Benutzerbild von K4sperle

Ja, die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Ich will hier mal einen kleinen Einblick in dieses Laufevent geben. Wir haben letztes Jahr schon einmal teilgenommen und trotz der Erfahrung, die wir dort gesammelt hatten, wurden wir wieder von einigen Neuheiten überrascht. Der Titel "The safest most dangerous event in the world" trifft es schon ganz gut.

Anreise 26.01.2013

Das Anreisen mit dem Flugzeug war tatsächlich eine deutlich bequemere Variante, als eine Autofahrt von über 1300 Kilometern. Im Flugzeug selber haben wir auch prompt noch eine Gruppe getroffen, die auch vor hat am TG13 teilzunehmen. Nach einem kleinen Gespräch mussten wir feststellen, dass die guten wohl ein wenig blauäugig an die Sachen herangegangen sind. Die Guten hatten weder trainiert noch irgendwelche klaren Vorstellungen von der Strecke. Klar, 15km laufen, Kälte und die Killing Fields mit 21 Hindernissen klingen auch nicht völlig unschaffbar. Naja, wir haben dann noch versucht so viele Infos und Tipps zu geben wie möglich, damit es vielleicht nicht ganz so überraschend wird. In London gelandet wurde sich sofort aufgemacht zum reservierten Mietwagen. Nach kurzer Eingewöhung in den Rechtslenker (komisches Gefühl, wenn das ganze Auto noch links von einem kommt) wurden die letzten 160 Meilen nach Wolverhampton angetreten. Nach kurzer Suche im Zielort Wolverhampton haben wir dann im Hotel eingecheckt. Kurz die Zimmer inspiziert, Gepäck abgeladen und dann auf zur Registrierung des Rennens. Nachdem man den Death Warrant unterschrieben hatte wurden einem die Unterlagen mit Startnummer, Chip (erstmalig bei diesem Event), Parking Pass, Spectator Pass und Plänen vom Gelände übergeben.

Der Lauf 27.01.2013

Die Wettervorhersagen haben eigentlich ideale Bedingung für den Wettkampf vorausgesagt. Sonne, 7 Grad und kein Regen in Sicht. Lediglich ein wenig Wind sollte vorherrschen. Tatsächlich war die Sonne nur sporadisch zum Vorschein gekommen. Aber dazu später mehr.

Dieses Jahr haben wir uns den Luxus gegönnt, aus der ersten Startreihe neben den zweifachen Sieger Knut Köhler zu starten. Um 11 Uhr wurde das Spektakel mit dem Zünden von Rauchbomben eingeleitet, die das Atmen für die ersten Reihen deutlich erschwerten. Uns hatte das so behindert, dass wir sogar den Startschuss verpassten und aufpassen mussten nicht umgerannt zu werden.

