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Phrenicus - Phrenikus - Zwerchfell - Lähmung - Zwerchfelllähmung

Hatte immer schon mal vor, meine Erfahrungen mit diesem Krankheitsbild in einen Blog zu fassen. Angeregt durch den Forumsbeitrag von moni09 bin ich nun zur Auffassung gekommen, dass mein Beitrag vielleicht doch dem einen oder anderen Betroffenen (Läufer oder Noch-Nichtläufer) helfen kann, mit dem Krankheitsbild besser zurechtzukommen oder zu einem Erfahrungsaustausch beizutragen, der auch mir neue Erkenntnisse bringen kann.

Auftreten von Kurzatmigkeit
Am zweiten Weihnachtstag 2008 stellte ich bei einem Lauf mit meinem Sohn eine ungewohnte Kurzatmigkeit fest, die ich zuerst auf die Völlerei beim Weihnachtsfest zurückführte. Zu dieser Zeit lief ich ca. 3 mal 6km die Woche, viel weniger als heute.
Die Kurzatmigkeit trat bei Steigungen oder kurzen Sprints auf, Dauerläufe waren kein Problem. Nachdem im Januar keine Besserung eintrat und häufige Seitenstiche auf der rechten Seite dazukamen, wurde der Arzt konsultiert.

Ärztemarathon
Der Facharzt für Inneres stellte eine Zwerchfellhochstand fest und verwies mich an einen Lungenfacharzt, der mich wiederum an ein Röntgeninstitut weiterleitete, das eine paradoxe Zwerchfellatmung (Hebung des Zwerchfells beim Einatmen, Senkung des Zwerchfells beim Ausatmen) feststellte: ein Zeichen, dass der Nervus Phrenicus, der Nerv der das Zwerchfell steuert, nicht funzt.

Mögliche Ursache könnte ein Virusinfekt sein, der den Nerv geschädigt hat. Mittlerweile bin ich der Auffassung, dass eine chiropraktische Behandlung am Nacken zwei Wochen vor Weihnachten die Ursache für die Nervenschädigung ist.

Der Lungenfacharzt machte mir Hoffnung, dass der Nerv sich regenerieren könne, das würde aber 1,5 bis 2 Jahre dauern. Er riet mir nach einem Test in einem Schlaflabor zu einem Beatmungsgerät (BIPAP) mit dem ich die Lunge trainieren sollte.

Der Besuch bei einem Neurologen (die sind ja schließlich für Nerven zuständig) brachte rein gar nichts, außer den Rat, ihn alle drei Monate zwecks Kontrolle aufzusuchen.

Die Atemübungen, die mir eine Physiotherapeutin zeigte, teilen das Schicksal der Übungen, die mir ein anderer Physiotherapeut für die Lendenwirbelsäule gezeigt hat, nämlich, dass sie nicht regelmäßig von mir gemacht werden. Schlimmer noch, während ich die Rückenübungen abends auf dem Teppich vor dem Fernseher absolvieren kann, steigt mir meine Familie aufs Dach, wenn ich mich prustend oder hechelnd vor dem Bildschirm produziere.

Die Ergebnisse aus der Untersuchung im Schlaflabor ergaben, Gott sei Dank, dass mir ein Beatmungsgerät keinen Nutzen brächte, dazu waren meine Lungenwerte (dank des regelmäßigen Laufens seit 10 Jahren?) zu gut.
Weitere Info: Eine Regeneration des Nervus Phrenicus nach einem Virusinfekt sei möglich, aber nach einer traumatischen Schädigung (z.B. Chiropraktik oder OP) unwahrscheinlich.

