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Ehrlich, was soll ich sagen, hab´s auch heute erst erfahren. Einer von uns hat es am Sonntag nicht geschafft. Ein dunkler Schatten über einen sonnigen Lauf...
Es ist immer schwer sich über etwas zu freuen, wenn ein Event von solchen Umständen begleitet wird. Schon 2010 starb ein Läufer kurz vor dem Zieleinlauf. Das gibt definitiv zu denken...

Sonntag früh, es ist kühl, aber die Sonne steigt unaufhaltsam. Schon beim Fahrtantritt wird eines klar. Dieser Tag gehört den Läufern. Überall leuchten die weißen Beutel im grellen Morgenlicht.
Im Sog der Zeit, befinde ich mich dann auch keine halbe Sunde später, schon am Schauplatz der heutigen Veranstaltung. Was für ein Rummel, ein Tummelplatz des Irrsinns. Skater mogeln sich durch die Reihen. Zuschauer strömen aus jede Ecke auf mich zu. Überall Stände, Leute wuseln, die Toiletten werden schon jetzt belagert. Im Slalom winde ich mich zum Start und mach erstmal ein paar Fotos zur Erinnerung. Wusste gar nicht, dass die Elite eigene Zelte hat?! Nun, wir haben ja immerhin die Möbelwagen, um unsere Klamotten sicher aufzubewahren. Ich sag nur: "boost your run" - hol mir so einen gelben Plastikponcho und zieh mich langsam um. Die Zeit vergeht irgendwie in Zeitlupe, die Hektik um mich herum wächst, lass mich davon anstecken und mach mich auf in den D-Block. Ich weiß, es ist gemein, die Läufer im E-Bereich können es nicht, aber ich mach mich warm. Die Fotografen kriegen auch noch was zu tun. Mein Puls erreicht 130, wovon eigentlich?
Noch ein paar Übungen, dann wird mir auch das zu lahm. Luftballons fliegen in den Himmel, ein Helikopter zieht seine Bahn um den Fernsehturm, jetzt füllt sich auch der D-Block. Die Reihen werden enger, es muffelt nach Schweiß, mein Gott, welche Schuhe trägt mein Nachbar? Wo kommen die denn bloß alle her? Bunte Namensschilder auf dem Rücken - naja, jedem das seine. Ich lenk mich ab und lasse den Blick schweifen. Kaum zu glauben, 3m hinter mir treffe ich tatsächlich mal einen alten Bekannten (kommt sonst nie vor). Smalltalk muss sein, dann aber ganz schnell zurück ins Glied. Einlullen lassen vom "MegaMarathonMix" Immer schön lässig. Der Puls pegelt sich zwischen 80 und 100 ein. Auf die Zehenspitzen, wann gehts endlich los? Es gibt einen kurzen Ruck, doch das war es dann auch schon. 15min braucht man für die paar Meter. Langsam ist ja gar kein Ausdruck dafür. Wer schon einmal in so einem Pulk gestartet ist, weiß wovon ich spreche. Wie eine eingesperrte Herde, alle drängen zum Gatter, der Freiheit entgegen. Meine Füße berühren die Matte, die Polar wird aktiviert, der Herdentrieb nimmt seinen Lauf... Die Zuschauer stehen Spalier, beeindruckend, Applaus schon für die ersten Meter. Na, die werden sicher nicht mich meinen, egal, bloß weiter. Im Zickzack an den Paartänzern vorbei, Lücken werden nicht aufgefüllt, hat hier noch niemand vom Reißverschlussverfahren gehört? So geht das fast bis zum Brandenburger Tor, dann wird die Strecke breiter, die Goldelse grinst mich frech an, - na warte denk ich noch, da sehe ich schon die ersten Kandidaten in den Tiergarten pinkeln?? Ein komisches Bild, abschütteln weiter. Kurz vorm Ernst Reuter mal ein Schlückchen gönnen, frühes einreihen hilft bei der Ausgabe. Die Strecke ist pitschnass, wer hier schon alles durch ist? Ein flüchtiger Blick auf die Polar, der Schnitt stimmt, der Puls wird nicht angezeigt, besser ist es. In Richtung Schloss nehme ich mal einen Hieb ACE, die Flasche klatscht auf den Asphalt, ich sehe sie noch fallen, aber stoppen und gegen den Strom ist irgendwie doch nicht ratsam. Einen Vorteil hat es aber, weniger Gewicht, also weiter...
Nähe Kantstr. kommt die 10km-Marke, checke eben die Zwischenzeit: 52 Nochwas, werfe ein flüchtigen Blick auf den Puls. Wie zu erwarten, mit 175 bewege ich mich längst im Grenzbereich. Wie ein Trommelfeuer im Hexenkessel. Die Samba-Rhythmen knallen durch die Kopfhörer. Wie jedes Jahr gehören die Bands einfach dazu, aber meine Ohren hören längst in den Körper hinein. Beine - ok, Kondi - ok, Atem - ??, Bauch: Krämpfe - nicht ok. Wird schon weggehen, die Hoffnung bleibt bis zum Schluss. Der Q-Damm kommt in Sicht, die Nase läuft, schneller als mich die Beine tragen. Taschentücher, irgendwie altmodisch, aber man fühlt sich angestarrt. "Durchhalten", "Angreifen", immer wieder dieser blöden Parolen auf den Km-Schildern. Bin ich im Krieg?? Eine Schlacht ist es schon, wir marschieren zum Wittenbergplatz. Durst, Wasser, Gesicht abwischen. Urania, noch 6km. Das Tempo fällt, wie im Traum - du läufst über Sand, kommst kaum voran. Lützowufer, nun werde ich auch von den E-Startern überholt. Keine Schande nur ein Zeichen! Reserven mobilisieren, kein Problem, krieg die Krämpfe nicht in den Griff. Zwischendurch mal kurz walken, am Potsdamer Platz wirst du wieder angestarrt, aber gleichzeitig auch angefeuert. Ein Wechselbad der Gefühle. Cheerleader wirbeln ihre Pompons. Mal was neues. Am Checkpoint Charly riecht es nach Döner, ans Essen denk ich jetzt wirklich nicht. Es folgen die längsten Kilometer. Ein echtes Phänomen. Kurz vor dem Ziel wird noch einmal alles in Frage gestellt... Warum eigentlich 20, 21km, im Grunde reichen doch auch 10. Während mir diese Überlegungen über den Schmerz hinweghelfen sehe ich auch schon die letzte Kurve. Ach ja?? Na, die letzten 100m führen diesmal durch Tribünen hindurch. Die Ränge sind voll. Begeisterung, ich fühle eine Befriedigung unter dem Jubel mit 1000 Anderen einzulaufen. Zeit? Platz? - alles egal, da kommt die Medaille, Wasser, Tee, Bier... Polar, ein verschmitzter Blick auf die nackten Zahlen... SubTwo... Yeah!!! Endlich im April-Lauf die imaginäre 2 Stunden Marke geknackt. Sch... auf den Schmerz. Heute ein König, alkoholfrei, aber Happy!!!

