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Ich habe gestern ne ganze Weile überlegt, ob ich den Blog überhaupt schreiben soll…

Am Ende bin ich zu dem Schluß gekommen, ja ich schreibe ihn.
Genauso wie ich den Lauf empfunden habe… Auch, wenn Freud und Leid sehr eng beieinander liegen und man sich dessen immer bewusst sein sollte…

Wie fange ich an? was schreibe ich zuerst? Freude? Leid? machen wir es chronologisch. Die Freude war zuerst!
Am Samstag gab es eine kleine aber feine Veranstaltung in Wuppertal. Spassigerweise wurde das ganze als Zuckerspiel deklariert.
Zuckerspiel? ja, weil das ganze halt kein Zuckerschlecken ist aber dennoch ein Spiel bleiben sollte. Ein Spiel mit Bodenwellen ... Süßes oder Saures?!

Die reinen Eckdaten ließen aufhorchen: 21,1 km mit ca. 800 positiven Höhenmetern... ein guter Test, was wir Flachländer denn so in den Beinen haben. Ein wenig im Buddykreis herumgefragt, in der Laufgruppe rumgeschwärmt und siehe da, ein paar Mutige fanden sich, die mitwollten.
BriHoHa brauchte noch ein paar HM (sie hat ja rund um Hachenburg keine eigenen ;-), Laufspaß war da, Hankoe folge dem Ruf und Flitzer51 sowie der Sportprinz waren ebenfalls aus dem Jogmapuniversum angereist.
Ich selbst hatte Hund Mick dabei um mich zu bremsen... Lange laufen kann er gut, schnell laufen, Demmbo machen, ist nicht so sein Ding...
Wir waren extrem spät dran, mit dem Auto fast bist zur Startnummernausgabe gerollt, Hankoe rausgeworfen zum Startnummern besorgen, derweil nen Parkplatz gesucht, andere Jacke an, den Hund aus dem Auto geholt und auf dem Weg zur Startlinie etwas warmgelaufen... das alles in 10 Minuten... Hankoe hatte unsere Startnummern parat, sogar an Sicherheitsnadeln für alle gedacht und weitere 60 Sekunden später standen wir im Gewühl.
Da war dann auch BriHoHa mit ihrem Mann (der verschnupft nur den 10er wollte) Laufspaß mit den Mädels vom TV Bedburg und zu guter Letzt der Sportprinz noch... großes Hallo und schon ging's los. Nach etwa 500 Metern rein in den Wald und schnell die erste Steigung vor den Füßen. Ich hatte vor alle Steigungen zu laufen. Wenn auch langsam, aber durchlaufen. Da ich mit BriHoHa noch etwas quasseln wollte reihten wir uns am Ende des Feldes ein und liefen ganz gemütlich los. Laufen und quasseln... herrlich... Bergauf lief ich etwas vor, überholte den einen oder anderen, bergab wartete ich auf BriHoHa und wir ließen es runterrollen.
Am ersten VP schöne Pause, essen, trinken, alles super... Wetter perfekt, 5-8 Grad, trocken, die Strecke Eis und Schneefrei...das Tempo pendelte sich locker bei nem guten 6:10er Schnitt ein. Flups! war die erste Hälfte schon rum! Mick fühlte sich pudelwohl und mir ging's blendend. Die Beine zuckten... sie wollten! Ich hatte es beim Start schon bemerkt, ich hätte können können, wenn ich wollen wollte ... Aber ich hatte meine Handbremse dabei. Sonst...?! naja... wer weiß. Dann nach dem VP2 bei KM 11 kam ein ellenlanger Anstieg. Ca. 2 km ordentlich bergauf. Ich wollte durchlaufen. Also streng dich an. Es lief rund! Tippeln, atmen, tippeln, atmen, entspann dich! tippeln, atmen... es ging immer weiter hoch... auf dem Weg sammelte ich einige Geher ein, die die Anstiege kraftsparend angingen.
