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Nach der Deutschen Meisterschaft im Halbmarathon im April stand nun für den 12. Mai mein zweites Highlight in diesem Frühjahr an: der neue Ruhrgebietsmarathon durch Gelsenkirchen, Essen, Bottrop und Gladbeck wollte unter die Hufe genommen werden.

Es sollte eine neue Bestzeit her und nach dem Halbmarathon von 1:15:51 schien eine Verbesserung der Marathon-Bestleistung aus 2012 von 2:48:17 lediglich eine Frage des "um wieviel"...

Leider verspürte ich aber in den letzten Wochen nicht den erhofften Formschub. Im Gegenteil, die Beine waren mitunter recht schwer und irgendwie wollte das ganze nicht recht zünden. Bezeichnend war der letzte 35er mit Endbeschleunigung, den ich gar langsamer als vor Jahresfrist in der Vorbereitung auf Bonn absolvierte.

Dementsprechend war ich also eigentlich gewarnt, erteilte so auch allen Gedankenspielereien in Richtung 2:40h eine Absage, hielt aber dennoch eine sub 2:45 für möglich, auch auf dem welligen Kurs des Vivawest-Marathons.

Anreise war kein Problem, lediglich die Straßenbahn von den Pendelparklplätzen an der Schalker Arena in die Innenstadt schien sich nicht ganz den versprochenen 5-7-Minuten Takt zu halten. Dennoch hatte ich genug Polster, dass ich hier nicht in Bedrängnis geriet.

Der Start des Marathons war für 9 Uhr angesetzt. Im Startblock traf ich auf Vereinskollege Manuel, der prompt vom Moderator zu den Mitfavoriten erklärt wurde. Zack, hatten wir die WDR-Kamera vor der Nase und konnten uns nicht mehr unbeobachtet in der Nase popeln. Aber auch ohne Kenianer gibt es ja immer noch ein paar Deutsche Läufer, die doch zügiger als "unsereiner" unterwegs sind. In diesem Fall Florian Neuschwander, der den Marathon dann auch überlegen gewonnen hat und schon nach 2 Km außer Sicht war. Dahinter bildete sich eine 4er Gruppe im 3:45-Schnitt mit Kurs auf die 2:40-Marke, dann folgten Manuel und ich als Duo und dahinter war auch schon ganz schnell niemand mehr.

Ich hatte geplant, mit Manuel die ersten 10-15 Km im 3:55er Schnitt anzugehen und dann ab Km 15 "Druck" zu machen. So ließen wir auch besagte 4er Gruppe richtigerweise ziehen. Wir selbst hielten uns auch unter der 4er-Pace, aber auf dem welligen und etwas windigen Kurs der ersten Kilometer war das anstrengender als gedacht. Die Streckenführung verlief größtenteils über abgesperrte große Straßen, mit Abstechern durch die Zeche Zollverein (fand ich schön) und ein Essener Einkaufszentrum (das hätte man sich auch schenken können). Das Zuschaueraufkommen war abseits der "Hot-Spots" recht gering, aber auch nicht anders erwartet. Nach 39:05 passierten wir die 10 Km Marke. Als wir dann bei Kilometer 11/12 uns bei "knapp unter 4er-Pace" einpendelten, beschloss ich ein wenig Druck zu machen. Manuel, der ältere und klügere von uns wollte sein Tempo weiterhin ruhig durchlaufen. Ich forcierte, aber unter die 3:55 Min/Km kam ich kaum. Hier merkte ich, dass die Beine heute keinen guten Tag erwischt hatten. Bei 1:23:05 passierte ich die HM-Marke, ganze 30 Sekunden hatte ich auf Manuel gewonnen zum Preis eines nun ganz einsamen Rennens, denn die 4er Gruppe voraus blieb außer Sichtweite. Kurz vor Km 30 gab es dann eine Wendepunkt-Strecke (übrigens ohne Kontrollmatte, will nicht wissen, wer im späteren Pulk hier der Versuchung nicht widerstehen konnte) und mir gelang es, die Läufer auf den Plätzen 2-5 in Augenschein zu nehmen. Auch wenn die Gruppe nun auseinander gefallen war, sahen alle 4 noch ziemlich locker aus und waren noch mindestens 3 Minuten voraus. Spätestens hier musste ich mir eingestehen, dass die Tempoverschärfung nichts gebracht hatte. Bei Km 30 lag ich dann zwar 45 Sekunden vor Teamkollege Manuel, aber hatte doch merklich Kraft gelassen. Ich schmiss ein Gel ein, aber wurde nun langsam langsamer. Bei Km 36 traf dann die Marathon-Strecke auf die Streckenführung des Halbmarathon und ich befand mich unversehens im Pulk der 2:20 bis 2:30 HM-Läufer. Auf breiten Straßen kein Problem, aber auf dem schmalen Weg durch irgendeinen Landschaftsgarten (zu diesem Zeitpunkt war mein Interesse an Landschaft und Umgebung ziemlich erloschen) ist es doch eher hinderlich, wenn der Pulk in kompletter Wegbreite schleichend unterwegs ist. Gleichzeitig überholte mich Manuel und zog schnell von dannen, bis ins Ziel sollte er noch eine Minute Vorsprung auf mich herauslaufen. Ich war nun 7. im Rennen und langsam geriet auch das Minimalziel "PB" außer Reichweite. Aber es war auch nicht mehr weit und ich wollte zumindest den Top10-Platz in einer sub 2:50 nach Hause bringen. Also hieß es weiter durchbeissen.

