.....wie ist so etwas möglich. Wovon ich nicht zu träumen gewagt habe, ist am Sonntag in Koblenz wie ein Wunder im Dauerregen über mich niedergekommen.

Aber nu erst einmal von Anfang an......

Für den Hochwald-Mittelrhein-Marathon in Koblenz hatte ich einen Startplatz vom TEA bekommen. Wie der Zufall es wollte beglückte TEA meine Buddyline Carla Santana mit dem gleichen Event. Da wir beide ja praktisch Nachbarn – Münsterländer – sind und dazu noch eingefleischte Ruhries, fuhren wir natürlich gemeinsam am Samstag zum Rhein, um uns bei einem lieben alten Bekannten, Kawi und seiner Familie, mit unseren Laufklamotten breit zu machen. Unterwegs sammelten wir dann noch Meli ein, die uns kurzfristig angeschlossen hatte, um unser Unternehmen zu bereichern. Herzlichst wurden wir von Familie Kawi empfangen und mit allerlei Leckereien versorgt. Danke Frau Kawi für die wohlschmeckende Lasagne, den vegetarischen Nudelauflauf und die vitaminreichen Beilagen nebst köstlichem Rotwein. Ein herzliches Dankeschön liebe Kawitochter für die Überlassung deines ureigenen Wohlfühlbereiches, in dem ich den notwendigen Schlaf für ein zu diesem Zeitpunkt noch nicht definiertes Ziel bekam.

Nach Abholung der Startunterlagen und einem kleinen Bummel durch Koblenz mit köstlichem Eis am Samstagnachmittag ging es nach dem CL-Endspiel ins Bett.
Sonntagmorgen 06.30 Uhr, so langsam wurde es unruhig (nicht hektisch) im Kawiheim, denn es wollten 3 Läufer/innen und ein Supporter natürlich die Morgentoilette erledigen. Frühstück war für 7 Uhr angesagt und hierbei wurde schon mal über mögliche Laufziele und den optimalen Tagesablauf gesprochen. Das Pferdchen wollte mal testen, was sie so nach den letzten Wochen drauf hat aber im Hinblick auf den ZUT auch kein allzu großes Risiko eingehen. Eben ein zügiger Testlauf. Meli klagte über ein Zipperlein am linken Unterschenkel und wusste noch nicht so recht wie sich das so entwickeln würde. Eines war mir klar, beide sind in der Lage, den Mara mit 3:30 zu finishen und da würde ich „alter Mann“ nicht mithalten können. Meine Ansage an unseren Supporter also: Wohlfühlbereich 4-Stunden-Ziel plus/minus, was meinem Leistungsbereich entspricht.

Bei einem Blick aus dem Fenster wurde noch mal überlegt: Was anziehen ?
Es regnete, regnete, regnete und schien nun wirklich nicht aufhören zu wollen (und tat es auch tatsächlich nicht). Hatten wir eine Wahl? Nee, also Regenschutz über und ab zum Start. Dort hatten sich dann ein paar Hundert Marathonies und Staffelläufer mit „Schwimmflossen“ verirrt und wollten den Lauf vom Deutschen Eck nach Boppard und zurück genießen (eher begießen). Zuschauer habe ich bewusst nun wirklich nicht wahrgenommen – hey, es war Sonntagmorgen, 8.30 Uhr, Dauerregen, was soll es da schöneres geben als bekloppten Regenläufern zuzujubeln.....! Uns störte das nicht wirklich und wir gingen das Event dann gemeinsam locker an. Jeder versuchte seinen Rhythmus zu finden – ich merkte aber schon schnell, dass meine liebliche Begleitung doch wohl schon etwas zügiger wollte – obwohl unsere Pace auf den ersten Kilometern schon bei 5:00 lag. Also lies ich sie ziehen, zunächst Meli und dann auch noch Carla, während ich meine Arthrose im linken Sprunggelenk erst einmal geschmeidig machen musste. Kawi, unser Supporter mit dem Mountainbike, hatte sich als gelber Engel verkleidet und begleitete uns und war stets in unserer Nähe....(ein gutes Gefühl). So ab etwa KM 5 spürte ich eine gewisse Lockerheit in meinem Lauf und die Pace von +/- 5 konnte ich halten. Schon bald erblickte ich das Pferdchen und – oh staun – sie kam immer näher. Es lief rund und ich fand Uwe, einen Lauffreund von Kawi, einen Läufer, der meinen Schritt aufnahm (oder nahm ich seinen auf ?). Die KM gingen an uns wie im Flug vorbei, wir quatschten so über dies und das und das Pferdchen blieb – oh staun - zurück, Meli „sackte“ ich auch ein und – ruck zuck – hatte wir den Wendepunkt in Boppard erreicht. Erstaunlicherweise zeigte die Uhr 1:45:28, sage und schreibe nur 30 Sekunden über meine HM-Bestzeit. Ich schaute immer wieder ungläubig auf meine Uhr. Zuvor schon wies ich Uwe immer wieder darauf hin, dass ich eigentlich zu schnell sei, dieses Tempo (Pace von unter 5) könne ich nie und nimmer halten und die 2. Hälfte müsse ich langsamer angehen lassen. Beim Münster-Marathon im vergangenen Jahr hatte ich es erlebt und bei damals 25 Grad, in der zweiten Mara-Hälfte das Tempo mächtig gedrosselt bzw. drosseln müssen um gesund zu bleiben.

