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Für diejenigen, die etwas langsamer lesen, nun noch der Bericht eines Spätheimkehrers aus Mainz:

Vorgeschichte:
Den Startplatz hatten mir Freunde aus Ingelheim zum 50. geschenkt. Als notorischer Winterlaufvermeider kam ich trainingsmäßig nicht so recht in die Puschen. Zwei Wochen zuvor fühlte ich mich zwar ganz gut in Form, hatte aber Bedenken, weil ich die langen Läufe total vernachlässigt hatte. Aber vielleicht kann man mangelndes Training durch eine gut organisierte Betreuung wettmachen.

Samstag:
Also kam ich mit einem Team, bestehend aus zwei Physiotherapeutinnen und einem… ich nenne ihn mal Manager, zur Rheingoldhalle. Er und Physio2 hatten mir das Ganze ja eingebrockt und sie wollten es sich nicht nehmen lassen, mich weiter zu unterstützen. Aber damit nicht genug.

Bei der Pastaparty traf ich Team 2 und machte meine ersten Jogmap-Bekanntschaften, sogar meine ersten Internet-Bekanntschaften, überhaupt. Christine, A N J A, Strider, thebestcoach, jtRun und vortmeier. Die gibt es wirklich. Und es war gar nicht schlimm.

Liebe Kinder! Wenn euch wildfremde Menschen über das Internet zu einem Treffen überreden wollen, könnt ihr ruhig hingehen. Sie sind nett, sie sind witzig und sie spendieren euch sogar eine Cola.

Ich musste mich eher verabschieden und traf wieder auf Team 1. Manager hatte mir inzwischen ein Finisher-T-Shirt gekauft. Auf meinen Einwand, ich sei ja noch gar kein Finisher, meinte er nur, ich würde es aber werden. Ein erstes Anzeichen von Druck kam auf. Bei unserer privaten Pastaparty beim Italiener meinte Physio 2 zwar noch, zur Not könnte ich ja auch nach der Hälfte bzw. 2/3 der Strecke aufhören. Widerspruch vom Manager: Schließlich hätten sie für den ganzen Lauf bezahlt, also würden sie erwarten, dass ich auch die volle Strecke absolvierte. Druck, Druck, überall nur Druck. Vor lauter Druck spürte ich den Druck schon nicht mehr.

Sonntag:
Alles ist zunächst grau, wie schon berichtet wurde. Am Morgen kommt noch ein gewaltiger Regenguss herunter, aber es gibt eine Regel: Wenn ich ein Rennen laufe, regnet es nicht! Folglich hört der Regen eine halbe Stunde vor dem Start auf. Beim Einlaufen treffe ich noch zufällig christine und die wichtigsten Personen überhaupt: A N J A und Michael, christines Göga, die die Cola-Versorgung bei Km 37 übernommen haben. In meinem Startblock entdecke ich den Zielzeitläufer für 4:15 h. Manager behauptet später, er hätte bei der Anmeldung meine Bestzeit vom Oktober (3:42) angegeben aber wahrscheinlich habe ich mich zu oft und zu sehr über meinen vermeintlich schlechten Trainingszustand beklagt, dass der Veranstalter bei meiner Einteilung ein paar Abstriche vorgenommen hat. Es stört mich aber ohnehin nicht, denn mein grobes Ziel ist 4:00 h, wobei ich aber eigentlich nur den unvermeidlichen Einbruch so lang wie möglich hinauszögern und noch halbwegs locker ins Ziel einlaufen möchte.

Nach dem Start geht’s langsam los. In einem so großen Läuferfeld bin ich noch nie gestartet. Immer wieder muss ich aufpassen, dass ich dem Vordermann nicht auf die Hacken trete. Überholen ist schwierig aber ich habe ja keine Eile. Nach 4 km wird es aber doch etwas nervig, weil ich immer noch nicht so richtig ins Laufen komme. Meine Muskulatur ist etwas hart, was noch einer längeren Wanderung vom Freitag geschuldet ist, und es läuft nicht. Ich fange jetzt an, aktiv zu überholen, rechts vorbei, links vorbei, ab durch die Mitte. Die Muskeln werden aber noch härter und es nimmt kein Ende. Erst nach 8 km kann ich befreit laufen. Meine Durchschnittspace liegt bis dahin bei 5:46 min/km. Aber nun pendelt sie sich ein zwischen 5:30 und 5:40. Es fängt an Spaß zu machen.