Wie man sich denken kann war das Tempo vorne wesentlich höher als das was wir vom letzten Jahr noch in Erinnerung hatten. Gut 500m und die ersten Gruben gefüllt mit Wasser mussten überwunden werden. Die Schuhe sind also früh genug mit Wasser und Schlamm getränkt. Die ersten paar Kilometer wurden mit Tempo zurückgelegt, jedoch immer mit dem Hintergedanken, dass das Hindernis „The Hills“ noch auf einem wartet. „The Hills“ kommen nach circa sieben Kilometer (reine Schätzung) auf einem zu und sind ungefähr zehn mal zu erklimmen. Diese sind so steil, dass es schlicht unmöglich ist sie im Laufschritt zu bewältigen. Der Weg nach unten war auch sehr gefährlich, da das Tauwetter den Boden so weich gemacht hatte, dass es teilweise eine Rutschpartie war, dort herunterzukommen. Bis hier hin war alles so wie letztes Jahr. Vielleicht war schon der ein oder andere Meter mehr auf der Uhr, da die Strecke um drei Kilometer verlängert wurde (also jetzt 15km), aber das war schwer einzuschätzen. Ich wollte ja noch was zu dem Wetter sagen. Die Sonne hatte sich nun schon lange verabschiedet und dafür kamen Regen und Hagel zum Einsatz. Dadurch, dass man aber eh schon nass war, war das kaum zu spüren. Ganz im Gegenteil zum Wind. Dieser war nun permanent zu spüren und hatte auch die gefühlte Temperatur rapide gesenkt. Bis zu den „Killing Fields“ war die Strecke ähnlich wie letztes Jahr mit zwei kleinen Zusätzen. Das Team um Mr. Mouse hatte sich die Mühe gemacht einen Graben und einen kleinen Teich anzulegen (danke hierfür, soll ja auch nicht zu warm werden). Der Graben kam zu erst und war gut 30 Meter lang. Durchwarten konnte man ihn problemlos, da das Wasser nur bis zur Hüfte ging. Allerdings hatte man hier schon einen Vorgeschmack auf die Kälte des Wassers bekommen. Es war jetzt schon deutlich schmerzhafter als letztes Jahr. Eine echte Überraschung war der angelegte Teich. Dieser musste durchlaufen werden und die Tiefe schwankte zwischen knietief und brusttief. Ein echter Hammer war aber die Distanz. Circa 50m hin, um einen Pfahl und 50m zurück war die Strecke. Hier brannten die Muskeln richtig. Zusätzlich zur Kälte trieben auch noch Eisschollen in allen Größen auf dem Wasser. Sehr zum Leidwesen der Schienbeine. Schürf- und Platzwunden waren die Folge. Hier hat man auch schon die ersten Aufgeben sehen.

Dann endlich begannen die „Killing Fields“. Die meisten Hindernisse konnte man mit ein wenig körperlichem Geschick schnell überwinden. Einzig die höheren Hindernisse waren kalt, weil der Wind einfach nicht weniger werden wollte. Andere Hindernisse wurden einfach nur geschaffen um zu leiden. Zum Beispiel „Vietcong Tunnel“. Die erste Kammer war flach, so dass man auf alle Viere musste, mit Wasser gefüllt und dunkel. Nichts für Leute mit Platzangst. Die zweite Kammer war gespickt mit Schnüren, die von der Decke hingen und unter Strom gesetzt waren. Die Schläge waren enorm und man hatte kurzzeitig das Gefühl, dass einem wieder warm wurde. Abschließend musste man durch enge Betonröhren. Genial für diejenigen, die noch keine wunden Knie hatten.

Aufgrund des langen Wasserhindernisses am Anfang hatten wir die leise Hoffnung, dass das Tauchhindernis dafür weggelassen wurde. War natürlich nicht der Fall. Wieder durchlaufenwir ein 40m Kanal, der als großes Finale ein viermaliges Tauchen abverlangt. Unglaublich wie einem die Luft wegbleibt, wenn man so komplett Unterwasser muss.

Nach dem Tauchen waren es vielleicht noch 20min zum Ziel. Also musste man nur noch ein wenig die Zähne zusammen beißen und das Ziel war sicher. Das Zusammenbeißen musste jedoch dieses mal etwas stärker ausfallen. Bei Absteigen eines Hindernisses hatte sich ein vor uns laufender Teilnehmer an einem Holzpfahl abgestützt, der das Netz auf dem man war straff hielt. Dieser Pfahl brach plötzlich und bewirkte, dass die Spannung im Netz verloren ging. Ich bin glücklicherweise nur ein Stück vorne über gefallen, aber der Pfahl schnellte nach dem Brechen mit voller Wucht gegen das Knie meines Lauf-Buddys. Ein Glück waren wir so kalt mittlerweile, dass man auch so einen Schlag nach kurzem Sammeln und Durchatmen verkrampften kann. Nach gut 100m hinken, war nichts mehr zu sehen von den Auswirkungen. Die letzten Minuten vergingen dann rasend schnell. Die Motivation stieg wieder. Und auch ein Krampf in meiner rechten Wade war kein Grund nicht doch letztendlich in 02:33:14 zu finshen.

