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...aber auch nur durchschnittlich...

Mal kurz die Zeitmaschine knapp 5 Monate zurück gedreht, da habe ich hier im Blog von der "Celler Hitzeschlacht" beim damaligen Volkstriathlon geschrieben. Damals hat der Wettbewerb bei 37 Grad Celsius stattgefunden ***Zeitmaschine zurück*** gestern war ich dann wieder in Celle. Diesmal für den Celler Wasa Lauf. Und auch diesmal gab es extreme Wetterbedingungen.

Kurzer Exkurs: Als ich für den Lauf meldete, war meine Überlegung die rund 60km ab heimatlichem Sofa per Fahrrad anzureisen. Offen war eigentlich nur die Frage, ob es wohl schon warm genug für eine Rennradausfahrt sein wird, oder ich zum MTB greife. Der Verlauf der letzten Woche ließ ja auch noch alle Optionen offen, aber die Wettervorhersage für das Wochenende ließ schon das Schlimmste erahnen. So trat es ja auch ein und nachdem schon der Samstag wieder mit Temperaturen um den Gefrierpunkt auf sich aufmerksam machte, gesellte sich über Nacht noch erheblicher Schneefall und ein weiterer Temperatursturz auf -3 Grad dazu.

Schwupps...Planung im Eimer - aber die 4h Sport standen nun mal im Trainingsplan. Also flexibel sein. Aus der Fahrradanreise wurde dann zum Warmwerden eine morgentliche Stunde Indoor Cycling. Gleich darauf hieß es warm anziehen und mit dem Auto Richtung Celle fahren.

Aber nochmal einen Schritt zurück. Als ich Sonntag morgen aufgewacht bin und draußen den Schnee erkannte, stellte sich mir die Frage, welches Laufoutfit ich wohl mitnehmen sollte. Da ich noch keinen Temperaturtest gemacht hatte und vor dem Zweitkaffee auch zu faul war einen durchzuführen, packte ich einfach mehrere Optionen ein - würde mir wohl spontan vor Ort schon das richtige Outfit einfallen.

Entgegen meiner sonstigen, ambitionierten Zeitplanung war ich diesmal sogar sehr pünktlich vor Ort und ich holte meine Startnummer ab. Ich erhielt sie mit dem Kommentar "da hängt sogar noch ein Gewinn dran". Diesen Kommentar nahm ich zur Kenntnis und wanderte zurück zum Auto um mich ins Wettkampfoutfit zu begeben. Auf dem Weg dahin kam ich auch an der Hütte vorbei, wo es die "Verlosungsgewinne" gab. Ich erhielt ein Paket Knäckebrot - war ja schließilch auch der WASA-Lauf - und musste mit dem Ding in der Hand die verbleibenden 400m zum Auto gehen. Der Effekt war, dass mir binnen Sekunden die Finger fast abfrierten, was wiederum signifikanten Einfluss auf meine Auswahl des Wettkampfdress haben sollte. Auf die Frage "Welches Outfit" kam mir sofort als Antwort "ALLE" in den Sin..."übereinander". Also wurden es zwei lange Lauftights übereinander, ein T-Shirt, ein warmes Langarm-Kompressionsteil, ein Langarm-Funktionsshirt und dann das eigentliche Wettkampftrikot. Als ich dann noch die Accessoires Handschuhe und Mütze ergänzte, ärgerte ich mich noch das Buff-Tuch vergessen zu haben, denn schon im gehen tat der ins Gesicht gewehte Schnee weh - das sollte beim Laufen wohl nicht besser werden. Die einzigen Klamotten, die ich nicht am Leib hatte war ein Minimum an Kleidung, die ich hinterher anziehen konnte um mir alles nasse und eingefrorene Zeug vom Leib streifen zu können.

Vom Auto aus lief ich mich ein paar Meter warm und dann stand ich auch schon am Start. Ich hielt Ausschau nach anderen Jogmappern, suchte aber leider vergebens. Wie ich eben auf Fotonachweisen vernehmen konnte, lag dies primär an den Versuchen der Totalvermummung und den damit verbundenen Schwierigkeiten die Gesichter wiederzuerkennen. Kernerkenntnis: andere haben ihre Buff-Tücher nicht vergessen.

Wenig später folge auch schon der Startschuss aus der Kanone des Altenceller Schützenvereins. Ich hatte mir eigentlich gar keine Gedanken gemacht, was ich zeitlich so anstrebe. Wie auch, da ich derzeit in der Ironman-Vorbereitung eigentlich nur lange Umfänge bolze und ziemlich wenig Tempogefühl habe. Aus dem vollen Training heraus und mit der Stunde Cycling in den Beinen wär ich wohl schon mit einer 1:35h (=4:45 Pace) zufrieden gewesen. So als Optimum angestrebt vielleicht eine 4:30er-Pace und mal sehen, wie lange ich das wohl durchhalte.