Bei Km 10 entdecke ich Team 1und empfange das erste Gel. Meinen vermeintlich schlechten Trainingszustand versuche ich durch die Einnahme chemisch produzierter Nahrungsergänzungsmittel zu kompensieren. Bei Km 13 sehe dann ein Schild: „Noch 30m bis zur Massage“. Ich überlege kurz. Ich habe ja Zeit. Obwohl: Unter 4h wäre auch ganz schön. Außerdem habe ich ja noch meine eigenen Physiotherapeutinnen. Vor meinem geistigen Auge spielt sich eine Szene ab: Bei Km 38 liege ich erschöpft auf dem Boden, während zwei professionelle Kräfte meine Beine massieren. Bei solch einer Betreuung würden sogar die Kenianer vor Neid erblassen. Allerdings wären die dann auch schon 2 Stunden im Ziel… Also: Weiterlaufen.

Bis zum HM-Ziel entdecke ich Strider und christine, die beide locker unterwegs sind. Nach der HM-Marke kommt das, wovon ich zwar wusste, was ich aber bis dahin verdrängt hatte: die Rheinbrücke. Von wegen flache Strecke! Brücken haben wir bei uns auch. Da baut man die aber nicht so hoch. Und wieso überhaupt? Nur damit Marathonläufer einen schönen Ausblick haben? Ich krieche langsam hoch, nehme aber den Schwung beim Abstieg mit und laufe auf der anderen Rheinseite sogar eine Pace um die 5:20. Bei Km 24 spielt eine Kapelle eine sehr getragene Melodie. Hört sich fast an wie ein Trauermarsch für die laufenden Leichen. Wenig später dröhnt aber aus einem Lautsprecher der Narrhallamarsch. Ich bin also immer noch in Mainz. Es geht aber noch einmal über diese Brücke. Meine Beine werden schwerer. Ich habe das Gefühl, dass das heute noch eine ganz harte Kiste wird.

Am Fuß der Brücke steht Team 1. Letzte Versorgung mit chemischen Nahrungsergänzungsmitteln. Manager ruft: „Quäl dich!“ Ich verstehe nicht. „Quäl dich!“. Ich verstehe immer noch nicht. „Quäl dich, du Sau!!!“. Das wollte ich hören. Ich laufe weiter und spekuliere, wie weit ich wohl ohne Einbruch kommen würde. Aber noch geht’s. Bei Km 30 treffe ich jtRun. Ein paar gegenseitig aufmunternde Worte helfen noch einmal. Aus unerfindlichen Gründen werde ich wieder schneller und laufe zwischen Km 31 und 37 wieder eine Pace um die 5:20. Ich merke die Beine zwar immer noch, aber der Hammermann scheint noch entfernt zu sein.

Zwischendurch fallen ein paar Tropfen vom Himmel. Strider und Coach berichten von Regenschauer, christine sogar von Hagel. Bei mir wird nicht mal die Brille nass. Als Norddeutscher kann ich das nicht als Regen durchgehen lassen. Ich war wohl zur rechten Zeit am rechten Ort. Die Regel bleibt für mich bestehen: Wenn ich ein Rennen laufe, regnet es nicht – zumindest nicht auf mich.

Km 37: Cola-Versorgung durch A N J A und Michael. Es gibt ja viele Aussagen über Cola:
Cola macht dick.
Cola macht ungesund.
Cola macht schlechte Zähne.

Aber Cola macht auch schnell. Und das war mir neu. Erst denke ich, alle anderen werden langsamer, scheinen fast zu stehen, aber tatsächlich werde ich, ohne es zu merken, schneller. Wir kommen wieder in die Altstadt. Die Stimmung dort ist bombastisch. Ich bin mir jetzt sicher, dass ich keine Probleme mehr bekomme. Einbrechen geht jetzt nicht mehr. Normalerweise habe bei Rennen auf den letzten Kilometern immer einen Tunnelblick, stumpf geradeaus. Jetzt nehme ich alles auf. Ich bedanke mich, soweit es geht, bei den unterstützenden Zuschauern durch ein kurzes Winken oder nur durch ein Nicken, kriege das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und laufe bei einer Mordsstimmung durch den Zielbogen. Im Ziel empfängt mich Team 1 und überreicht mir das jetzt verdiente Finisher-Shirt. Ich bin einfach nur happy.

