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so lautet jedenfalls mein Fazit. Der Veranstalter, Plan B, hatte nach vier Auflagen im saarländischen St. Wendel beschlossen aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen die fünfte Auflage in den Spessart zu verlegen. Coach und ich zogen mit (und wir waren nicht die einzigen), wollten wir doch erstens für den ZUT üben und zum zweiten noch einmal so schöne Lauferlebnisse verbuchen können wie vor einigen Monaten in St. Wendel.

Nun ja. Meine Gefühle sind immer noch höchst gemischt. Positiv für mich: Knie und Sprunggelenk muckten nicht einmal trotz der gewaltigen Belastung. Ein Physio fand vor zwei Wochen in einem verkürzten Hüftbeuger (der am Ilio-Lumbal-Band zerrt, der wiederum den Nerv reizt, der über die Knieaußenbänder und Sprunggelenk zum Fuß führt) die Ursache, mobilisierte und klebte ein hübsches Tape über Leiste bis Mitte Oberschenkel. woraufhin ich sowohl den Schneeosterlauf als auch den langen langsamen Marathon in Freiburg problemlos überstand. Ebenso wie die drei Tage laufen am vergangenen Wochende, mit insgesamt 53km und knapp 1600 Höhenmetern! Testlauf ZUT hat das Chassis bestanden! Negativ für mich: trotzdem war meine Zeit noch satte 4min schlechter als in St. Wendel (wo es mehr Kilometer allerdings weniger Höhenmeter gab) und ich war sowas von Letzte, dass ich mir ernsthaft überlegen muss, ob meine Fixierung auf Trails, die ich liebe, aber einfach nicht kann, sinnvoll ist!

Aber zum KOR.
Problem Nr 1) Die Verlegung auf zwei Standorte erwies sich logistisch als kompliziert, zumal die Bahn nur stündlich zu ungünstigen Zeiten fuhr. Riss die Veranstaltung auch atmosphärisch auseinander.
Problem Nr 2) Nur eine Nachlaufparty statt der drei sparte zwar 20 Eur, wirkte aber stimmungskillend. Während man in St. Wendel dreimal gemütlich bei hervorrangender Verpflegung sitzen, der Siegerehrung lauschen und die Bilder genießen konnte, quetschte man sich freitags in Alzenau in einen viel zu kleinen Raum um dann zu später Stunde noch auf Nahrungssuche zu gehen und fand man sich samtags in einer zugigen Feuerwehrhalle mit limitierter Nudelausgabe, sowie sonntags mit einem Gutschein für exakt eine Tasse Kaffee und einem Stücken Kuchen im Ziel! Am falschen Platz gespart, meine Meinung.
Problem Nr 3) Die Starts wurden immer chaotischer. Freitags sollte einzeln alle 10sek hintereinander gestartet werden, was aber nicht klappte, so dass viele Läufer früher als angegeben starten sollten, aber nicht da waren, so dass andere starteten, die davon nichts wussten... Samstags stand beim Startschuss die Hälfte der Läufer noch außerhalb des Startbereichs, weil die völlig überforderte Dame nicht hinterher kam jeden Läufer einzeln auf ihrer Liste abzuhaken (wenn sie noch wie ursprünglich vorgesehen die Ausrüstung hätte kontrollieren sollen könnte ich heute noch nicht tippen...).

Der Prolog war erheblich weniger stimmungsvoll als in St. Wendel. Kaum Zuschauer, keine Lampen, Kerzen, nur Chaos. Man brachte es halt hinter sich. Die Strecke war wegen Hochwassers verkürzt worden. 11:20 für 2,5km über Strohballen, Baumstämme, Treppen und durch Kurven und über Anstiege (zur Burg von Alzenau). Platz 8 von 10 in meiner AK.