Mick lief auch immer wieder vor, drehte sich mit fragendem Blick um: "Was los? kommste jetzt endlich?" auf etwa zwei drittel des Anstiegs passierte etwas, das meinen persönlichen Rennverlauf entscheidend beeinflussen sollte. Ich überholte zwei Mädels, die schnatternd den Berg rauf gingen. Wir waren uns schon an mehreren Anstiegen begegnet. Rauf bin ich schneller, runter sind die zwei gekachelt als wär der Teufel hinter ihnen her... sagt die eine zur anderen: "Lass den mal laufen, an der nächsten Senke haben wir den doch eh wieder..." Verdammt! Schalter umgelegt... die Beine zuckten eh schon die ganze Zeit latent vor sich hin... BriHoHa hatte ich an der langen Steigung eh schon verloren... Die Radler unter euch kennen das vielleicht... du hängst dich am Berg an einen dran, fährst auf der letzten Rille mit hängender Zunge hinter dem her, bis er dich sieht, einen Zahnkranz rauf schaltet und unbeirrt in derselben Trittfrequenz einfach weiter fährt und du kannst nur noch zuschauen wie er am Berg verschwindet...
Hi hi... so garstig kann ich auch! das letzte Drittel des Anstiegs kräftig angezogen... oben nicht langsam weiter, die Beine hatten Blut geleckt... die wollten nicht mehr langsam... es ging runter ... und Feuer frei! Erst noch etwas verhalten. Mick wusste nicht wie ihm geschah. Plötzlich legt der Alte los als würd ihm einer seinen Futternapf leerfressen. Egal! Mick hinter mir her den Abhang runter... wir fingen an einzusammeln ... Blick auf den Tacho... 4:20.. 4:10 da geht noch was... ups! schon unten.. keine Zeit verlieren, die da vorne schwächeln... ran! rechts, links, vorbei. Mick hinterher... kurz blieb er auf einem Abwärtstrail hinter einer kleinen Gruppe hängen, traute sich nicht vorbei aber die waren sehr nett und ließen ihn an der nächsten Kehre innen durch... und dann kam er ... wir zwei wie entfesselt. Die nächste Steigung. Nicht nachlassen. Druck aufbauen! Tippeln, atmen, tippeln, atmen... nur schneller als vorher. jetzt wurd mir richtig warm. Der nächste Abwärtstrail... langgezogen ging es knapp 2 km runter... wieder kurzer Blick auf den Tacho... jetzt gilts... 4:10... 3:50... 3:40 tatasächlich piepst das Ding nen Km unter 4:00 min ab... es flog alles an mir vorbei... Bäume Kilometerschilder 15,16,17... andere Läufer... Mick hing hinterher... tempo mehr als 3-4 Kilometer ist nichts für ihn... ok. Wir sind unten. Dort fliesst ein Bach. Anhalten, Mick runter zum Bach, der kleine was zu trinken. Da laufen doch von den eingesammelten wieder 10 an mir vorbei... egal! Erst der Hund und dann der Ehrgeiz... Micki fertig? alles klar? weiter? schwupps war der Hund unterwegs. Ich hinterher ... es ging wieder rauf. Herrlich! Tippeln. atmen, entspannen, tippeln, atmen... die meisten hatten wir da schon wieder bis wir oben waren... jetzt kam noch mal ein VP, wir waren wieder auf dem Weg, den wir vorhin hoch gelaufen sind... da kam nicht mehr viel. Eine kleine Rampe noch, etwa 300 Meter lang und vielleicht 35-40 Höhenmeter. Der Rest runter... Meine bis dato sehr geschonten Knie meldeten Funktionsbereitschaft und erklärten sich zum Endspurt bereit... also los... weiter runter, weiter einsammeln. Wir haben etwa 40 Läuferinnen und Läufer auf den letzten 10 Kilometern eingesammelt, den beiden Mädels vom Anstieg noch 11 Minuten abgenommen... und auf der Zielgeraden noch mal Endbeschleunigung, so dass der Zieleinlaufnummernaufschreiber (handgestoppte Zeiten) das Bremszeichen machte aus Angst um seinen Zieleinlauftisch... Micki im Windschatten hinter mir her... Supergeil... Hinter der Ziellinie einmal umdrehen, den Hund mit Siegerlächeln anschauen und Singen "Du hast verloren! Du hast verloren! Ich 1 - Du 0". Halbmaraton mit 800 Höhenmeter, KNallgas auf der zweiten Hälfte bei 2:02:30 im Ziel ... Chacka!

