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Ich bin ja mehr der Lauftyp „einsamer Wolf“. Ich kann sehr gut alleine durch mein Revier streifen, sowohl für kurze als auch für lange Runden. Dabei kann ich mein eigenes Tempo wählen und ab und zu mal ein paar Steigerungsläufe oder ABC-Übungen einstreuen. Ich kann beim Laufen meinen Gedanken auch freien Lauf lassen und muss nicht unbedingt reden oder zuhören. Und wenn mir doch mal nach zuhören zumute ist, reicht mir etwas Wolfsgeheul aus dem MP3-Player. Ab und zu mit der Wolfsdame unterwegs ist auch in Ordnung, wenn sie denn nicht fordert: „Du musst mich unterhalten!“

Nun wurde ich kürzlich bei einer Laufveranstaltung gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mittwochs bei einem neu gegründeten Lauftreff mitzumachen. Treffpunkt 2 km von meiner Haustür entfernt. Das war jetzt aber doch eine Gelegenheit, mal was anderes auszuprobieren. Zwar ist der Mittwoch nicht so ganz passend, da ich meinen Rhythmus Di – Do - WE so nicht einhalten kann. Aber man ist ja flexibel. In der Gruppe wird eh langsam gelaufen und meine wöchentliche Tempoeinheit kriege ich schon irgendwie unter.

Die Leute kenne ich flüchtig von einigen Wettkämpfen her, einen vom Tischtennis etwas besser. Alle sind mehr oder weniger fast in meinem Alter. Leistungsmäßig ziemlich ausgeglichen. Nach den letzten Rennergebnissen wäre ich auch nicht der Langsamste. Man will ja nicht der Bremser sein.

Also laufe ich die 2 km zum Treffpunkt. Zu fünft (2w, 3m) geht’s dann in ruhigem Tempo (6:00 min/km) los. Rücksichtsvoll werde ich gefragt, ob mir das Tempo nicht zu langsam wäre. Ich weise darauf hin, dass ich durchaus in der Lage bin, auch eine Pace von 7:30 länger zu halten.

Angekündigt sind 10 – 11 km. Das Ziel ist allen klar, der Weg dorthin allerdings nicht. Zunächst folgt ein offenbar nicht abgesprochener Abstecher in die Wallachei, was zwar einen Umweg bedeutet aber wegen der einbrechenden Dunkelheit und dem rutschigen Untergrund die Möglichkeit zu einigen spontanen Koordinationsübungen bietet. Wieder auf festerem Grund führt die Strecke durch Wohngebiete, einen Park und irgendwann auf anderen Wegen wieder zurück. Die Gruppe ist nett und gut drauf. Ich fühle mich wohl. Das Tempo ist locker flott. Ich komme aber gut mit und kann mich noch gut unterhalten.

An zwei Stellen gilt es, einen Autobahnzubringer zu überqueren. Es ist in der Gruppe üblich, bei den Brücken zu beschleunigen. Das mache ich auch immer so, wenn ich alleine laufe. Mangels Bergen in unserer Gegend sind Flachländer halt geil auf die wenigen sich bietenden Anstiege. Nach der zweiten Überquerung wird vorne allerdings vergessen, das Tempo wieder rauszunehmen. Und so geht es ungebremst wieder Richtung Heimat. Es sind allerdings noch 5 km. Es gibt ein paar spaßige Diskussionen über das Tempo. Aber wie das mit spaßigen Diskussionen so ist: Sie werden nicht ernst genommen. Also füge ich mich in mein Schicksal und folge, werde immer einsilbiger und irgendwann antworte ich nur noch, wenn ich was gefragt werde. Vorne wird munter weiter gequasselt, obwohl wir inzwischen mit 5:10 unterwegs sind. Ein Leidensgenosse schlägt eine Abwandlung des Belgischen Kreisels vor: Der/die jeweils Letzte muss die anderen überholen und setzt sich dann an die Spitze. Seine Hoffnung: Von der Spitze aus könnte man die Truppe ja einbremsen. Tolle Idee! Geht nur nach hinten los. Schließlich haben die Belgier diese Variante nicht erfunden um langsamer unterwegs zu sein. Also werden wir auch schneller.

Irgendwann ist es doch geschafft und ich erfahre, dass der eigentliche Antreiber heute gar nicht dabei ist. Wie schade! Aber: Es hat Spaß gemacht. Und mit meinem Heimweg sind über 16 km zusammen gekommen. Nächste Woche wieder. Und einen Tag für meine Tempoeinheit habe ich auch gefunden: Mittwoch.