Samstag der Hahenkamm Trail von Alzenau nach Mömbris. 27,3km mit 956 Höhenmetern. In Regen und Wind und Vollbatsch. Sehr sehr kräftezehrend. Nieselregen und Wind. Ich lief mit Stöcken, Rucksack und den Speedcross, alles davon war gut. Nach 5km die Überraschung. Ein Streckenposten ruft mich an: "Saarland? Jogmap! Strider, nicht wahr?" Liebe Eva, lies mal nicht nur, blog auch mal was ;-)) Und vielen Dank an dich stellvertretend für euch alle, die ihr so tapfer geholfen habt!
Es lief. Nicht spektakulär. Langsam, aber es lief. Stellenweise konnte man fast nur noch krabbelnd. Höchste Konzentration war gefragt. Meinen vollen Respekt an den blinden Läufer, fand ich den Abstieg vom Ludwigsturm doch schon mit zwei Augen grenzwertig! Aber ich bin auch eine Memme... Die letzten 5km waren hart. Die Kräfte waren einfach weg. Es gab noch mal Cola 4km vor dem Ziel, sehr gut. Das Kilometerschild "1km" hingegen führte zu den zwei längsten Kilometern meines Lebens... Endlich das Ziel. Coach wartet schon, die sub 4 habe ich geschafft: 3:53:38, ich bin todmüde, aber zufrieden. Knie hält. Der letzte Platz ist mir sicher ;-))
Die Pasta Party ist enttäuschend. Wir verziehen uns lieber ins Quartier. Fernsehen im Bett, wann haben Eltern das schon mal ;-))

Sonntag der Kahlengrundtrail vom Mömbris nach Alzenau. 22,6km mit 561 Höhenmetern, ich habe im Ziel fast 23km auf der Uhr. Der Tag beginnt grau und bedeckt, mit mächtigem Muskelkater und einem Frauenproblem, das Kreislaufprobleme verspricht. Oh je. Ich lasse Ballast, d.h. Rucksack, im Auto. Keine gute Wahl. Gut hingegen der Umstieg in die bequemeren Salomon Mission. Die erste Hälfte ist hart. 7,5km geht es nur bergauf, dann 2km steil bergab. Ich ignoriere den Muskelkater, stürze mich hinab. Stolz und glücklich. Bänder halten, ich kann wieder laufen! Bei km 10 sind die Körner weg. Anfängerfehler. Es geht , ich kann laufen. Aber ich bin total platt. Km 12,5 es gibt Cola. Sehr gut. Der Verpflegungsposten sagt mir, bei km 17 käme noch ein VP. Sehr gut, denn die Sonne kommt raus. Es wird nun langweilig, aber dann kommt wieder der Wald und ein sehr schönes Stück. Ich bin müde und alleine auf weiter Flur. Aber ich laufe. Waldpfade hoch und runter, Single Trails. Ich muss aufpassen, zweimal stürze ich fast. Mein fehlendes räumliches Sehen ist mit Blätter-Stein-Wurzel-Boden überfordert. Ich schaffe es und genieße. Und dann geht es bergab. Nicht die Strecke, ich. Durst. Kreislauf. Die Erschöpfung überfällt mich. Noch 5km. Wo ist der verd.... VP? Ich sehe einen weißen Baldachin leuchten, laufe drauf zu. Es ist ein Holzstapel, ich könnte heulen. Weiter. Rote Pünktchen. Sch... Gehen, dann weiter traben. Es geht wieder. Ich verlaufe mich, muss wieder zurück. Konzentrier dich! Der Weg geht endlich in Richtung Ort. Ein Streckenposten winkt mich über die Straße. Ich bettel ihn um Wasser an. Nein, er hat nichts. Da käme noch ein VP, es täte ihm leid. Nein, es kommt keiner mehr. Es kommt eine Gestalt in orange. Eine weitere Halluzination? Nein, mein Coach! Er hat auch nichts zu trinken mit, aber er geleitet mich sicher ins Ziel. Keine Freude, ich will nur trinken.
22,97km in 3:09:53. Meinen letzten Platz kann ich halten ;-))

Meinen Start beim ZUT muss ich schwer überdenken. Der Muskelkater heute ist grausam, aber mehr gibt mir die Erschöpfung zu denken. Mehr Training ist weder kräftemäßig noch zeitlich drin. Ich liebe Trails, aber das scheint eine recht einseitige Leidenschaft zu sein :-((

Edit: die ersten 1000km sind geschafft ;-))

3.666665
Gesamtwertung: 3.7 (3 Wertungen)

Oh frau, welch Qual!

Da habe ich richtig mitgelitten - die letzten km ohne Trinken. Erschöpfung = Energiemangel? oder Erschöpfung = Eisenmangel? An beiden Schräubchen könntest du drehen. Du liebst Trails? Dann laufe sie!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Lokalzeitung

ein Bericht und auch Bildergalerie
http://www.main-netz.de/nachrichten/sport/leichtathletik/regionaleleichtathletik/allgemein/art20627,2558542
war ja in meiner Nähe, aber doch ein paar Meterchen zuviel für mich.