Wie immer habe ich mich erstmal vom Anfangstempo der anderen Starter mitziehen lassen - der erste km ging in 4:16 weg, also ein wenig Tempo rausnehmen. Dann war ich aber auch schon sehr schnell im Trott meines Wunschtempos. Die km 2 bis 17 gingen alle zwischen 4:23 und 4:31. Auch das Feld sortierte sich ein. Ich wurde noch von einigen Mitläufern überholt, u.a. von einer Läuferin, die später im Rennen noch eine größere Bedeutung für mich haben sollte. Schließlich war eine Gruppe von 5 Läufern vor mir, die mir gefühlt zu schnell waren um aufzuschließen und so km für km den Abstand zu mir vergrößerten.

Ich wartete eigentlich die ganze Zeit auf einen Einbruch. Die km 10, 11 und 12 lagen exakt zwischen 4:30 und 4:31 und da dachte ich das wäre die Ermüdung und meine Zeiten würden jetzt weiter sukzessive langsamer werden. Ein Blick auf die Pulsuhr zeigte aber, dass ich immer noch im GA1-Pulsbereich unterwegs war und ich offensichtlich einfach nur zu faul war mir selbst in den Hintern zu treten und das Tempo beizubehalten. Also bin ich wieder auf knapp unter 4:30 gegangen und zu meiner Freude ging das problemlos - am Puls hat sich auch dadurch nichts verändert. Ich fühlte mich sehr gut und hatte den Eindruck ich könnte noch schneller, aber 7km vor dem Ziel war mir das Risiko zu hoch, dann doch wieder einzubrechen.

Durch meine Tempoverschärfung wurde ich aber erst einmal meine Mitläufer los, die erst noch laut schnaufend mitgingen, dann aber von eine Sekunde auf die andere abreissen ließen. Und beim Zieldurchlauf nach der dritten 5km-Runde hatte ich auch den Eindruck, dass erstmals meine 5er-Gruppe vor mir wieder etwas näher kam. Wurden die etwa müde? Geht da nochwas? Jetzt war ich mir schon fast sicher, dass das ganze Ding ein gutes Ende nehmen wird. "Sub1:30" wird es wohl werden - hört sich gut an für einen 20km-Wettkampf unter diesen Bedingungen - auf einen Einbruch meines Lauftempos wartete ich jetzt nicht mehr. Und nach überstandenem km17 war ich mir dann sogar sicher, dass ich auch eine Endbeschleunigung solide ins Ziel bringen würde. Km18 ging noch in 4:26 durch, der vorletzte in 4:21 und mein Puls überstieg immerhin erstmals die 85%-Pmax. Jetzt war die Gruppe mit der Läuferin, die mich bei km3 überholt hatte schon in Reichweite - "bis zum Ziel habe ich sie" und ich beschleunigte nochmal. Ich musste gar nicht bis zum Ziel warten, irgendwas 600m vor dem Ziel war ich an der Gruppe vorbei und ich überholte noch einen Läufer nach dem anderen. Leider konnte ich nicht mehr bei jedem differenzieren, ob es ein Überhol- oder Überrundungsvorgang war. Weiter als die Gruppe vor mir hatte ich 16km lang nicht nach vorne geblickt. Aber ich war im "Flow". Auf der Zielgeraden noch einen Sprint gestartet und dort auf jeden Fall noch einen Läufer überholt, der dann gleich hinter mir auch in den Zielkorridor einlief.

1:28:31 Std. sollte es laut Ergebnisliste sein, 4:26-Durchschnittspace und ich bin stolz wie Oskar. Ich will nicht in übertriebene Selbstdarstellung ausufern, aber ich hätte nach dem Zieleinlauf auch locker noch weiterlaufen können. Ein kurzer Stopp an der Zielverpflegung, noch ein paar Minuten an der Strecke gestanden, ob ich nicht doch noch ein paar Jogmapper treffe - dann wurde mir in den nassen Klamotten doch zu kalt und ich wechselte in meine Nach-dem-Lauf-Notbekleidung.

