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März 2013- hinter mir liegen intensive Trainingswochen mit vielen Kilometern bei jedem Wetter, vor mir liegt der Barcelona-Marathon.
In Barcelona war ich vorher noch nie, schon lange steht die Stadt auf meiner to-do Liste, was lag da näher, als Sightseeining und Laufen zu verbinden. In den letzten Jahren fand ich den Termin immer zu zeitig im Jahr, aber diesmal sollte es sein. Also Trainingsplanbeginn direkt nach dem Weihnachtsessen.
Die Vorbereitung lief super, es störten keine Erkältung, kaum Arbeitsstress oder andere unvorhersehbare Dramen, nichts schmerzte, nicht einmal dieser Winter hielt mich vom Training ab. Kurzum, am letzten Donnerstag flog ich mit meinem Anfeuerergatten bester Laune und froher Stimmung nach Barcelona... vielleicht würde es mir ja diesmal endlich gelingen, die 4:30 zu schaffen.
Das Wetter in Barcelona schien optimal für einen Marathon und auch für das geplante Sightseeingprogramm- gesagt getan- wer braucht schon die Metro, wenn man gut zu Fuß ist.
Bis hierher ok... und wer nimmt schon den Fahrstuhl runter, wenn es doch eine wunderbare Wendeltreppe gibt. Sagrada Familia, das berühmte unvollendete Bauwerk von Gaudi, hoch in den Turm wird gefahren, runter kann man auch laufen. Kann man, wenn man denn treppensicher ist und keine Höhenängste hat. Aber wenn doch??? Ist doch alles gar nicht so schlimm... du darfst nur nicht nach unten in das Loch sehen...gannz langsam...festhalten... das geht schon... ja es ging, aber wie, die Beine verkrampften immer mehr von den Knien aufwärts und die Waden runter... endlich unten angekommen zitterte alles, es brauchte ein paasr hundert Meter vorsichtiges Gehen, um sich wieder Sicherheit zu erlangen. Aber das dicke Ende kanm dann am Samstag morgen. Sie Folge der Verkrampfung war(ist) ein Muskelkater, der schon eine einzelne Stufe zur Qual werden ließ.. so etwas hatte ich ja noch nie erlebt. Ok, dann eben nur noch langsames Sightseeing, Lockern, Massage, warmes Bad...Morgen ist Marathon.., ich fahre doch nicht extra her um dann...nein... irgendwie wird es schon gehen...
Dann war es soweit. Nach einer schlecht durchschlafenen Nacht...draußen leichter Regen... schwere Beine, Schmerzen... jetzt brauch ich gaaaanz viel Adrenalin, ich will es wenigstens versuchen.
Im Startbereich ein Menge hochambitioniert aussehender Läufer (Läuferinnen eher in der Minderheit). Der letzte Startblock (über 4 Stunden) ist verhältnismäßig klein, ganz anders als in Berlin oder Hamburg. Und mittendrin ich, immer noch eher vor mich hin stakend als laufend; das kann ja heiter werden. Dann geht es endlich los. Auch ich setze mich in Bewegung. Die ersten 6-7 km geht es leicht bergan in Richtung Barca-Station. Einige bleiben stehen um den Mannschaftseingang zu fotografieren, Fan ist eben Fan. Meine Beine sind schwer, aber irgendwie gehts, etwa ab km 5 merke ich den Muskelkater kaum noch, ich habe das Gefühl es läuft. Die Strecke ist geprägt von Auf und Ab, nicht viel, aber doch auch nicht eben. Als ich bei km 16 an der Sagrada vorbeilaufe geht es gerade bergab, trotzdem werfe ich einen vorwurfsvollen Blick nach oben, die verkaterten Beinmuskeln sind inzwischen wieder spürbar. Trotz allem läuft es ganz gut, ich habe das Gefühl von relativ entspanntem Laufen, bis km 30 ist die pace bei etwa 6:12 ziemlich konstant, das fühlt sich gut an. Zwischen km 18 und 31 ist die Strecke eher unspektakulär, überwiegend durch Wohgebiete, zweimal läuft man parallel hin und zurück, hat also die Chance zu sehen, was ud wer sich so alles vor und nach einem über die Strecke schiebt. Unangenehmerweise kommt zum leichten Regen auf den letzen 15 km auch noch Wind dazu, natürlich gefühlt immer von vorn. Trotz allem bin ich noch guter Dinge, Atmung und Luft sind gut, aber die Beine schmerzen immer mehr. Ab km 35 will ich nicht mehr... es ist nicht der berühmte Mann mit dem Hammer.. ich habe einfach keine Lust mehr... . es geht durch den Arc de Triomf über die placa de Catalunia Richtung Ziel. Immer noch ist die Zeit so, dass ich die 4:30 gut schaffen kann...könnte???... sollte das klappen, trotz dieser blöden Wendeltreppe???
Nein!!! Die letzten 1,5 (gefühlt 2,5) km geht es nicht viel, aber stetig nach oben... ich will nicht... jetz hilft auch das Publikum nicht mehr... es geht einfach nicht...Zähne zusammen-Beißen...Augen zu... nein- nicht einfach stehen bleiben...die Meter werden zu Meilen....dann ist es vorbei.. die Uhr steht bei 4:33:12... das ist 3 Minuten schneller, als ich bisher bei einem Marathon war. Ich weiß nicht, ob mir mehr nach Lachen oder Weinen ist, ich friere, mir ist schlecht, der ganze Körper ist ein schmerzender, steifer Stock...