Istzustand
Ohne das Laufen, (da ist die Kurzatmigkeit ja aufgetreten) hätte ich wahrscheinlich nie gemerkt, dass der Nervus Phrenicus nicht funzt und die Kurzatmigkeit auf das Alter geschoben.
Andererseits hätte ich ohne das Laufen die Zwerchfellparese auch nicht so weggesteckt.
Die Seitenstiche traten nur in den ersten Monaten nach der Schädigung auf. Zurzeit macht sich bei mir lediglich bei längeren Steigungen im Vergleich zu anderen Läufern eine höhere Kurzatmigkeit bemerkbar. In 2011 ging es mir so gut, dass ich fest überzeugt war, der Nerv habe sich regeneriert. Eine neue Untersuchung erbrachte aber einen unveränderten Zwerchfellhochstand.

Ausblick
Angesichts der Rat- der Hilfslosigkeit der Ärzte sehe ich mich als austherapiert an.
Wäre schön, der Nervus Phrenicus würde sich nochmal regenerieren, aber nach fast 4,5 Jahre rechne ich nicht mehr damit. Obwohl, man soll die Hoffnung nie aufgeben.
Ich habe es nach kurzer Zeit gelassen, mich über die Spätfolgen der Phrenikusparese zu informieren. Genauso mache ich mir keine Gedanken darüber, was passiert, wenn eine beidseitige Zwerchfelllähmung eintritt.
Meines Erachtens verläuft diese Krankheit höchst individuell und jeder Betroffene muss seinen Weg finden, mit ihr auszukommen.
Eine gleichaltrige Kollegin (die einzige Person, mit Zwerchfelllähmung, die ich sonst noch kenne) ist nach etlichen Fehlzeiten auf dem Weg in die Erwerbsunfähigkeit.
Den Rat meines Lungenfacharztes, das Joggen nicht sein zu lassen, und für eine gute Belüftung meines linken Lungenflügels zu sorgen, befolge ich fleißig. Durch die Lauferei hat sich der Körper auf die fehlende Zwerchfellfunktion eingestellt, und kompensiert das irgendwie durch Brustatmung oder Atmung auf der rechten Seite (daher auch anfangs die Seitenstiche rechts).
Bei Erkältungen bin ich etwas vorsichtiger als früher und schränke meine Läufe ein, sobald mir etwas in den Hals rutscht, da die Gefahr einer Lungenentzündung erhöht ist.

Ich hoffe, Dir, moni09, mit meinem Bericht etwas geholfen, oder zumindest, das Gefühl gegeben zu haben, nicht allein betroffen zu sein.

Gerne nehme ich in diesem Blog die Erfahrung anderer Betroffener auf oder bin für eine Austausch von Erfahrungen über die Messagefunktion bzw. Mail offen. Allerdings bin ich aufgrund der wenigen Kommentare zum Forumsbeitrag von moni09 bestätigt, dass diese Krankheitsbild höchst selten ist.

Lohnt sich wahrscheinlich noch nicht mal eine Selbsthilfegruppe zu gründen, deren Ziel es sein könnte festzustellen, wieviele der Zwerchfelllähmungen durch Virusinfekte oder durch ärztliche Behandlungen verursacht werden.

Ich hielt es für persönlicher, das Thema in Blogform zu bearbeiten. Da werde ich gegebenenfalls neue Erkenntnisse und Entwicklungen, die sich in den nächsten Jahren ergeben, fortführen.
Und vielleicht wird doch noch ne Selbsthilfegruppe draus.

5
Gesamtwertung: 5 (16 Wertungen)

als Nichtbetroffene

mogel ich mich mal rein um dir für deinen Blog zu danken. Finde ich gut, dass du es schreibst und wie du es schreibst. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es eine relativ hohe Dunkelziffer gibt? Wie viele Ärzte diagnostizieren schnell Asthma o.ä.? Gut wenn man es weiß und noch besser, wenn man damit umgehen kann!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Unglaublich!