Dieser Freudentaumel wurde jäh unterbrochen, als der hinter dem Ziel stehende RTW sein Martinshorn anmachte und sich durch den Zielbereich auf die Strecke wälzte.
Alles noch durchaus gewöhnlich... denkt man sich nichts bei... Im Wald hatte ich schon zwei Sannis gesehen, die mit Quads an uns vorbei in den Wald fuhren...
Ich kümmerte mich um Mick, brachte ihn zum Auto und versorgte ihn erst mal mit Wasser und ein paar Leckerchen... den Hund gut versorgt ging ich zum Ziel zurück und mein Laufbuddy Flitzer kam mit den Mädels aus Bedburg ins Ziel. Die erzählten dann, das einer der Läufer vor Ihnen wohl im Wald umgefallen ist, Sie wären bei Ihm gewesen und versucht ihn anzusprechen. Ein weiterer hat erste Hilfe geleistet, der Verletzte sei aber nicht wirklich ansprechbar gewesen. Die Sannis waren schnell vor Ort und haben sich um den Mann gekümmert. Danach sind alle weitergelaufen. Der RTW hat den Mann sicher übernommen und scheint auf dem Weg ins KH zu sein. Ein Vorfall, wie jeder von uns ihn schon bei diversen Veranstaltungen erlebt hat. Jemand verletzt, jemand Kreislauf... Dehydriert, was auch immer... alles gut, man kümmert sich, man hilft, bietet Gel oder Wasser oder ruft die Sannis, wenn man selbst nicht weiter kommt...

Am Sonntagnachmittag aber erreicht mich über den Veranstalter die Nachricht, das für den Läufer im Wald jede Hilfe zu spät kam und man im Krankenhaus nur noch den Tod feststellen konnte. Freud und Leid in einer Sekunde vereint. Tief betroffen und für einen Moment wie gelähmt schaut man auf die Notiz, die auf dem Bildschirm flackert... und wird sich wieder mal bewusst, wie nah alles ist und wie schnell jedem von uns irgendwas passieren kann. Noch weiß man nichts genaues, daher ist alles reine Spekulation. Unerkannte Vorerkrankung, Herzfehler, Infarkt, Schlaganfall, Kreislauf oder sonstwas? alles Spekulation und Nebelraten.
Ich glaube, das ist als Angehöriger immer die größtmögliche Katastrophe jemanden zu verlieren, aber auch als Veranstalter nimmt man seine Aufgabe und die damit verbundene Verantwortung sehr ernst und muss damit auch erst mal fertig werden.

Ich hoffe, das es im nächsten Jahr das Zuckerspiel noch gibt... zur Zeit sind alle Beteiligten erstarrt und hilflos. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen...

Ich bin sicher, ich habe am VP2 bei KM 11 noch mit ihm gescherzt...

4
Gesamtwertung: 4 (2 Wertungen)

ach Thor...ja so war

ach Thor...
ja so war das.
Ich fang dann mal mit dem sauren an. Ich glaube auch zu wissen, wer das war. Er war auf der Strecke hinter mir. Und ich finde es wirklich schlimm, ich habe nichts mitbekommen! Wenn er direkt hinter mir gewesen wäre, hätte ich ihm vielleicht helfen können, aber ich habe auch nur die Sanis und den RTW mitbekommen. Das ist wirklich furchtbar, zumal es ja eine kleine Veranstaltung war und einen sehr familieren Charakter hatte.
Und ich hatte auch nicht den Eindruck, das untrainierte Läufer am Start waren. Immerhin bin ich mit meinen 2.09.xx eine der letzten gewesen... ich finde das sagt schon was über das Starterfeld aus.

Nun zum süßen: jep! Runterkacheln! Das kann ich auch und das fand ich auch gxxl!
Ok, die Berge hoch bin ich nicht ganz so entspannt wie du ;)
(Aber wage es nicht, nochmal zu behaupten, ich hätte hier keine HM!!!) Echt gezz ;))
Nichtsdesdotrotz kann berghochlaufen zu üben ja nie schaden. Und als Belohnung bekommt man ein grandioses downhill feeling :)
Und ich hatte da auch durchaus die ein oder andere 4 vorne auf der Uhr :)und andere Läufer eingesammelt.

Der Lauf war schön! Toll organisiert, wirklich tolle Strecke, ich hab nette Leute getroffen unterwegs und es wäre wirklich schade, wenn es der letzte jetzt gewesen wäre!!
Ich wünsche mir für den Veranstalter das er Info`s bekommt, was genau da eigendlichn passiert ist! Denn das letzte, was ihn trifft, ist irgend eine Art von Schuld! Wir wissen alle das so etwas passieren kann...

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Habe davon gehört...