Gruß

Sirius
…der im Rudel rennt.

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (4 Wertungen)

Rudeltier

In deinem Bericht könnte ich mich glatt wiederfinden...
bis auf die Tatsache, dass ich keine Laufgruppe 2km von hier habe. Na, wer weiß -- vielleicht noch nicht. Falls es denn eine gibt, nehme ich diesen Bericht zum Anlass ggf. mal zum Rudeltier zu werden!

Gruß, Dominik
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M44/69kg/1,81
"Wochenenden zählen nur, wenn man sie mit völlig sinnlosen Dingen verbringt!"

einsamer Wolf ...

Da finde ich mich gut wieder. Bin da auch der einsame Läufer. Ist ja auch nicht so einfach mit Tempo und Länge der Strecke. Manchmal habe ich das Glück und einen Lauf zu zweit in Lübeck. Aber sonst gibt es keine laufgruppe, die in Frage käme. Dienstag hatte ich das Glück meine Invervalle mit einem schnellen Läufer laufen zu können. Das motivierte das Tempo zu halten.

Hat sich dann ja glücklich gefügt bei dir. Viel Spaß weiterhin bei deinen Gruppenläufen.

Tapfer vom Wolf

Finde ich ja ziemlich tapfer, gerade unter diesen Umständen, vom einsamen zum rudeligen Wolf zu werden.
Besonders gelungen finde ich das Verhalten dieser Lauftreff-Gruppe nicht gerade.
Ich bin ja in unserem LT auch einer der "Truppführer" und gerade wenn ein "Neuer" dabei wäre, würde ich (und die anderen auch) schon sehr darauf achten, da niemanden zu überfordern oder gar abzuhängen.
Aber Du hast ja anscheinend Deinen Frieden damit gemacht, indem Du das Ganze zu Deinem TDL-Training erklärst. Ist ja eigentlich nicht so der Sinn eines Lauftreffs, aber ich weiß, das das einige so handhaben - die wollen sich beim LT von den anderen an ihre Leistungsgrenze ziehen lassen und sind enttäuscht oder gar sauer, wenn mal bewusst langsamer gemacht wird - da kann ich dann aber auch nicht helfen, das hat dann gewöhnlich seinen Grund.
Ich selbst war ja immer sehr dafür, meine TDLs mit mir selber abzuhandeln. Da kann man dann wirklich sein eigenes Tempo laufen und es stärkt auch meiner Meinung nach die Psyche, wenn man da alleine durch geht. Und beim LT kann man dann mal schön miteinander quatschen. Aber jeder nach seiner Façon.

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC

Das könnte

mein Lauftreff sein! :-))
Anfangs ging ein Aufschrei durch unseren Ort, wir würden viel zu schnell laufen! Damals waren wir in einem 6er-Schnitt unterwegs, bzw. wenn jemand Neues dazukam hatte man dessen Tempo gewählt, was aber paradoxerweise bei manchen auch wieder falsch war! ;-)) Bei solchen herrschte die Erwartungshaltung, "die vom Lauftreff machen mich fit!" Durch die Erkenntnis, dass man sich trotz Rücksichtnahme selbst anstrengen muss, haben sich diese Leute wieder zurückgezogen. Da kann man wirklich nichts machen.

Doch diejenigen, die damals am lautesten geschrien hatten, hatten so quasi heimlich trainiert und inzwischen so stark auf-, bzw. überholt und tragen nun das Ihrige dazu bei, dass sich inzwischen unser Gruppentempo auf einen 5:30er-Schnitt, oft auch schneller, gesteigert hat! Als einzige Ultraläuferin in dieser Gruppe hat man da ganz schön zu tun, diesem Tempo folgen zu können! ;-))

Mehrere Gruppen?

Zu diesem Behufe sollte es in einem "ordentlichen" Lauftreff ja eigentlich mehrere Gruppen geben. Und wer in einer schnelleren (5:30) Gruppe so gar nicht zurecht kommt, sollte dann beim nächsten mal halt in der nächst langsameren (6:00) mitlaufen. Wobei "wir" da das Problem haben, dass die 5er-Gruppe immer schneller wird und die Lücke zur langsamsten Gruppe so langsam zu groß und zu "unserer" schnellen zu klein. Halt alles nicht so einfach …

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC

Halt alles nicht so einfach

Genau so isses - trotz aller Flexibilität!

