Meine beste Freundin F. hatte so eine Idee: sie wollte an einer 50km Nachtwanderung teilnehmen. Das sind schon so einige Kilometer, da sie eine leichte Gehbehinderung hat ist das ein noch bemerkenswerteres Ziel.
Die Pfadfinder organisieren jedes Jahr so eine Wanderung. Da man so eine Tour nicht alleine machen sollte fragte sie mich, ob ich diese Nacht mit ihr zusammen wandernd verbringe (ausserdem hoffte sie wohl ich könne im Gegensatz zu ihr Karten lesen).
17:00 fassten wir die Marschkarte und gingen los, zum Anfangen gerade mal bergauf. Die ersten paar Kilometer hatten wir immer andere Wanderer in Sicht so dass wir die Karte gar nicht brauchten. Erst als uns zwei Mädels entgegen kamen und meinten wir wären falsch namen wir die Karte wieder hervor. Mit Hilfe vom Smartphone-GPS fanden wir unseren Standpunkt auf der Karte und überzeugten die Mädels dass wir schon richtig sind. Smartphone in Kombination mit Karte wurde dann noch öfters verwendet zur Navigation.

2.5 Stunden später gab es die erste Verpflegung - Pasta. Bis hierhin war es trocken und wir hatten eher etwas zu warm. Das änderte sich nach der Pause. Es regnete, es wurde dunkel und kalt. Zum Glück hatte ich die Goretex-Regenjacke mit Fleece Einsatz meines Freundes dabei. Die Stirnlampe war ebenfalls sehr hilfreich.

Es folgte nun der schwierigste Teil der Strecke, in der Karte als "steiler aufstieg" markiert. Der Aufstieg war nicht nur steil, sondern danke mehreren Tagen (Wochen?) Regen auch extrem rutschig. Wir kamen nur sehr langsam voran und F. verfluchte ihre Idee diese 50km zu wandern. Ich muss aber sagen dass auch ich den Aufstieg herausfordernd fand, also musste es für sie wirklich sehr schwierig sein. Oben angekommen kamen wir auf eine Strasse und die Welt war (bis auf den Regen) wieder in Ordnung. Der Abstieg wäre eigentlich wieder durch den Wald gegangen, wir entschieden aber auf der Strasse zu bleiben da es nach einer wirklichen Rutschpartie aussah. Später fanden wir heraus dass auch andere die gleiche Entscheidung getroffen haben.
Inzwischen hatten wir 20km erledigt und gönnten uns eine Pause mit heissem Tee und Marsriegel. So konnten wir gestärkt weitergehen. F. teilte mir aber mit, dass sie jetzt schon entschieden hat nicht die ganze Strecke zu laufen. Ich war nicht sicher, wieviel davon körperliche Erschöpfung und wie viel einfach im Kopf war, aber ich wollte sie nicht überreden mehr zu machen als für sie ok war. Bei km 20 war ein sogenannter Taxi-Punkt, per SMS konnte man sich von dort aus einen Transport ins Ziel bestellen. Sie wollte aber noch ein Stück weitergehen und beim nächsten Punkt (km26) neu entscheiden.
Bis wir dort ankamen war es 2 Uhr morgens. Von dort an ist die Strecke flach (was man von den bisherigen 26km nicht behaupten konnte). F. teilte mir mit dass sie hier abbrechen möchte. Da es bis zum nächsten möglichen Taxi-Punkt noch 12km waren was bei unserem Tempo fast 3 Stunden gewesen wären versuchte ich gar nicht sie zum weitergehen zu motivieren. Also SMS geschickt dass 2 Läufer abgeholt werden möchten. Nach nicht allzu langer Zeit (die uns dank Regen und WInd aber ewig vorkam) wurden wir abgeholt.
Ganz kurz habe ich noch überlegt ob ich versuchen sollte bis ins Ziel zu laufen, trockene Turnschuhe und eine leichte Regenjacke hätte ich dabei gehabt. Ich entschied dann aber auch ins Taxi zu steigen. Einerseits weil ich auch müde war, hauptsächlich aber weil diese Nacht F gehörte. Für sie waren diese 26km über die Hügel eine unglaubliche Leistung!

Im warmen Taxi zeigte sich dann auch wie erschöpft sie war. Wir wurden ins Ziel gefahren, holten unsere Taschen und entschieden auf die Duschen in der Turnhalle zu verzichten und stattdessen direkt auf den ersten Zug nach Hause zu fahren.

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

schoen dass Ihr soweit gekommen seid ...

... und Glueckwunsch fuer die mentale Leistung.
Noch mehr Respekt gebuehrt Euch aber fuer den Sieg der Vernunft.
Am allerwichtigsten beim Laufen ist sicherlich Spass zu haben und gesund zu bleiben. Nur so kann und moechte man morgen wieder laufen.
Manch andere riskieren einfach zu viel - und dann hoert der Spass auf und die Gesundheit allzu oft auch.

Also weiter so - vielleicht klappt es ja ein ander Mal bei besseren Bedingungen.

LG
Quasi

"... laufend aendert sich etwas ..."

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