Der Lauf war für mich ein neuerlicher Beweis, dass sich die Stunden um Stunden Training der letzten Wochen wirklich auszahlen. Ich trainiere kaum Tempo, aber allein die deutlich erweiterte Grundlagenausdauer scheint schon zu reichen solche Läufe zu bringen. Ich fände es fast spannend für mich herauszufinden, was denn aktuell wirklich meine Grenze ist...diese ausgereizt habe ich - soll nicht überheblich klingen - gestern noch nicht. Letztes Jahr beim Berliner Halbmarathon bin ich auf 20km runter gerechnet knapp unter 1:26 Std. gelaufen. Eine PB war dieser Lauf also nicht - war als solcher aber auch nicht ausgelegt. Am 7.April bin ich in Berlin wieder am Start. Es sollte eigentlich ein Trainingslauf in der weiteren Ironman-Vorbereitung werden, aber es kitzelt schon dort die PB von 1:29:52 Std. anzugreifen. Mache ich aber spontan - mal abwarten, ob der Winter bis dahin dann endlich gelaufen ist.

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Ungeheuerlich...

... durchgängig sagenhafte Leistungen in Celle! Wie macht Ihr das bloß? Bei dem Wetter? Ich fass' es nicht... Bin heute schon zum dritten Mal beeindruckt. Auch Dir Glückwunsch zu einem tollen Lauf.

yazi (die echt keinen Schnee mehr sehen kann)

Sehr beeindruckend!

Sauber durchgezogen! Schade, dass wir uns hinterher nicht mehr gesehen haben.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Hat hier einer der Blogger

Hat hier einer der Blogger eigentlich schon jemand erwähnt, daß es in Celle nur Brutto-Zeiten gibt...??? Ts, das ist mal eine saubere Ausbeute für mich als eher nachlässigen Neu-Gruppen-Manager: Bisher 4 Blogs von 6 (+1GöGa) gestarteten Jogmappern, alles PBs / Erfolgsgeschichten / gänzlich unerwartete und keinesfalls überzubewertende Höchstleistungen. Von No. 5 (--Thomas--) weiß ich, daß auch er sein Ziel erreicht hat, ich habe ihn vor dem Start getroffen und inzwischen seine Zeit gefunden. Auch gut gelaufen. Boah. Nächstes Jahr ziehen wir das hier bei traumhaften 15 Grad (plus!) jogmap-mäßig ganz neu hoch!

Aber ich schweife ab... danke Dir Daniel für auch diesen schönen Bericht! Kein Wunder bei Deiner Ziel-Zeit, daß Du keinen von uns 20km-Mit-Startern im Ziel sehen konntest, ohne kalt zu werden. Es war nicht das Wetter, stundenlang draußen zu warten :) Ich gratuliere und freue mich riesig für Dich, welch eine tolle Bestätigung Deines IM-Plans. Und das bei all Deinen sonstigen Wochenend-Belastungen, super gemacht! Dein Juli-IM-Wochenende werde ich mitfiebernd am Rechner verbringen, das wird, ich bin mir sicher.

Schön, daß Du immerhin schon pünktlich am Start warst, das mit den Nachlauftreffen werden wir hoffentlich noch in den Griff bekommen :))

LG Britta

PS: Hier nochwas Winterliches zum Angucken:

Impressionen vom Celler Wasa-Lauf 2013 im Video von CelleHeute.TV

PS2: @Henry: Mit "rum" meinst Du "immmer im Kreis rum" ??

Ach ja, stimmt. Vor lauter

Ach ja, stimmt. Vor lauter Selbstbeweihräucherung habe ich versäumt zu erwähnen, dass es eine tolle Laufveranstaltung war. Für das Wetter kann der Veranstalter nichts...lediglich den Termin später ins Jahr legen, aber dann sind ja bestimmt gleich wieder 37 Grad (Celle ist halt eine Stadt der Extreme).

Mir hat vor allem die Strecke gefallen. Ein 5km-Rundkurs, der durch die Bank sehr abwechslungsreich ist. Es geht über viel Kopfsteinpflaster durch die sehr schöne City, durch den Schlosspark, ... ich bin kein Cellerer ... die Details müsst ihr beschreiben. Jeder km ist anders und wenn man 5 gelaufen ist, dann geht es gleich wieder von vorn los. Toll auch der "Moderator" bei km 4, der sich Mühe gibt jeden passierenden Läufer namentlich zu erwähnen und zu motivieren.

Es gibt unterwegs zwei Getränkestationen (muss man selber überlegen, ob man die bei 20km braucht). Einmal habe ich aus Langeweile zum Iso gegriffen und es war angefroren(!). Im Ziel wurden aufgewärmte Isogetränke gereicht - gute Idee und das obligatorische alkoholfreie Bier (hier mal wieder Krombacher statt Erdinger) gab es auch. Einzig als Anregung könnte man zumindest im Ziel auch etwas essbares reichen, Bananen oder so. Davon gab es nichts.

Sofern es terminlich passt, werde ich nächstes Jahr definitiv wieder starten - egal ob es 37 oder minus 3 Grad hat. Celle ist einfach extrem...

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