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Ist ja nicht so, dass ich meine Trainingseinheiten hier im Detail runterrassele. Aber jetzt gerade ist mir danach die letzte Trainingswoche Revue passieren zu lassen.

Nehmen wir mal die harten Fakten: in den letzten 5 Tagen habe ich exakt 16 Std. Trainingsbelastung in Vorbereitung auf den Ironman Frankfurt im Juli absolviert. Die 16 Std. bestanden aus 186km Radfahren (wetterbedingt komplett Indoor), 83,7km Laufen, 3,2km Schwimmen und 68 Minuten im Kraftraum.

Die Woche ist die letzte in meinem "Grundlagen 2" 4-Wochen-Zyklus, den ich mir auf Basis der Lektüre von Joe Friel als Trainingsplan auferlegt habe. Die Woche hätte eigentlich sogar 17 Stunden umfasst und ist damit vom Trainingsumfang her die zweitintensivste in der gesamten Ironmanvorbereitung. Nur am Ende des "Grundlagen 3" Zyklus befindet sich noch eine Woche mit mehr Trainingsstunden (8.-14.4.: 18,5 Stunden).

Noch vor ein paar Monaten hätte ich wahrscheinlich niemals geglaubt, dass ich solch ein Pensum neben Fulltime-Job, Parttime-Alleinerziehender-Vater, Beziehung und so den sonstigen Verpflichtungen des Lebens absolvieren kann. Aber jetzt bin ich schlauer und während ich das hier so schreibe bin ich stolz wie Oskar ;-).

Aber es sind nicht nur rein die 16 Stunden Training, die mich mit einem glücklichen Lächeln auf die Zeit zurückblicken lassen. Es sind auch die Inhalte...die Kleinigkeiten, die in der Woche passiert sind. Denn es war alles andere als langatmiges, monotones Trainingsstunden kloppen.

Der 5-Tage-Zyklus begann mit dem Celler-Wasa-Lauf am Sonntag. Nachdem ich die bisherige Vorbereitung tatsächlich eher mit großen Umfängen, aber wenig Tempotraining gestaltet habe, hatte ich keine Ahnung, was ich wohl in der Lage sein werde über 20km in einem Wettkampf zu laufen. Die 1:28:31 Std. bei -3 Grad, Schneefall und eingebettet in 2 Stunden Indoor Cycling waren erheblich besser, als ich es mir selbst zugetraut hätte. Hier die ganze Story dazu.

Nachdem der Montag dann ganz im Zeichen von regenerativem km-Fressen auf dem Rad und in den Laufschuhen stand, sollte dann Dienstag die Intensität wieder steigen. Der Tempoerfolg am Sonntag beflügelte mich und so beschleunigte ich meine Intervall-Zeiten auf 3:50er-Pace (statt 4:00 in den letzten Wochen) über 5x1000m - was auch recht problemlos funktionierte.

Unmittelbar nach dem Intervall-Lauf dann die wöchentliche Schwimmeinheit im Verein. Jeder, der etwas von Trainingsgestaltung versteht wird jetzt sagen "was für ein Blödsinn, erst Laufintervalle kloppen und dann gleich ins Becken zum Schwimmtraining". Recht habt ihr, aber die Einheit Dienstags um 21 Uhr ist die einzige, wo ich die Möglichkeit habe mit Schwimmtrainer zu trainieren und daher ein unbedingtest Must-do (Schwimmen ist definitiv meine aller-aller-allergrößte Baustelle). Andererseits ist der Dienstag abend trainingstechnisch zu wertvoll um bis 21 Uhr gar nichts anderes zu tun und entspannt ins Schwimmtraining zu gehen. Die Schwimmeinheit verlief sogar besser als gedacht. Und da wir diesmal den Schwerpunkt Beine eher am Anfang der Stunde hatten, habe ich den - im Gegensatz zu einigen Einheiten in den letzten Wochen - auch noch ohne größere Wadenkrämpfe mitmachen können.

