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Lange hatte ich ihn mir schon vorgenommen, den Rennsteig. Mindestens schon seit drei Jahren wollte ich ihn schon laufen.
Aber wie es so ist, immer ist irgendwas dazwischen gekommen. Damit mir das nicht wieder passiert habe ich mich frühzeitig angemeldet. Und das war gut so. Denn sonst wäre ich ihn dieses Jahr wieder nicht gelaufen. Denn die Vorbereitung lief mehr als schlecht. Im Dezember nicht richtig wieder ins Training gekommen. Im Januar gleich eine Grippe die mich für zwei Wochen lahm gelegt hat. Dann war da noch ein Winter der mit Schnee und Glatteis auch nicht zum Laufen motivierte. Im Februar hab ich mir dann noch den großen Zeh gebrochen, zum Glück nicht quer sondern nur längs ein Stück weg. Aber drei Wochen laufpause und weitere zwei Wochen ganz bescheiden. Der Trainingsmarathon in Freiburg lief auch mehr schlecht als recht. Ich hatte da dann, den Punkt erreicht, wo ich sagte: Ich Cancle. Aber ich hatte ja schon gemeldet. Jugendherberge war auch schon gebucht. Und schließlich wollte ich am Rennsteig ein paar Bekloppte wieder sehen.  Und natürlich konnte ich ja auch den Mund vorher mal wieder nicht halten, und hab einigen erzählt, dass ich an den Rennsteig wollte.

Es half alles nichts, denn abgemacht ist abgemacht. Ab mit April mußten noch so viel lange Trainingsläufe wie möglich her. Da ein Marathon ein bischen wenig für einen Ultra in der Vorbereitung ist ,sollte der nächste lange lauf in Ditzingen für einen guten Zweck sein. Aber am Vorabend des Laufes mußte ich mich schon übergeben. Da ich Ditzingen für meine Laufgruppe organsiert hatte, mußte ich sowieso mitfahren. Also einfach probieren was geht, und wenn nichts geht aufhören. So war es dann auch nach ein paar Kilometer ging nichts mehr. Am nächsten Tag hat es mich dann so richtig mit Magendarm geschmiessen.
Zum Glück gab es noch ein paar Feiertage, die dann herhalten mußten für lange Läufe.