Nachtrag:
Der Bericht ist ja nun doch etwas länger geworden, doch eher für Schnellleser. Aber gut.
Meine Zeit lag schließlich bei 3:52:05 h. Es war nicht mein schnellster Marathon aber mein schönster. Er toppt sogar mein Debüt. Die letzten vier Kilometer gingen in 4:45, 4:53, 4:40 und 4:43 weg. Ich werde wohl nie verstehen, wie das möglich war. Es ist aber müßig darüber nachzudenken. Eigentlich sollte dies ja mein einziger Marathon in diesem Jahr bleiben. Nach diesem Rennverlauf könnte ich mir aber noch einen schönen Marathon im Herbst vorstellen. Es geht ja anscheinend auch mit weniger Training.

Vielen Dank an Christine für die Organisation und vor allem an Anja und Michael. Ich kann nachvollziehen, dass der Support für euch ziemlich anstrengend und vielleicht auch etwas nervig war. Ihr seid klasse!

Gruß

Sirius
…der auf Wolke Sieben rennt.

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

wow

du solltest öfters so schlecht trainieren, wenn solche Zeiten dabei herauskommen ;-))

Und es regnete, jawoll! Als gebürtige Norddeutsche kenne ich Regen! Dem können auch 13 Jahre Saarland nix anhaben ;-)

Mann, was für ein g... Lauf. GLückwunsch!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

nicht schlecht...

...für 'n alten Mann ohne Training ;-)
Viel Vergnügen noch auf Wolke sieben.
Grüße aus dem Westerwald, WWConny

unbedingt...

...muss da im herbst noch´n schöner marathon her! das gehört sich so.
und ne 3:52h mal eben so is schon fast unverschämt ;-) glückwunsch!
achja, der münster-marathon anfang september soll echt traumhaft schön zu laufen sein *kicher*
____________________
laufend kennt sich mit regen, nach 30 jahren leben im münsterland, am allerbesten aus: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

super !!!

immer wieder schön, so einen tag aus der sicht der anderen nochmal zu erleben . ich war schon sehr gespannt, wie es bei dir lief. mein mann war allerdings schon beeindruckt, als du am vp auftauchtest: sah wohl extrem kontrolliert und überlegt aus, alle achtung. und dann noch der zielspurt- mann o mann, da haste aber den ball im vorfeld ganz schön flachgehalten :)- gratuliere zur tollen zeit !!

du hast mitbekommen, dass nun halb jm eine rosa brille möchte ?
für die tolle idee gibt´s ganz herzliche fünf sterne extra *****
es war klasse, dich kennengelernt zu haben ! danke !!
grüsse bitte auch an team eins, die haben ihren job ja ebenfalls blendend erledigt

lg, c

Nunja,

anstrengend fand ich den Support schon, aber ich hab ja uch im Vorfeld nicht ordentlich trainiert ;-)

Im Großen und Ganzen hat es aber jede Menge Spaß gemacht, Euch anzufeuern, zu motivieren und Euch Cola zu reichen. Christine hatte uns eben nur genau im falschen Moment gefragt, ob wir noch Bock hätten...

Wenn ich Deinen Bericht so lese, frag ich mich allerdings, WER da mit Deinem Gesicht in grünem Shirt und schwarzer Weste unterwegs war.
Der sah jedenfalls deutlich lockerer aus, als Du das beschrieben hast. Auch und vor allem beim Aufstieg auf die Rheinbrücke (wobei Du da ja auch längst noch nicht oben warst).

Viele Grüße,
Anja
--------------------------------------------
Ich will - ich kann - ich werde es schaffen... solange es Spaß macht!!!

Vielleicht war ich ja gerade

Vielleicht war ich ja gerade im Massagezelt als es "regnete". ;-)

Danke für den "Mann"!

Danke für den "Mann"!

Münster ist wirklich eine

Münster ist wirklich eine Option. Vielleicht könnte ich da sogar in einer Studenten-WG in der Kneipenmeile unterkommen. Das wäre ein zusätzlicher Anreiz - wenn auch nicht unbedingt die beste Vorbereitung.

