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Nach wochenlanger Vorbereitung auf diesen Tag beschlossen strider und ich trotz der Nähe zu diesem Event einen Tag vorher schon anzureisen. Hüstel, Vorbereitung??? Nach der langen Erkältung im Winter kam ich irgendwie nicht in die Pötte. Die Intervalle klappten nicht, die langen Läufe mussten gesplittet werden, fanden oft nicht statt. Bekam das Tempo nicht hin und wenn sie gut liefen hatte ich am nächsten Tag wieder die starken Halsschmerzen und es war Pause angesagt. Der einzige Höhepunkt war der Freiburg Marathon den ich als langen Trainingslauf nutzte und gleichzeitig meine PB um 10 min auf 3:27h verbesserte. Die wenigen Wochen vor Mainz mussten dann wieder die langen Einheiten umorganisiert werden. Wie auch vor 14 Tagen dann auch der lange Lauf gesplittet wurde, samstags gab es einen 10’er Wettkampf 20 sec schneller als das MRT und sonntags wurde ein Halbmarathon im MRT gemacht. Soweit schien die Welt noch in Ordnung. Nun kam das Übel. Dienstags nach dem HM war ich noch einmal 10 km langsam Laufen und mittwochs stand noch einmal ein Tempodauerlauf an den ich nach 5 km beendete und danach langsam nach Hause humpelte. Schienbeinschmerzen am Fußgelenk der übelsten Sorte. Zwangspause war jetzt angesagt und nur noch 1,5 Wochen bis Mainz. Das tat weh. Nach 7 Tagen ohne sportliche Aktivitäten ein zager Versuch über 10 Km und es ging wieder, lief zwar noch etwas unrund aber nach weiteren 2 Tagen wurden dann noch gemütliche 15 km abgespult. Das muss jetzt reichen, heulen hilft jetzt auch nicht mehr. Irgendwie muss ich da jetzt durch. Genug der Vorgeschichte. Nun zum Wochenende.
Auf der Pasta Partie am Samstag gab es dann noch ein kurzes Jogmap-Treffen mit Christine, Anja, Sirius, einen Unbekannten und Jean, dem Kenianer der das Feld von hinten aufmischte. Gut gestärkt wurde danch das Quartier bezogen. Der Tag war gekommen. Mit ein paar Umwegen kamen wir frühzeitig an um noch eine Flasche aufzugeben für Kilometer 30 die ich mit einem Gel verziert hatte. Am der Info hieß es wir sind zu spät, die Eigen-Verpflegung ist schon auf dem Weg. Klasse. Noch über 1,5 h saßen wir wartend in der Halle bevor wir hinausgingen. Strider verlor unterwegs ihr Gel und ich gab ihr meins das ich für Kilometer 30 reserviert hatte ab.
Nach einem letzten Dixibesuch musste ich mich sputen. Strider stand schon im Startblock und ich irrte noch herum, sah keine Zugläufer und Reihte mich so gut es noch ging in unserem Startblock ein. Um mich herum nur Läufer die nicht so aussahen als ob sie hier den Marathon laufen. Na gut wird schon gehen, ändern kann ich jetzt eh nichts mehr und los ging es. Spätestens nach ein bis zwei Kilometern kann man frei Laufen. Pustekuchen. Ich steckte ganze 7 Kilometer im Gewühl fest. Meine Pace lag beim Überqueren der Zeitmessung bei Kilometer 6 bei 4:58. Eine Pace von 4:40 wollte ich angehen, schneller ging es nicht durch das Feld. Immer wieder Überholen, warten, rechts vorbei, links vorbei, durch die Mitte. Einfach kein Durchkommen. Wie sich am Ende heraus gestellt hatte bin ich auch an strider auf den ersten Kilometern vorbei gegangen. Sie stand ca. 100m vor mir im Startblock. Bei Kilometer 8 sah ich eine Vereinskollegin vor mir die auf dem Halbmarathon unterwegs war, boah habe ich so viel Zeit verloren? Sie kam mit einer Halbmarathonzeit von mehr als 12 min später wie meine Durchgangszeit der ersten Runde ins Ziel. Ab dem 7. Kilometer hatte ich freie Bahn und bekam endlich meinen Schnitt gedrückt, die anvisierten Schnitte konnte ich nun Laufen und bei der zweiten Zeitmessung bei Kilometer 17 lag die Gesamtpace bei 4:42. So langsam wird es. Oder auch nicht es wurde von Kilometer zu Kilometer immer schwerer. Die Kopfschmerzen die mich den Vortag schon geplagt haben kamen wieder, mir wurde plötzlich ganz warm und die Pace zu halten wurde immer schwieriger. Der Rücken zwickte. Das Aufhören war Nahe. Komm mach langsamer, gefühlt nahm ich das Tempo total heraus, aber an der Uhr gab es kaum einen Unterschied. Also weiter, da muss ich nun durch. Die Versuchung nach der ersten Runde war groß heraus zu gehen und mit einem Halbmarathon zu beenden. Nix da ganz gebucht, links halten und ab in die zweite Runde. Den Halbmarathon zwar langsamer als geplant aber noch mit 