Benutzerbild von sarossi

Meine innere Schweinehündin Lisa war gestern irgendwie komisch. Früh heimgekommen wollte ich als erstes für die Dienstreise packen. Die Laufsachen sollten mit. Lisa hat sich nach Wochen wieder einmal gemeldet. Sie knurrte die Laufsachen an. „Nicht die Laufschuhe packen.“ Ich war etwas verwundert nach der langen Sendepause. „Warum nicht, Lisa?“ Lisa schaute mich mit ihren großen braunen feuchten Augen an. „Geh doch lieber jetzt laufen. Dann brauchst Du nicht packen.“

Nun, so schlecht war die Idee gar nicht. Es war noch hell, trocken und mit 7 Grad gar nicht kalt. Für einen kleinen Lauf im Restlicht sollte es noch reichen. Kurz tauchte die Erinnerung an das Regenradar auf, das ich im Büro noch angeschaut hatte. Schon sprang Lisa an mir hoch und schubste mich Richtung Tür. Die Erinnerung verblasste. Also rein in die Laufsachen und raus … in den Nieselregen.

Der Nieselregen war schnell vorbei und ging in strömenden Regen über. Kein Grund umzukehren meinte Lisa. Die waagrecht ins Gesicht schlagenden kalten Graupel waren dann schon unangenehmer. Aber auch dieser Schauer hielt nicht lange und wurde durch dichtes gross-flockiges Schneetreiben abgelöst. Der Weg selbst war noch Schnee frei, dafür knöcheltief vermatscht. Die riesigen Pfützen luden zu einem Slalom und ein paar Sprungeinlagen ein. Die Temperaturen waren gefühlt um 5 Grad gesunken. Lisa trottete mit eingezogenem Kopf mit.

Kurz vor der Haustür ließ das Schneetreiben nach und im Hof angekommen konnte ich ein zartes Blau am dämmrigen Himmel erkennen. Was war das denn? Konnte es nicht für diesen kurzen Lauf halten? Aber eigentlich hätte ich es wissen müssen. Das Regenradar hatte es doch vorhergesagt. Lisa grinste leicht in sich hinein. Hmm. Merkwürdige Reaktion.

„Lisa, hast Du mir was zu sagen?“ fragte ich drohend. Ertappt versuchte sich Lisa in eine Ecke zu verdrücken. Sie kam aber nicht weg von mir. Dann sprudelte es aus ihr heraus. „Ich will nicht mehr im Dunkeln auf Asphalt laufen. Und immer so dick eingemummelt. Und unsere Winterstrecke in München finde ich auch scheußlich. Das macht überhaupt keinen Spaß. So.“ Trotzig kräuselte sie ihre Schweineschnauze und starrte mich an. Mir blieb die Spucke weg. „Und was war das eben? Hat das etwa Spaß gemacht?“ Lisas Gesicht wurde weich und ihre Augen blitzten. „Das war schon besser!“ So, so. „Matsch, kalt, nass… das findest Du besser? Was bist Du denn für eine Schweinehündin…“ Lisa nickte mit einem glücklichen Lächeln. Es ist unfassbar. Sie hatte mich tatsächlich ganz bewusst reingelegt und meine Erinnerung an das Regenradar vernebelt. Das kann ja noch heiter werden. Die Laufschuhe mussten auf jeden Fall erst einmal trocknen und wurden nicht eingepackt.

4.2
Gesamtwertung: 4.2 (5 Wertungen)

Das

sieht nach perfekter Balance aus! Dass diese nicht einmal mehr vor deinem Schweinehund Halt macht, finde ich schon krass!
;-))

Deine Schweinehündin ist super

Die kennt Dich besser als Du Dich selbst. Aber vielleicht gehört das ja zur Jobbeschreibung?
Schön, mal wieder was von ihr zu hören!

yazi

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