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Ein Meilenstein in meiner „zweiten“ Läufer-Laufbahn sollte es sein, nach einigen geschafften 20 km-Touren machte ich mich auf, in Rengsdorf im Westerwald, wo ich einst meinen ersten Ultra gelaufen hatte, die 33 Km Schleife zu laufen. Mitten in der Nacht aufgestanden, um alles zu richten, traf ich rechtzeitig am Schwimmbad ein, diesmal schienen mir wesentlich mehr Teilnehmer als sonst am Start zu sein.


Die Zahl von alten Bekannten aus dem Siebengebirge aber auch vielen neuen Gesichtern der großen Jogmap-Gemeinde wuchs ständig. Gerne hätte ich noch lange geklönt, aber der Ultra- übliche verhaltene Start brachte mich gut gelaunt und locker nach dem ortsüblichen „Hui Wäller?- Allemol!„ auf die Strecke.

Die ersten Trail-Km ging es gefühlt stetig bergauf. Den Weg markierten kleine Zwerge, die womöglich aus dem Siebengebirge angereist waren und heimlich auch an diesem Lauf teilnahmen... Endlich auf der Höhe angekommen und aufgrund der steigenden Temperaturen schon recht ausgetrocknet, lief ich in der ersten Verpflegungsstelle ein, wo es ausreichend leckere ISO-Getränke und Kekse nebst Bananen gab! Jawoll, Diesmal gab es alles in ausreichenden Mengen!! (Man glaubt es ja nicht, aber ich wurde angesprochen: „Hey, Du hast doch vor 3 Jahren geschrieben, es gäbe keine Kekse auf der Strecke...“).

Wen wunderts, wenn ich diesen für mich peinlichen Ort schnell verließ und gut gestärkt weiter trabte. Über die Höhen des Westerwaldes, ohne den legendären kalten Wind, dann durch saftige Wiesen in schattige Täler mit gurgelnden Bächen führte die Strecke durch eine märchenhaft schöne Landschaft. Die Wege überwiegend sehr gut zu belaufen, Waldboden, Wiesen und ab und zu ein Treppchen oder ein Wurzelweg mit Brücke.

So weit - so gut!
Nun aber begab es sich, dass meine Beine ab km 15 immer schwerer wurden, mein Bauch nicht so funktionierte, wie geplant und sich dazu im weiteren Verlauf ein explodierender beidseitiger Wadenkrampf zu den Beschwerden gesellte. Als ob das nicht schon alles demotivierend genug wäre, hatte ich nun das Gefühl, als ginge es kilometerlang immer leicht bergan auf Asphalt,

dann in die Auen, wieder stetig bergauf, dann etwas steiler bergauf, dann kam endlich eine weitere Verpflegungsstelle, die ich schon im Zustand nahender Erschöpfung dankbar erreichte. Wie fast immer an diesen angenehmen Orten, ließ ich brav meine Kontrollkarte abstempeln, damit ich später auch eine Urkunde bekommen konnte. Ob ich die allerdings auch noch wollte, darüber war ich mir noch nicht ganz im Klaren.

Ok, es gab natürlich einige Gründe, warum ich weiter lief und nicht einfach an der VS sitzen blieb.
Zunächst meine liebe Mitläuferin, die an fast jeder Kuppe auf mich wartete und mich dann erneut motivierte, dann der Kampf gegen den inneren Schweinehund, der mich am Finish hindern wollte, vor allem aber die Aussicht auf VP5, wo es traditionell leckeres Hachenburger Flaschenbier gibt.

Bis dahin schleppte ich mich und lenkte mich zwischendurch in einsamen Passagen (und nicht nur da) mit kurzen Videoaufnahmen und Fotos ab.

Ab hier wurde es dann wirklich schwierig. Nur noch ca. 5 Km waren es bis ins Ziel, überwiegend bergab zwar, aber mit zuckenden Wadenmuskeln und schmerzendem Bauch wahrlich kein Vergnügen. Kurz vor dem Ziel läuft man eine lange Schleife um das Freibad herum, wo man
die finale Futterstelle schon immer sehen kann. Wenn man aber, wie ich, kaum noch laufen kann, geht man... Doof nur, wenn das dann jemand sieht - also immer wieder die steifen Eisenbeine in Gang gesetzt und weiter gestöckelt. Dann , kurz vor dem Ende, habe ich noch einmal alle Kraft zusammen genommen und bin ins Ziel gewackelt - aus den Augenwinkeln registrierte ich ein schelmisches Grinsen eines mir Gott sei dank unbekannten Sportsfreundes. So what, er hat ja keine Ahnung, dass ich soeben die längste erreichte Strecke der letzten 2 ½ Jahre beendet hatte, wie auch immer.

Nach einer kleinen Regenerationspause und einem Kaffee war mein Kreislauf wieder brauchbar, ich war sogar in der Lage, wenigstens eine kurze Zeit mit den Lauffreunden zusammen zu sein. Leider waren meine angegriffenen „inneren Werte“ so desolat, dass ich alsbald den Heimweg antrat um mich zuhause wieder instand zu setzen und meinen erschöpften Körper zu regenerieren.

Und was „lernt“ mich das?
Einmal einen HM gelaufen, reicht nicht aus, um dann einen 33 Km-Lauf zu überstehen (auch wenn das früher für mich kein Problem war).
Am Anfang zu schnell loslaufen rächt sich nach hinten raus, bei mir sogar schon in der Mitte der Distanz...
Salztabletten, Uschisocken und literweise ISO-Getränke sind keine Gewähr dafür, einen Lauf gut zu überstehen - ordentliches Training ist halt unabdingbar!

