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Jetzt hat es mich also tatsächlich erwischt. "Übertraining" war für mich immer so ein abstrakter Begriff.
Ich war immer ein Genussläufer und konnte mir nur schwerlich vorstellen jemals in so einen Zustand zu gelangen.

Aber wie das Leben eben so spielt - war ich sonst immer nur für mein eigenes Wohlbefinden gelaufen und hatte ab und zu mit Freunden an einigen kurzen Volksläufen teilgenommen, Zeit spielte keine Rolle, im Ziel anzukommen war das Schöne an der Sache - eine Job-Rotation in ein extrem sportliches Umfeld brachte mich im vorletzten Jahr dazu das Training nicht nur deutlich auszuweiten sondern auch zu systematisieren. So weit so gut. Alles war toll, das Training machte unglaublich viel Spaß, die Zeiten auf den Volkslaufdistanzen verbesserten sich dramatisch und der immer mal wieder vor mich hingeträumte Traum einmal an einem Marathon teilzunehmen rückte in greifbare Nähe.
Also angemeldet und in die Tat umgesetzt, im September 2012 lief ich erfolgreich meinen ersten Marathon! Was für ein Gefühl! :) Das wollte ich nicht wieder missen...
Nach angemessener Regenerationszeit also wieder ran ans Training. Inzwischen aus der Job-Rotation zurückgekehrt auf die alte Stelle und damit deutlich weniger Zeit fürs Laufen. Aber egal - die Zeit bei anderen Dingen gespart, keine Zeit mehr auf dem Sofa vor dem Fernseher sondern stattdessen draußen in Laufschuhen verbracht. Fühlte sich ja gut und richtig an - trotz der langsam aufkommenden Skepsis meines Liebsten ob ich mir nicht ein bisschen zuviel zumuten würde. Quatsch, dachte ich, was mir im Sommer gut getan hat kann ja im Winter nicht schlecht für mich sein. Also munter weiter trainiert bis mir eine Adduktorenzerrung eine Zwangspause verordnete. Wie unglücklich man sein kann wenn man sich an das regelmäßige Training gewöhnt hat und dann auf einmal nicht mehr kann... :(
Nachdem ich wieder ins Training einsteigen konnte, froh und motiviert ans Werk ging, kam prompt der nächste Rückschlag - eine fiese und hartnäckige Erkältung. Eine Woche Pause, dann ging es sechs Wochen gut, dann die nächste dicke Erkältung. Und das, wo ich doch sonst immer so eine robuste Gesundheit hatte und so gut wie nie krank war. :(
Also über die Feiertage nochmal ausgiebig pausiert und dann im Neuen Jahr mit meiner Trainingspartnerin wieder an die Vorbereitung gemacht für unser nächstes Laufziel - man wird ja mit der Zeit doch ehrgeizig ;) - den Hamburg Marathon.
Nach zwei Wochen "Wiedereinstiegs-Training" starteten wir dann mit unserem neuen 12-Wochen-Plan, ganz schön fordernd, aber es lief gut und machte Spaß! Eigentlich - wenn nicht Eis und Schnee und Schmuddelwetter immer mehr an den Reserven gezehrt hätten. Immer öfter kam mir der Gedanke, oje, nachher schon wieder Training... Das war wohl das Warnzeichen dass ich geflissentlich ignorierte, Trainingsplan ist schließlich Trainingsplan und die Zeit in HH soll ja besser werden als unsere Zeit beim Marathondebüt in MS. Also immer schön weiter, Kilometer für Kilometer, auch wenn es mal keinen Spaß macht...
Dann hat es meine Trainingspartnerin und mich gleichzeitig erwischt, eine Woche Trainingspause für uns beide, da sie ihren Husten nicht in den Griff und ich mein Fieber nicht runter kriegte... Schöne Sch... :(
Letzte Woche sind wir dann wieder eingestiegen in unseren Plan - aber was soll ich sagen - wahrscheinlich unvernünftigerweise schon wieder mit vollem Umfang, inklusive Halbmarathon-Teilnahme letzten Sonntag, unglaublich anstrengend bei Eis und Schnee und gefühlt arktischen Temperaturen. Nach dem Zieleinlauf musste ich noch kurz auf meine Laufpartnerin warten - 7 Minuten können allerdings seeeehr lang werden wenn man durchgefroren in der Kälte steht - die natürlich den Autoschlüssel und damit den Zugang zu trockenen Wechselklamotten bei sich trug, so ein Mist. :(
Die Quittung kam prompt, seit Dienstag plage ich mich nun mit einer Kehlkopfentzündung herum, kann schon wieder nicht trainieren - und frage mich wie das mit HH in 7 Wochen bloß klappen soll... :(
Auch wenn ich es nicht gerne zugebe sind das wohl die klassische Symptome des Übertrainings, ständig krank und wenig Lust! Unglaublich dass es so weit kommen konnte... :(

