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Ja, gestern war es soweit. Der erste HM meiner Karriere stand an und die Voraussetzungen waren alles andere als gut. In diesem Jahr bereits zwei mal >10 Tage ausgefallen und kaum Training im März ließen eigentlich nichts Gutes vermuten. Und dann fallen auch noch beide Laufpartnerinnen mit Knie und Beinproblemen aus. Aber wie so oft kam es anders als gedacht.

Das Wetter war sehr launisch. Bei +2°C und ztw leichten Schneeschauern eigentlich nicht ideal. Vor dem HM Start schon einige andere Läufe angeschaut, da diverse Freunde die 5 oder 10km laufen wollten. Daher war man auch schon etwas durchgefroren. Also rechtzeitig mit dem Einlaufen beginnen.
Und siehe da, ich treffe Manfred (manchen), schön das es geklappt hat. Wir laufen noch etwas zusammen, gehen dann gemeinsam in die Startaufstellung und tauschen uns noch aus. Manfred will auf "ankommen" in ca. 2:30 laufen mein Ziel ist es auf jeden Fall unter 2h zu bleiben, wenn möglich sogar eine 1:55 zu laufen. Der Start verzögert sich, Manfred verabschiedet sich und geht etwas weiter nach hinten. Um 15:11 Uhr geht es dann verspätet los.
Dann mal einfach anlaufen. Zwischenziel sind 5:30. Nach 1km sieht es gut aus 5:32 und die Durchnittszeit purzelt weiter. Bei km 1,5 kommt mein Handball Mannschaftskollege Andre vorbei, der im letzten Jahr bereits Marathon Erfahrung gesammelt hat und sich nun auf einen Triathlon vorbereitet. Wir laufen zusammen, Andre peilt < 5:10 an, ich denke mir einfach mal mitgehen und sehen was hinten raus passiert. Ab km 3 merke ich aber schon das etwas mit meinem Magen nicht stimmt. Es grummelt ziemlich stark. Zu wenig gegessen und zu viel getrunken? Na ja, nichts anmerken lassen, wird schon schief gehen. Ein gleichzeitiger Blick auf die Uhr verrät 5:00. Das läuft ja prima, ist aber vielleicht ein wenig zu schnell. Ich merke das Andre vielleicht noch schneller laufen möchte, aber wir bleiben zusammen. Die ersten 5km dann in 25:00, also viel schneller als gewollt. Bei km 7 verabschiedet sich Andre und läuft sein Tempo weiter, ich merke das ich wahrscheinlich zu schnell angegangen bin. Was solls "Lehrgeld" muss sein. Die Stimmung ist gut an der Strecke und die Läufer um mich herum laufen ein gutes Tempo, also dran bleiben.
Bei km 10 komme ich erstmalig bei Familie und Freunden vorbei, sie unterstützen mich lautstark. Gebe zu verstehen das es mir gut geht, ich aber vss zu schnell angelaufen bin. Die Uhr zeigt 50:00 glatt! Stolz über das Tempo und die Konstanz nehme ich etwas raus, wie sich nachher rausstellen wird etwas zu spät. Die Zeiten pendeln sich zwischen 5:05 und 5:10 ein, auch noch viel schneller als geplant, als sich zwischen Km 13 und 14 erstmalig der linke Fuß meldet. Was reibt denn da? Anhalten ist nicht, also weiter. Am Ende steht eine 16:01 bei km 15.
Aber es wird mit jedem Schritt schwerer, nicht nur das die Fußsohle unter den Ballen brennt, auch die Beine werden schwer und der Magen meldet sich immer mehr zu Wort. Jetzt gilt es den inneren Schweinehund zu überwinden, und der ist richtig schlecht drauf. Wie sich heraus stellt gar nicht so einfach ihn zu überwinden, wenn es einem körperlich nicht gut geht. Jetzt etwas Musik oder Unterhaltung denke ich, aber die Musik hatte ich zu Hause gelassen und meine Laufpartnerinnen waren ja verletzt. Ich merke wie das Tempo inzwischen drastisch abgenommen hat. Nach und nach überholen mich immer mehr Läufer. Zwar nicht schnell, aber merkbar. Jeder Schritt fällt schwer, die Füße und Beine schmerzen. Ich versuche mich immer wieder fest zu beißen, aber es klappt nur kurz. Aber auch andere müssen kämpfen, ich bin also nicht allein.
Nun drückt auch noch die Blase. Bei km 18 geht es nicht mehr. Kurz anhalten und die Blase entleeren, in der Hoffnung das der Magen-Darm-Trakt sich nicht auch entleeren will. Zum Glück geht alles gut. Das Antraben geht nur mühsam und jede KKurve strengt mich inzwischen an. Die Pace ist auf 5:33 gesunken. Egal, denke ich. Nur durchhalten. Ich fange an diee letzten km zu zählen. Der Blick wandert immer häufiger zur Uhr - Wie weit ist es noch? Alle 300m wieder ein Blick auf die Uhr. Ich muss feststellen, es sind schon keine km mehr, sondern 100m die ich zähle. Bei km 19 kommt mir eine meiner Laufpartnerinnen mit Ihrem Lebenspartner entgegen. Sie feuern mich an, aber es hilft nicht. Ich zeige nur noch auf meine Beine und laufe wortlos vorbei. Bei 20,5 km dann erneut die Familie und Freunde. Sie feuern mich lautstark an, sehen mir aber auch meine Qualen an. Es ist ja fast geschafft. Zähne zusammen beissen und durch.
Kurz vor dem Ziel erkenne ich die Uhr. Sie zeigt "schon" 1:50:0x und tickt weiter. Los jetzt noch wenigstens unter den 1:50:30 bleiben, denke ich, aber beschleunigen ist nicht mehr drin (letzter km in 6:15), trotzdem schaffe ich es auf den Kopf 1:50:30. Kann mich aber gar nicht freuen, zu groß sind die Unannehmlichkeiten (Magen, Füße und Beine), aber diese lassen sich ja nun beseitigen ;-))