Vielen Dank! Ich kann dir nicht sagen, wie sehr du mir geholfen hast! Genau so geht es mir auch- im Alltag merke ich eigentlich nichts, Laufen auf ebener Strecke funktioniert halbwegs, aber bei der kleinsten Steigung fängt die Luftnot an. Dann muss ich erst mal stehen bleiben und mich auf die Atmung konzentrieren. Ich bin jetzt dabei, zu versuchen, mir diese Konzentration und die Technik während des Laufens zu erarbeiten.
Sollte es dabei bleiben, dass sich der Nerv nicht mehr erholt, dann weiß ich jetzt wenigstens, dass ich mit einigem Training doch weiter laufen kann und vielleicht so etwas wie eine Gewöhnung an den Zustand eintreten wird.

Naja, zur Zeit bin ich eben leider noch ganz am Anfang und war neulich furchtbar stolz, eine halbe Stunde am Stück gelaufen zu sein. Aber egal, es war ja eine Riesen-OP und x Komplikationen und die Ärzte sagen, dass ich überhaupt schon so weit bin, hätte ich eben meiner Lauferei und Turnerei in den Jahren vorher zu verdanken.

Ich kann dir nur noch mal danken für die Hoffnung, die du mir gegeben hast und den Mut, den du mir gemacht hast!

@moni09:

Freut mich,dass ich Dir weiterhelfen konnte. Deiner und Striders Kommentar und immerhin 10 Bewertungen mit 5 geben mir das Gefühl, dass ich die Zeit gestern abend nicht besser hätte nutzen können.
Wünsche Dir für die weitere Genesung alles Gute. Höre auf Deinen Körper, er sagt Dir schon wie lange Laufen gut für ihn ist.
Mein Laufpensum von z.Zt. ca 50km/Woche hat übrigens nichts mit der Zwerchfellparese zu tun. Mir ging es bis 2010 mit ca. 18km/Woche mit der Atmung auch sehr gut.

@strider
Glaube auch, dass die Dunkelziffer relativ hoch ist. Ob meine Art, mit der Krankeit umzugehen, richtig ist, weiß ich nicht. Ich fühl mich jedenfalls seit 4 Jahren wohl damit. Insofern ist das Leben ein einziger Selbstversuch.

26.Mai Hochwald-Mittelrhein HM
06.Juli Himmelgeister HM

Osteopathie

Beim Lesen erinnerte ich mich an den "Marathon" den wir mit meinem Sohn durchlaufen hatten. Er hatte zwar keine Lähmung aber das Zwerchfell hatte sich bei ihm als Kleinkind nicht richtig abgesenkt,was danach eine Reihe von wenig "lustigen" Implikationen hatte. Erst als er 14 Jahre war, fanden wir wir den richtigen Ansatz und richtigen Osteopathen, der helfen konnte. Zweimal behandelt und viele Probleme haben sich "erledigt". Einfach beeindruckend. Unseren fanden wir in Flörsheim am Main. Nicht der nächste Weg, aber es hat sich gelohnt. Ob es natürlich auch bei der Lähmung wirkt kann ich nicht abschätzen.

Viele Grüße

Jogger63

Wie meine Omma zu sagen pflegte: Essen und Trinken schmeckt und bei der Arbeit sticht's

@jogger63: Danke für den Hinweis

Ich weiß, dass die in meinem Bericht genannte Kollegin mit ihrer Zwerchfelllähmung bei einem Osteopathen in Behandlung war. Ich selbst hab keine Erfahrungen mit Osteopathie. Wäre ein Ansatz, den man verfolgen könnte.

26.Mai Hochwald-Mittelrhein HM
06.Juli Himmelgeister HM

ich finde es gut,

dass du darüber offen berichtest und uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt. Damit machst du anderen Mut, ihre Krankheit nicht als 'Aufhänger' zum Hängenlassen zu benutzen, sondern zeigst, dass man auch mit einer Krankheit noch Spaß am Laufen haben kann, laufen sogar nützlich ist, um die Krankheit besser zu meistern.Danke dafür!
...keep it simple...

Danke für deinen Bericht!

Habe einiges Wichtiges gelernt.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Anlässlich einer Anfrage ...

...einer Leidensgenossin gebe ich hier ein kleines Update:

Nach wie vor laufe ich ca. 50km/Woche, ohne dass mich die Phrenikusparese sonderlich belastet.