Jetzt heißt es wohl pausieren, dann mit geringerem Umfang wieder einsteigen, den Laufspaß wiederfinden und dem Körper besser zuhören wann es ihm reicht und ihn nicht mehr zu zwingen, mir in Form des nächsten Infektes ein weiteres Stoppschild vor die Nase zu halten weil der Kopf wieder mehr will als der Körper kann!

Hat jemand von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Und vielleicht Tips, wie das Lauf-Tief zu bewältigen ist???

Grüße aus MS von einer frustrierten, aktuell stimmlosen, aber hoffentlich bald wieder genesenen und dann auch wieder marathonlaufenden Nanni!

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Du bist nicht...

...Übertrainiert, sondern nur nie richtig auskuriert!! Behaupte ich jetzt mal ganz frech ;0)...
Übertraining, macht sich durch Müdigkeit(Schlaflosigkeit), Schlappheit, Erschöpfung, bemerkbar...

Weil dein Training hört sich im Grunde genommen,(wenn man Gesund ist)vernünftig an...

Gruß, Kaw.

Eine sehr gut beschriebene

Eine sehr gut beschriebene Darstellung von typischem Übertraining. Ging mir zu Beginn meiner Laufkarriere ähnlich, obwohl ich von Krankheiten oder Verletzungen zum Glück weitgehend verschont geblieben war. Aber dieses Gefühl von Lustlosigkeit, fehlender Motivation und sich endlos quälend hinziehende Kilometer kenne ich auch gut.

Und es hilft nur eins: Pause - die natürlich im krassen Gegensatz zum Trainingsplan steht.

Für mich habe ich eine ganz gute Regelung gefunden. Ich fahre meine Trainingsumfang ab Oktober regelmäßig runter. Und zwar richtig runter. Im Winter macht mir das Laufen sowieso nur halb so viel Spaß. Die Schneeromantik kommt in unseren Breiten nur selten auf. Also belasse ich es in der Regel bei einer Laufeinheit pro Woche. Man verliert zwar schon etwas Form aber die kommt wieder. Hier ein Beispiel.

Bei einem geplanten Frühjahrsmarathon muss man natürlich eher wieder einsteigen. Wichtig ist, dass du dich erstmal richtig auskurierst. Hamburg kannst du noch in Angriff nehmen, wenn auch mit geändertem Zeitziel. Die Bestzeit würde ich mir aber für einen anderen Lauf aufheben.

Ich wünsche dir gute Besserung und trotz allem viel Spaß beim Training und natürlich in HH.