2BContinued

Ich wünsche weiterhin viel Erfolg mit ♥ dabei
Euer Gokhlayeah

3.857145
Gesamtwertung: 3.9 (7 Wertungen)

Schlimm ist es vor allem ...

... für die Angehörigen.
Für den Veranstalter gibt es keine Möglichkeit dies wirklich zu verhindern. Prävention kann betrieben werden. Appelle sind wichtig. Aber hört da wirklich auch derjenige hin, der betroffen ist und dies nicht einmal ahnt. Der sich (relativ??) wohl fühlt und trotzdem versteckt so erkrankt ist, dass diese körperliche Belastung tödlich ist?
Was sind Ursachen? Verschleppte Krippe, versteckte Herzmuskelerkrankung, ...
Wirklich verhindern durch den Veranstalter ist wohl leider nicht wirklich möglich. Keinen HM laufen wäre eine blödsinnige Überlegung.
Mir wäre somit wichtig zu wissen, was die Ursache war. Dann ist es möglich diesen tragischen Todesfall nicht zu bedenken, sondern für sich selbst präventiv zu wichten.
:-(
Und doch denke ich wer bei diesem Lauf eine tolle Leistung gebracht hat, darf sich über seine Leistung freuen.
;-)

Zuerst mal

herzlichen Glückwunsch zur <2! :-)

Das mit dem Todesfall ist sehr tragisch und lässt einem bestürzt und ratlos zurück, zumal man über die Ursache nichts näheres weiß. Wenn man bedenkt, dass das Läuferfeld so groß ist wie die Einwohnerzahl einer Kleinstadt, ist ein solches Unglück kaum zu verhindern. Jeder einzelne weiß am besten, ob er starten kann oder nicht. Doch selbst das ist manchmal schwierig zu beurteilen. Man fühlt sich pudelwohl, kann aber dennoch schon eine noch unbemerkte Erkältung oder etwas anderes ausbrüten. Ging mir auch schon so, dass ich ein diffuses Gefühl hatte, dass es dieses Mal nicht gut wäre, voll zu laufen. Diesem Gefühl gebe ich dann auch nach, was sich auch als richtig herausgestellt hatte, weil tatsächlich eine Erkältung im Anmarsch war.