Am Freitag dann mit dem Wunsch in Schmiedefeld angekommen, wenigstens vor dem Zielschluß anzukommen. Der beträgt beim Rennsteig 12 Stunden. Als ich auf die große Campingwiese obehalb des Sportplatzes fuhr, mußte ich kurz warten, weil ein Schaufelader gerade eine Ladung Kies auf den Weg schmieß, damit die Wohnmobile überhaupt auf die Wiese kamen. Die Wiese war total aufgeweicht. Gummistiefel wären angebracht gewesen und es kam so eine Festival Stimmung auf. Auto abgestellt und dann sich auf den Weg gemacht um mit dem Bus und Zug nach Eisenach zu fahren. An der Bushaltestelle habe ich dann mehre Läufer getroffen die das gleiche Ziel hatten. Alles Wiederholungstäter. Mann kam ins Gespräch , und wir haben dann bis Eisenach so richtig durch gequatscht.
Auf der Kloßparty war eine riesen Stimmung . Ich war schon auf einigen Pasta Partys. Bei den meisten stimmte das Wort Pasta. Nicht so in Eisenach. Nix Pasta, dafür Klöse und jede menge Party, mit Lifemusik.
Am nächsten Morgen am Start viele liebe und bekannte Gesichter getroffen. Der Start um 6 Uhr morgens war dann erstaunlich ruhig, ohne viel Tamm Tamm und Musik. Es standen aber schon erstaunlich viele Zuschauer am Rand um uns auf die Strecke zu schicken. Nach ca 8OO metern nach dem Start wurde wieder gegangen. Es ging Steil nach oben. Und der Weg ist weit und wird kein leichter sein. Also nur die Ruhe. Etwa nach einem Kilometer wurde es wieder flacher und es konnte gerannt werden. Der Weg wurde schmaller und mattschig und es gab einen Stau. Nach einiger Zeit wurde der Weg wieder besser und wir waren auf einer Waldautobahn , auf der es auf und abging. Alles was nach unten ging mußte auf der anderen Seite wieder doppelt nach oben gelaufen werden, denn die ersten 25 km bis zum Inselberg gehen nur nach oben.
Sagte ich Waldautobahn? Naja bei kilometer 4 hätte ich mich beinahe über eine Wurzel gelegt. Auf der Strecke waren auch immer wieder mal so richtig schöne Trailige abschnitte.
Die Verpelegungstände waren so reichlich gedeckt, ich wußte gar nicht was ich alles essen sollte. Mir wurde empfohlen ich solle denn Schleim probieren. Naja ganz so war es nicht mein Ding. Hab dann für mich die Schmalzbrote entdeckt. Hätte nie gedacht das so was Einfaches so gut schmecken kann.
Bei Kilometer 30 ist es dann irgendwo passiert ich merke nur wie über einen großen Stein umknicke. Eigentlich ist nichts passiert, kein Schmerz nichts. Ich denke noch jetzt haste aber Glück gehabt.
Bei kilometer 48 fängt der Knöchel dann aber doch an zu schmerzen. Über grobes Gestein rennen, ist dann kaum noch möglich. Auf glatten Untergrund läufst ohne Schmerzen. Bis Kilometer 60 schmerzt der Knöchel und ich überlege ob ich am Grenzadler aussteigen soll. Ne schließlich hab ich einen Dickkopf. Der Schmerz vergeht und der Stolz bleibt. Ich lockere den Schuh über dem Knöchel . Nun schwimme ich zwar im Schuh hin und her aber der Schmerz ist so gut wie weg. Nur noch an ganz unebenen Stellen, tuts noch richtig weh. Irgendwann ist der große Beerberg erreicht und meine Uhr zeigt 1640 Meter im Aufstieg. Rekord. Soviel Höhenmeter bei einem Lauf hatte ich noch nie. Jetzt geht 8km Berg ab. Angenehm Bergab. Mann kann es richtig schön rollen lassen. Irgendwann kommen wir auf die Strecke der Halbmarathonies aber die Kilometer anzeige stimmt nicht mit unseren Uhren überein. Komisch die ganzen letzten Killometer hat es perfekt gepasst. Naja vielleicht müßen die ja irgendwo noch ne Schleife laufen.
Meine Uhr sagt Kilometer 70, aber weit und breit kein Kilometerschild. Kurz vor Schmiedefeld übehollen wir einen älteren Mann und wünschen ihm einen schönen Ziel einlauf. Worauf er meinte ja wenn wir es dann mal erreichen. Auf meine Frage wie oft er es denn schon erreicht hat meinte er. Er wisse es nicht genau es würde auf seiner Start nummer stehen. Er ist denn Rennsteig schon 39 mal gelaufen und er lief in der Altersklasse M75.
Wir laufen in Schmiedefeld ein. Schmiedefeld das schönste Ziel der Welt. Ich bin erstaunt wie viel Zuschauer noch am Rand stehen. Seit wir bei Kilometer 60 waren hat es angefangen zu graupelen und es war nur noch Sau kalt. Auf der Ziel geraden lief der Song Mercedes Benz. Nein wer braucht schon einen Mercedes, wenn er so einen gigantischen Lauf macht.
Meine Uhr zeigete 74 Kilometer in 11:48 mit 1680 Höhenmetern. Für diese minimalische Vorbereitung war ich mehr als zufrieden.
An dieser Stelle noch mal ganz vielen dank an Steffen, fürs ziehen. Ich weiß nicht ob ich ohne dich am Grenzadler nicht doch ausgestiegen wäre. Cathleen und den Jungs vielen dank fürs Supporten, ihr wart klasse.
Im Ziel war ich einfach nur noch fertig. Schnell meinen Lieben angerufen das ich angekommen bin.
Ich war froh das Steffen Jungs mir meinen Kleiderbeutel gebracht haben. In dem Moment war für mich die Gepäckwiese meilen weit entfernt.
Nach dem Duschen ging es ins Zelt um all die Bekloppten zu treffen und um Hirnlose Lieder zu singen. Als ich ins Zelt kamm traute ich meinen Augen nicht 95 % der Läufer stand auf den Bänken und haben getanzt.
Als ich meine Jogmapper gefunden hatte und gegessen hatte, wurde ich dann ziemlich schnell auch auf die Bank gehoben. Leider hat das Geschauckel dann meinem Knöchel überhaupt nicht gefallen. So das ich dann im Sitzen tanzte.
Und immer wieder wurde das Rennsteiglied gespielt, das Zelt bebbte jedesmal. Die Party war so was von Gigantisch und ich kamm nicht aus dem Staunen heraus. Einige Ultras haben mindestens die gleiche Zeit die sie zum Laufen brauchten , anschließend noch tanzend auf den Bänken verbracht. Und es waren einge Läufer dabei die das Rentenalter schon erreicht hatten.
Inzwischen verstehe ich wieso, so viele Läufer dem Rennsteig verfallen sind. In der Dusche taff ich eine ältere Dame die ihn schon 34mal lief. Sie war dieses Jahr den Marathon gelaufen und meinte, nächstes Jahr würde ihr der Halbmarathon reichen. Auf meine Frage wie alt sie denn sei , meinte sie wäre siebenundsechzig.
Auch mich hat das Rennsteigfieber erfasst. Nächstes Jahr komme ich wieder.
Es hat mich riesig gefreutet die ganzen Jogmapper zu treffen. Ihr seid einfach nur spitzte.
@ Schalk ich mach mich gerade en bisch mit den Ostroch vertraut, nich das ich wieder ne Bildungschlückke hab. Und nich wess wer Ute Freundenberg is )

