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So steht es auf meinem neuesten Shirt, dem Finisher-Shirt vom Rennsteig-SM.

Ich habe eine besondere Beziehung zu dieser Laufveranstaltung, weil sich unsere Familie hier schon seit vielen Jahren trifft. Früher lief mein Bruder den Marathon und unsere Eltern und wir Geschwister mit Familien wanderten von Oberhof nach Schmiedefeld, um ihn dann dort zu erwarten. Später, als die Söhne das Wandern immer derselben Strecke langweilig fanden, ließen sie sich zum Halbmarathon motivieren – schließlich gab es da einen echten Wettbewerb mit Zeitnahme. So lief/wanderte ich 2005 meinen allerersten HM am Rennsteig in 2:53:xx.

Und nun wollte ich zum ersten Mal am Brunnen in Eisenach stehen und mich von hier aus auf den Weg nach Schmiedefeld machen. Ein Quartier hatte ich mir rechtzeitig gesucht, zur Premiere wollte ich den Start ganz entspannt zu Fuß erreichen. Nachdem ich am Freitag im Hotel „Thüringer Hof“ eingecheckt hatte, gings zur Startunterlagenausgabe und zum Festzelt. Die Atmosphäre war ganz anders, als ich sie von Oberhof und Neuhaus kannte, viel unaufgeregter, irgendwie passend zu meiner Gemütslage. Ich traf Bekannte, aß Klöße, genehmigte mir ein großes Bier und eine Bratwurst. Anschließend bummelte ich noch durch die Stadt und rechtzeitig zum Anpfiff des Relegationsspiels von Dynamo Dresden war ich zurück, Sachen zurechtlegen, Wecker stellen, Gegentor sehen, Fernseher ausschalten. Müde war ich und schlafen konnte ich auch. Das fühlte sich gar nicht an wie sonst vor den Läufen.

Sonnabend 4:30 Uhr klingelte der Wecker. Mein Körper wunderte sich über Kaffee und Honigbrötchen um diese Zeit, wehrte sich aber nicht dagegen. Punkt 5 Uhr meldete das Handy eine SMS: “Hallo Mama, alles Gute für den Lauf. Komm gut nach Schmiedefeld, wir werden Dich dort erwarten. Viele liebe Grüße, Jan.“ Mein Sohn hatte sich den Wecker gestellt, um die SMS zu schreiben und sich dann im Bett wieder umzudrehen. Jetzt war ich bereit für das große Abenteuer.

Der Weg zum Start war kurz. Der Bäcker in der Fußgängerzone hatte schon geöffnet, dort saßen Läufer beim Kaffee. Die Schlangen an den WCs waren noch übersichtlich. Es war erstaunlich ruhig im Startbereich. Am Brunnen traf ich eine große Runde teils bekannter und teils unbekannter Läufer in erwartungsfroher Stimmung. Einigen Nicknames kann ich jetzt endlich Gesichter und Namen zuordnen. Wir wünschten uns gegenseitig viel Glück und Punkt 6 Uhr fiel der Startschuss. Das Läuferfeld setzte sich genauso unaufgeregt in Bewegung, wie es sich vorher versammelt hatte.

Ich wollte nur nach Gefühl laufen und war deshalb ohne Uhr unterwegs, hatte nur das Handy eingesteckt für ev. Kontakt mit meiner Familie. Eine Zeit lang lief ich mit dietzrun, dann verlor ich ihn aus den Augen. Ich lief, wenn alle um mich herum liefen und ging an den Anstiegen, wenn auch alle anderen gingen. Immer wieder horchte ich in mich hinein. Aber alles war im grünen Bereich. Die Atmung war ruhig und gleichmäßig, es tat nichts wirklich weh und die km vergingen mit kurzen Wortwechseln und Gesprächen mit Mitläufern, regelmäßigen kurzen Gehpausen an den Verpflegungsstellen, wo ich Tee trank und alle Sorten Haferschleim probierte. Ein Würstchen genehmigte ich mir an der Ebertswiese und später auch noch ein Schmalzbrot. Am Inselsberg schickte ich eine kurze SMS an meinen Sohn und ab da hatte ich nette Begleitung durch einen erfahrenen Ultraläufer, mit dem ich mich bis km 50 bestens unterhielt. Da schickte er mich voraus, weil er eine längere Gehpause einlegen wollte.