Nur bei Sprints und an Steigungen merke ich eine Kurzatmigkeit, die mich hinter meine Laufkameraden zurückfallen lässt.
Bin in 2013 fünf Halbmarathons gelaufen und werde im April 2014 nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal mit der Parese einen Marathon angehen.

Die Anregung von jogger63, einen Osteopathen zu konsultieren, bin ich im Winter 2013 gefolgt.
Habe in Düsseldorf einen Orthopäden gefunden, der gleichzeitig Osteopath ist.
Er sieht aber wenig Chancen die Parese mit Mitteln der Osteopathie zu heilen.
Um einen anderen Osteopathen aufzusuchen (evtl. den von jogger63 genannten) und eine so weite Fahrt auf mich zu nehmen, dazu ist der Leidensdruck bei mir nicht hoch genug.

Die osteopathischen Behandlungen sind schwer zu beschreiben. Macht wahrscheinlich jeder Osteopath auf seine eigene Weise. Man könnte sagen, dass es sich dabei um eine sanfte Chiropraktik handelt, bei der Verspannungen gelöst werden.

Übrigens hält der Arzt es für ausgeschlossen, dass der Phrenikusnerv durch eine chiropraktische Behandlung geschädigt wurde, weil dieser mehrere Wurzeln habe, die an unterschiedlichen Wirbeln aus der Halswirbelsäule austreten.

Zu meiner Bemerkung, dass ich relativ gut mit der Zwerchfellparese klarkomme, meinte er, dass neuer Studien ergeben haben, dass die Rolle des Zwerchfells bei der Atmung in der Vergangenheit überschätzt worden sei und die Funktion des Zwerchfells mehr in der Stabilisierung des Brustkorbs läge.

Dazu passt, dass bei einer Laufanalyse im Sommer letzten Jahres bei mir eine leichte Körperschiefe sowie eine asymmetrische Muskulatur am Oberkörper festgestellt wurde und auch die Schulterblätter an meinem Oberkörper ein leicht schiefes Aussehen vermitteln.
Ich versuche das dadurch auszugleichen, dass ich mehr den Oberkörper trainiere (durch Sit ups, Liegestütz, Klimmzüge, Rudermaschine usw.).

Fortsetzung folgt sofern sich neue Entwicklungen ergeben.

23.2. Hildener Winterlaufserie HM
27.4. Düsseldorf Marathon

Bin selbst betroffen

Hallo Krowil,

ich fand es sehr interessant Deinen Kommentar zu lesen. Bei mir war es ganz ähnlich. Allerdings ist bei mir die rechte Lunge betroffen, was meine Situation etwas verschlimmert, ohne Deine Probleme jetzt klein reden zu wollen! Vor der Verletzung habe ich recht und schlecht einen Marathon durchgehalten. Nach einer Schulteroperation bekam ich auf einmal nach 100m das Gefühl zu ersticken. Zwischenzeitlich hat sich das Ganze gebessert, bis ich wie Du mit einem Jahr Verzögerung die Diagnose erhielt. Mein Problem ist jetzt der Kopf. Bei jedem bisschen Luftnot bleibe ich stehen und schaffe so immer nur ca. 1km am Stück. Die Verletzung ist jetzt 1,5 Jahre her und bei mir schwindet auch langsam die Hoffnung, dass sich etwas bessert.
Ich bin selbst Arzt und habe mich mal klug gemacht, was man machen kann. Die einfachste Möglichkeit wäre eigentlich die Impulse vom gegenüberliegenden Nervus Phrenikus abzugreifen und mit diesen einen Zwerchfellschrittmacher zu synchronisieren. Technisch ist das Pipifax, aber da wir so Wenige sind, interessiert sich die Industrie nicht dafür.
Eine weitere Möglichkeit ist die Zwerchfellraffung. Wie Du ja auch schon festgestellt hast, bewegt sich das Zwerchfell paradox. Wenn man jetzt das Zwerchfell auf der betroffenen Seite strafft, fällt die paradoxe Bewegung deutlich geringer aus. Ein Kollege hat mir von einem Fahrradfahrer berichtet, der danach deutlich besser zurecht ist.
In der Literatur habe ich drei Fälle gefunden, wo versucht wurde den Phrenikus operativ zusammen zu führen. Alle drei Fälle waren erfolgreich. Bei uns heißt das Publication-BIAS, denn niemand publiziert die Mißerfolge:-) Alle Kollegen, die regelmäßig am Hals operieren und die ich gefragt habe, haben mir massiv davon abgeraten, weil sie meinten, dass die Chance noch mehr kaputt zu machen, viel größer ist, als wirklich zu helfen.
Ich wäre wirklich gespannt zu hören, wie es bei euch weiter geht. Wenn ich medizinisch irgendwie helfen kann, will ich das gerne tun.
Liebe Grüße und alles Gute!