So schlängelte ich mich im Trampelschritt durch die Halbmarathonis, gefühlt verdammt langsam und gelegentliches Geraune der HM-Läufer über mein "wahnsinnig schnelles Tempo" klang wie Hohn in meinen Ohren. Kurz nach kam 41 sah ich dann rechts einen jungen Mann in einem blauen T-Shirt, das mir irgendwie bekannt vorkam... Ein Blick, ein Blick von ihm zurück... Tatsächlich, einen Läufer der ehemaligen 4er Gruppe voraus hatte es dann doch ärger erwischt. "Top 6" gab dann noch einmal neue Motivation und ich schaltete direkt beim Überholen in den "Endspurt"-Modus um dem jungen Mann (der dann auch die MHK gewonnen hat) gleich mal zu zeigen, dass er sich gar nicht versuchen sollte, sich an mich ranzuklemmen.

Zieleinlauf dann kurz darauf ganz unspektakulär im Pulk der HM-Läufer in einer Netto-Endzeit von 2:48:45. Ich fand wirklich schade, dass der komplette Marathon-Zieleinlauf des vorderen Feldes total unterging. Ich hoffe, dass wenigstens der Sieger erkannt und gefeiert wurde. Aber hier sollte man Zeit- und Streckenplanung für die Zukunft überdenken.
Teamkollege Manuel hat übrigens die AK M40 souverän gewonnen, während ich als 6. im Gesamteinlauf in der M30 den 4. Platz belegte.

Was bleibt als Fazit: Es hat nicht sollen sein mit einer neuen Bestzeit in diesem Frühjahr. Die Beine waren nicht locker und die Strecke schwerer als im Vorfeld vermutet. Positiv ist die Platzierung, mein erstes Top10-Ergebnis bei einem Marathon, mit knapp 1200 Finishern auch kein ganz kleiner. Ein wenig Enttäuschung ist da noch über die Zeit, aber im Herbst gibt es vermutlich eine neue Chance. Das ist ja eigentlich auch die Herausforderung beim Marathon: Für ein optimales Ergebnis muss alles zusammen passen im Puzzle aus Vorbereitung, Tagesform, Strecke und Wetterbedingungen.

4.666665
Gesamtwertung: 4.7 (6 Wertungen)

huiiiii...

...ich bin ganz außer atem nur vom lesen! meinen herzlichsten glückwunsch!
wow, das sind pace-welten, die so unvorstellbar weit von den meinen entfernt sind und mich immer wieder ins staunen bringen, wie man das schaffen kann. klasse!
und die pb, die fällt dann im herbst. münster am 8. september ist dafür nen tolles pflaster übrigens. da gibt´s jetzt sogar pacemaker für 2:30 ;-)
____________________
laufend gratuliert moritz: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

Mein lieber Moritz :o))

nicht enttäuscht sein, Deine Leistung ist genial und Deine 02:40-02:45h knackst Du auch noch, da bin ich sicher!
Es muss ja auch noch eine kleine Aufgabe für Dich bleiben, sonst wirds ja langweilig! ;o)
Jetzt stell Dir mal vor, Deine Beine wären locker gewesen...
Mit dem Gedanken, noch mehr Potential zu haben nach dem Zieleinlauf unter den besten 10 ist doch das Beste, was passieren kann....naja, fast.
Ein Sieg wäre noch besser, aber was kommt danach?

Neeee, ich glaube, da kommt noch ganz viel für Dich! :o)
Auf ein neues Puzzle!

Lieben Gruß Carla

"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Puh

da kommt man ja beim Lesen ins schwitzen!!
Schade das es nicht geklappt hat mit der PB, aber es gibt ja noch ein paar M in diesem Jahr!!

GT
"laufend laufen, laufen wir laufend!"