Gruß

Sirius
...der im Wintermodus rennt. (Na ja, nicht mehr ganz.)

sehe ich wie Kawitzki

Zum einen richtig auskurieren und dann erst einmal mit 1-2 Wochen lockerem Training wieder einsteigen und dann im Trainingsplan auch wieder entsprechend "zurück stufen"
Außerdem der Hinweis, dass man bei Schnee und Eis nicht seinen normalen Trainings- und Zeitplan zugrunde legen sollte. Läufe auf dem Untergrund bringen Kraft und Koordination, und die Kälte (Atemluft) erlaubt kein zu hohes Tempo. Dembo kann man bei etwas Plusgraden und schneefreien Untergrund dann wieder machen und stellt überrascht fest, dass man nichts verloren hat. ;-)

Viele Grüße und gute Besserung!

Jogger63

Wie meine Omma zu sagen pflegte: Essen und Trinken schmeckt und bei der Arbeit sticht's

Ob Übertraining oder zu früher Wiedereinstieg...

...nach den jeweiligen Erkrankungen - wie Du es nennst ist doch letztlich egal. Die Kunst besteht darin, den Fehler nicht dauernd zu wiederholen.
Wenn ich lese "fiese Erkältung" und (nur) "eine Woche Pause" und "voll ins Training eingestiegen" dann klingeln bei mir die Alarmglocken.
Gönn Dir nach den Infekten ein bisschen mehr Zeit, steige mit reduziertem Training wieder ein und lerne, auf Deinen Körper zu hören. Ich weiß, das klingt viel einfacher als es ist, aber auch Du wirst das lernen (müssen).
Kopf hoch! Bald ist Frühling! Dann klappts auch mit der besseren Stimmung.
Und in der Zeit, in der Du nicht laufen kannst, kannst Du spazieren gehen. Da hast Du auch frische Luft um die Nase und kannst die Seele baumeln lassen.

Immer der gleiche "Fehler"

Das kenne ich gut. Inzwischen merke ich ganz gut, wenn ich beim Training über das Ziel hinaus schieße. Es fängt an mit Schlappheit und Müdigkeit, was von frau aber fleißig ignoriert wird. Die folgenden Trainingseinheiten machen dann nicht immer "wirklich" Spaß, aber egal... Und Ende vom Lied ist dann auch bei mir oft eine fiese Erkältung.
Das ist mir auch schon mehr als einmal passiert. Irgendwann begreife ich es wahrscheinlich, was es heißt auf den Körper besser zu hören.
Ich merke auch, dass ich, in solchen Zeiten, besonders auf meine Ernährung achten muss. Das Denken "Erkältung = weniger Laufen = weniger Essen" geht erst recht nach hinten los. Mein Körper braucht dann einfach Energie um wieder fit zu werden, gerade wenn das Training wieder in geregelten Bahnen weiter gehen soll.

Bei besagtem Halbmarathon war ich auch am Start (Hamm ;-)?), wer da ohne Erkältung und mit heilen Knochen gut durchgekommen ist, verdient wirklich einen Orden :-)

Grüße ebenfalls aus MS!
Nachste Woche kommt der Frühling!!!!!!!!!

mit Übertraining

hat dein Zustand nichts zu tun, eher mit Unvernunft oder auch fehlender Erfahrung.
Mich hat zu Jahresbeginn auch ne Erkältung erwischt, die wurde auskuriert und dann wieder langsam angefangen, und ich behaupte daß meine Umfänge höher liegen als bei einer klassischen M Vorbereitung.

Der Tag geht zu Ende: Überdenke noch einmal, was er dir an Sorgen gebracht hat. Ein paar davon behalte, die anderen wirf weg! Calvin O. John

wie Kawitzki

du bist nicht übertrainiert. Übertraining heißt, dass dein Körper auf Trainingsreize nicht mehr reagiert: du trainierst immer mehr, wirst aber eher langsamer und erschöpfter.

