Benutzerbild von cocobolo

Heute hatte ich meine zweite Trainer-Einzelstunde. Wie vor 5 Wochen bei dem Trainer, der mein Schwimmseminar im November geleitet hatte, und wieder frühmorgens im Stadionbad in Hannover.

Vorletzte Woche hatte D., der Trainer, per email nachgefragt, wie es mir mit seinem Trainingsplan für die fünf Wochen nach der ersten Trainerstunde geht. Dieser Plan umfaßte 2400 Meter, war auf 1:10h ausgelegt und forderte viele Technikübungen für Kraft und Unterwasserarmzug (Kraul einarmig sowie eine Menge Hunde- und vor allem Wasserballkraul). Diesen Plan bin ich neben dem Tria-Bahntraining ein- bis zweimal pro Woche abgeschwommen, und gerade vorletzte Woche fiel es mir alles andere als leicht. In der Woche bin ich über 10 Kilometer geschwommen und war etwas schwimmmüde, schon wenn es ins Wasser ging. Das habe ich ihm auf seine email-Frage hin leicht jammernd zurückgeschrieben und außerdem eine Relax-Schwimmwoche angekündigt. Die habe ich mir tatsächlich gegönnt: Zusätzlich zu dem üblichen zweimal 2n00m-Tria-Bahntraining "nur" zweimal Relax-Schwimmen. Mit Absicht in unserem Lokalbad zwischen den tiefenentspannten Rentnern am Sonntagmorgen und nicht zwischen den Paddle-Kraft-Hektikern im Sportbad. Viel Gleiten, Rotieren, Entspannen, Atmen, durchgehend lockerer Beinschlag, hin und wieder auch mal ein Armzug. Sparkraul in Zeitlupe. Geht doch. Freunde, die mich beobachteten, fragten, was ich da eigentlich täte… aber es sähe sehr schön aus :)

Ha, und just nach dieser Woche ist bei mir ein Knoten geplatzt: Vor zwei Tagen bin ich am Ende des Tria-Trainings erstmals die mittleren 400 Meter einer Pyramide gut und sogar fast ohne überholt zu werden durchgeschwommen. Der Bahnführer, aber nicht die anderen Sieben. Also: Gekrault. In 7:30min, also in einer Pace von ca. 1:51 min/100m. Und: Ich hätte noch weitergekonnt. Und: Ebenfalls seit dieser Woche mag ich auch beim Einschwimmen kein Brustschwimmen mehr. Bisher brauchte ich es bahn-abwechselnd zum Verschnaufen, jetzt kann ich mich kraulend anscheinend besser entspannen und empfinde Brust als uneffizient, Beine-belastend und irgendwie für mich doof im Vergleich. Und das, obwohl sich auch hier anscheinend mein Stil verbessert hat: Mein 910xt-Garmin erkennt seit neuestem Brust und Rücken korrekt bei mir. Das hatte er oft verwechselt, nur Kraul wurde immer eindeutig erkannt. Immerhin.

Diese Woche bin ich dann noch einmal D's Kraft+Technik-Plan geschwommen (ging viel besser als zuvor), und heute hatte ich nun die zweite Trainerstunde bei ihm. Er hatte sich auch Gedanken zu meinem Tief gemacht, und so haben wir uns heute vor allem im warmen Nichtschwimmerbecken um "Rhythmus und Impuls" gekümmert.

Los ging es mit Armkreisen aller Art und ein wenig Hüpfen auf dem Trockenen. Dann Strecksprünge mit Betonung auf gute Längen-Spannung in der Streckung. Dann Rumpf-Stabi-Übungen fürs Muskelgedächtnis in Bauchlage, halb überhängend auf der Bank, wieder in maximaler Streckung, teils auch diagonal angespannt (also ein Arm und das gegenläufige Bein). Dann ins Wasser (öh, ich erstmal Duschen).

Einschwimmen im Warmen, dann Gleitübungen (mit Trainer die ganze Zeit im Wasser) in Bauchlage mit angelegten Armen, das Gleiche mit Körper-Längsrotation, dann mit einem einzigen wohlbedachten Armzug aus der Rotation heraus. Seitenwechsel. Ich bin ja so ein umerzogener Ex-Linkshänder und meine immer, heutzutage sei rechts meine bessere Seite. Ist es aber zumindest beim Schwimmen gar nicht, sagt D. Dann mehrere einarmige Züge dieser Art , dann Atmen dazu. Kraul einarmig, und nach jedem Zug zur Gegenseite atmen (Hä? GEGENseite? Knoten bei mir, als Rechts-Links-Schwächling mußte ich diese Koordination erstmal trockenüben, SCHNELL weiß ich leider nie, wo rechts und links ist, ich hab ja kein "schönes" Händchen).