Die Augen geöffnet hat mir aber insbesondere eine Übung, die wir eher just-for-fun ganz zum Schluss des Trainings gemacht haben. Der Trainer nannte die Übung "Lokomotive". Zwei Schwimmer auf einer Bahn, der hintere hält die Füße des Vordermann fest, der vordere krault, der hintere macht die passenden Beinbewegungen dazu. Da ich in der Gruppe der langsamste Schwimmer bin, durfte ich mich an den Trainer dranhängen. Es war eine Art "Erlebnis der dritten Art" auf diese Weise mal zu erleben, wie schnell man sich im Wasser überhaupt bewegen kann. Das Gefühl, wie schnell die Kacheln vorbeiflogen werde ich so bald nicht vergessen. Und auch als ich dann Vorne dran war, kam der Geschwindigkeitsimpuls eher vom Beinschlag des Trainers, als von keinen Armzügen. Einerseits war die Erfahrung toll, da ich merkte, was man im Schwimmen noch so erreichen kann - andererseits war es deprimierend, wie weit ich davon noch weg bin.

Mein Problem dabei ist, dass ich gar keine Ahnung habe, wie ich eine solche Geschwindigkeit aufbauen soll. Wenn ich mir das Marathontempo eines Kenianers nehme (>20km/h), dann weiß ich was ich tun muss um das Tempo auch kurz zu laufen...ich kann es nur 2 Minuten beibehalten, der Kenianer halt 2 Stunden. Aber im Schwimmen schaffe ich es noch nicht mal für 10m eine höhere Geschwindigkeit aufzubauen...von 3,8km für die Langdistanz mal ganz zu schweigen.

Mittwoch abend dann auch eine neue Trainingserkenntnis. Da ich ja eigentlich einen guten "Lauf" hatte, wollte ich abends nach der Arbeit auch eine längere Einheit folgen lassen. Nach einer Stunde Indoor Cycling sollte es in den Laufschuhen weitergehen. Aber ich habe schon nach 6km bemerkt, dass dies nicht der Abend des Lauftrainings werden sollte. Es war kein Zusammenbruch oder so, aber meine Beine haben recht klar darum gebeten doch etwas Regeneration, statt neuerlicher Belastung zu erfahren. Dem habe ich dann auch stattgegeben und es dann auch vom Kopf her genossen mal eine Stunde auf dem Sofa "runterzukommen", statt wie die Abende zuvor gegen 23 Uhr gleich von der Haustür ins Bett zu wandern.

Der A-ha-Effekt war dann auch gleich, dass ich Donnerstag morgen wach wurde und Lust auf Laufen hatte. Eigentlich war nur eine knappe Einheit vorgesehen, ein bisserl Kraftraining und je nach Zeit ein paar Bahnen schwimmen. Statt dessen wurde es ein herrlicher 18km-Lauf an der frischen Luft. Tolles Gefühl auf der Arbeit aufzuschlagen und schon 18km Laufen im "Haben" zu wissen.

Donnerstag abend dann die Gegenerkenntnis zum Lokomotive-Schwimmen am Dienstag. Nach einer Stunde Cycling habe ich mich wieder ins Wasser gewagt. Diesmal allerdings ohne klaren Plan, was ich für eine Einheit absolvieren will. Sondern mit dem Ziel herauszufinden, wie ich für einen kurzen Moment das Geschwindigkeitsgefühl von Dienstag aus eigener Kraft erreichen kann. Nach Einschwimmen und so dem üblichen Set an Technikübungen ging es los und ich habe einiges ausprobiert. Es hat etwas gedauert, aber ich habe mit Teilerfolgen das Wasser verlassen. Zum Verständnis: ich schwimme sonst immer so rund um die 2:30Min auf 100m - dieses Kraultempo kann ich so 1500 bis 2000m konservieren. Aber selbst für 40m (2 Bahnen in meinem Fitnessstudio-Becken) bin ich auch nie signifikant schneller gewesen. Am Ende der Einheit bin ich einmal 40m mit Pullbuoy in 40 Sekunden (= 1:40Min/100m), einmal 40m ohne Pullbuoy in 47 Sekunden und einmal 100m mit Pullbuoy in 2:04 Minuten. Schade um die 2:04 - ich wäre gerne mal 100m am Stück unter 2 Minuten geschwommen. Aber das kommt - ich glaube ich habe gestern sehr viel mitgenommen, wie ich einen effektiveren Armzug unter Wasser gestalte.