Uwe verließ mich jetzt, weil er den Duo-Marathon mit einem Freund absolvierte, den er in der 2. Hälfte begleiten wollte – unter 2 Stunden war für den Partner angedacht. Ich verabschiedete mich also mit einem kurzen „bis gleich“!
Mein Hirn fing an zu rotieren – wie war das ? Bis gleich ? Wenn der seinen Freund jetzt in der 2. Hälfte zu einem HM unter 2 Stunden begleiten wollte, dann kann ich jetzt meine Pace reduzieren, entspannter Laufen und hab trotzdem noch PB !!?? Ihr müsst wissen, meine PB datiert aus 2009 mit 3:51:03 im satten Alter von 48 Jahren.
Unterwegs kam immer mal wieder der Kawi vorbeigefahren – schaute – „Mensch du siehst gut aus, läufst wie ein Uhrwerk, mach weiter so“ hörte ich natürlich gern von ihm. Stets bekam ich auch Info`s über Meli und Carla, die ich auf meinem Rückweg kurz vor deren Wende grüßte und abklatschte. Beide sahen gut aus und alles lief rund. – Wow, ich war ja ein paar Hundert Meter vor denen - !
Hey dachte ich mir, ich seh auch gut aus, es läuft noch absolut rund und ich fühl mich gut. Ab und zu standen ein paar regenresistente Zuschauer am Rand, die ich ebenfalls abklatschte oder mit einem lächelnden Dankeschön auch ein kleines Lächeln am nasskalten Straßenrand ins Gesicht zauberte. Danke den lieben Mittelrheinern für die unermüdlichen Anfeuerungsrufe und mentale Unterstützung.
Ich nahm aber nun bewusst ein klitzekleinesbisschen Pace heraus, um die kommenden kleinen aber stetigen Steigungen problemlos bewältigen zu können. Aber es blieb immer noch genügend Zeit um die wunderschöne Landschaft am Rhein zu genießen. Von KM 22 bis 35 hatte ich auch genügend Zeit dafür, denn hier war ich so ziemlich einsam auf der Strecke. Ich fing den ein oder anderen Marathonie und Staffelläufer ein, keiner lief meinen Rhythmus, und die KM strömten an mir vorbei. Meli war jetzt wieder richtig gut drauf und holte mich ein und lief auf und davon, die war auf eine Zielzeit von unter 3:30 – na ja, dachte ich mir, dieses Fliegengewicht schwebt ja nur so über`n Asphalt -! Kawi informierte mich, dass das Pferdchen sich auch wieder gefangen hätte und mehr Power machen würde und so langsam wieder ran kommt. Dachte ich mir`s doch, dieses Ultra-Tierchen, spielt jetzt ihre Stärke aus, steckt mich gleich in den Sack, der „alte Mann“ kann doch nicht etwa schneller sein.......
Also wartete ich auf nur darauf, in ihre Fangnetze zu geraten. Es kam aber anders als ich zu träumen gewagt hatte.

