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Es war eines Regenfetischisten nicht würdig. Als ich vor die Tür trat, hatte der Regen, der eben noch vor sich hin tröpfelte, Dimensionen angenommen, dass es fröhlich plätscherte. Ich hatte keine Lust. Aber auf dem kleinen Rennsteig wird nicht abgefragt, ob es dunkel, kalt und nass war, sondern nur, ob du gut trainiert hast.

Nach einem Kilometer stellte ich fest, ich bin immer noch nicht aus Zucker. Nach knapp zwei Kilometern auf der Runde angekommen, die ich dreimal laufen würde, musste ich durch die Pfützen und es war mir egal. So egal, dass mir das bisschen aufkommende Lauflust wegen der fehlenden Freude noch verging. Dann hörte der Regen auf. Ich merkte es kaum. Aber als er pünktlich zur zweiten Runde wieder kam, das merkte ich deutlich. Denn plötzlich fegte der Wind Regenwände vor sich her und ich hatte keine Schirmmütze auf, sondern musste die Augen zusammenkneifen, um mich vor den Peitschenhieben des Wetters zu schützen. Und es war ... härlüsch. Durch die zusammengekniffenen Augen genoß ich die schönsten Sturm-Wasser-Spiele, die diese Gegend hergab. Und plötzlich war ich wach und da, konnte durch Wände laufen. Der Tag war weggefegt und es gab nur noch den Regen, den lauen Winterabend und mich. Auch auf der zweiten Runde hörte der Regen auf. Und zu Beginn der dritten stand leuchtend hell das komplette Sternbild des Orion über mir umgeben von mondlichtbestrahlten Wolken (auch wenn ich keinen Mond gefunden habe). Oben glitzerten die Sterne und unten in den Pfützen die Laternen.

Daheim zeigte es sich, dass die Funktionskleidung mal wieder funktioniert hat. Während außen noch Regenspuren zu finden waren, sah sie von innen doch recht trocken aus. Und irgendwie hatte ich das glatt im Gefühl. :-)

4.666665
Gesamtwertung: 4.7 (3 Wertungen)

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