Zeiten sind immer relativ

Zeiten sind immer relativ und werden total überbewertet. Überrascht hat mich nur meine Lockerheit auf den letzten Kilometern. Es sieht zwar so aus, dass ich tiefstapeln wollte, aber ich hatte wirklich nicht damit rechnen können. Irgendwas war noch in der Cola drin...

Die Brille ist leider ein Einzelstück. Der rosa Indianer trug nur ein billiges Imitat.

Ich fand's auch schön, euch kennengelernt zu haben. Es hat richtig Spaß gemacht. Wenn ich es recht überlege, war es mein bisher schönstes Laufevent überhaupt.

Gruß zurück von Team1!

Eben! Ich war längst noch

Eben! Ich war längst noch nicht oben. Ich hatte nämlich gerade erst mit dem Aufstieg begonnen. Und 3 Hm schaffe ich noch mit einem Lächeln. :-)

Mann hast du am Schluß

Mann hast du am Schluß Zeiten rausgehauen.
Bist du sicher dass dir das Supportteam nur *Cola* gegeben hat.
Eine klasse Zeit bist du gelaufen und es war schön dich kennen gelernt zu haben.

LG aus Saarbrücken

.....Der Schmerz geht, Aufgeben bleibt für immer!.....

Bei der Cola habe ich

Bei der Cola habe ich wirklich meine Zweifel. ;-)

Mutig...

....das mit den Internetbekanntschaften;-)
Boah, auf der zweiten Hälfte immer schneller geworden? Wie cool ist das denn? Da geht noch was, und zwar eine ganze Menge. Münster soll übrigens schick sein, will ich dieses Jahr auch mal probieren. Da kannst zum Schluss sogar Wein schlürfen, wenn du dann noch nicht ausgelastet bist;-)

Lieben Gruß
Tame

Wein nach dem Marathon?

Wein nach dem Marathon? Das übersteigt meine Vorstellungskraft. In Mainz wollte mein Manager bei Km 41,5 einen Single Malt Whisky für mich bereit halten, hat das aber vergessen (oder selbst getrunken). War aber auch besser für mich.

nix da nach dem Lauf

.... währenddessen ;-)

Lieben Gruß
Tame

Nur Cola im Cola

Im Cola war nur Cola. Schon vor dem Colagang warst du schon flink unterwegs… Gut gemacht du!
War nett dich kennen zu lernen. Nett auch der kurze Plausch am Ziel.

Viele Grüße
JT

Hi JT! War wirklich schön!

Hi JT!
War wirklich schön! Glückwunsch nochmal zu deinem Lauf.

Wirklich nur Cola? Christine hatte im Vorfeld ja ein ganzes Sortiment von Colasorten, Zusätzen (z. B. Salz) und Darreichungsformen angeboten. Ich hab' gar nicht gewusst, dass es so viele Variationen geben kann. Vielleicht habe ich ja deine Mischung bekommen und du nur (meine) Cola. Vielleicht wärst du sonst 5 Minuten schneller gewesen. Wir werden es nie erfahren.

Währenddessen? Das müsste

Währenddessen? Das müsste ich erst im Training üben.

War wirklich nur Cola...

ich hab den Rest aus Deiner Flasche bekommen und keine außergewöhnlich beflügelnde (halt - das war ja eh das andere Gesöff...)Wirkung bemerkt.
Zum Verwechseln gab's auch nix, denn erstens wollten alle nur Cola pur und zweitens hatte Christine alles ordentlich beschriftet ;-).

Viele Grüße,
Anja
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Ich will - ich kann - ich werde es schaffen... solange es Spaß macht!!!

stimmt !!

so war's,leider
keine aberwitzigen sonderwuensche , sehr schade
ich haett so gern im hauslabor gemischt und gepanscht...schnueff....;)))

Nunja...

die Abfüllerei sah nach Panscherei genug aus. Details verschweig ich hier lieber ;-)

Viele Grüße,
Anja
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Ich will - ich kann - ich werde es schaffen... solange es Spaß macht!!!

du meinst ....

..hoffentlich nur meine eigenen mischmaschflaeschchen !!
die weiteren abfuellungen fanden unter strengsten hygienischen laborbedingungen statt . beweis : alle haben's ueberlebt !
was will man mehr :)))))

lgc

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