Dann noch einmal den Überwasserarmzug mit der entspannten Ellenbogenführung üben (noch mit der Hand unter/im Wasser, im heutigen TI z.B. heißt das glaube ich Swing-Switch), dann Abschlagschwimmen und dabei alles zusammenbringen. Geht doch! Ganz ruhig und mit schönem Rhythmus kraule ich ein paar entspannte Bahnen. Diesen ruhigeren Rhythmus hatte ich mir schon in meiner Relax-Woche angewöhnt, irgendwie mache ich den Überwasserarmzug erst langsamer aber im zweiten Teil dann doch betonter als früher. D. war sehr zufrieden und sagte, mein Kraul sehe gerade "sehr, sehr schön" aus!

Das war Rhythmus, jetzt kam Impuls: Für mehr Vortrieb durch den Unterwasserarmzug mußte ich mich mehrfach nach dem Angleiten über D's hingehaltenen Arm hinüberziehen. Darüberhebeln praktisch, mit gut abgepaßtem Vorwärts-Impuls. Dazu ein paar Beckenrand-Hochstütz-Übungen. Gar nicht mit viel Kraft, aber mit viel Impuls nach oben. Muskel-Gedächtnis… wenn man es ein paarmal macht, kann man das wirklich auch unter Wasser einsetzen.

Und zum krönenden Abschluß kam dann das Zugseil. So ein ca. 10m-langes dickes Gummiband mit gepolstertem Gürtel, das außerhalb des Beckens irgendwo befestigt wird, und gegen dessen zunehmende Spannung man dann anschwimmen darf. Bis man auf der Stelle schwimmt bzw. dann bei nachlassendem Vortrieb eben auch zurückgezogen wird. D. hatte mir vorher gezeigt, daß ich beim Zurückziehen aber nicht an den Beckenrand klatschen kann, weil das Seil schon vorher nicht mehr gespannt ist :)). Die Aufgabe war dann: Kraulen, bis man soviel Zug-zurück spürt, daß man so gerade auf der Stelle krault und dies ca. 15 Sekunden halten kann. Beim ersten Mal habe ich alles an Rhythmus und Impuls vergessen, was wir vorher geübt hatten. Resultat war eine viel zu hohe Zugfrequenz. Aber Erinnern durch D. half: Bei den nächsten Versuchen war wieder alles da, meine Zug-Frequenz nahm um 25% ab, und das bei gleichem Vortrieb gegen Seil und Zeit, weil ich an gleicher Stelle wie zuvor ins Seil-Gleichgewicht gekommen war. Das ist wichtig bei allen vielfältig geführten Zugfrequenz-Diskussionen, was nützt es (außer zur eigenen Entspannung, da sei es total berechtigt), mit 8 Zügen und ansonsten nur durch Gleiten oder Beinschlag langsam durch Becken zu treiben? Also: 25% weniger Armzüge bei gleicher Effizienz nur durch die gerade noch einmal verinnerlichten "Rhythmus und Impuls"-Gedanken. Super Sache, das mal so am eigenen Leib demonstriert zu bekommen. Dann haben wir mich am Zugseil noch ein wenig müde d.h. jeweils bis zum Zurückziehen schwimmen lassen, was eine Weile durch was auch immer rausgezögert werden sollte… ja, richtig, man streckt sich automatisch erstmal mehr, um gegen den Rück-Zug anzukommen. Aha, es geht also immer noch etwas mehr Streckung. Uff!

Nachdem wir dann alles noch einmal durchgesprochen hatten, war die gute Stunde im Wasser wieder um. Nö, keine Fragen. Toller Trainer! Meinen neuen Trainingsplan für die 5 Wochen bis zur März-Trainerstunde bekomme ich per email, er wird eine Mischung aus Rhythmus-, Koordinations und Kraftübungen beinhalten. Und alle 4 Wochen kann ich problemlos wieder so eine Relax-Woche einschieben, guuut.

Ich schwimme echt gerne. Doch, immer noch!
LG Britta

3.2
Gesamtwertung: 3.2 (5 Wertungen)

Einfach nur wow!