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Genial - Finish in Wunschzeit!

Hart erarbeitet - und gewonnen! So viel Freude, so viel Erfahrungen, so viele nette Leute kennengelernt. Alles richtig gemacht - trotz mieser Vorbedingungen.

Gratulation - und erhol Dich gut!

hey Linzi

mit minimalem Aufwand maximalen Erfolg! Weiter so, meine Liebe, nur die Selbstverstümmelung kannst nächstes mal überspringen. Schön wars am Brunnen vor dem Steig...keep it simple...

auch dir

meine herzlichste Gratulation !!!
Ihr macht mir echt alle den Mund wässrig ... und ein bissl die Augen ;-)

VLG

Herzliche Gratulation!

leg' dir unbedingt 'nen Therapiekreisel o.ä. zu! Dieser hat mir schon wertvolle Dienste geleistet! Jeweils morgens und abends beim Zähneputzen auf einem Bein darauf balancieren. Das kräftigt alle möglichen Muskeln in den Beinen und stabilisiert die Fuß- und Kniegelenke! Wenn du das regelmäßig machst, hast du keine Probleme mit Umknicken mehr und bist somit festzelttauglich! ;-))

Einmal muss man nach Biel, heißt es ja immer. Stimmt schon in gewisser Weise, aber den Rennsteig muss ich wohl auch in Zukunft jedes Jahr laufen! Wir sehen uns spätestens dort wieder!
;-))

Hey, schön, du bist auch

Hey, schön, du bist auch angekommen!
War ein echt harter Lauf, oder? Aber wir haben es geschafft!!
Ich finde das sowas von cool!!!
Erhole dich gut und pflege deinen Knöchel schön :)

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Von der Party habe ich auch schon Legendäres gehört...

Super gelaufen! Und dass trotz der Knöchelgeschichte. Ich gratuliere dir aufs Allerherzlichste!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Hallo,

ein neues Rennsteig"opfer".
Ja, dem Rennsteig kann man verfallen.
Gute Besserung für den Knöchel und den Muskelkater.

Den beschriebenen Lauf ...

... hat man dir im Leben nicht angesehen. Diese 72km sind lang und schwer. Und du hast sie geschafft. Klasse!
Schön war die Zeit, das Gequassel nach unserm Lauf im Festzelt! ;-) Die Playlist müssen wir dann vor dem 17.05.2014 mal zusammenstellen.
;-)
PS: Nächstes Jahr weist du ja dann den Weg vom Bierfleck bis ins Ziel. 2x kann man auf dem Weg Links runter auf Schmiedefeld schauen. Dann sind es nur noch zwei, zweieinhalb km. ;-)

Mein lieber Herr Gesangsverein

mit umgeknicktem Knöchel noch nen Marathon hinterherschieben - das nenne ich mal Härte ... In HH habe ich damit bei km 13 aufgegeben! Und ich kann ein Lied von Sprunggelenk singen (werde es dir aber nicht antun ;-)).

Pfleg mal deinen Knöchel gut und eine ganz fette Umarmung aus dem fernen Saarland! War so schön dich nach Freiburg wiedergesehen zu haben!! (auch wenn ich lieber Schleim als Schmalzbrote mag ;-)

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Ja Linzi....

... ein Kämpfer bist du, also richtig in der Abteilung Ultra ;0)...

Glückwunsch zum Sieg gegen dich selbst und natürlich für das finishen...

GLG,
Kaw.

linzi...

...schön, dass wir uns - wenn auch nur kurz - mal persönlich beschnuppern konnten.
und noch viel schöner ist, dass du auch so grandios gefinished hast!
du denkst echt schon über nächstes jahr nach? kann ich irgendwie gar nich so nachvollziehen *breitgrins*
____________________
laufend wünscht gut besserung für den knöchel: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

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