Doch...Auch wenn es wieder nicht die sub 4:30 waren...ich bin stolz auf mich... und ich weiß, ohne diese Wendeltreppe...:-) ...die nächsten Läufe kommen...
Die nächste Herausforderung heißt Rennsteig, auch wenn ich mir die 72 km immer noch nicht wirklich vorstellen kann... ich freu mich drauf.

3.666665
Gesamtwertung: 3.7 (3 Wertungen)

Beim nächsten Marathon

mit Sightseeing vorher bist Du halt schlauer. Und: Marathon ist auch Kopfsache - und der Rennsteig auch. Was man will, das schafft man auch (vorausgesetzt es passiert kein Unglück).

Du hast es geschafft - in persönlicher Bestzeit. Da vergiss die 3 Minuten - die gehen leicht für das etwas wellige Profil drauf.

Erhol Dich gut!

Gratulation!

Eigentlich kann dann ja für den Rennsteig nichts mehr schiefgehen! Wenn du ganz sicher sein willst, kannst ja nochmals kräftig Treppensteigen üben! Auch sehr schön: Stuhlbesteigungen! Das ist eine besondere Gaudi! ;-)

Frohes Regenerieren!
:-)

Gratulation

... auch von mir. Ich war am Sonntag auch dabei. Ich hatte mein mentales Tief zwischen km 23 und 30. Da musste ich dann auch die 03:15 Fahnenträger ziehen lassen.
Als die weg waren lief es bei mir besser und der Kopf war frei. Nicht jeder Lauf ist bestzeittauglich. Mit diesem Wissen ist es dann noch ein schöner Lauf geworden. Und die Zuschauer an der Strecke waren doch klasse, oder? Lustig fand ich die vielen Balkon-Zuseher in ihren Bademänteln.
Viel Spaß beim Rennsteig. Ist eine ganz andere Sache, die dir bestimmt auch gefallen wird.

Grüße, fh

PS: Mit deinem Muskelkater gehörtest du wohl nicht zu den beiden Frauen, mit denen ich mich, am Vortag des Marathons, beim Breakfast-Run zum Olympiastadion kurz unterhalten habe???

No matter!

Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.
-Samuel Beckett

Halb leer oder halb voll?

Herzlichen Glückwunsch zur Marathon-PB!
JT

Höhenangst

...Ist die wahre Herausforderung...und hat wohl zur totalen Verkrampfung geführt, kannte ich bisher auch nicht..

Laufen ist Meditieren ohne Stillsitzen müssen

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