann entgegen. Der schaute mich genau so verdutzt an, wie wohl auch ich geschaut habe. Ein nettes Grüezi und es ging weiter. Puh, das war zum Glück ein Netter. Ob die Schweizer überhaupt den Otto kennen?!
Als ich noch gut einen Kilometer zu laufen habe, kommt mir ein sehr betagter Herr bergauf entgegen. Den hab ich schon öfter mal hier gesehen und wirklich bewundert, wie er so halb laufend, halb walkend in seinem Alter noch durch die Gegend zieht.
Und so kam ich heute noch zu meiner kleinen guten Tag des Tages, indem ich ihn auf das Streckenhindernis „Monsterschredder“ auf seiner Strecke hinweisen konnte. Er war froh, dass er frühzeitig eine Alternative überlegen konnte.
Mit all den kleinen Unwegsamkeiten wurde es heute kein schneller Lauf, aber ein sehr unterhaltsamer und irgendwie lustiger und ja, ein Monsterschredder kann mich von meiner Streckentreue abbringen. Der Lauf endete in strahlendem Sonnenschein, die Ottomütze steckte beim Schlusskilometer im Hosenbund. Zusammen kamen 11,5 km mit 504 Höhenmetern und einer langsamen pace von 8:28, ausser beim letzten KM, den ich mit um die 5 laufen konnte.

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Gesamtwertung: 3 (10 Wertungen)

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