Heute war endlich der große Tag meines 1. Marathons. Nach etwas holpriger 10-wöchiger Vorbereitung nach Steffny (1-wöchige Pause wegen Erkältung, Schmerzen im Knie bzw. in der Wade) bin ich eigentlich ganz locker drangegangen. Wie viele von euch mir hier geraten haben, bin ich nach Gefühl losgetrabt mit ca. 6:30 pace. Schon auf den ersten Kilometern ging mein Puls durch die Decke: 170 - 180! Und dementsprechend fühlte ich mich auch - Schnappatmung. Also Gehpausen gemacht, der Puls wird sich schon beruhigen. Tat er aber leider nicht. Nach gefühlten 100 Gehpausen lief ich ein paar 100 m mit den 5:00 h-Läufern, aber ich musste sie ziehen lassen.

Bei km 8 dachte ich das erste Mal ans Aussteigen. So machte Laufen keinen Spaß; 200 m Laufen (wirklich ganz langsam), 100 m gehen, usw. Und immer pulsmäßig am Limit. NOCH langsamer konnte ich aber auch nicht laufen. 8 ist ne blöde Zahl, also wenigstens die 10 km vollmachen. Da befand ich mich auf einer langen Geraden, an der überall Straßenbahnhaltestellen, die mich zurück zum Start/Ziel führen würden, lagen. Also noch etwas weiter. Ich traf auf ein Mädel, das eine Zielzeit von 5:40 angepeilt hatte: lauf doch mit mir!, rief sie, als sie mich mal wieder in einer Gehpause erblickte. Wir machten uns miteinander bekannt, sie ist Soldatin und meinte, sie würde mich nicht zurücklassen, schon aus Kameradschaft :-) Ihr schmerzten schon lange die Beine, der Puls war noch höher als meiner, sie musste dauernd gehen - das war ihr egal: wir haben doch 6 Stunden Zeit bis zum Zielschluss.

6 Stunden zwischen Schnappatmung und Gehen abwechseln und dann kurz vor dem Besenwagen ins Ziel kommen - so hatte ich mir meinen 1. Marathon nicht vorgestellt. Auch wollte ich es meinem Herzen nicht antun, sooo lange so heftig schlagen zu müssen. Meine Hände waren übrigens eiskalt, und kurioserweise hatte ich Rückenschmerzen. Irgendwas lief da grundverkehrt.

Der Freund der netten, aber m. E. leicht verrückten Mitläuferin versorgte uns beide vom Fahrrad aus mit Getränken und plauderte mit mir.. er fand meine Idee, aufzuhören, vernünftig... Um es abzukürzen: nach der HM-Distanz und 2:55 h auf der offziellen Uhr stieg ich aus. Leider beschrieb mir das THW nur den Weg zurück zum Neuen Rathaus, hingehen musste ich selbst. Ich hatte ja die leise Hoffnung gehabt, man würde mich fahren... naja, ich habe es ja geschafft.

Bei der Kleiderbeutelausgabe erkundigte ich mich, ob ich wohl mit Verpflegung rechnen könne, ins Ziel war ich ja nun nicht gelaufen...? Öm, da schauen Sie doch mal hinter dem Zieleinlauf. Bei der Chiprückgabe fragte ich auch nach - auch dort hatte man keine Ahnung. Grmpf. Klar habe ich nicht gefinished, aber nach über 3 Stunden in der Sonne hatte ich trotz der Verpflegungspunkte Durst und Hunger. Leider habe ich keinen Weg zu den Verpflegungsstellen gefunden, es war alles abgesperrt. Auch ein Erdinger Alkoholfrei blieb mir verwehrt, die Getränke am Stand vor dem Rathaus waren nur für das Team Erdinger Alkoholfrei.

Also habe ich mir ein schönes Eis gekauft und mich dann vom kostenlosen Fahrradrikscha-Shuttle zum Bahnhof fahren lassen. Diese Rikschafahrt war nach der durchgeknallten Läuferin mein 2. Highlight! Der Fahrer war supernett, und ich fühlte mich wie eine Prinzessin, die in der Sänfte durch Hannovers Straßen getragen wird.