Wäre der betroffene Läufer nicht beim HM dabei gewesen, hätte es ihm womöglich bei einem anderen "Anlass" getroffen.

Auch beim Stuttgart-Lauf, der ja für seine Hitzeläufe bekannt ist, hatte es schon Todesfälle gegeben. Der Veranstalter ist da sehr sensibel, d.h. alle 2 km gibt's Wasser und alle 500 m steht ein Defibrillator bereit. Wenn sich abzeichnet, dass es wieder einen Hitzelauf gibt, wird ja immer noch an die Läufer appelliert, evtl. Bestzeitenambitionen zurückzustellen und lieber den Schwerpunkt auf gesundes Ankommen zu legen. Doch manche Läufer sind da unbelehrbar (Sponsorendruck?) und die Sanis hatten alle Hände voll zu tun. Für Herzinfarktkandidaten ist das von daher gesehen schon wieder ein Glücksfall, da sie ja eine sofortige medizinische Vorsorgung bekommen und somit so manches Leben gerettet werden kann. Anders als wenn es zu Hause im stillen Kämmerlein passiert und die ärztliche Hilfe erst Stunden später möglich ist und somit wertvolle Zeit verstrichen ist.

Von mir auch herzlichen

Von mir auch herzlichen Glückwunsch für Deine Leistung in Berlin.

Es passiert doch öfter als gedacht, dass bei einem Lauf jemand ums Leben kommt. Letztes Jahr in Magdeburg beim SportScheckLauf ist kurz vorm Ziel auch ein Mann zusammengebrochen. Es war der 5 km-Lauf. Ich habe ihn noch liegen sehen, als ich mich einlief. Das DRK hat sich um den Mann gekümmert. Wie ich später mitbekam, hatte er es nicht geschafft. Das macht einen schon nachdenklich. Gerade jetzt, da ich selber mit ner Erkältung zu kämpfen habe. Meinen HM in Tangermünde am kommenden Wochenende habe ich schon abgehakt. Ich hoffe nur, dass ich für den BIG 25 in Berlin starten kann. Sicher bin ich mir da aber noch nicht. Ist zwar noch ein wenig hin, aber im Moment kann ich mir nichtg vorstellen, auch nur einen Meter zu laufen. Zur Zeit läuft nur eins und das ist meine Nase.
Viele Grüße
AnnettIrene

Durchhalten

Hat er gut geschrieben!

Laufen ist Leben!! :o)

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/todesfall-im-breitensport-ploetzlicher-herztod-beim-marathon-a-893309.html

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Herzloichen Glückwunsch !

Bei mir hat es leider aus verschiedenen Gründen nicht für eine anständige Vorbereitung gereicht, Daher habe ich meine Teilnahme abgesagt. Aber nächstes Jahr ist ja auch noch eine weitere Teilnahme möglich.

Unter zwei Stunden ist echt klasse ! Genieße noch Deine Eindrücke. Vielleich sieht man sich ja 2014.

Gruß Sönke

Glückwunsch zur sub 2!

So ein Tod ist für die Angehörigen schwierig. Wir hatten letztens einen Läufer mit plötzlichem Herzinfarkt - der war wenige Tage vorher vom Arzt mit EKG geprüft worden und das war absolut nicht vorhersehbar. Der "Vorteil" bei einer Veranstaltung ist der, dass professionelle Hilfe normalerweise eher da ist. Hat in dem Fall leider nichts mehr genützt.

Überleg mal wie viele Leute täglich sterben - die wenigsten bei einem Wettkampf. Das deshalb aufzugeben oder seine eigene Leistung herunterzureden ist auch kein Weg zu einem gesünderen (oder längeren) Leben.

Erhol Dich gut von diesem Schock - und ganz viel Trost für die Angehörigen.

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