Hallo Zusammen, ich bin

Hallo Zusammen,

ich bin nicht der Laufexperte und eher zufällig bei meiner Hilfesuche auf diese Seite gestossen. Auch ich leide seit ca.4 Jahre an einem Zwerchfellhochstand rechts. Festgestellt wurde das eher zufällig bei einer Routineuntersuchung mittels Röntgen. Die Anzeichen wie z. Bsp Kurzatmigkeit bei kleineren sportlichen Anstrengungen etc. waren hin und wieder spürbar, aber die habe ich dann auch immer wieder aufs Alter abgeschoben. Nach einer waren Odyssee an Arztbesuchen bescheinigte auch mir der Neurologe, dass dies durch eine Nervenentzündung hervorgerufen worden ist. Hilfe oder weitere Tips habe ich leider nicht erhalten. Ich habe etliche Physios und auch einen Ostheophaten aufgesucht.Die halbjährlichen Verlaufsuntersuchungen zeigen laut den Ärzten ein unverändertes Bild. Ich bin allerdings der Meinung, dass es immer schlimmer wird. Mittlerweile bleibt mir die Luft schon beim bücken und Schuhe zubinden weg. Ich habe in den letzten 2 Jahren versucht in einem Fitnesstudio die Übungen oder Geräte zu finden die mir helfen beweglich zu bleiben und gleichzeitig unter körperlicher Anstrengung atemtechnisch durchführbar sind. Alles mit nur sehr mäßigem Erfolg. Trotz wirklich guter Unterstützung der Trainer gab es so manche Momente bei denen ich fast kollabiert wäre weil einfach nicht genügend Luft in meinen Körper gepummt wurde. Ein wirklich beschissenes Gefühl. Ich komme jetzt so langsam wieder aus meinem mentalem Loch heraus und rede mir jeden Tag ein, hilf dir selber sonst hilft dir niemand. Bis zu meinem 30. Lebensjahr bin ich wöchentlich ca. 15-20 km gelaufen und erinnere mich gerne an diese Zeit zurück. Ich würde das gerne wieder beginnen, habe jedoch "noch" die grosse Bremse im Kopf. Ich würde mir gerne hier Anregungen oder Tips holen wie ich das am besten umsetzten kann.
Für eure Hilfe wäre ich sehr dankbar, werde mich natürlich hier auch weiter durch die ganzen Foren lesen.

Viele Grüße
Fox

Leben mit idiopathischem Zwerchfellhochstand bds.

Hallo,

im August 2014 hatte ich einen Bandscheibenvorfall in den Segmenten C4/C5 und C5/C6 der Halswirbelsäule. In der Folge wurde dann bei mir zunächst ein Zwerchfellhochstand rechts und 3 Wochen später ein idiopathischer Zwerchfellhochstand beidseitig diagnostiziert.