Huijuijui

was bist Du schnell! Und das als Hobbyläufer! Geniale Zeit, Top-10-Platzierung ("nur" 4. AK ist ärgerlich, aber bei dem Aufgebot wenig verwunderlich). Die Strecke war scheinbar auch schwierig und es hat nicht sollen sein. Beim nächsten Mal ist wieder alles anders - versprochen!

Erhol Dich gut - und dann auf ein Neues. Gratulation zu dieser tollen Zeit.

Moritz :0)...

... schön mal wieder in deinen Zeilen zu lesen!

Du schreibst es ja schon, von 1200 Läufern der 6. zu sein, der ins Ziel läuft, ist das nix!? Doooooooch ist es :0))!!!

Ich wünsche dir jedenfalls weiterhin viel Erfolg und ein ausgeglichenes Training...

Gruß,
Kaw.

Toller Bericht aus einer

Toller Bericht aus einer ganz anderen Liga! Auch wenn du vielleicht dein Erst- und Zweitziel knapp verpasst hast, eine Top-10-Platzierung bei so einem Feld ist aller Ehre wert. Glückwunsch!

Das Zusammenführen von M- und HM-Feld hat für die Marathonis zwar den Vorteil, dass sie sich nicht so einsam fühlen. Allerdings müsste dies vom Veranstalter zeitlich besser abgestimmt werden. Zum Ende des Rennens noch Kolonnen springen zu müssen ist nicht sehr angenehm. Hat dich bestimmt auch einige Sekündchen gekostet. Und wahrscheinlich hat der HM-Sieger mehr Aufmerksamkeit erhalten als der eigentliche Held des Tages.

Hallo Moritz

Ich kann ja als Hobbyhobbyhobby-Läufer solche Leistungen (Zeiten) gar nicht nachvollziehen.
Glückwunsch zu diesem Ergebnis, auch wenn Du Dein selbstgestecktes Ziel nicht erreicht hast.
Man kann nur ahnen wie viel Trainingsdisziplin man haben muss um diesen Anspruch zu haben.
Nur die Gene machen´s auch nicht.
Fürs nächste mal wünsch ich Dir auf jeden Fall schon jetzt gutes Gelingen.

Auch von mir

einen Dank für diesen Einblick in eine andere Laufliga. Auch wenn’s diesmal wohl nicht so lief. Ich drücke die Daumen.

Da schäme ich mich fast für meinen großartigen Lauf inkl. Runner’s High... War ja auch erst mein zweiter HM.

Auch ich fand die Zusammenführung der Marathon- und Halbstreckenläufer problematisch, da ich hinter dem Zweitplatzierten einlief und das Feld doch relativ dicht war. Mit Ambitionen auf ein Bestzeit hätte ich da auf Slalom wohl auch keine Lust.

Bester Gruß,

Odradek

Hallo Moritz

Was mir an deinen Berichten immer wieder gefällt, ist dieses "das hat doch jeder schon mal erlebt" Gefühl, was du vermittelst - allerdings auf einem unfassbaren Level.
Glückwunsch zum Lauf - nicht zu der Zeit, da hattest du andere Ziele. Aber sich während des Laufes mit Plan B und C zu beschäftigen und seine Ziele anzupassen - Hut ab. Das nehme ich für mich mit, wenn ich darf. Wenn du gesund bleibst, wirst du locker sub 2:40 laufen können.

LG,

Berti

Tja..

...ich würde mal sagen, das war wohl nichts. Überhaupt reicht es langsam mal, dass du solchen Mittelstrecken-Bestzeiten hinterher läufst. Wenn du noch 8km draufpackst, dann kommt immerhin eine ansehliche 50km-Zeit raus, wo andere auch schon mal ein Rennen gewinnen. Nix mehr 6., dann 1.! Jedenfalls nach meiner Logik :-)
Auch wenn 50km ja wirklich jetzt auch nichts wahres ist...

--
Moritz, ich bin sehr stolz auf dich und hoffe, dass wir in einem halben Jahr nach den Herbstläufen schon wieder andere Zeilen von dir lesen dürfen. Gute Regeneration!
Grüße ins Nachbarland und an meinen Ex-Mitbewohner bitte!

Sub 2:40!

Moritz,

sub 2:40 ist - das habe ich dir ja schon mehrfach geschrieben - bei dir locker drin. Besonders wenn ich deine persönliche Bestzeit im Halbmarathon ins Auge fasse.
Strecke und Tagesform haben nicht gepasst, das passiert leider. Im Herbst wirst du es aber packen, da bin ich absolut sicher.
Und am kommenden Sonntag greife ich dann erstmal deine HM-Zeit an ;-)

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