Nach dem Lauf

Das Zittern war wieder groß und das Trinken deshalb nur schwer möglich. Aber die massive Medaille hielten wir wieder in der Hand und die Freude über das Durchstehen war riesig. Wobei die Euphorie immer mehr stieg, je besser man wieder mit seinem Körper klar kam. Ein Glück war das Auto nicht weit weg diesmal und unsere persönliche Unterstützerin war auch gleich zur Stelle, um uns bei den nassen Klamotten und dem Trocken werden schnellstmöglich zu helfen. Danke an dieser Stelle. Mit dem warm werden, kamen auch langsam die Schmerzen. Man spürte immer mehr die Schürf- und Kratzwunden. Ich habe zu Beispiel einmal ins Stacheldraht gefasst und nicht gemerkt, dass ich mir dabei in den Finger geschnitten hatte. Das Knie des Buddy wurde nun auch größer, bunter und unbeweglicher. Spätere Diagnose war glaube ich eine Prellung mit Bluterguss. Nun hieß es nur noch ab ins Hotel, duschen und dann zum Flughafen.

Fazit

Falls es in dem Text untergegangen sein sollte. Das Überwinden von Hindernissen findet auf dem 15km Kurs permanent statt. 70% haben davon mit Wasser zu tun. Man wird nie irgendwie trocken. Die Strecke ist unwegsam und oft extrem schlammig und die Hindernisse sind gefährlich. Für deutsche Behörden der absolute Graus. Schon allein deswegen wird man in Deutschland nichts vergleichbares finden. Wer dort teilnehmen möchte, sollte ein wenig Geld mit einplanen. Wie schon mal geschrieben, wird bis auf die Versicherungskosten alles weitere an karitative Kindereinrichtungen gespendet. Die Organisation vor Ort ist gut. Nur den richtigen Startblock zu finden, kann schwierig werden. Die Anmeldung über die Seite und die Informationen, die dort bereitgestellt werden, sind ein wenig unübersichtlich. An dieser Stelle kann ich gerne meine Hilfe anbieten, wenn Fragen zur Online-Registrierung und dem Ablauf vor Ort auftreten. Alles im allen ist es ein riesen Spektakel bei dem für fast alle gilt: Das Ziel ist ankommen. Ein gewisser Knut Höhler hat übrigens auch dieses Jahr wieder gewonnen und hat damit sein Trippel voll.

Grüße K4sperle und Toxic85

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Glückwunsch und Respekt!

...sowas, für mich nur im Sommer!

"Ein Leben ohne Tough Guy´s ist denkbar, jedoch sinnlos"

Schleswig-Holstein im Herzen,
BORN im Kopf

Danke an meinen Lauf-Buddy

Danke an meinen Lauf-Buddy für den tollen Bericht, hätte es nicht besser beschreiben können.

Leider ist es echt schwierig die Gedanken und Schmerzen während des Rennens in passende Worte zu fassen die einem so durch den Kopf schießen. Vor allem nach dem auftauchen des Tauchhindernisses oder nach einem Stromschlag im Vietcong Tunnel.

Dieses Event muss man einfach miterlebt haben (Wenn man auf extremes steht ;) ) und wie ich finde macht es echt süchtig.

Ich kann mich erinnern das wir nach den ersten 4 Hindernissen sagten "Da laufe ich lieber 3 Marathons im Jahr als noch einmal den Tough Guy mitzumachen"

und wir haben uns bereits jetzt schon erwischt, wie wir auf der Seite nach den Anmeldepreisen geschaut haben :)

also mal schauen was das Laufjahr so bringt :)!

Grüße

Toxic85

Interessanter Bericht

interessanter Lauf.

Bist Du zum Vergleich mal den Braveheart Battle in Münnerstadt/Unterfranken gelaufen?

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Ja,

ich bin den Braveheart Battle schon gelaufen. Macht auch sehr viel Spaß.

tough guy

Hallo,

ich hab da mal ne bloede Frage: Wie sieht das mit den Klamotten und den Schuhen aus nach so nem Lauf? Kann man die gleich vor Ort entsorgen oder besteht noch die Hoffnung die wieder sauber zu bekommen? =D

Ich will den auch mal laufen, vorher probier ich allerdings den Spartan Race aus und will mir meine guten Laufklamotten nicht ruinieren, deshalb frag ich. =)

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links