Die Verdachtsdiagnose "Phrenicusparese?" wurde bei einem Aufenthalt im Krankenhaus Köln-Porz in der Abteilung von Prof. Horlitz gestellt und die Entscheidung die sekundäre Atemmuskulatur mit einem Atemmuskeltrainer zu stärken von Prof. Windisch bei einem ambulanten Termin in der Lungenklinik Köln-Merheim.

Im Laufe der Zeit wurden folgende Indikationen angeführt
- Zwerchfellhochstand bds. ungeklärter Ätiologie, sowie Atelektasen
- Phrenicusparese unklarer Ätiologie
- Dyspnoe, insbesondere in liegender Position

Therapien
****
Training der sekundären Atemmuskulatur:

Atemgymnastik mit dem IMT (inspiratoty muscle trainer; "Threshold PEP") 30 x morgens und 30 x abends mit 10 mmHg beginnend, schrittweise Drucksteigerung um 2 mmHg pro Woche. Innerhalb von 12 Wochen konnte die Inspirations-Kraft von 10 mmHg auf 20 mmHg gesteigert werden.

Danach Wechsel auf den Atemmuskeltrainer "Power Breath Medic" mit Steigerung des Atemwiderstandes (40x morgens). Hiermit konnte die Inspirationskraft innerhalb von 6 Monaten von Stufe 2 auf Stufe 4,25 gesteigert werden. Nach den 6 Monaten wird das Training noch 1-3x/Woche durchgeführt, um den erreichten Trainingsstand zu halten. Nach 1 Jahr Training mit dem "Power Breath Medic" ist jetzt Stufe 4,75 erreicht. Nach der letzten Visite bei meinem Pulmologen - am 10.05.2016 - wurden die Übungen jetzt abgesetzt.

Reha
- Muskelaufbautraining (Ergometer-Training; an/mit Krafttrainingsgeräten (Schwerpunkt: Schulterbereich))
- Physiotherapie bei Paresen (reflektorische Atemtherapie)
- Individuelle Atemtherapie; Atemtherapiegruppe

Massagen
- Physiotherapeut/ Chiropraktiker

Bewertung

Zu Beginn der Erkrankung äußerten sich die Folgen der Zwerchfelllähmung darin, dass ich in Atemnot geriet, sobald ich gesprochen habe oder etwas schneller gegangen bin. Schlafen in Rückenlage war gar nicht möglich (nachts kann ich nur und ausschließlich in "stabiler Seitenlage" schlafen), oder auch Schwimmen war nicht möglich, da ich gegen den äußeren Wasserdruck nicht anatmen konnte.

Von allen Maßnahmen war das Training mit den Atemmuskeltrainern die Wichtigste, um die Folgen des beidseitigen Zwerchfellhochstandes abzumildern:

Deutliche Verbesserung des Schlafes und der Schlafqualität - zu Beginn der Behandlung wurde der Schlaf 5-6 pro Nacht unterbrochen um aufzustehen und im Stehen mehrmals tief durchzuatmen; jetzt ist die Inspirationskraft ausreichend, um wieder durchschlafen zu können. Heute ist es auch wieder möglich auf dem Rücken zu liegen.

Deutliche Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit – zu Anfang reichte die Kraft nur für einen halbstündigen, langsamen Spaziergang; jetzt sind wieder Spaziergänge von >4 Stunden und normalem Tempo möglich; vor dem Ereignis wurde jeden Morgen 15 min auf einer Rudermaschine trainiert (Stufe 7/8); 6 Wochen nach der Phrenicusparese wurde das Training wieder mit Stufe 2/8 begonnen. Heute ist wieder Stufe 7/8 möglich, wenn auch noch mit niedrigerer Frequenz.

Normalisierung des Schlafbedürfnisses – zu Anfang waren selbst bei geringer körperlicher Beanspruchung lange Erholungsphasen notwendig (bis zu 10-12 Stunden Schlaf) – heute hat sich dies wieder auf ca. 6-8 Stunden normalisiert.

