Benutzerbild von docrob

Wer nicht alles lesen mag oder vor allem und zuerst die Zeit wissen will: Ich war gestern nach knapp 3:25 im Ziel. Und weil das gut 20 Minuten mehr als beim Marathon davor waren, habe ich mich natürlich auch kaputter gefühlt! Im Ernst: Nach diesem Winter, in der zunehmenden Wärme und monatelangem Ärger mit dem Knie wollte ich vor allem ankommen und war am Ende auch mit dieser Zeit sehr zufrieden. Wer mehr über den Rotterdam-Marathon wissen mag, liest einfach weiter.

Gemeldet waren diesmal inklusive Staffel 10 000 Leute, im Marathon-Ziel waren 8300. Das Rennen bei unseren Nachbarn hat eine größere Tradition als Amsterdam (was auch schön ist), und immerhin war's lange Zeit die Weltrekord-Strecke. Es ist gut organisiert, mit ein paar kleinen Ausnahmen. Am Zugang in den Startblock ballte es sich ganz schön, ich fand die Straßen am Anfang viel zu voll und eng, bei fünf und zehn Km gab es nur auf einer Seite Getränkestände, entsprechend war das Gedränge. Immerhin, es gibt Duschen, schön kalt waren sie auch!

Vor zwei Monaten hatte ich wegen meines Läuferknies größere Zweifel, ob ich überhaupt starten könnte. Zwar wurde es zuletzt mit Tabletten, Gymnastik und Salbe besser, mehr als zwei Läufe über 30 waren jedoch nicht drin. Tempo ging nicht, bergauf und bergab auch nicht. Immerhin, den Berliner Halbmarathon als letzten lockeren, nicht zu flotten Trainingslauf hatte ich eine Woche zuvor gut überstanden. Mein Marathon-Ziel war: ankommen, und das möglichst unter 3:30. Sollte das Knie nicht halten, nach Km 27 in Zielnähe aussteigen.

Nach dem Regen am Samstagabend und auch noch am Morgen wurde es vor dem Start in Rotterdam um halb elf rechtzeitig trocken, immer heller, dann sonniger und auch wärmer. Ich startete langsam, weil man zuerst die Erasmus-Brücke über die Maas hoch muss, und außerdem war es sowieso arg voll. Naja, das verhindert wenigstens das zu schnelle Losrennen. So nach 10 Km sortierte es sich, dort bin ich an den 3:30-Hasen vorbei und bin stur den 4:50er-Schnitt durchgelaufen, auf den mich ab Km 5 eingependelt hatte. Bei der Hälfte nach 1:43 dachte ich: Los, Alter, 3:25 schaffste heute.

Nach 25 muss man erneut über die Brücke, das ist nicht ohne, gleich danach geht es nach einem Straßentunnel auch hoch. Sonst ist der Kurs flach, vor dem letzten Drittel kommen einem auf der anderen Straßenseite die Schnelleren entgegen, die fast schon zu Hause sind. Am besten nicht hinschauen. Als ich dort vorbeikam, taten mir die Mädels und Jungs auf der anderen Seite leid - noch so ein weiter Weg... Die letzten fünf Km mit teilweise fiesem Gegenwind waren hart, am Ende konnte ich trotzdem noch etwas zulegen.

Insgesamt war es nach dem langsamen Start eines der gleichmäßigsten Rennen über die 42, die ich gelaufen bin. Man soll sich nicht selbst loben, aber ich habe auch gemessen an den Umständen taktisch offenbar alles richtig gemacht und mich gut eingeschätzt. Erfahrung macht einfach echt viel aus, und die paar Lebenskilometer helfen trotz mieser Vorbereitung am Ende. Das war jetzt mein 16. Marathon, vielleicht sogar der Letzte, denn zum Schluss habe ich mich doch gefragt, ob ich mich mit knapp 50 immer noch weiter quälen will. Lockerer - wie beim HM die Woche vorher - ist doch eigentlich auch ganz nett.

Grüße an alle,
Roberto

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Gratulation

Da gratuliere ich doch recht herzlich und
wünsche dir für die Zukunft weniger Knieprobleme!!

GT

"laufend laufen, laufen wir laufend!"

Gratuliere zum guten Marathonfinish!

Gut, weil Du Erfahrung, Knie, Wetter und auch Vernunft in einen Pott geschmissen hast und das Ding schön gleichmäßig nach Hause geschaukelt hast!

Muss man sich bei jedem Marathon quälen, oder reicht auch einfach das Erleben? (z. B. bei großen Stadtmarathons)
Ne, auf keinen Fall muss man sich auf Marathon festschreiben, dafür gibts viel zu viele schöne Läufe zu erleben, mal länger, mal kürzer.

Lauf doch mal einen Erlebnislauf ala Trail oder Berg?!
Da drückt auch nicht unbedingt immer die Zeit und man erhält wunderbare Eindrücke unterwegs, die man nicht vergisst.

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links