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Da mir gerade, da ich meine Jahres-Trainingsvorbereitung auf die erste Triathlon-Langdistanz weiter ausdetailliert habe, klar wird, dass es in 2013 erheblich weniger Wettkämpfe für mich geben wird, muss ich um meine Finger im Blog-schreiben aktiv zu halten dann doch noch eine kurze Rückschau auf den 55.Sylvestercrosslauf am - richtig - 31.12.2012 in Gummersbach geben.

Das ich Gummersbach überhaupt laufen werde, war eher spontan. Eigentlich hatte ich Montabaur auf dem Plan, aber da ich vor Weihnachten 2 Wochen mit einer Nebenhöhlenentzündung auf Antibiotika war, wollte ich so lange wie möglich mit der Entscheidung warten und dann waren mir letztlich die 40km Fahrt nach Gummersbach lieber, als die ca. 100km nach Montabaur.

Und dann konnte ich noch meine Schwester rekrutieren mitzukommen. Nachdem ich sie schon im Wolfsburg dazu brachte beim Bruder-Besuch einen 10er zu finishen und sie die Leistung dann wenige Wochen später in Köln bestätigte, indem sie die 10 dann auch unter einer Stunde lief, wusste ich, dass sie schon ein wenig angefixt war. Es hat mich letztlich ein paar Sätze Motivationsarbeit gekostet, denn beim Regenwetter der Tage davor war nicht gerade ein wahnsinniger Drive auf einen Laufwettkampf entstanden. Letztliches Totschlagsargument war, dass es auch eine 5km-Runde gab und sie nicht die vollen 10,7 laufen musste. Meine letzten Worte bevor wir dann gemeinsam ins Auto stiegen waren dann noch - so als letzter Disclaimer, damit ich sie nicht vorgewarnt hätte - "es ist nur ein wenig profilliert, aber das wird schon nicht so schlimm sein". Als wir dann schon fuhren, habe ich erst erklärt, was "profilliert" überhaupt bedeutet, dann aber nochmal die These formuliert, dass das mit Sicherheit nicht so schlimm werden wird. Zu dem Zeitpunkt habe ich das auch noch geglaubt.

Der weitere Verlauf war dann erstmal Routine. Anreise, parken, Nachmelden, Startnummer abholen, Laufdress-Entscheidung fällen, andere Läufer in der Vorbereitung beobachten und wieder die Top-3-Kandidaten küren, die a) wie Profis aussehen, aber weit hinter uns ins Ziel kommen und b) die total unscheinbar wirken, uns aber eine Minute pro km abnehmen werden.

Dann der Start des 1,5km-Kinderlaufes. Dazu muss ich einen halben Absatz schreiben, denn ich halte mir noch offen diesen Blog als Grundlage für eine Petition zu nehmen "gegen die Anwesenheit von überehrgeizigen Vätern bei Wettkämpfen ihrer Kinder". Die Strecke führte so rund um das Stadion, dass die anwesenden Eltern immer wieder einen Einblick zur Wettkampfsituation hatten. Da schmetterte es schon ein paar defitige Worte in Richtung der Teilnehmer und ich hatte große Angst, dass den einen oder anderen am späten Nachmittag noch die liebsten Weihnachtsgeschenke wieder abgenommen werden, bis der nächste Altersklassensieg eingefahren ist.

15 Minuten später erfolge dann der Start der 5km und meine Schwester joggte locker los, 10 Minuten danach auch mein Start und ich sollte dann sehr schnell erfahren, was sie mir dann nach meiner Zielankunft auch berichtete. Das mit dem "leicht profilliert" war eine komplette Fehleinschätzung.

Nach dem Start
Kurz nach dem Start war ich noch guter Dinge hinsichtlich der Bewältigung des Höhenprofils

Die ersten 2,5km ging es steil bergauf. Ich Braunschweiger Flachlandläufer bin in leicht reduziertem Wettkampftempo losgeflitzt, was nach ca. 1km in einer ersten maßgeblichen Tempokorrektur endete. Aber auch diese konnte nicht verhindern, dass mir nach gut 2km das Laktat - gefühlt - aus Augen, Ohren, Nase und denkt Euch gerne noch mehr Körperteile rausquoll. Bei 2,3km bin ich sogar ein paar Meter gegangen und die Entscheidung war schon getroffen in 2013 auch mal nach Hügeln zu suchen um nicht nur mit dem Fahrrad, sondern auch mal in Laufschuhen Höhenmeter zu machen.