Nachtrag:
Ich habe den Glauben an mein Laufwerk wieder gefunden: 2 Tage später und nach 12 gemütlichen Km ist alles wieder fast so wie es soll, nur die Waden zwicken noch ein wenig, das aber ist ja wohl ihr gutes Recht, nach 33 Km...
Und zur Entspannung habe ich noch ein kleines Video von Rengsdorf 2013 geschnitten:

Hofpoet

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Ach Chris...

... es ist nicht anders als früher, es fühlt sich nur anders an ;0)...

Hier habe ich ein Zitat von einem guten Lauffreund, den ich sehr schätze und jederzeit seinem Rat befolgen würde!

"Trotzdem ist es herrlich, von Lauffreunden zu hören, die gewaltige Distanzen abreißen und nicht abheben. Manchmal scheitern sie auch dabei und jammern nicht lauthals und um Mitleid heischend, sondern melden sich einfach erneut an und starten einen neuen Versuch."

Sehr schöner Bericht und bis auf zwei Fotos, auch sehr aufschlussreiche Bilder, über den Verlauf eines schönen Tages...

Weil du ja noch viele solcher Läufe in Angriff nimmst, mögen deine Waden noch lange zwicken ;0) !

Gruß,
Kaw.

Lieber Hofpoet :0)

Ich finde es sehr beachtlich, was Du dort mal wieder geleistet hast und weil es Dir so schnell wieder besser geht und Dein Körper wieder positives Signal gibt, glaube ich, hast Du mal wieder sehr viel gewonnen!
Ok, die zwickenden Waden kommen vom Trainingsrückstand, aber der Kampfgeist ist immer noch da und unendlich stark!!
Dieser Lauf hat Dir aufs Neue gezeigt, dass Dein Körper momentan noch andere Grenzen, als früher hat, die Du berücksichtigen musst, aber auch das kriegst Du hin!

Du bist verdammt stark...32km mit den Höhenmetern....boah, da träumen viele nur von!
Du hast meinen allergrößten Respekt dafür!! :0)
Und dann machste ganz nebenbei noch so schöne Fotos und Filme...einfach genial!! :0))

Lieben Gruss Carla

"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

@ carla,

die Fotostopps haben ja vielleicht auch einen versteckten Hintergrund: Bei alten Menschen nennt man das "Schaufensterkrankheit". Bei Läufern auch bekannt unter "Schuhband aufgegangen", "mal pieseln gehen"...
Jedes Foto 20 Sekunden Verschnaufen! ;-)

Chris

vielleicht mal reinsehen: Siebengebirgsrun.de meine Laufseite

Ich hätte Dir gewünscht,...

...dass Dir diese 32km leichter aus den Beinen gekommen wären. Umso beachtlicher finde ich, dass Du trotz aller "internen" Schwierigkeiten so ganz nebenbei noch so einen wunderschönen Werbefilm für den Westerwald erstellt hast.
Nächstes Mal wird alles besser!
LG, Conny

Lieber Chris,

da wir ja auf der Kinderrunde unterwegs waren, habe ich gar nicht mitgekriegt, wie schlecht es Dir ergangen ist. Das tut mir echt leid, dass Du den Lauf nicht geniessen konntst. Aber die Tatsache, dass Du nach 2 Tagen wieder locker unterwegs warst, zeigt doch, dass Dein Körper das recht gut weggesteckt hat und Du auf dem richtigen Weg bist.
Du bist ein Kämpfer, Du wirst Dein Ziel schaffen!!

LG,
Anja

Achsooooo! :o)))

verstehe!
Der Kaiserwerther hatte da mal sowas mit Fotos machen erwähnt.
"Schuhband aufgegangen" sieht man ja häufiger und "mal pieseln gehen", da kenn ich
auch jemanden! ;o))
Scheint also was ganz normales zu sein! :o)))

"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Lieber Chris, wo ist denn

Lieber Chris,
wo ist denn hier das "aber"?? Ich kann keins finden...
Du hattest Schwierigkeiten, ok, aber das kann doch jedem von uns passieren!?! Und du hast dich grandios durchgebissen. Du hast nicht aufgegeben, hast nicht dem Schweinehund nachgegeben, du hast dich sehr sehr sportlich verhalten. Das finde ich toll und bewundernswert, gerade unter dem Aspekt deiner Geschichte! Das hat für mich echte Vorbildqualität. Es zeigt, wozu wir Menschen in der Lage sind...
Nichtsdestotrotz betreibst du Ursachenforschung und bist realistisch genug, eigene Mängel zu sehen. Auch das zeugt von Größe. Man kann ja viel auf die Umstände, die schlechten Wege, dies das und jenes schieben, aber zu sagen, ok, ich war schlecht vorbereitet: dazu ist auch nicht jeder in der Lage!
Und wenn du uns hier an deinem Zweifel teilhaben lässt und wir nicht nur "weichgespülte" schöne easygoing Berichte zu lesen bekommen (das ist jetzt eher allgemein gemeint, nicht nur auf dich bezogen!!!)dann macht das dich nur noch sympathischer :-)
Und wie heisst es doch so schön? Das Leben beginnt jenseits der Komfortzone...
In diesem Sinne: Hui Wäller!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Das Video inspiriert mich zu dem Wunsche,

diesen Lauf vielleicht auch einmal zu bestreiten. Danke!
Und Glückwunsch zum Finish!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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