1:40:41 gerettet. Ab über die Rheinbrücke zur anderen Flussseite. Hoppla, was geht nun ab. Seitenstiche, die habe ich doch schon ewig nicht mehr gehabt. Sie wurden so stark dass ich mir die erste Gehphase nehmen musste. Wäre ich doch nur rausgegangen, hätte ich nur… Die Zweifel wurden immer größer. Aufhören? Weitermachen? Es war nun nur noch ein Stop-and-Go Laufen gehen. Die Gehphasen versauten mir natürlich alles. Die Pace war nun so was von egal, es galt nur noch den Schweinehund zu überlisten und ein Denken von Kilometer zu Kilometer. Pause machen und auf strider warten oder weiter laufen??? Aber bei dem Gedanken nun zu warten auf strider und dann packe ich ihre Schnitte nicht mehr ist auch keine schöne Option gewesen. Also beschloss ich rette dich ins Ziel und versuche durchzuhalten. Ach wie beneidete ich den Läufer der neben mir ins Ziel vom Zweidrittel Marathon eingebogen ist. Ich zögerte auch und überlegte viel. Raus oder nicht, wie geht es strider? Läuft sie noch? Oder ging sie bei ihrem Jubiläumslauf vorzeitig raus. Nein ich versuche anzukommen, nur noch knapp 11 km und wenn ich gehen muss dann gehe ich aber heute gibt es kein DNF. Einen Kilometer weiter sah die Welt wieder anders aus. Krämpfe unterhalb vom Po machten sich breit. Das Laufen wurde immer schwieriger. Die Gehpausen immer größer, wäre ich nur raus gegangen. So eine schei..e. Das heute wird hart. Ich wurde immer langsamer und musste mich zwingen überhaupt noch zu Laufen und den Rest nicht gehend zu bewältigen. Bei Kilometer 38 kam dann endlich der ersehnte Jopmapstand mit der *Rettungsflasche*. Cola, was eine wohltat. Danke für den Support, das tat gut. Mittlerweile gesellte sich noch ein starker Regenschauer hinzu. Das Wetter war eh den ganzen Tag nicht so dolle, immer wieder starke Windböen. Kalt ungemütlich und jetzt noch das. Ein Blick auf die Uhr 3:20h, der Frust wurde größer. Jetzt wäre ich schon im Ziel und stände im Trocknen. Und wo stehe ich jetzt? Noch knapp 4 km davor mit Krämpfen. Viele Mitläufer waren genauso wie ich am Kämpfen, das Motivierte mich immer wieder nach dem gehen anzulaufen und mich Richtung Ziel zu bewegen. Das Ziel kam zwar langsam, aber es kam Näher. Nun bin ich froh dass es ein Sieg über den Schweinehund war. Noch einmal durch die Innenstadt und auf die Zielgerade noch ganze 200m davon Entfernt. Nur noch 100m, nur noch 50m , nur noch 20m, nur noch….. Stillstand. Ich könnte Fluchen und laut Schei..e kreichen 5 m vor dem blauen Finisherteppich ereilt mich ein Krampf. Kann kaum noch stehen und halte mich an der Absperrung fest um mich herum nur jubelnde Zuschauer und ich komme nicht mehr vom Fleck! Ja Mainz, die Stimmung im Ziel ist toll. Aber mir war nicht zu lachen. Ein Streckenpfosten kommt mir zu Hilfe und versucht mehrmals den Fuß zu dehnen. Nichts zu machen, total dicht. Nur noch Schmerzen im Bein. Eine Ergotherapeutin gesellte sich nach einer Minute hinzu und drückt mir mehrmals fest in die Leisten. Endlich die Krämpfe lösen sich so dass ich ins Ziel humpeln kann. Dieses Zieleinlaufvideo werde ich wohl nie vergessen. Danke an die Helfer an der Strecke, ohne die hätte ich wohl für die paar Meter noch viele Minuten mehr gebraucht als ich ohnehin schon am Rand stand. Mit 3:41:17 war endlich der Lauf beendet. Ein beachtlicher positiver Split von 20 Minuten. Ein Sieg über den Schweinehund, dieser hat es mir heute ziemlich schwer gemacht und mich mehrmals zum Aufgeben überreden wollen, aber der Wille zum Finish siegte heute. Auch wenn es nicht das erwünschte Ziel war bin ich angekommen.
Und kurz darauf kam auch strider an. Ein langes drücken und für einen Augenblick war die Welt wieder in Ordnung, all die Strapazen vergessen. Sekunden des Glücks überliefen mich. Nach und nach kamen auch die anderen Jogmapper ins Ziel, jeder war glücklich den Lauf hinter sich gebracht zu haben und nach einer warmen Dusche ging es recht zügig wieder in die Heimat.
Heute, einen Tag nach dem Marathon, meldet sich wieder das Schienbein zurück. Der Hals schmerzt. Aber es ist ein gutes Gefühl diesen Lauf mit einer Überquerung der Ziellinie beendet zu haben. Es war auf alle Fälle ein Sieg für das Ego. Selbst wenn es hart wird, es ist zu schaffen.
Was gestern war ist morgen vergessen…auf geht’s zum Rennsteig und zur Zugspitze.