Zunächst ein Schreck: Vor mir tauchte im Blickfeld Meli auf, humpelnd bei KM 35 !!
Das gibt`s doch nicht, die war so gut drauf!! Was machen ? „Hey Meli, was ist los“ hörte ich mich sagen, „kann ich dir helfen“ – Es war ihr Zipperlein, wovon ich eingangs schon sprach. Sie konnte nicht mehr, der Unterschenkel streikte. Bleib ich bei ihr? Lauf ich weiter? Ihre Augen sagten nur: „Lauf“! Mein Hirn sagte auch „Lauf“ (sorry Meli), aber ich wusste, Kawi der gelbe Engel, war da ja noch. Ja, er schaffte es sogar, die Meli wieder zum Laufen zu bewegen, so dass sie das Ziel sogar noch – trotz Verletzung – es stellte sich ein Muskelfaserriss heraus – in ihrer persönliche Bestzeit erreichte. Boah ey, was wird uns die noch in Zukunft für Zeiten liefern.........so ein kämpfendes sympathisches Leichtgewicht....
Okay, Gedanken an Meli nun hinten angestellt lief ich meinen „Turn“ weiter. Ungläubig schaute ich immer wieder auf meine Uhr – sollte ich es sogar unter 3:40 ins Ziel schaffen ? Den Stelzen ging es noch gut, der Kopf war frei, alles lief rund – eben wie ein Uhrwerk......wenn jetzt nur nicht die innerlich aufkommende Kälte wäre. Trotz Funktionsunterwäsche und Laufjacke, trotz dicker eingeschmierter Fettschicht auf den freien Körperstellen forderte der stetige Regen so langsam seinen Tribut. Schxxxxegal – weiter geht`s, schließlich hast du auch den frostigen Frankfurt-Mara im vergangenen Jahr im kurzen Outfit unter 4 Stunden gefinisht.

Meine Gedanken kreisten, die letzten KM gingen problemlos an mir vorbei. Kawi gab mir noch mal die letzten Tipps – nehm jetzt Cola am Verpflegungsstand und spül mit Wasser nach..... Gesagt getan... wo war mein erwarteter Einbruch ??
So langsam wusste ich, das wird eine absolut unglaubliche geile Zeit, wenn jetzt nichts mehr passiert (ich dachte wieder an Meli).
Unterwegs konnte ich noch 2 schwächelnde Läufer motivieren, der eine hieß Frank, glaube ich, und der andere, ähh....., noch mal wieder Gas zu geben. Wir quatschten ein wenig, sie vergaßen ihre „Schmerzchen“ und folgten in meinem „Windschatten“. Im Ziel bedanken sie sich noch mit einer herzlichen Umarmung für`s „Wecken der letzten Laufgeister“.

KM 36, 37, 38.........41.. es lief und lief und ich grinste schon wie ein Honigkuchenpferd.
Apropos Pferd.......ich hörte ein ganz leises Maaaaaaannnnyyyyyy... in meinem Ohr! Das wird doch wohl nicht ....? Ich schaute mich um – da war sie, meine Buddyline - ! Boah ey, dieses „Kampftier“.....da war sie...und es klang so eindringlich ....ein Hilferuf?....ich spürte da etwas in mir, dass war unbeschreiblich emotional....Ich hörte mich nur zurückrufen: „Komm, komm, du schaffst das, ich warte.... Meine Pace fuhr ich zurück, so langsam „schnaubte“ sie sich heran, ich streckte meine Hand nach hinten raus, ergriff sie und wir liefen wie in Trance gemeinsam die letzten vielleicht noch 100 oder 200 Meter Richtung Ziel......“Many, willst du nicht laufen?“ Nein, ich wollte nicht. Ich wollte diesen für mich einzigartigen Moment mit dem Pferdchen genießen......ich sah keine Zuschauer mehr, keine Ordner .....und und und....nur noch diesen genialen emotionalen Zieleinlauf in mich einsaugen!!
Mit einer Träne im Auge stand ich da „super stolz“ hinter der Ziellinie. Nahm das Pferdchen in die Arme und war unbeschreiblich glücklich........

Ach ja: Dieses leichte Grinsen im Gesicht, konnte ich noch nicht ganz ablegen, die Waden haben immer noch einen kleinen Mukkelkater, der mich meinen ungeplanten einfach über mich gekommenen grandiosen Lauf in 3:35:44 immer noch spüren lässt. Von mir aus kann der immer bleiben, um mich an dieses Erlebnis, mit meinen ins Herz geschlossenen Freunden/innen zu erinnern.

Ein geiles Gefühl, wenn Ruhries immer für einen da sind .........
...und mein lieber Freund Knut...jetzt weiß, ich wie sich das anfühlt!

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Gänsehaut total

was für ein Lauf!

