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Entweder hatten sie sich aus den Taschen gestürzt und wurden überfahren oder sie wurden kaltblütig ausgeweidet und gefressen!

Die Überreste säumten die genial ausgebauten Radwege und Mehrzweckfahrbahnen im orangen Nachbarland.

Dieses grausame Ritual wird um die Grachten in Holland einmal im Jahr zelebriert, wenn 15.000 Radfahrer an der 11-Stedentocht mit 235 km teilnehmen, wenn sie denn im Dezember noch Karten dafür bekommen haben. Wir hatten dieses Mal leider keinen Zuschlag bekommen und es sah danach aus, dass unsere dritte geplante Tour-Teilnahme ins Wasser fällt.

Campingplatz war schon lange gebucht (direkt an der Strecke und am Ijsslemeer). Eine Woche vor der Tour hatten wir großes Glück und ergatterten im Gästeforum noch 5 Karten, zwar mit später Startzeit, aber das war uns ganz egal.

23 Startgruppen a´600 Leutz wurden am Pfingstmontag ab 5.00-8.00 Uhr morgens auf die Strecke geschickt, wo es galt, sich in jedem angefahrenen Ort einen Stempel zu holen, um diese im Ziel gegen eine Medaille eintauschen zu dürfen.

Da es sich nicht um ein Radrennen, sondern eine Jedermanntour handelt, durfte man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25km/h nicht überschreiten, sonst musste man an den Stempelstationen warten (musste man bei der Masse an Teilnehmern sowieso).

Die Bedingungen dieses Jahr zum Start waren eigentlich gar nicht so schlecht, kaum Wind und zu Beginn war es zwar sehr grau, aber noch einigermaßen trocken und viele Wege waren frisch geteert.
Gut, die Kopfsteinpflaster in den Orten rüttelten Po und Handgelenke ordentlich durch und mussten langsam gekurvt werden, wenn sie nass waren, aber das kannten wir ja schon aus den letzten Jahren.

Diese Tour ist ein ganz tolles sehr beliebtes Event, nur ein Faktor macht sie immer wieder schwer.

Das Wetter!!

Es war dieses Jahr herrliches Fahren ohne Wind.
Es rollte wie von selbst und selbst die Tandembiker und die Klappradgangs bekamen richtig Tempo drauf.

Für mich sollte diese Tour ein gutes Ausdauertraining sein.
Weil ich auch für einen Triathlon im Juli zur Zeit trainiere, hatte ich meinen Mr. Focus eingepackt, um zu testen, ob wir auch nach diesen größeren Kilometerzahlen noch Freunde sein würden.
Wir sind richtig gute Freunde geworden! :o)

Die ersten 100 km waren ein echtes Kinderspiel für uns 5, die wir meistens wegen dem Gewusel in zwei Gruppen fuhren und spätestens an den Stempelstationen aufeinander warteten.
So konnte jeder so fahren, wie er wollte, sich zum Beispiel hinter die schnellen Vereinsgruppen hängen und Windschatten lutschern oder gemütlich durchs platte Land cruisen.

Meistens waren Klaus und ich die Lutscher und wir nutzten es ausgiebig, denn es war ja erlaubt! ;o)

An den Stempelstationen war immer ordentlich Stimmung und wir machten auch mal ein paar Klometer, mampften Waffeln, Würstchen, Bananen aus dem Auto unserer Supporterin oder aus unseren Trikottaschen.

Dann nach 100 km gings los.

Es fing leicht an zu regnen.

Jetzt Regenjacke anziehen?

Neee.

Mal abwarten. Ist ja nicht dolle.

Es hörte für kurze Zeit wieder auf...und fing wieder an. :o(
Und wurde mehr...immer mehr...:o((

Bei km 135 gabs in Bolsward wieder die leckere Suppe, die einem wieder volle Power geben sollte.
Die letzen beiden Touren war die Energie immer schon gut verbraucht und es wurde schwer, gegen den Wind anzukämpfen und die Suppe wirkte.
Dieses Mal hatte ich noch volle Kraft. :o)

Die Suppe schmeckte trotzdem richtig gut und ich genehmigte mir noch eine zweite.
Auch ich hatte zwei Bananen geschlachtet und verspeist.

In Bolsward waren wir schon ziemlich durchnässt.
Kurz danach beim Autosupport zog ich noch eine regendichte Jacke drüber, was zumindest die Wärme länger am Körper hielt.

Nach 180 km wusste ich, dass ich mich mit Mr. Focus auch bei dieser Km-Zahl wohlfühlen würde, nur wurde es langsam echt kalt, so dass ich mich mal ausklinkte und auf die Tube drückte, um warm zu werden.

Es gallerte (regnete) wie Sau und wir waren durch und durch nass.

Geil, jetzt weiß ich, wofür Mr. Focus gebaut wurde!
Mit 32-37 km/h zischte ich an den vielen Radlern links vorbei davon.

Kurz vor der nächsten Stempelstation bemerkte ich, dass mir so ein hochgewachsener schlanker holländischer Rennradfahrer am Hinterreifen klebte und meinen Windschatten lutscherte.
Er grinste und zeigte Daumen hoch. :o)

Nachdem ich auf die anderen gewartet hatte und wieder gefroren hatte, wie ein Schneider, gab ich wieder Gas.
Nun folgte mir ein anderer Triathlet tief gebeugt auf seinen Auflieger.
Keine Ahnung, wie man so tiefer gelegt fahren kann.
Mein Auflieger muss noch einen cm höher, damit ich auch ab und zu mal nach vorne nach dem Weg schauen kann, ohne mir den Hals zu brechen.