4
Gesamtwertung: 4 (5 Wertungen)

Respekt für diesen Willen!

Jetzt trau ich mich gar nicht mehr über meine leicht zwickende Hüfte nach meinem ersten Wettkampf zu jammern. Nun werde ich heute Abend wohl doch noch auf die Piste gehen und meine Trainings-Laufwoche beginnen.

Großen Respekt an deine mentale Stärke. Ich wäre mit ziemlicher Sicherheit nach dem HM ins Ziel gegangen. Da kann man sich als Anfänger ein großes Stück abschneiden - das will ich auch schaffen!

In ehrfürchtiger Verneigung
Angus Schuan.

Aller Anfang sollte leicht sein, schwerer wird's ganz von allein!

Man hast du gekämpft!!!!

Man hast du gekämpft!!!! Unglaublich

Mit dem Kampfgeist schaffst du auch die Zugspitze. Aber werde erst einmal gesund.
Mein Respekt vor dem Marathon hat sich noch einmal verdoppelt.

Eisern gekämpft - Finish!

Du hast es Dir dieses Mal hart erarbeiten und erkämpfen müssen und es dem Schweinehund, den Krämpfen und wem noch immer gezeigt, dass Du ein "Eisenmann" bist. Gratulation zum Finish - und erhol Dich gut! Da gehört ein wenig Pflege und Salz dazu - ich hoffe es wird bald wieder!

Und dann ist beim nächsten Mal wieder alles anders - Läufe sind nicht planbar! Wenn Marathon einfach wäre - hieße es Fussball (hab ich in HH gelesen)!

ach du schande !

dass es dich so heftig erwischt hat tut mir leid.
dein zeit im ziel ist dafür höggscht ordentlich -
auch wenn du´s nicht so sehen wirst.

ich finde, das riecht nach revanche 2014 :)))

lg, c

....Der Schmerz geht, Aufgeben bleibt für immer!.....