Sprachlose Glückwünsche!!!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

*schniefschniefschnauf* :ó)

Many, es waren laut Ergebnisliste sogar 03:35:41! :o)))

Aber das ist fast unwichtig gegenüber dem, was ich da mit Dir erleben durfte!!!!

Ich war grad wieder mit Dir unterwegs, meine Zähne knirschten, die Muskeln zuckten, der Klos war im Hals, der Puls pubberte, die Augen wurden total verregnet....Danke Dir für diesen Moment des totalen Glücks! :ò))

Danke, dass ich es grad noch mal erleben durfte und nachher werd ichs noch mal lesen....und noch mal...und nochmal....:o)

Du bist einfach sausaustark gelaufen und ich wusste vorher, dass Du das kannst!!!
Nicht umsonst hab ich Dich um Hasendienst gefragt!! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Der alte Mann ist neue PB

Der alte Mann ist neue PB gelaufen, noch mal ganz herzlichen Glückwunsch! Einen genialen Lauf hast du da abgezogen! Ich grinse mit dir.
Ich glaube bei Jogmap ist dieser Tage Verbrüderungs-, und Verschwesterungs(zielein)lauf angesagt. Gefällt mir sehr.

Gänsehaut! Herzklopfen! Boah

Gänsehaut!
Herzklopfen!
Boah....ja, so ist das mit guten Freunden!
Schöööööööön!!
Herzlichen Glückwunsch!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Mensch Many...

... ich wusste ja garnicht, dass du solche Mädchengeschichten schreiben kannst, so mit Tränchen und Happy-End!?! Bist doch ein richtiger Kerl oder nicht!?!... ;0)

Okay, du schreibst es ja selber da oben auch irgendwo, dass du ja ein alter Mann bist :0))))), da bekommt man schon mal so ein paar Emotionen...

Nää Alter ;0), bei dir musste ich mir keine Sekunde sorgen machen(das du zu Alt bist), es lief bei dir wie am Schnürchen... Ja, einfach genial :0)

Glückwunsch nocheinmal zu deinem Lauf, bist doch ein Kerl ;0)
Gruß,
Kaw.

boah, many...

...grandios hasse dat gemacht, alten sack du! ;-)
neee, mal im ernst: ich kann sehr sehr gut nachvollziehen, wie du dich gefühlt haben musst. und ja, du hast so recht: es ist schön, gleichgesinnte und (ruhrende) freunde zu haben. dadurch macht das alles noch viel mehr spaß...
____________________
laufend knuddelt ihren rennbuddy: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

WOW

was für ein Lauf ... von sowas träume ich !
und DAS dann mit " ins Herz geschlossenen Freunden/innen" zu teilen ... g..l !
Du wirst lang daran denken und es genießen und genau das hast du dir auch verdient !
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Wahnsinns-Ergebnis !
VG

Wow!

Was für ein Lauf - eine PB um eine VIERTELSTUNDE zu unterbieten, ist ja wohl unerhört. Und noch viel schöner ist das gemeinsame Erlebnis, das ihr da hattet, das liest sich so schön, ich bin ganz gerührt, geflasht und gänsehautüberhubbelt.

Ganz herzlichen Glückwunsch!
yazi

"Alte Uhren ... "

... also die richtig alten - die mit Zahnrädern und ne'm analogenem Ziffernblatt ...
"LAUFEN oft "problemloser" als digitale Chronometer ;-)
... und genau so bist du wohl diesen Marathon gelaufen - wie ein Uhrwerk!

oder ... "Alter" schützt nicht vor solch einer irren PB !!! - über 15 Minuten Verbesserung!

Dazu kann man nur respektvoll gratulieren.

Gruss Markus - een neongelbe Löper ut´n Norden

Mein lieber Glatzek....

was bin ich froh, dass ich seit kurzem auch eine Ruhriefeundin bin, sonst tät ich ja gar nicht wissen, von was du sprichst;-))) Boah, was bist du schnell gerannt und was hast du Wundervolles erlebt bei deinem Mara! Ganz fetten Glückwunsch zu solch grandiosen und emotionalen Lauf mit einer schwindelerregenden Zielzeit; Respekt!!!

Lieben Gruß
Tame

Emotionen über Emotionen

Das liest sich sooooo schön! Ich danke dir für diesen tollen Blog! Und ich gratuliere dir aufs Allerherzlichste zu dieser gigantischen Bestzeit!!! Hach, ja.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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