Ich hatte null Probleme mit Kraft und Kondition, fühlte mich, als wär ich eben erst losgefahren (bis auf die Nässe überall).
Auf dem Rad hatte ich so viel noch gar nicht trainiert, aber das Ultralauftraining zeigte seine Wirkung. Supi!! :o)

Nach ein paar km setzte der Tria sich vor mir und forderte mich auch, „achtern“ zu fahren...haaa, ich durfte Lutschern, wie cool! :o))

Geeeeeeillll, mit bis zu 40 Sachen da hinterher an allen vorbei, das macht Spaaaaaaaß!!! :o)

In Stavoren an der Stempelstation zeigte auch er Daumen hoch und faselte irgendwas auf holländisch, was ich nicht verstand.
Er grinste und lachte, also kann es nichts schlechtes gewesen sein. :o)

Mein etwas vertrocknetes Selbstbewustseinspflänzchen der letzten Wochen/Monate straffte wieder seine Blättchen. ;o)

Ab hier war es noch unser Campingplatz mit Privatsupport und eine Stempelstation in Hindeloopen und Workum.
Leider musste ich sehr lange auf die anderen warten und fror so richtig ein...*bibber*:o(

Am Campingplatz mussten die anderen sich noch mal so richtig stärken für die letzten 25 km. Ich war nur noch am zittern und wollte weiter.

In Workum spielte wieder laute poppige Mucke und Klaus und ich hielten uns mit Tanzen und Rumhüpfen dazu warm, bis die anderen kamen.

In Bolsward waren wir flott und triefendnass nach 235 km im Ziel, stellten die Räder ab und begaben uns schnell ins beheizte Zelt, um die Medaillen zu holen.

Von dort dauerte es keine 15 Minuten, schnell zum Auto zu fahren, die Räder einzupacken und die Klamotten gegen trockene soweit möglich zu tauschen.

Baaaah :o(...und wieder eine klatschenasse Tour, leider, aber trotzdem absolut lohnenswert (15 EUR Startgebühr) und super Ausdauertraining!! :o)

Wir waren ca. 12 Stunden insgesamt unterwegs und mein Radtacho zeigt inkl. Schiebemeter an den Stempelstationen 09:54h Fahrtzeit an.

Danach noch lange heiß duschen und zwei Stunden Grillen und Bierchen trinken...joa, ist doch n schöner Tag, sowas, oder?! ;o)

Lieben Gruß Carla-Santana

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Arme Bananen

Der Regen verblast in der Erinnerung und zurück bleibt dein "joa, ist doch ein schöner Tag". So ne Tage mag ich auch!

Was ein Massaker :-(

Was ein Massaker :-(

was ähnliches

gibts hier bei uns ... nur ein bisschen hügliger :-)
Bananen ? weiß ich nicht - würde aber nen Privat-VP für dich aufbauen
also wennst mal in die andere Himmelsrichtung radeln willst - sieh mal da:

Panoramatour 2013

Damit es sich für dich ausdauermäßig auch lohnt, kannst ja gleich herradeln *fg*

VLG
Uwe

Verrückt!

So kurz vor dem Rennsteig noch so 'ne Tour zu fahren! Aber HÖCHSTENS 25 km/h klingen sehr schön. 16.000 Radfahrer übersteigen allerdings ein Vorstellungsvermögen.
Tolle Tour! LG, Conny

De bel gaat....

... wie Jij hebt gewonnen.
Dat heb je goed gedaan Pferdchen :0)

Un dafür gibt es en Teken een rode bloem von mir ;0)

Und natürlich auch meinen Daumen...

Tot volgende week!
Kawi :0)

Klingt cool!

Okay der Regen weniger - andererseits, dies sind die Tage die man nie vergisst. Gibt es auch eine kürzere Strecke? So bis 150 km könnte ich mir ja vorstellen....

LG,
Karen

....Nur wer sich auf den Weg macht, wird etwas Neues entdecken.....

Wow, das klingt total ...

... nach einem Irrsinnsvergnügen. Muss ich mir für's nächste Jahr gleich vormerken. Dabei kann ich mir 235 km im Sattel noch nicht wirklich vorstellen. Mehr als 100 hab' ich nie ausprobiert. Da gilt's Sitzfleisch anzutrainieren. Respekt Carla, für deine Hammerleistung durch den Regen von Holland.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

ausgerechnet...

...bananen *kicher*
____________________
laufend dankt für den kurzweiligen und lustigen pferdchen-blog: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

Tote Bananen....

.....nen völlig durchnässtes aber total glückliches Pferdchen.....welch schöne Bilanz;-) Ich bin immer wieder total beeindruckt, wie du das so wuppst, höre aber den Spass an der Sache auch immer ganz deutlich aus deinen Worten heraus, Wow, toll!!!

Lieben Gruß
Tame

hach...

bolsward, hindeloopen, workum...da war ich im früheren leben ...
mit meinen eltern, auf den grachten per bootsche...da kommen erinnerungen hoch !
geht da nicht auch die 11 stedentocht per schlittschuh lang ?

danke für den bericht, beste carla-banana ;)
und gratulation zum gelungenen ausritt
wow - 235 km !! das reib ich jetzt mal meinem liebsten unter die nase ;)))

lg c

Boah man ey,

das ist ja sozusagen das Rad-Ultratraining! Genialer Tag - das Wetter vergeht, Mr. Focus bleibt.

für so im Nachhinein

klingt das wie ein recht großer Spaß.

Ja man friert und es ist kalt, aber so eine Tour, stärkt nicht nur den Körper.

Danke das wir hinten drauf mit fahren durften.

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