Du bist krank geworden und hast das nicht richtig auskuriert, das kann dir auch ohne Sport passieren. Ich hatte auch mal eine Kehlkopfentzündung, das war vor meinem Läuferleben ;-) Viren sind doof und hartnäckig, kann sein, dass man sich wieder gesund fühlt und arbeiten (sporteln usw.) geht, und dann kommt eben der nächste Infekt drauf. Viren kommen nicht vom Sport sondern durch Ansteckung begünstigt durch Auskühlung; anstecken kannst du dich in deinem Umfeld jederzeit. Die Wintersaison ist dafür eben gefährlicher, weil der Körper schneller auskühlt und die Anzahl der Bazillenschleudern in deinem Umfeld steigt.

Kurier dich aus, steig langsam wieder ein, Hamburg wird noch was.

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Hört sich für mich so an,

als wärst Du dem Antipoden des Schweinehundes zum Opfer gefallen.
In einem meiner Blogs habe ich die These aufgestellt, dass es das Gegenteil vom Schweinehund geben muss.
Der Schweinehund verleitet zum Wenig- oder Nichtlaufen, der Antipode verleitet zum ungesunden Zuviellaufen.
Einer der kommentierenden User hat ihn "Rennsau" genannt.
Ich fand den Ausdruck ziemlich treffend.

Weiß nicht, ob Dir dieses Denkmodell weiterhilft.
Weiterhelfen wird auf jeden Fall das Trainingsvolumen auf das Maß zu reduzieren, wo das Laufen wieder Spass macht. Aber das hast Du ja schon selbst erkannt.

krowil

7.April TG81 Frühjahrslauf 10km
28.April Staffelmarathon Düsseldorf
26.Mai Hochwald-Mittelrhein HM

Häufige Erkältungen

Häufige Erkältungen könnten vielleicht ein Zeichen von Übertraining sein. Alles Andere was du beschreibst, hat eigentlich nicht viel mit dem Zustand "Übertraining" zu tun. Eher mit den ganz normalen Fehlern, die wir alle gemacht haben und immer wieder machen. Sorge einfach dafür, dass sich diese Situationen nicht wiederholen, z.B.dass du nicht wieder frierst. Der Spass kommt von alleine, sobald du völlig gesund bist. Da ist nichts, was man nicht relativ leicht rückgängig machen kann.

Zwangspause :(

Danke für Eure Kommentare und Aufmunterungen - die kann ich aktuell gut gebrauchen... :)

Unvernunft oder ein relativ gesehen zu hartes Training für mich - klar, andere haben ganz andere Trainingsumfänge als ich und stecken die locker weg - wahrscheinlich ist es von beidem ein bisschen!

Die Unvernunft nach einem Infekt zu früh wieder anzufangen um wieder in den Trainingsplan zu kommen kennt wohl fast jeder mehr oder weniger, für diese Unvernunft bin ich vielleicht besonders anfällig... ;)

Aber trotzdem macht es mich ein bisschen nachdenklich dass ich generell so infektanfällig geworden bin. Ich hab jeden Tag kranke, schniefende Leute um mich - ich arbeite im Krankenhaus - aber jahrelang hat mein Immunsystem das problemlos weggesteckt und mich gesund bleiben lassen.
Erst jetzt mit dem höheren Trainingsumfang und - wer weiß? - vielleicht einem insgesamt zu ambitionierten Trainingsplan für den zweiten Marathon kann er die Belastung scheinbar nicht mehr so verpacken... Allerdings ist meine arbeitsmäßige Belastung auch deutlich höher gewesen diesen Winter durch reichlich mehr Schichten aufgrund kranker Kollegen!
Das alles zusammen genommen war wohl einfach ein bisschen viel...

Jetzt werde ich mich erstmal richtig auskurieren, Zwangspause in Job und Training macht zwar keinen Spaß, muss ich jetzt aber wohl durch... Und dann mal schauen ob es mit HH noch was wird, ich hoffe es jedenfalls!!!

Allen Nicht-Kranken erfolgreiche weitere Vorbereitungen für Eure nächsten Laufziele und viel Spaß mit den ersten Frühlingsvorboten! Und allen Kranken gute und schnelle Besserung!!! :)

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