Bei uns kommt's darauf an, wer da ist. Mal gibt's zwei Gruppen (so groß sind wir ja nicht) und wenn tatsächlich mal "nur" die Cracks da sind, dann eben nur eine... und dann wird flott gelaufen, weil es in diesem Moment passt. Flexibilität darf, nein, muss sogar sein, da einfach völlig unterschiedliche Laufniveaus unter einem Hut (oder zwei Hüte) gebracht werden müssen. Die scharfen Tempoeinheiten trainiert jeder unter der Woche für sich, denn die Laufgruppe ist ja für die Geselligkeit gedacht, wo sich Jung und Alt und Schnelle und Langsame austauschen können.

Als Außenstehende in den Anfangszeiten zufällig genau diese oben erwähnte Kleingruppe mit den Cracks sahen, wie sie über die vielen Anstiege düsten, hatte das fast schon eine rufschädigende Wirkung! Hier auf dem Land gehen ja derartige Skandale sowieso herum wie ein Lauffeuer! Daraufhin war sehr viel Öffentlichkeitsarbeit vonnöten, um weitere Interessenten davon zu überzeugen, dass unser Tempo letzten Endes steht und fällt mit dem jeweiligen Teilnehmerfeld und den Wetterbedingungen vor Ort. Anfangs waren wir etwa 5 Leute - 4 Marathonies und ich als Neuling, der zu diesem Zeitpunkt 10 km am Stück laufen konnte. Allein diese Zusammensetzung hatte schon sehr viele abgeschreckt! Ich wollte ja auch schon die Flucht ergreifen, weil ich ja auch erst mal dachte, bei diesen Marathonies falsch zu sein. Es hatte wirklich einige Jahre gedauert, bis die Gruppe größer werden konnte!

:-)

Ja wunderbar :-)

So kann`s kommen, *lach!* Lass dich bloß nicht mit einer Laufgruppe ein. Ich werde davor auch immer wieder gewarnt. Aber wie du ja auch schreibst, hinterher ist man zufrieden und kann auf eine wirklich fordernde Trainingseinheit zurückblicken. Streich den Dienstag, dann passt es wieder :-)

Lieben Gruß
Tame

Vielleicht war das Tempo

Vielleicht war das Tempo auch nur zufällig an diesem Tag so hoch, weil zwei Leute gerade mal gut drauf waren. Vielleicht war meine schauspielerische Leistung auch zu überzeugend. Man will ja immer locker wirken (Zielgeradeneffekt). Ich hatte mich nur gewundert, wie entspannt sich einige Leute bei dem Tempo noch unterhalten können. Aber das kann man ja vielleicht auch trainieren (= Rhetorisches Lauftraining).

Ich schau mir das mal weiter an. Für ein richtiges Tempotraining war das Ganze letztendlich nicht fordernd genug. TDL oder auch Intervalleinheiten macht man tatsächlich am besten alleine. Ich werde schon eine Lösung finden, die auch die nötigen Regenerationstage berücksichtigt.

Gruß

Sirius
...der manchmal zu überzeugend rennt.

vom Rudelläufer zum Wolf ;-)

ging es bei mir. ich war anfangs in einem Lauftreff, dem ich auch viel verdanke. Da wurde aber auch noch diszipliniert gelaufen: es gab Gruppen von 6 bis 10km (in 60min), für jede Gruppe zwei Betreuer: einer lief vorne das Tempo, einer sicherte hinten ab und blieb bei Bedarf mit Langsameren zurück. Wer seinprivates Tempo durchziehen will ist da eben fehl am Platze. Allerdings lief die Geschichte dann bald aus dem Ruder: irgendwie wollte jede Gruppe stolz früher zurück sein, das geht ja noch, wenn sich alle einig sind, aber mit Neuen! Ich war nicht die einzige, die häufig protestierte, allein, es änderte sich nichts. Gab noch andere Gründe, warum ich dann den Verein wechselte und lieber allein lief.

Du hast für dich eine gute Lösung gefunden.

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Genial!

Meinen höchsten je gemessenen Pulswert habe ich nicht etwa aus einem Wettkampf oder von einer HFmax-Bestimmung, sondern von einer Sommerrunde mit einem Lauftreff, der mit 6'30" startete.

---

"What day is it?" asked Pooh.
"It's today" squeaked Piglet.
"My favorite day" said Pooh.

@Nezzwerker:

Was haben die Dir denn schlimmes erzählt, dass Du Dich derart aufregen musstest?

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC

Vielleicht war's ein

Vielleicht war's ein betrieblicher Lauftreff und der Chef war dabei.

Gruß

Sirius
...der lieber ohne Chef rennt.

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