Am Grenzadler betrat ich Neuland, denn ich war bisher nie weiter als 54,4 km am Stück gelaufen. Ich spürte zwar langsam die Anstrengung und die Füße taten weh, aber mein Körper funktionierte einwandfrei. So begann ich darüber nachzudenken, ab wann ich es denn riskieren könnte, etwas Gas zu geben. Die restliche Strecke kannte ich vom HM, aber der Beerberg musste noch bezwungen werden, also erst mal noch hoch wandern und runter laufen. An der Schmücke entschied ich dann, dass es jetzt langsam Zeit wurde, ins Ziel zu kommen. Ich trank eine Cola, lief wieder los und beschleunigte, um am nächsten Matschloch wieder vorsichtig zu gehen. Bis hierher hatte ich trockene Füße behalten und wollte auf dem letzten Stück keine Blasen mehr riskieren. Danach ging es flott weiter, ich überholte Läufer für Läufer. Am Bierfleck noch ein kurzer Stopp für einen Schluck Köstritzer. Das musste für den Rest der Strecke reichen. Am Skihang hatte ich besten Blick auf Schmiedefeld und konnte das Ziel schon erahnen. Je näher ich kam, desto größer wurde das gefühlte Grinsen. An der letzten Kurve tönte laute Rockmusik aus überdimensionalen Autolautsprechern. Das gab den nötigen Schwung für den allerletzten klitzekleinen Anstieg vor der Zielgeraden. Rechts vor dem Tor standen meine Familie und die Lauffreunde, die den HM, den M oder die Wanderstrecke bewältigt hatten und mich nun erwarteten.

Die große Uhr am Zielbogen zeigte 9:19:xx und ich war angekommen.

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Höchsten Respekt!

Da ist ja offenbar alles perfekt gelaufen, und dann gleich beim ersten Mal so eine respektable Zeit, Wahnsinn! Und Grüße unbekannterweise an deinen Sohn, das mit der SMS zum Start find ich echt mal einen Liebesbeweis ;-)) (ist ganz ernst gemeint, ich habe selbst vier Kinder).
War schön dich wenigstens kurz kennengelernt zu haben, aber das hört sich so an, als ob wir uns mal öfters bei Ultras treffen werden ;-)))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Wie schön!

Das ist ja ein richtiges Lebensprojekt für Eure sportliche Familie. Herzlichste Glückwünsche zu diesem tollen Lauf!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

boah, bist du

boah, bist du schnell...
Herzlichen Glückwunsch!!!
War schön, dich kennengelernt zu haben :)

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Scheint doch gar nicht so weit zu sein. ...

... Und wenn man den Blick auf Schmiedefeld schon kennt, wird einem doch immer wieder warm ums Herz - beim Blick dden Skihang runter, oder? Da hab ich auch jedesmal nen Kloß im Hals.
Glückwunsch auch hier noch mal.
Schön, dass wir uns auch im Festzelt noch gefunden haben. Wir sehen uns. Ob nun in Leipzig oder bei irgend nem nächsten Ultra. oder doch doch janz trivial Oberelbe?
;-)
PS: Ick weeß nich, ob das gut ist zu viel mit Dietzrun zu laufen. Nich dass das ansteckt, was der macht. ;-))

Mit einem supertollen Lächeln

und deiner für uns gewohnten Winkemanier kamst du ins Ziel, liebe dusselliese. Ich hab es sehen können und war total überwältigt... nicht nur wegen meinem eigenen Lauf am Steig, sondern auch, weil du so locker und in meinen Augen tiefenentspannt ankamst.
Meine herzlichsten Glückwünsche noch mal an dieser Stelle. Ich bin sehr stolz darauf, dich zu kennen und freu mich auf weitere Läufe mit dir zusammen.


Laufen formt Körper, Geist und Seele.
Distanz ist, was der Kopf drauß macht.

Wow,

ich bin beendruckt von dieses Zeiten 9:19:xx für
die 72,7 km und dann immer mit dem Zusatz, bergauf mussten
wird gehen oder wandern, wow, Klasse Leistung, das spornt an für
nächstes Jahr.