Ich bin schon ein wenig traurig, dass mein 1. Marathonversuch so holprig verlief. Unter den beschriebenen Gegebenheiten empfand ich es aber als vernünftig, dem Elend ein Ende zu bereiten.

Immerhin tut mir jetzt nichts weh (bei dem Schneckentempo...), ich habe die Atmosphäre trotz allem genossen; die vielen Trommler und anfeuernden Anwohner sind einfach klasse, und die nächste Gelegenheit zum Marathon kommt bestimmt.

Übrigens: das nette Mädel ist tatsächlich als Allerletzte mit 06:00:42 ins Ziel eingelaufen! Ich bewundere ihre Hartnäckigkeit - aber für mich war das heute nicht das Richtige.

Danke nochmal an alle, die mir in der Vorbereitung Mut zugesprochen haben. Wo ich die Gründe für das heutige Debakel suchen soll, weiß ich nicht so recht - kann es "nur" das Wetter gewesen sein? Mein Bein/Knie, das mir im Vorfeld Kummer gemacht hatte, hat übrigens gar nicht gemuckt heute.

LG

Brittuff

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (2 Wertungen)

Wie du

Wie du bei mir richtig geschrieben hast, haben wir beide die richtige Entscheidung getroffen. Sich gute 20km nur irgendwie durchquälen bringt keinen Spaß und ist gerade bei einer Marathonpremiere das denkbar Schlechteste. Der nächste M kommt bestimmt und dann hoffentlich nicht wieder mit einem Temperatursprung.
Gruß
good news

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts,
leben muss man es vorwärts.
Sören Kierkegaard

Wenn ich mich richtig erinnere,...

hattest Du doch mit einem relativ flotten Plan, den Du vor der Grippe auch ohne Probleme einhalten konntest, trainiert für Dein Debüt?!?
Dass Du jetzt so extreme Probleme bekommen hast, ist nicht normal.
Nicht dass Du da was verschleppt hast?
War Dein letzter 30er schneller ohne Gehpausen?
Vielleicht warst Du innerlich auch zu nervös?

Es tut mir leid, dass Dein Debüt so daneben ging, aber sowas kann wirklich jedem passieren und es ist überhaupt nicht schlimm!

Mund abwischen, und vielleicht erst mal wieder mit einem Halbmarathon weiter machen, bevor Du im Herbst den nächsten Versuch startest.
Dann bekommst Du wieder Sicherheit und bleibst vor allem im Training.
Lass Dich von sowas nicht einschüchtern, Du weißt, was Du kannst! :o)

Lieben Gruß Carla-Santana
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Das ist ja blöd gelaufen,

Das ist ja blöd gelaufen, und nach meinem Berlin-DNF im letzten Jahr weiß ich, was sowas für den Kopf bedeuten kann. Erstmal: Du hast alles richtig gemacht, nein, so soll sich ein Marathon nicht anfühlen! Nicht bei KM 8. Das mach keinen Spaß, Du hast goldrichtig entschieden.

Nun gilt es, nach vorn zu schauen. Du hast hier berichtet, das ist schonmal ein guter Weg zur Verarbeitung, es wird sicher noch weitere Kommentare geben. Ich würde jetzt, wie Carla schon schrieb, das Ganze von unten (von der sicheren Seite) aufrollen. Also ein HM-Sicherheits-Finish für den Kopf. Oder z.B. eine Leistungsdiagnostik zur Absicherung Deiner Trainingsbereiche, sowas hat mir vor meinem zweiten (gefinishten, das DNF war zwischen erstem und zweiten) Mara dieses Jahr sehr geholfen.

Schön, daß Du Hannover noch etwas Gutes wie die Rikschafahrt abgewinnen konntest, bleib' dran, berichte weiter!
LG Britta

Auch wenn Du...

...Dir das anders vorgestellt hast: es war die richtige Entscheidung!
Jetzt erhol Dich erstmal, dann forsche nach den Ursachen.
Und dann siehst Du weiter.
Alles Gute!

du hast alles richtig...

