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Ich weiß gar nicht so genau, ob es ein nationales Phänomen ist, oder ob nur die lokalen Radionsender hier rund um Braunschweig sich den Spaß machen aktuell vom "Russen-Stiefel" zu sprechen. Der Russen-Stiefel wird als Bezeichnung für das aktuelle Hochdruckgebiet verwendet, welches uns mal wieder eisige Kälte, gleichzeitig aber immerhin auch mal schönen blauen Himmel und Sonnenschein bringt.

Also ging es heute los zum nächsten langen Lauf in Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon. Ups...habe ich das geschrieben? Eigentlich bin ich doch in Vorbereitung auf den Ironman Frankfurt und rede mir seit Monaten ein, dass ich Hamburg als verlängerten Trainingslauf mitnehme und als schöne Erinnerung an meine aktuelle Marathon-PB aus dem letzten Jahr... Aber naja, so ganz werde ich meinen Kopf da nicht von lösen können. Ich komme halt vom Laufen, komme vom Marathon und so völlig ohne Tempoehrgeiz werde ich wohl nicht an den Start gehen können.

Daher ziehe ich so seit 3-4 Wochen auch in der IM-Vorbereitung die Laufeinheiten in der Prio ganz nach oben. Im Grunde mache ich meinen Steffny-Marathon-Plan und alle zusätzlichen Zeiteinheiten, die ich laut IM-Trainingsplan absolvieren muss dann so zusätzlich, aber halt in Form von ganz entspannten Radstunden ohne Intensität und Schwimmen. Naja, was ich halt so als Schwimmen bezeichne...aber das ist eine andere (Katastrophen-)Story...die spare ich mich an dieser Stelle mal.

Also wie dem auch sei habe ich mir für den heutigen Sonntag 4:45 Std. Trainingszeit übrig gelassen. Der Plan war ein Stündchen Schwimmen, eine ganz lockere Stunde Indoor Cycling (die Trainer müssen seit Wochen denken, dass ich ihre Vorgaben und/oder den Begriff Fitness nicht ernst nehme...wieder eine andere Story) und dann knappe 3 Stunden für einen langen Lauf a la Steffny. Aber wie das immer so ist...zumindest bei mir - der Plan ist dazu da um in sich zusammenzubrechen. Im Schwimmbecken hatte ich enorme Kopfschmerzen, sodass ich nach 36 Minuten und 800m Technikübungen entnervt aufgegeben habe - wenigstens beim Cycling wollte ich etwas Trainingseffekt mitnehmen, das habe ich mir trotz Kopfschmerzen noch zugetraut. Aber 10 Minuten vor Stundenbeginn da...ausgebucht - also kein Cycling. MIST!

Also bleiben 4h für den Lauf übrig, eigentlich viel zu viel für Steffny. Und die Kopfschmerzen sollten auch besser mal weggehen, sonst wird aus dem langen Lauf eine kurze Qual und eine lange Sonntags-Depression. Es hat einige Stunden und 3 Paracetamol lang gedauert, aber dann war ich bereit. Es ging los.

Die erste Erkenntnis war, dass mir die noch schlimmere Kälte weniger ausmacht, als der graue Himmel der letzten Wochen und Monate. Es hat sogar so etwas wie Spaß gemacht, was bei dem, was ich vorhatte ganz hilfreich war. Ich habe mich mal ganz von meinen regulären Laufstrecken gelöst, statt dessen gesagt "einfach loslaufen...langsam, damit eine Chance besteht möglichst nah an die 4 Stunden dran zu kommen (ich bin dennoch davon ausgegangen, dass ich nach ca. 3:15 aufhöre)...keinerlei Tempokontrolle, d.h. ohne GPS-Uhr und die mitlaufende Smartphone-App wird erst nach dem Lauf begutachtet...und ungewohnte Strecken, damit ich keine Gedanken a la "jetzt nur noch 23km" riskieren kann).

Jetzt bin ich echt happy, dass ich es gemacht habe. Es wurden 38,7km in 3:35 Stunden Laufzeit. Hinzu, um letztlich recht nah an die 4 Stunden zu kommen, kamen noch zwei Stopps auf öffentlichen Toiletten um das Frühstück loszuwerden (keine Sorge...keine weiteren Details) und ein paar Schlucke Wasser zu nehmen. Aber damit wären wir auch bei der vielleicht einzigen negativen Erkenntnis des Tages. Wenn ich loslaufe um 4 Stunden zu joggen, dann sollte ich mir mehr Gedanken um Verpflegung machen...bzw. ich sollte mir überhaupt Gedanken machen. Alles so bis 30-32km laufe ich immer ohne feste Verpflegung wie Gels/Riegel oder so. Und bei meinen festen Strecken weiß ich auch immer, wo Möglichkeiten sind ohne großen Zeitverlust bei einem Wasserhahn auf ein paar Schluck Wasser einzukehren.

Die "Wasserstellen" kamen heute eher unregelmäßig, insbesondere wenn ich eine brauchte war keine in Sicht. Und so ab km33 überkam mich ein sensationeller Hunger, sodass ich mich mehr damit, als mit Laufgeschwindigkeit beschäftigt habe. Bis dahin bin ich so eine 5:20-Durchschnittspace gelaufen, danach war nix mehr unter 6:00 drin. Aber das ist ja ok, besser ich mache die Erkenntnis jetzt, als wenn ich im Wettbewerb mal 35km lang "vergesse" zu essen.

Ich habe mich durchgekämpf und daheim war der Kühlschrank vor mir nicht sicher. Wahrscheinlich habe ich in Summe jetzt doch mehr Kalorien konsumiert, als ich beim Lauf verbrannt habe. Aber auch das ist ok. Wie gesagt...jetzt bin ich happy - Hunger und durst gestillt und stolz auf meinen 38,7km-Trainingslauf. Der längste Trainingslauf meines Lebens. Wenn ich mir vorher vorgenommen hätte "heute laufe ich 38,7km", dann hätte ich es wohl nicht durchgezogen. Das "einfach mal drauf los laufen" ist also aufgegangen.

Morgen geht es weiter. Early-bird-Training werde ich wohl auslassen, aber am Abend dürfen es dann gerne mal wieder 2 Stunden Cycling werden - diesmal rechtzeitig und mit Ticket. Alles weitere sehen wir dann...

Gute Nacht!

5
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Schöner Lauf. Ich könnte

Schöner Lauf. Ich könnte das nicht so mal fix 38 km laufen. Ich denke mal nicht, dass du mehr Kalorien auf nehmen konntest als du verbrannt hast. Sind bestimmt um die 3500 kcal gewesen, das holt man mit einer größeren Malzeit nicht ein.

Gruß
Sven

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