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Nett sind die wirklich, diese Schwedinnen. Selbst im strömenden Regen beim Überreichen der fünfhundertsten Salzgurke, des zigtausendsten Wasserbechers oder des allfälligen Hotdogs immer noch ein strahlendes Lächeln für jeden einzelnen. Soviel Enthusiasmus bei Zuschauern und Helfern habe ich bisher noch nirgends erlebt.
Nach einem Tag Stadtbummel, Bestaunen der Vasa (einem 1628 quasi noch im Hafen gesunkenen und 1961 wieder gehobenen Kriegsschiff) und einer oberleckeren Pastaparty, alles im strahlenden Sonnenschein, ist es am nächsten Morgen eher bedeckt. Start ist aber erst um 12, also kann ich noch in Ruhe ein wenig im Gras am Östermalms IP herumliegen, mich gemütlich am Dixi anstellen ... dann wird es doch etwas hektisch und der Startblock ist im Grunde ausgebucht. Insgesamt werden 16.744 starten, ist also nicht wirklich familiär. Und natürlich bin ich wieder mal viel zu weit hinten und alle anderen vor mir viel zu langsam, also stop and go, erst ab km 15 ist ein bisschen mehr Platz zum Laufen. Das strengt ganz schön an. Außerdem merke ich jetzt auch die Ganztagswanderung vom Vortag in den Knochen, aber was hilfts, ein bisschen Tourismus will man ja auch haben. Stockholm ist zwar nicht so riesengroß (einen Rundkurs durch die ganze Stadt muss man schon zweimal ablaufen für 'nen Marathon), dafür sehr abwechslungsreich. Erst über den Valhallavägen durch das beschauliche Östermalm, dann am Wasser den Strandvägen entlang zum Norrmalmstorg (wo man sich als Bankräuber gerne mal ein bekanntes Syndrom einhandelt) rüber auf die Altstadtinsel Gamla Stan, an Parlament und Königsschloss vorbei (ob da wohl jemand heimlich hinter der Gardine linst ...?), durch Södermalm weiter am Wasser, hoch auf die 26 m hohe und 600 m lange Västerbron-Brücke (da geht schon in der ersten Runde manch einer langsamer). Überhaupt geht es ganz schön rauf und runter hier: durch den Autotunnel, über die Brücke, Hügel hoch, Hügel runter. Dann in Kungsholmen auf den imposanten Turm des Stadshuset zu (wo im Dezember die Nobelpreisbankette stattfinden), durchs geschäftige Norrmalm bis man wieder am Start vorbeikommt (sind aber noch nicht mal 20 km). Auf der zweiten Runde einen Extraschlenker über Wald und Wiesen von Gärdet und Djurgarden und wieder die wirklich schönen Ausblicke von Strandvägen, Schloss, Skeppsbron, Södermalarstrand (inzwischen regnet es ziemlich heftig), wieder über die elende Brücke, Norrmälarstrand. Ab km 35 machen sich das Gedrängel vom Anfang und die Steigungen schmerzhaft bemerkbar, alles ist nass und saukalt und einzig der Traum einer heißen Dusche treibt mich jetzt noch voran (obwohl jeder Aussteiger kostenlos mit dem Taxi! ins Ziel gefahren wird). Noch ein Hügelchen und noch eine Kurve, aber irgendwann darf man doch ins alte Olympiastadion von 1912 abbiegen, das ist wirklich nochmal ein emotionaler Höhepunkt, eine halbe Bahn und das Ziel in 3:42, mehr ging heute einfach nicht. Immerhin habe ich laut Statistik zwischen km 5 und Ende 1.109 Plätze gutgemacht und rund 12.000 der 15.600 Finisher kommen noch nach mir. Selbst über eine Stunde später, nach Hotdog und akoholfreiem Weizen, umgezogen, mit Finisher-Shirt und Verpflegungsbeutel ausgestattet, stehe ich noch eine ganze Weile im Stadion auf den Zuschauerrängen und schaue der nicht abreißenden Menschenkette zu, die da ins Ziel strömt. Insgesamt: anstrengende, aber sehr schöne Strecke, top organisiert, und nett sind die Schweden ja sowieso.

Für alle Freunde des bewegten Bildes:
Stockholm Marathon 2013
oder
Stockholm Marathon 2013_2

kk

4
Gesamtwertung: 4 (8 Wertungen)

Stockholm

Ich kann das alles nur bestätigen! Bin 2008 in Stokholm gelaufen. Damals war es sehr heiß, aber man hatte nach jedem Kilometer eine Dusche. So habe ich an einem Tag mehr als 40 mal geduscht. Auch ein persönlicher Rekord. Schöne Stadt, gut organisierter Marathon - sehr zu empfehlen. Nur! Die Medaille. Sie hat kein Band, einfach nur ein großer schöner schwerer Taler. Ich weiß immer noch nicht wie ich sie aufhängen soll.
Vor vier Wochen bin ich den Kopenhagen Marathon gelaufen. Diesmal im strömenden Regen, aber dafür mit persönlicher Bestzeit. Auch Kopenhagen ist ein Erlebnis, besonders der Hafen und das Tivoli und ich kann es wärmstens empfehlen.
Und nun sommerliche Grüße.
Devi

Inzwischen mit Band

Die Medaille gibt's inzwischen mit einem schönen Band in den schwedischen Farben - gross und schwer ist sie immer noch, als dauerhafter Halsschmuck also eher nicht zu empfehlen!

Stockholm Marathon 203

Jupp,an diesen Beiträgen gibt es nix zu ergänzen! Ich habe hier zwar nicht meine Bestzeit gelaufen aber dieser Lauf gehört zu den schönsten (trotz Regen in der 2. Runde) meiner Marathons! Das Wetter am Tag davor und dem Tag danach hat aber für alles entschädigt und die ganzen netten Helfer sowieso :-)

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