...gemacht, brittuff! eventuell hättest du doch schon eher aufhören sollen, bei dem hohen plus.
irgendetwas scheint da heute nicht in ordnung gewesen zu sein. beobachte dich die nächsten tage intensiver und auch bei den nächsten läufen. vielleicht war´s ja aber doch nur die aufregung.
es ist nicht schlimm, dass du nen dnf hattest, kann jedem passieren. klar ist es bei ersten marathon doof, aber beim zweiten mal klappt´s besser, wirst sehen!
____________________
laufend tröstet: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegen kommt." (theodor fontane)

Die Entscheidung

war und ist richtig. Da mach dir ml keinen Kopf deswegen.

Aber ich würde dennoch mal den Gang zum Doc anraten. Du solltest dich vorsichtshalber mal durchchecken lassen.
Das der Puls so hochschnellt und dann auch noch oben bleibt, ist äußerst ungewöhnlich. Er kann mal kurzfristig hochgehen, aber meist geht er auch flott wieder runter.

GT

"laufend laufen, laufen wir laufend!"

ach pech !!

da kamen ja nun einige unglückliche umstände zusammen bei deinem ersten mara, aber das gute ist : es kann nur besser werden :)
schnappatmung und hoher puls...nee nee nee, das ist nix. jeder tönt vollmundig vom tollen ersten mal- aber die strecke will erstmal gelaufen sein. ich sag ja immer : es gibt auch ein leben ohne marathon.

erhol dich und - vielleicht ein neuer versuch, vielleicht auch erst im nächsten jahr - oder eben auch nicht , was soll´s.

g,c

Bitte zügig zum Arzt

Carla schreibt da was von einer Grippe im Vorfeld. Nicht dass du dir eine Herzmuskelentzündung eingefangen hast. Ein so hoher Puls mit Luftnot, der trotz Gehpausen nicht runtergeht - da stimmt was nicht, das kann nicht nur von der Aufregung oder der Wärme sein.
Die Entscheidung zum DNF war jedenfalls goldrichtig, Respekt dafür!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Glückwunsch!

und das ganz ehrlich, denn du hast im Gegensatz zu manch anderem alles richtig gemacht! Vernünftig ausgestiegen, weil auf den Körper gehört, super!!!!
Klär die Pulswerte bitte ab, ich schließe mich Sonnenblume an (sie ist die Fachfrau), das muss nichts Schlimmes sein, aber da sollte mal nachgeschaut werden. Bei meiner Schwester war es Pfeiffersches Drüsenfieber (EBV), das zwar weitgehend unbemerkt verlaufen war, aber noch Monate später für schlechte Blutwerte sorgte und dementsprechend auch für zu hohen Puls.
Und das Training war nicht umsonst, auch wenn es jetzt für dich persönlich sehr schade war.

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Danke

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure Kommentare. Ich hatte nun etwas Zeit zum Nachdenken und glaube, dass schon in der Vorbereitung nicht alles optimal war. Bei den langen Läufen war mein Puls auch schon viel höher als "früher", und das nicht etwa erst nach 20 km, sondern von Anfang an. Vielleicht hat es tatsächlich etwas mit der Erkältung (eine Grippe war's nicht!) zu tun.

Ab Donnerstag habe ich länger Urlaub und Zeit, mal bei der Hausärztin vorbeizuschauen. Und heute nachmittag möchte ich wieder laufen, mal schauen, wie es dann ist. Ist ja ein Vorteil der ganzen Geschichte: mir tut nix weh und ich habe jetzt schon wieder Lust aufs Laufen :-)

Ich freue mich mit den Jogmappern, die in Hannover Erfolgserlebnisse hatten!

Lieben Gruß

Brittuff

Das ist kein "Weltuntergang" ...

... denn DU hast trotzdem gewonnen!
Auch wenn es leider keine Finisher-Medalie war ...
Du hattest ein Ziel, das du auch weiterhin, wenn gesundheitlich möglich, weiter verfolgen solltest.
Für dieses Ziel hast du trainiert; Hattest dabei Probleme; Hast dich trotzdem dem Ziel gestellt
und wohl genau zum richtigen Zeitpunkt die Reissleine gezogen!

Wie schon andere schrieben: Lass dich ordentlich durchchecken, suche das Problem und dann ...
RANN AN DEIN ZIEL ! - Viel Glück, Gesundheit und vor allem Spass dabei !
Dann dürfen die Augen (irgendwann) beim überlaufen der Marathon-Zielmatte auch feucht werden.

Gruss Markus - een neongelbe Löper ut´n Norden

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