Gruß
Michael


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Team Jogmap weiß-blau

noch n Erfolg

Leute Leute, was ihr da alle so rausgehaun habt ! ganz groß !!!
auch dir meine allergrößte Gratulation !!!
*respektvoll*
VLG

Du klingst so wunderbar

Du klingst so wunderbar ruhig und unaufgeregt, und dann kommt beim Weiterlesen SO eine tolle Finisher-Zeit, Hutab, ganz toll gemacht und wunderbar beschrieben!
LG Britta

Fette Gratulation!

Super gemacht!

Bezüglich der "besinnlichen" Stimmung kann ich dich absolut verstehen, weil es mir noch bis vor kurzem selbst so gegangen ist, so dass ich da wahrlich keinen Nerv für Party gehabt hatte. Doch zum Glück hatte sich die Sache dann gerade noch rechtzeitig zum Rennsteig zum Positiven gewendet, was sich natürlich auch auf den Lauf selbst und das Danach ausgewirkt hatte! ;-)

Umso schöner zu lesen, dass du dir die Freude an dein Finish nicht hast nehmen lassen! Das dürfte dir jetzt jede Menge Selbstvertrauen geben! Du hast den Super-Marathon gefinished, somit wirst du auch die Situation schon bald meistern, die zu deiner besinnlichen Stimmung geführt hatte.

Dann bis spätestens 2014!
;-))

wow, Du hast ein

super Finish hingelegt. Herzlichen Glückwunsch dazu und bis bald mal wieder...keep it simple...

Danke Euch!

Ich bin das Grinsen über diesen Lauf noch nicht los geworden.

Ja strider, ich habe zwei tolle Söhne und auch sonst viel Glück mit der Familie. Und wir werden uns sicher bald mal wieder treffen, ich kann Ultra bestimmt öfter.

Sport gehört bei uns schon immer dazu Sonnenblume2, danke für die Glückwünsche.

Ich wollte unter 10h, liebe brihoha, und das hat ja bei Dir auch geklappt.

Schalk, Deine Warnung kommt leider zu spät. Ich bin vorher schon mal mit dietzrun gelaufen und hab mich angesteckt ;-)

Danke lonelysoul, ich freue mich auch sehr auf zukünftige gemeinsame "Schandtaten".

Danke auch Dir, Michael, und wenn Du das so siehst, solltest Du nicht lange mit der Anmeldung warten. Du wirst es nicht bereuen.

RitterEd, es war eigentlich ganz einfach, immer mit den anderen mitlaufen ;-))

Seitdem ich regelmäßig laufe, bin ich tatsächlich viel entspannter - in allen Lebenslagen. Vielleicht sollte ich im Wettbewerb mal auf Wettkampfmodus umschalten, liebe Britta?

MC, ich stehe am 17. Mai 2014 um kurz vor 6 Uhr wieder in Eisenach am Brunnen :-B Spätestens dann sehen wir uns.

Ja mainrenner, das Finish kriege ich schon gut hin ;-) Aber das liegt bloß daran, dass ich am Anfang des Rennens immer Schiss habe, hintenraus einzubrechen und mich deshalb bremse.

Das liest sich so wunderschön!

Dein Sohn, der Dir die SMS schickt und dafür extra einen Wecker stellt - prima! Und wenn einen die Familie irgendwo erwartet, dann kann man die ja wohl nicht hängen lassen?

Jetzt kennst Du vermutlich jeden Stein und jede Wurzel in der Ecke. Schöne Familientradition!

Ich komm ja ...

...gar nicht mehr zum Laufen ob der vielen Berichte.
Ich hatte Dich unterwegs noch mit Deinem neuen Begleiter gesehen, und dachte:
"Das sieht richtig schön locker aus" und so bist Du dann ja auch ins Ziel gelaufen.
In 14 Tagen werden es ja "nur" 63km und 1000Hm, also kurz und flach; da kannst Du ja mal was riskieren...., aber ich hab Dich nicht überredet!

fazerBS, ich muss da wieder hin,

die 9:xx h haben leider nicht gereicht, um sich alles anzuschauen ;-)

dietzrun, mach Dir keine Gedanken!

Überreden war nicht nötig. Es war lediglich der Tipp, der zum Blick in den Kalender führte. Die Gegend wollte ich schon immer mal kennen lernen. Und warum nicht auf diesem Weg?

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