Naturtalent + Schwimmseminar + Personal Trainer + Vereinstraining + Fleiß = cocobolo first out of water
Wahnsinn, was du für Fortschritte machst!
Und deine Einzeltrainerstunden lesen sich sehr spannend.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Äh Sonneblume, nee, Erste

Äh Sonnenblume, nee, Erste werd' ich nicht:

1) Ich weiß den Weg nicht. Nie. Leider. Bin rechts-links- UND orientierungsschwach.
2) Und dann könnte es ja Teilnehmer geben, die all dies schon etwas länger draufhaben. Ok, und sollte ich dennoch mal alleine am Schwimm-Start stehen, verhindert wieder Punkt 1) das First-out-of-the-Water.

Aber im Ernst: "Begeisterung" hast Du nicht erwähnt, ich glaube, da liegt mein wesentlicher Lern-Beschleunigungs-Faktor. Woher auch immer ich den hier habe. Und es ist sehr spannend, all unsere Wege zum Ziel hier momentan zu verfolgen, es gibt ja nicht nur einen. Ich habe schon so viel "Ich kann nicht ordentlich schwimmen, bin nach einer Bahn k.o." in diversen Foren gelesen, daß ich mir vorgenommen habe, hier meinen Weg zum Ziel mit wesentlich mehr Worten als "Geduld, das kommt schon, irgendwann platzt der Konoten bei jedem" zu beschreiben. Wie Du es ja auch tust. Lese ich auch immer alles mit Interesse!

LG Britta

Dein Weg hört sich richtig

spannend und erfolgreich an! Der Trainer ist gut - und Regeneration (hast Du für Dich schon erkannt) führt zur Superkompensation. Immer nur auf Hochtouren geht nicht. Der Körper bringt nach einer "richtigen" Erholungspause bessere Leistungen.

Das Ganze dann noch so eindrücklich am eigenen Leibe erfahren zu können ist prima! Auch die ganzen Übungen und Effekte werden Dir für's "Muskelgedächtnis" sehr schön vorgeführt.

Sehr schön - ich lese das auch immer mit viel Interesse!

FOW ist blöd, da wirste dann nur noch eingesammelt. Eine Schwimmerin (ist Bundesliga geschwommen) hat das mal ausprobiert - und macht seitdem keinen Triathlon mehr. Meine Variante LOW ist auch blöd :grins:

Danke für die ausführliche

Danke für die ausführliche Schilderung deiner Schwimmerfahrungen. Auch wenn ich nicht alles verstehe -- ich lese sie sehr gern!
Und: es weckt in mir zumindest die Neugier, ob ich nicht auch in der Lage bin, mein Hundepaddeln in so etwas wie zielgerichteten Vortrieb umzuwandeln. Vielleicht wird ja auch einmal "echtes" Kraulschwimmen draus.
Bin gespannt auf den nächsten Bericht (in 5 Wochen?)!

Gruß, Dominik
_____________________
M44/69kg/1,81
"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Hi Dominik, vor einem Jahr

Hi Dominik,
vor einem Jahr noch lag Schwimmen soweit außerhalb meines Horizonts, da hätte ich diesen Bericht hier vermutlich noch nicht einmal ganz durchgelesen, also Respekt!

Also, wenn Dein Hundepaddeln dem "echten" Paddeln der Hunde entspricht, dann hast Du schon eine wichtige Übung fürs Kraulen (für den Unterwasserarmzug, also den ersten Teil davon) drauf. Jetzt den Kopf unter Wasser nehmen und jeden Paddel-Armzug weiter nach hinten durchziehen (drücken...) Alles klar?! Nein,im Ernst, ich empfehle auf jeden Fall ein paar Trainerstunden. Frohes Schaffen,

LG Britta

Trainerstunden

Was mich am meisten ermutigt ist, was Du innerhalb eines Jahres geschafft hast!
Zugegeben liegt mein Schwerpunkt noch ganz beim Laufen und ich plane noch nicht soviel Zeit ins Schwimmen zu stecken -- aber es ist schön zu wissen, dass mit Trainingsfleiß solche Fortschritte zu erzielen sind!
Vorsorglich hab ich schon mal meine Schwägerin angeheuert, mich zu begleiten, sobald ich in der Lage bin ein paar Bahnen am Stück zu schwimmen. Die war (zwar schon ein paar Jährchen her, aber immerhin) ziemlich erfolgreich auf Landesebene im Freistil. Ein paar entscheidende Tipps wird sie bestimmt parat haben...

Gruß, Dominik
_____________________
M44/69kg/1,81
"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links