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Alles fing damit an, dass ich die Information bekam, der Weg vom Plateau des Drachenfelses im Siebengebirge über eine kleine Treppe und dann steil nach Rhöndorf ins Rheintal sei nach Abschluss der Umbauarbeiten endlich wieder freigegeben. Da dies der offizielle Verlauf des Rheinsteiges ist und in den letzten Jahren zu Umleitungen des Rheinsteig-Extremlaufes geführt hatte, wollte ich die Wiedereröffnung dokumentieren und aller Welt bekannt geben.

Als dann gestern morgen auch noch die Sonne schien und endlich ein entspanntes laufen möglich machte, raffte ich mich auf, schnappte mir die kleine Kamera und begab mich in die Nähe des beliebten Touristenfelses in Königswinter. Startort sollte der große Parkplatz am Lemmerzbad sein, wo auch der Löwenburglauf seinen Ausgang findet. Von hier aus ist es nicht sehr weit bis zu Gipfel, wenn auch recht steil. Aber es sollte ja auch kein Langstreckenlauf werden, die Zeit für das Unternehmen war halt begrenzt.
Zum Parkplatz kam ich erst gar nicht, die Zufahrtstraße dorthin wurde schon auf der Talsohle instand gesetzt und war gesperrt. Also fuhr ich um den Drachenfels herum, um einen der weiteren, wenn auch ungleich schwierigeren Aufstiege, zu finden. Fast schon am Ende des Ortes gab es dann eine weitere Möglichkeit, die aber eine erhebliche Verlängerung des Weges bedeutete. Trotzdem machte ich mich im Trippelschritt auf die sehr steile Piste. Sie hätte mich weiter oben mitten in die touristischen Lokalitäten des Drachenfelses geführt. Nach einigen hundert Metern zweigte ein mir interessant erscheinender Wanderweg ab, der mich mit der Notiz : „Gesperrt wegen Einsturzgefahr!“ begrüßte. Wissend, dass es sich bei besagtem Einsturz um die mittlerweile erneuerte Umfassungsmauer des Schloss Drachenburg handelte, schlug ich diesen Weg ein und stapfte bergwärts.

Das ging erstaunlich gut, der Untergrund war schön weich, die Mittagssonne spendete angenehme Wärme und die Ausblicke auf das Rheintal waren interessant, weil selten gesehen.

Bald jedoch hatte der schöne Weg ein jähes Ende, Er war offensichtlich einer zurückliegenden Landschaftsbau-Maßnahme zum Opfer gefallen. Es gab keinen rechten Weg mehr nach oben, nur noch einen linken, sehr rudimentären ... Immer an der neuen Mauer rund um den Schlosspark entlang kletterte ich mehr, als ich lief, den Berg hoch. Die Sonne stand günstig und die Vegetation war um diese Zeit noch sehr offen, so konnte ich durch den Zaun einen Blick auf die hell von der Sonne beleuchtete restaurierte Schlossanlage werfen, den man sonst nur gegen Bares aus dem Park oder incl. beim Drachenlauf erhalten kann.

Endlich kam ich auf einen regulären Wanderweg, den aber seit Jahren wegen Felssturz gesperrten Eselweg zum Gipfel. Fast wäre die Aufhebung der Sperre in diesem Frühjahr denkbar gewesen, aus Naturschutzgründen können die Geologen aber erst im Herbst ihre Arbeit aufnehmen. Trotz meiner törichten Absicht, den Weg zu belaufen, stieß ich nach einigen Metern bergwärts auf eine ignorantensicher verankerte Absperrung, die mich zur Umkehr veranlasste. Um auf den rechten Pfad zum Drachenfelsgipfel zu gelangen, musste ich den Eselweg ein Stück talwärts joggen, was mich abermals vor eine nicht minder sichere Verbarrikadierung führte. Ich war in eine Falle geraten. Nur durch beherztes Klettern entlang der Absperrmauer konnte ich meine Lauffreiheit wiedererlangen.
Die nun erlaubte Umleitung erforderte aber einige Meter Serpentinen mehr als geplant. Nach etwa einer viertel Stunde kam ich dann doch auf dem Plateau an und machte mich daran, das legendäre, nun erneuerte Treppchen zu fotografieren. Prompt wurde ich durch die Pflastererkolonne daran gehindert, die das Areal weiträumig abgesperrt hatten und emsig Platte an Platte legten. Nur durch den Bauzaun konnte ich den verrammelten Abstieg dokumentieren. Hier lief sobald niemand durch!

Ich hoffe, dass bis zu den Osterfeiertagen alles fertig ist und ich dann endlich erfolgreich vom Durchgang berichten kann.

So blieb mir nichts weiter übrig, als das obligatorische Beweisfoto vom Drachenfels zu machen und dann den Rückweg, nun über die asphaltierten Touristenpfade, vorbei an Nibelungenhalle und Reptilienzoo anzutreten. So wurden immerhin gut 8 Km Bergstrecke aus der kurzen Erkundung und das Erlebnis einer bisher noch nicht belaufenen Route. Die nun aus voller Kraft scheinende Frühlingssonne gab der ganzen Aktion natürlich einen besonderen Reiz. So kann das Laufjahr nun kommen.

Hofpoet

4
Gesamtwertung: 4 (4 Wertungen)

Baustellen sind doof

lassen sich aber leider nicht vermeiden, zumal eure Gegend wohl eine Reise, respektive Läufchen wert sein muss! Schon allein das Schloss lohnt, obwohl man sich dieses offensichtlich erst mal hart erkämpfen muss!
;-))

*seufz*

da würd ich auch mal gern in der Mittagssonne cruisen!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Sag mal,

da ist ja überall URLAUB!!!
Als mein Jüngster noch richtig klein war, hat er bei solch schönen Orten immer gefragt: "Wohnt da der liebe Gott?" Eine wirklich schöne Bergstrecke...glaub ich muss nochmal schnell laufen gehen:-)

Lieben Gruß
Tame

soooo schön

...Mut zur Langsamkeit!...

Mein Dad...

... sagte früher immer zu mir, "nur einen Esel kann man zweimal verarscxxn"... Ich meine ja nur wegen deinem Eselsweg da!?!? Konntest du dir nicht eine Eselsbrücke für den Rückweg merken mmuuuhhahahaha :0))))))))))....!?

:0( Sorry, ich fands halt jetzt lustig...

Hach Chris :0)! Du hast dort so eine schöne Laufstrecke *seufz* herrlich, einfach nur schön...
Da würde ich mich auch mal gerne verlaufen ;0)...

Gruß, Kaw.

Boah wie schön!

SOIFZ. Und so schöne Fotos! Richtiger Genuss.

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