Rückblickend muss ich sagen, es lief zeitlich einiges besser als gedacht oder erhofft, denn die 1:50:30 war ja die Brutto Zeit. Am Ende stand eine 1:49:40. Soweit zur positiven Bilanz.
An vielen anderen Dingen muss ich bis zum ersten Marathon im November noch stark arbeiten. Da sind auf jeden Fall die Erhöhung der Streckenlängen und der Gesamtkilometer, die aus gesundheitlichen Gründen etwas kurz gekommen sind. Dabei muss ich auch mehr den Mut zur "Langsamkeit" beweisen.
Daneben muss ich auch meine Nahrung im Vorfeld besser steuern, denn in der Zeit vom Aufstehen bis zum HM habe ich mit Sicherheit zu wenig zu mir genommen, aber mehr als ausreichend getrunken. Auch während des Laufes muss ich mir noch überlegen was ich am Besten vertrage, denn beim Osterlauf habe ich mich gar nicht getraut etwas essbares zu mir zu nehmen.
Zu guter letzt muss ich mir noch etwas bei meinen Socken überlegen. Über 15km in Soest waren die noch prima, aber bei HM ... Vielleicht weniger Baumwollanteil (aktuell 25%), damit sich die Feuchtigkeit nicht so sammelt.
Positives Fazit bleibt: Ruhig etwas ausprobieren, aggressiv anlaufen und ggf. etwas Lehrgeld zahlen, denn i.d.R. lohnt es sich und das Lehrgeld ist gut angelegt (für die Vorbereitung auf den nächsten Lauf). Den Schweinehund zu überwinden wenn man alleine läuft, da muss und kann ich noch dran arbeiten.

Euer
Olaf

4
Gesamtwertung: 4 (1 Bewertung)

Ich bin der Meinung

dass war Spitze!!! Und Lehrgeld zahlen wir alle - nicht nur beim Erstling ;-))

Glückwunsch zur rasanten Zeit!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Zufrieden und stolz darfst du sein.!!

Mensch Olaf, du hast gestern deinen ersten Halben gefinisht, deutlich unter 2 Stunden, hast Kampfgeist bewiesen und aus dem Lauf gelernt. Was willst du mehr?

Schön, dich getroffen zu haben. Und ja, ich bin auch durchgekommen, aber in 2:32:08

Ab km 18 hat es irgendwie magisch und unheimlich gebremst. Muss an der Strecke gelegen haben ;-)

Wünsche dir weiterhin verletzungsfreie Trainings-km und viel Erfolg im November.



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