Dann war ich aber auf dem Berg und ich habe mein Lauftempo gefunden. Es ging dann oben auf dem Plateau ziemlich wellig auf und ab - insgesamt aber weitgehend auf gleichem Höhenniveau. Es war ganz lustig zu sehen, welche Stärken/Schwächen die anderen Läufer so hatten. Sogar ich Flachlandläufer habe am Berg einige Jungs immer wieder überholt, die dann bergab wieder Anschluss fanden. Die Mehrzahl war aber andersrum unterwegs. Bergauf habe ich ganz schön um Anschluss gekämpft, bergab dann aber ganz gut laufen lassen. Insgesamt waren wir aber so eine Gruppe von ca. 10 Läufern, die mehr oder weniger zusammen liefen.

Im Hinterkopf hatte ich aber immer noch die These, dass es irgendwann ja die 2,3km auch wieder runter gehen musste, die wir uns alle vorher hochgequält hatten...und bergab, das sollte ja entspannend werden. Aber auch da täuschte ich mich. Ich erinnerte mich ganz gut an die Stelle, wo ich mir nach besagten zweieinhalb km das rausquellende Laktat aus den Augen gewischt habe um erstmal wieder mit dem Laufen anzufangen.

ab in den Matsch
"Was, da runter? Ich dachte es geht den befestigten Waldweg wieder bergab"

Aber statt den befestigten Waldweg wieder runter zu laufen, ging die Strecke dann in ein wildes Querfeldein über. Mitten durch den Wald und durch ca. 10cm tiefen Matsch. Statt entspanntem Bergablaufen ins Ziel war dann höchste Konzentration gefordert nicht auf der Nase zu landen. Ich war vorbelastet, denn beim StrongmanRun im Mai bin ich genau in solchem Matsch auf eine Wurzel ausgerutscht und konnte wegen meines komplett aufgerissenen Scheinbeins 2 Wochen lang nur unter Schmerzen laufen. So habe ich dann auch die meisten der Jungs verloren, denn ich war wohl zu vorsichtig unterwegs.

ab in den Matsch
und dann wurde es richtig matschig

Erst ca. die letzten 800m war es dann wieder komplett befestigter Weg und ich war hinsichtlich meines eigenen Leistungsstandes sehr beruhigt, dass ich zumindest da wieder 2 Läufer ein- und überholte.

Im Ziel sollte es dann für die 10,7km zu einer 54:25 Min. reichen. Im Prinzip indiskutabel, sogar knapp über 5er-Pace. Auch die Platzierung, Rang 56 von 168 Teilnehmern ist erstmal unzufriedenstellend. Aber wenn man sich dann mal mit den Jungs und Mädels beschäftigt, die vor einem landeten...die sind alle schon ein-, zweimal vorher auch laufen gewesen. Z.B. gab es große Beteiligung des Erstliga-Triathlonvereins aus Buschhütten und Leute, die Hawaii schon knapp über 10h gefinished haben, haben es in Gummersbach auch nicht unter die Top10 geschafft.

Aber darum geht es ja eigentlich auch nicht, ich denke ein Sylvesterlauf sollte doch in erster Linie Spaß machen. Und auch wenn ich unterwegs unsicher war, so war es dann doch - wie immer - rückblickend eine tolle Sache. Ich habe viel gelernt und kann/werde die Erkenntnisse auch gerne in das Training 2013 mit einbauen.

Schwester glücklich im Ziel
Schwesterchen durfte sich nach knapp 35 Minuten über das erledigte Fitnessprogramm freuen

Meine Schwester hat die 5km übrigens in 34:44Min gefinished und ohne spezifische Laufvorbereitung immerhin ein Drittel das Frauenfeldes hinter sich gelassen...Respekt Schwesterchen ;-). Sie hat mich nach meiner Zielankunft nur etwas verdutzt angeguckt und gefragt ob es das ist, was ich mit "leicht profilliert" gemeint habe.

Brüderchen und Schwesterchen
Bruder und Schwester nach dem Lauf...matschig war's!

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

auch ich kenne die Ecke da ziemlich gut

und musste bei "leicht profiliert" grinsen - das ist so realistisch wie der "flache Stadtkurs" des St. Wendel Marathons, da fluchen auch jedes Jahr die Nichteinheimischen ;-))

Und die Petition "gegen die Anwesenheit von überehrgeizigen Vätern bei Wettkämpfen ihrer Kinder" unterschreibe ich sofort, auch wenn ich die Mütter mit hinein nehmen würde. Ich habe da auch diesbezügliche Erfahrungen gemacht. Am schlimmsten finde ich immer noch unseren einheimischen Ultraläufer, der seine Tochter bei jedem Schülerlauf ins Ziel brüllt - und es dabei nicht bewenden lässt; denn er läuft mit und brüllt die anderen Kinder aus dem Weg, damit seine (heulende) Tochter frei laufen kann! Ich würde ehrlich gesagt IHN disqualifizieren, leider fragt mich keiner :-((

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Höer sich nach einem

sehr abwechslungsreichen Lauf an. Gratulation auch an die Schwester. Und wer musste Schuhe putzen? Schönes Foto!

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