Geaschafft! Das zählt schon mal!

Ich glaube mit ein paar Tagen Abstand wirst Du dieses Mamutprogramm freundlicher betrachten können!
Vielleicht doch noch mal die Verpflegungssituation überdenken -- Fahrgestellmäßig läuft's doch wunderbar!
Unbedingt weitermachen!

Gruß, Dominik

p.s.: ... schon 1000! Das wird bestimmt wieder ein Jahr mit einer 3 vorne!!! ;-)
_____________________
"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Ich glaube....

...das sind genau deine Läufe, diese Trails... da kannst du dich so richtig austoben...

Ich finde es total toll, was du und dein Coachi so alles zusammen macht!!!

Gruß, Kaw.

Trails zu können braucht Zeit und Geduld!

Lieber hinten laufen, als durch überzogenen Ehrgeiz Stürze zu riskieren. Dass es nicht auf Zeiten ankommt, sondern vielmehr auf den Spaß und auf's Ankommen, ist ja das Schöne am Trailrunning!

Da der Umgang mit den unterschiedlichsten Laufuntergründen und der Unebenheiten ohnehin einen sehr langen Lernprozess bedeutet, ist Zeitdruck der falsche Weg. Da heißt's nur üben, üben und nochmals üben! Aber wem sag' ich das? ;-)) Denn wir wollen ja noch viele Läufe in diesem Jahr machen! :-) Selbst dann, wenn man dabei an einem Cut-off "scheitert", was mir ja auch schon passiert ist!

:-)

also wirklich

scheint ja sehr chaotisch gewesen zu sein das WE.
Und diesmal ohne Deine Schuld ;-))
Mensch strider, was machst Du wieder für Sachen?!
Glückwunsch und LG, KS

wir sollten wirklich

mal wieder zusammen memmen. Aber weniger Schlamm und ein bisschen Sonne würd ich mir wünschen. Gutes Regenerieren...Mut zur Langsamkeit!...

Letzter Platz heisst ja

...die Anderen vor sich her treiben.
Zwiespältig wegen Trailäufen?
Also ich mach es weil es mehr Spass macht als Pflaster zu treten.
Andererseits gibt´s ja auch diese "Mitteldinger": Rennsteig,Alb und noch viele andere wunderschöne LANDSCHAFTSläufe.
Muskelkater?
OOOOJAAAA da kann ich auch ein Lied von singen.

Ne, strider, Dein Training stimmt!

viel mehr mach ich doch auch nicht.
Ok, ich laufe nicht so viele kürzere Läufe auf Zeit, aber Deine starke Erschöpfung muss eine andere Ursache haben. (Frauenproblem + Futter-/Getränkemangel wirken auch bei mir killend!)

Der Muskelkater und der Aufwand werden sich lohnen und an der Zugspitze wirst Du das Ding rocken, da bin ich sicher!!
Du liebst Trails, also nimm sie mit als das, was sie sind, eine Herausforderung für uns alle! :o)
Du kannst das!!!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Autsch autsch autsch

Durchgebissen, uiuiui! Durst ist schlimmer als Heimweh...Bäh, das braucht man nicht! Ja überdenke den Start. Ist ja noch hin, aber vielleicht doch verschieben....
Trotzdem Glückwunsch zu den 1000 km :-)

Lieben Gruß
Tame

Erschöpfung?

Frauenproblem und es kämpft grad der Winterschlaf gegen die Frühjahrsmüdigkeit. Da kann ich ein Wörtchen mitreden - hab auch grad Bleiplatten an den Beinen oder wie heißen die Dinger da unten? Gehören mir derzeit nicht wirklich - und ich würde lieber auf der Couch liegen. Kreislauf, niedriger Blutdruck.

Vom Fahrgestell her alles OK? Und Spaß macht es auch (auch wenn es chaotisch war)? Dann LAUF die Trails einfach! Einfach machen. Und Spaß haben - und gesund ankommen. Das ist doch das Wichtigste überhaupt beim Laufen. Zeiten? Maximal zweitrangig.

Zeiten und Plätze werden

Zeiten und Plätze werden überbewertet!
Du hast gekämpft und bist angekommen.
Manch einer hätte längst die Flinte ins Korn geworfen.
Du hast Stärke gezeigt und sieh es so:
Du wurdest abgeholt, die Läufer weiter vorne mussten alleine ins Ziel laufen.

;-)

.....Der Schmerz geht, Aufgeben bleibt für immer!.....

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