Anfang Mai 2016 war es mir dann wieder möglich ein paar (5) Minuten – ohne Luftnot – zu schwimmen (ich habe praktisch noch mal mein "Seepferdchen" gemacht)

Reha - Im Nachhinein ist die Reha die zweitwichtigste therapeutische Maßnahme, um die Folgen abzumildern:

Das Muskelaufbautraining hat das Training mit dem Atemmuskeltrainer unterstützt, da bei dem Krafttraining speziell Übungen gemacht wurden, die den Schulterbereich und den Brustkorb stärkten. Insgesamt hat die Reha deutlich gemacht, dass man deutlich mehr leisten kann, als man sich selbst zutraut – ein positiver psychologischer Effekt.

Die reflektorische Atemtherapie ist eine spezielle Massagetechnik, mit der die verschiedenen Bereiche der Lunge angeregt werden sollen. Hat jedoch leider nicht gereicht, die Phrenicusparese zu überwinden.

Individuelle Atemtherapie und die Atemtherapiegruppe hat verschiedene Techniken gezeigt, mit denen die Atmung beeinflusst werden kann. Einige Übungen werden jetzt noch aktiv angewandt. Besonders hilfreich ist hier das bewusste langsame Ausatmen, das einem das Gefühl der Atemlosigkeit nimmt oder doch deutlich reduziert (auch ein psychologischer Effekt).

Massagen: Die Physiotherapie hilft, Verspannungen im Rücken zu lösen und damit auch die Muskulatur im Oberkörper besser zu nutzen. Speziell die "manuelle Therapie" durch einen Chiropraktiker (Physiotherapeut mit chiropraktischer Zusatzausbildung) hat geholfen die Folgen der Atrophie der Schultermuskulatur abzumildern bzw. zu beseitigen.

Die Ergebnisse der Behandlung in Zahlen:

Parameter IVC FEV1 FVCex
01.10.2014 50% 55% 52%
21.10.2014 46% 50% 48%
19.11.2014 54% 57% 57%
15.12.2014 58% 59% 59%
30.03.2015 63% 65% 60%
17.04.2015 64% 60%
10.05.2016 64% 71% 66%

Ich hoffe, dass ich mit diesen Informationen anderen Patienten mit Phrenicusparese etwas helfen kann.

Grüße
A.T. Emlos 2014

Bin selbst betroffen, habe das jedoch ziemlich im Griff

Hallo Zusammen

Ich möchte alle betroffenen ermuntern nicht aufzugeben, die Einschränkung akzeptieren und darauf aufbauen.

Ende 2013 musste ich den mittleren Lungenlappen (rechts) wegen einem Tumor entfernen lassen, das hatte zur folge, dass ich jetzt ca. 20% weniger Lungenvolumen habe. Zusätzlich wurde bei der OP der Zwerchfellnerv beschädigt und habe somit rechts ein einseitiger Zwerchfell-Hochstand.

Zuerst brach da schon eine Welt zusammen, ich konnte keine Treppe am Stück hochgehen, schwimmen war auch nicht möglich. So rasch wie möglich nahm ich mein Lauftraining wieder auf, im ersten Monat wanderte ich jeden Tag 1-2 Stunden. Nach einem Monat versuchte ich das erste mal zu joggen, nach 500m war dann schon Schluss, da sich der ganze Brustkorb verkrampfte, das tat höllisch weh. Doch das joggen ging immer besser, nach 3 Monaten konnte ich bereits wieder 1h langsam am Stück joggen und die Krämpfe hatte ich mit meinen Atemtechniken mehr oder weniger im griff.

Heute ca. 3 Jahre später, laufe ich wieder Ultras der letzte war 91km mit über 5500 Höhenmeter und in diesem Jahr wird es noch etwas länger. Klar, machmal wünsche ich mir das Zwerchfell und den Lungenlappen zurück wenn es sehr steil den Berg rauf geht. Doch ich bin richtig happy was man mit so einer Beeinträchtigung zustande bringen kann. :-)

Ich wünsche euch viel Erfolg auf eurem Weg zur Besserung. Auch du kannst das!

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