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Frau Holles oder Petrus' Sympathien für die unter dem heimlichen Zwang des Schnelllaufens Stehenden unter uns halten sich ja allem Anschein nach derzeit eher in Grenzen. Der Brandenburger an und für sich mag zwar Berlin nicht sonderlich, liebt dagegen heiß und innig den Spandauer, weil dieser seine Zwangsheimat Berlin ebenso leidenschaftlich verachtet. Irgendwie aus dieser Gemengelage muss der "Lauf der Sympathie" rühren, der mitten im Schnee letzten Sonntag zwischen dem brandenburgischen Falkensee und (dem Berliner Bezirk) Spandau stattfand.
Zwischen tiefverschneiten Feldern sind die Hauptstraßen schon seit Tagen eisfrei und trocken, und es soll schließlich entlang der Hauptverkehrsachse nach Spandau hineingehen. Bin ich mal optimistisch und nehme die Ghost 5 mit (nicht wirklich für Kapriolen geeignet), vielleicht gibt es nach zweimal Winterrennen im Plänterwald (mit Schneeketten auf Neuschnee im Dezember, mit Trailern auf Eis im Februar) endlich mal eine aussagekräftige 10 km Zeit (Stichwort: Standortbestimmung). Schon am Eingang der Stadthalle Falkensee (einer etwas in die Jahre gekommenen Turnhalle) wirbt ein Pappschild um Verständnis für mögliche, auch kurzfristige Änderungen der Streckenführung (der Gesundheit zuliebe). Verflixt aber auch! Und kurz vor dem Start war dann auch die Katze aus dem Sack: die Brandenburger Landstraßen waren in einem exzellenten Zustand, nur in der Altstadt Spandau hatte sich fünf Tage lang niemand der Eisreste erbarmt und so wurde die Strecke am Ende um 400 m verkürzt. Na super! Das Rennen selbst verlief unspektakulär: sonnige Landstraße, links und rechts freies Feld, schön verschneit, sonnig, nur ein ziemlich heftiger und ziemlich kalter Wind blies direkt von vorn. Erste Zwischenzeit genau im Plan bei 4:30 trotz des unvermeidlichen Anfangsgedrängels bis jeder sein Plätzchen gefunden hatte. Nach Kilometer acht dann noch ein wenig anziehen, sind ja keine zwei Kilometer mehr ... (am Ende liegt der Schnitt bei für mich hervorragenden 4:26) und da war auch schon die Altstadt, einige fröstelnde Zuschauer und das Ziel in 43:04. Was mach ich denn jetzt damit? Hochrechnen auf 10 km? Wäre eine neue PB. Oder als solitäre und garantiert niemals angegriffene Bestleistung über die olympische Distanz von 9,6 km aufbewahren? Dazu gabs sogar eine Medaille (mit 9.600 m die "billigste" jemals erlaufene). Gut, noch zwei, drei alkoholfreie Biere, viele gingen eh nicht weg bei der Kälte, und dann fröstelnd mit der S-Bahn nach Hause.
Heute wieder Intervalle im Studio auf dem Laufband bei gefühlten 30 Grad und akutem Sauerstoffmangel, aber die Bahn ist leider zugeschneit, wie soll man denn da jemals schneller werden? Dabei kann Demmbo so schön sein: leicht wie eine Gazelle durch den Wind zu pflügen, die Zunge als flatterndes Fähnchen hinter sich ... aber doch nicht übers Eis!
Hiermit, liebe Vorsitzende des Wetter-Zentralkomitees, kündige ich schon mal vorsorglich an, MIND OVER MATTER oder läuferische Gedankenkraft über Hubbeleis, dass ich in zweieinhalb Wochen zum Berlin HM in kurz/kurz antreten werde, und wenn es Melonen hagelt! Kannste glaubn.

3
Gesamtwertung: 3 (2 Wertungen)

Na endlich...

... schreibt mal jemand über diesen wichtigen Lauf. Ich habe mich ja schon gefragt, wie es zur Streckenkürze kam (von -länge kann man da ja nicht mehr sprechen, oder?), schließlich brüstet sich die Website mit "amtlich vermessen". Klasse geschrieben, flott gelaufen, prima Schlusspointe!

Vielen Dank dafür
yazi

Irrtum vom Amt?

Ich sag's ja, wer viel misst, misst Mist! Das geht ja mal gar nicht! Sauerei! Aber in der Kürze liegt die Würze und die Flatterzunge ist noch dran! Dann kannste nächstes Jahr auf Bestzeitzeit rennen!
:-)

ich wäre für

die solitäre Leistung auf der Olympischen Distanz von 9,6km, köstlich ;-))

Da das Tempo eh für mich in weiter Ferne liegt, gratuliere ich einfach ehrfürchtig - egal für welche Strecke!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

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