....sowas ist sehr schrecklich und natürlich erst recht dann, wenn man zuvor noch miteinander gesprochen hat. Aber sowas passiert halt immer und immer wieder, nicht nur im Sport, nein auch Mitten im Supermarkt, beim Gang durch die Stadt oder gar beim Sonnenbad. Hey, da kann alles Mögliche vorgefallen sein. Denke daran, wieviele Menschen länger leben täten, wenn denn sie Sport betreiben würden. Und wer Sport macht weiß, dass es eben immer mal dazu kommt, an seine Leistungsgrenze zu gelangen. Da gelangt übrigens der Nichtsportler auch ran, nur sehr sehr viel früher....
Wie schön, dass du uns deinen Blog nicht vorenthalten hast. Wir hätten was verpasst. Ich gratuliere dir zu dem schönen Lauf!!!

Lieben Gruß
Tame

Leider ist...

...das Leben nicht immer nett. Vielleicht muss das auch so sein, damit wir immermal wieder dran erinnert werden, wie wertvoll es ist.
Am meisten GELACHT hab ich über den hier: BriHoHa brauchte noch ein paar HM (sie hat ja rund um Hachenburg keine eigenen).

Schickes Läufchen auf jeden Fall!

freud und leid...

...so nah beieinander...ja, das macht für einen augenblick sprachlos und es schärft das bewusstsein, wie schnell es vorbei sein kann. aber so etwas passiert nicht nur beim sport, wie tame schon schrieb. dennoch macht es auch mich immer besonders betroffen, wenn es einen sportlichen menschen trifft, weil es irgendwie paradox ist.

lieber thor, das war ein prima einsteig in die wettkampfsaison und für dich ein wenig mehr sicherheit, deinem fahrgestell langsam wieder zu vertrauen...
____________________
laufend : happy™

wer pläne schmiedet, verhindert die zukunft!

ich...

...bin über den vorfall zu tiefst betroffen...
die nachricht, dass er es nicht geschafft hat, hat mich schockiert....
die angehörigen haben mein volles mitgefühl.

ls

"Wenn du eine Düne erklimmst, verschwende deine Energie nicht damit zu beschreiben, was auf der anderen Seite sein könnte, warte, bis du oben bist, um es zu entdecken." Maxime Chattam

mal kurz tief durchatmen

und dann der Reihe nach:

1) brihoha hat keine HM zuhause. Ha! Der war gut ;-))

2) Dein Lauf und deine Zeit: super!!! Ich freu mich so für dich, klingt einfach nur klasse!

3) Der tote Läufer: das hatte ich 2010 beim Bärenfelsultra. Die Obduktion ergab, dass der Mann an dem Tag auch beim Zwiebelschneiden oder Zeitungslesen gestorben wäre, ein Hinterwandinfarkt. Selbst Arzt und Trainer, kardiologisch ist so was wohl kaum zu erkennen. Passiert und hinterlässt tiefe Betroffenheit. Ich war damals kurz hinter ihm, zum Glück leistete eine Krankenschwester sofort Erste Hilfe aber er war wohl tot bevor er auf dem Boden aufschlug. Schlimm für alle, die es miterleben, und für die Angehörigen.

Süßes und Saures, wie wahr.

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Ich freu mich sehr für Dich,...

dass es wieder so gut läuft bei Dir!!

Dieser traurige Vorfall läßt mich immer wieder an ein Gespräch mit einem befreundeten Sportdoc denken, der einmal zu solch einem Notfall gerufen wurde, wo leider auch nichts mehr für den armen Kerl getan werden konnte.
Seine Familie (Frau und Tochter) liefen auch diesen Lauf.
Er war krank und es bestand jeder Zeit (auch ohne Sport)das Risiko, dass er umkippt.
Das Laufen mit seiner Familie war das, was er am liebsten mochte, wo er glücklich war.
Er hatte über alles mit seiner Familie gesprochen, auch dass es irgendwann sehr wahrscheinlich passiert, er aber niemals still sitzend den Rest seines Lebens verbringen und auf den Tod warten könnte.
Er war sofort tot und sie haben es unglaublich gefasst aufgenommen.

Der Doc und Freund fragte mich ganz privat, ob man so jemandem sein Glück verbieten dürfte?

"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Uff, das ist sehr bitter ...

... vor allem für die Angehörigen. Ich habe meinen deshalb gesagt, dass sie für den Fall, dass es mich irgendwann plötzlich beim Laufen erwischen sollte, sicher sein dürfen, dass ich mir keinen schöneren Abgang von der Welt vorstellen konnte. Das letzte Süße im letzten Sauren sozusagen. Man sollte über sowas offen reden, in der Familie und auch unter Lauffreunden.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Hat er gut geschrieben!

Laufen ist Leben!! :o)

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/todesfall-im-breitensport-ploetzlicher-herztod-beim-marathon-a-893309.html

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

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