Den Abschluss bildete noch ein 12,1km-Neuschneelauf heute morgen. Zwar kalt mit -7 Grad, aber immerhin strahlend blauer Himmel. Ohne Tempovorgaben losgelaufen, teilte mir das GPS hinterner mit, dass ich immerhin eine 4:50-Durchschnittspace gelaufen bin. Die Sonne scheint zu beflügeln.

Jetzt fühle ich mich wunderbar! So mühsam es ist, sich nach der Arbeit aufzuraffen und zu wissen, dass zwischen 2:30 und 3:30 Stunden Training auf dem Programm stehen. So erleichternd empfinde ich das Gefühl, wenn man es dann geschafft hat. Jetzt ist nochmal die Steigerung davon - 16 Stunden Belastung in 5 Tagen! War ICH das? Ja? Toll!!!

Im Auto auf dem Weg zur Arbeit habe ich erstmal das Radio kräftig aufgedreht und meine Freude rausgebrüllt. Im Kofferraum lag der gepackte Koffer für mein Wochenende in London. Nachher um 16:50 Uhr geht der Flug. Im Koffer sind übrigens keinerlei Sportutensilien - jetzt stehen knapp 3 Tage Regeneration auf dem Programm. Dann Montag/Dienstag nochmal etwas intensiver trainieren und dann Mittwoch bis Sonntag auf ganz niedrigem Niveau nur ab und zu die Muskeln und Gelenke ölen. Ich finde, das habe ich mir verdient!!!

3.333335
Gesamtwertung: 3.3 (3 Wertungen)

So in der Zusammenfassung

So in der Zusammenfassung klingt das noch beeindruckender als in Deinen täglichen Lauf-Auflistungen. Vor allem und von Weitem gesehen ers eintmal zeitlich bei all dem anderen, was Du so machst. Aber bei näherem Hingucken dann auch inhaltlich, Respekt, und selbst wenn ich schnelle Zeiten von Dir gewöhnt bin, erscheinen diese in der Wochenabfolge dann wieder sehr, sehr beeindruckend. Gut, daß Du ein bißchen flexibel in Deinem Plan sein kannst, Bauchgefühle und Sofa-Tendenzen müssen berücksichtigt werden. Hast Du diese Woche prima hinbekommen.

Am Schwimmen mußt Du irgendwie dranbleiben, es geht ja durchaus voran (ich lese meine "Milestones" immer mal wieder in einer extra-Tabelle nach, und wenn es nur Gefühle beim Schwimmen sind, denn sonst verliert man im täglichen Einerlei den Glauben an seine Fortschritte). Und für den IM setzt Du eindeutig die perfekten Prioritäten hinsichtlich der drei Disziplinen.

Genieße Dein Wochenende in London, grüß' schön, erhole Dich (auch vom Kopf her wirst Du sicher eine tolle Auszeit haben), bis bald

LG Britta

und genau dafür halte ich

und genau dafür halte ich Tri-athleten immer noch für die vollkommensten Sportler. Da ist so ein popel Läufer nix gegen.

Hast jedenfalls meinen Respekt!

Gruß
Sven

Blog auf www.SchnelleGurke.de/blog
tweet @SchnelleGurke

Chapeau!

Du lebst meinen Traum. Beeindruckend!


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