... an diesen (deinen Spruch) musste ich sofort nach lesen deines Berichtes denken!

... und 5 Meter vor dem Zielstrich ... wenn Das nicht zum Fluchen verleitet, was dann???

Deine Freude diesen Marathon beendet zu haben ist sowas von zurecht,
denn wer so mit dem Schweinehund und körperlichen Problemen zu kämpfen hat,
hat es vollkommen zurecht verdient die Ziellinie zu überqueeren.
Grossen respektvollen Glückwunsch zum Durchkämpfen und Marathon-Finish !

Gruss Markus - een neongelbe Löper ut´n Norden

Oh weia!

Das klingt echt hart, vor allem die Krämpfe zum Schluss. Von DEM Kampfgeist hätt ich gerne ne Scheibe...
Dein Finish war in jedem Fall ein ganz großartiger Sieg Deiner Willenskraft.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt bei km 37 auch schon Tunnelblick, von wegen Läufer suchen, schnell Cola reichen und ins Ziel schicken.
Bis mein Hirn realisiert hatte, dass es jetzt auf ein paar Minuten auch nicht mehr ankommt und Du Dich sicher über einen meiner Müsliriegel im Rucksack gefreut hättest, warst Du schon wieder weg... tut mir leid, dass ich nicht schneller geschaltet hab!

Viele Grüße,
Anja
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Ich will - ich kann - ich werde es schaffen... solange es Spaß macht!!!

Des einen Freud, des anderen Leid

ich hätte Durchgangs- und Endzeit gerne genommen ;-))

War für uns beide nicht der Tag für Bestzeiten, aber anders als in HH sind wir immerhin angekommen ;-)) Ich glaube nicht, dass es an der Vorbereitung lag, die Tagesform zeigt sich leider erst auf der Strecke! Tapfer gekämpft und angekommen in einer absolut akzeptablen Zeit, aber wenn du nochmal Therapeutinnen kurz vor dem Ziel abschleppst gibt es Ärger ;-))

Bin ganz stolz auf dich!!!

edit: Soll ich noch die Nummer mit dem Magnesium und dem Salz bringen???

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Respekt fürs Durchhalten...

Respekt fürs Durchhalten... Und ankommen ist das Ziel! Hast du toll gemacht bin trotzdem stolz auf dich.. der nächste Lauf wird garantiert wieder besser :-)

Mensch, Du bist ganz schön zäh!

Genau wie strider!
Hast Du das von Ihr???
;o)))
Der Kopf hat gesiegt!
Guuuuuuut!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Wow, das klingt ja ans

Wow, das klingt ja ans ruinöse grenzend brutal O_O
Is noch alles dran?

Ich wär da 100% ausgestiegen. Dann mal trotzdem Glückwunsch für den Finish, ich mein, diese Erfahrung, dass man in's Ziel spucken könnte aber nicht reinkommt, macht man ja vermutlich auch nicht oft :D

Erinnert mich an dieses Iron-Man-Finale http://www.youtube.com/watch?v=MTn1v5TGK_w

Was für ein Kampf!

Du bist ganz schön zäh. Mir scheint, das war ein ganz wichtiges Finish für den Kopf. Aber jetzt wünsch ich Dir eine superschnelle Genesung für Hals und Bewegungsapparat! Schließlich ist schon bald Rennsteig.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Zielsprint...

Gut dass du dein Humor behalten hast und von Zielsprint schreibst.
Dass Marathon kein Zuckerschlecken ist wissen wir. Aber dass man selbst so kurz vom Ziel erwischt wird, ist schon eine harte Probe!
Glückwunsch und gute und schnelle Erholung
JT

Au Weia! Nicht laufend über

Au Weia! Nicht laufend über die Ziellinie zu kommen ist bitter. Ist mir auch schon passiert. Aber du hast dich eindrucksvoll durchgekämpft. Respekt!

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