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Das Jahr 2012 war das bisher sportlichste Jahr meines Lebens. Der wesentliche Unterschied zu den vergangenen Jahren war der tägliche Sport, der Sport-Streak. Am 24.12.2011 bin ich der Sport-Streaker-Gruppe beigetreten. Und ich hatte es ernst gemeint: bis zum heutigen Tag war der 23.12.2011 der letzte Tag, an dem ich nicht mindestens eine halbe Stunde Sport getrieben hatte. Sport ist für mich zur täglichen Selbstverständlichkeit geworden.
Da mir das Laufen am leichtesten fällt und ich mich dazu nicht wirklich motivieren muss, sind im Jahr 2012 so viele Laufkilometer zusammen gekommen, wie nie zuvor. Aber auch andere Sporteinheiten, insbesondere regelmäßiges Krafttraining / Rumpfstabilität und Stretching zählen mittlerweile zu meinen regelmäßigen Gewohnheiten.

Eine neue Erfahrung im Sportjahr 2012 war der Hamburg-Marathon, den ich als offizieller Tempoläufer für die 3:59:00 gelaufen bin. Wochenlang hatte ich mir zuvor das gleichmäßige Tempo zwischen 5:35 und 5:40/km antrainiert. Und es hat gut geklappt und großen Spaß gemacht, in Hamburg für eine große Gruppe von Sub-4-Stunden-Läufern das Zugpferd zu spielen.

Den Plan, am Rennsteig-Supermarathon im Mai teilzunehmen, hatte ich bereits im Herbst 2011 gefasst. Also hieß es in der ersten Jahreshälfte 2012 vor allem die Grundlagenausdauer noch auszubauen, sprich: viele Kilometer zu laufen. Ich steigerte nach und nach die Umfänge bis zu einem maximalen Wochenumfang von mehr als 150 Kilometern in der dritten Aprilwoche und reiste für meine Verhältnisse optimal vorbereitet nach Eisenach. Dort erwischte mich eine akute Magen-Darm-Grippe, ich konnte nichts essen, kaum trinken, schlief schlecht und hatte keinerlei Reserven als ich dann um 6 Uhr morgens am Start stand. Nach 18 Kilometern und 510 Anstiegsmetern musste ich frustriert mit kaltem Schweiß auf der Stirn aussteigen. Mein erstes Did-Not-Finish.
Nachdem ich in den folgenden beiden Wochen meine Wunden geleckt hatte, kam mir der Gedanke, die erarbeitete Grundlagenausdauer bei einem anderen Lauf zu nutzen. Ich meldete mich kurz entschlossen in Biel an und lief bei der Bieler Laufnacht in 11 Stunden, 31 Minuten und 23 Sekunden meinen ersten 100-Kilometer-Lauf. Danach kannten Stolz und Erschöpfung keine Grenzen. Mehr zu diesem Lauf, meinem absoluten Saisonhöhepunkt: hier.

Mitte Juli verbrachte ich mich eine Urlaubswoche auf Amrum. Ich hatte mir als Lektüre die Laufbibel von Marquardt mitgenommen. Das zweite Kapitel „Lauftechnik“ hat mich schwer beeindruckt und argumentativ überzeugt.
Ich habe mir daraufhin meinen eigenen Laufstil bewusster gemacht und systematisch an der Lauftechnik gearbeitet, um sie in Richtung „Natural Running“ weiter zu entwickeln. Ich testete es aus, die natürlichen Dämpfungsmechanismen des Fußes ausnutzen statt stark stabilisierte Schuhe zu verwenden. Dadurch ist mein Laufstil mittlerweile gefühlt leichter und dynamischer geworden. Den Fußaufsatz habe von der Ferse nach vorne Richtung Mittelfuß verlagert, die Armhaltung habe ich verändert und ich mache regelmäßig gezielte Koordinationsübungen zur Verfeinerung der Lauftechnik. Die Veränderungen habe ich bisher nach und nach vorsichtig umgesetzt, um verletzungsfrei zu bleiben. Es macht Spaß, fühlt sich gut an und ich werde dieses Projekt 2013 fortsetzen.

Der Rest meines etwas lang geratenen Jahresrückblicks ist nur für Statistikfreunde:

Der Sport-Streak 2012:
0 Tage ohne mindestens 30 Minuten Sport
durchschnittlich 74 Minuten Sport täglich
311 Laufeinheiten
98 Stretching-Einheiten
56 Kraft-Einheiten
19 Blackroll-Einheiten
19 Fahrrad-Ergometer-Einheiten
6 Schwimm-Einheiten
2 Fahrrad-Einheiten
1 Inline-Skating-Einheit

Das Laufen 2012:
Gesamtkilometer: 3851,60 [Vorjahr: 2942,91 – Veränderung: + 30,9 %]
das entspricht durchschnittlich 10,52 km/Tag.
Summe der positiven Höhenmeter: 21.275 [Vorjahr: 22.060 – Veränderung: - 3,6 %]
Monatskilometer: zwischen 261,45km (September) und 374,79km (April)
[Vorjahr: 99,19km (November) bis 320,84km (Juli)]
Für die Gesamtstrecke benötigte ich 374 Stunden, 24 Minuten, 30 Sekunden
Durchschnittliche Pace: 5:50/km

Geographische Kilometerverteilung:
53,3 % meiner Laufkilometer lagen in Schleswig-Holstein/Hamburg [Vorjahr: 50,2%]
40,4 % in Baden [Vorjahr: 37,5%]
6,3 % an anderen Orten [Vorjahr: 12,3%]
53,7 % meiner Kilometer lief ich alleine [Vorjahr: 59,0%]
46,3 % nicht alleine [Vorjahr: 41,0%]
Anzahl der Läufe 2012: 311 [Vorjahr: 196]
Durchschnittliche Distanz pro Lauf 12,38 km [Vorjahr: 15,0km]

Trainingsformen:
Regenerativer und langsamer Dauerlauf (> 6:15min/km): 13,8 % [Vorjahr: 8,5%]
Ruhiger Dauerlauf (5:45 bis 6:15/km): 32,1 % [Vorjahr: 47,8%]
Mittlerer Dauerlauf (5:15 bis 5:45/km): 36,0 % [Vorjahr: 22,4%]
Schneller Dauerlauf und Tempdauerlauf (< 5:15/km): 7,5 % [Vorjahr: 6,0%]
Intervalltraining: 1,3 % [Vorjahr: 4,2%]
Wettkämpfe: 8,14 % [Vorjahr: 11,1%]

Schuhe:
2012 schaffte ich mir 4 Paar neue Laufschuhe an (Brooks Adrenaline GTS11, Asics Gel DS Trainer 17, Saucony Kinvara 3, Brooks Pure Cadence).
Drei Paar Schuhe musterte ich aus (Brooks Adrenaline GTS9 nach 1177km, New Balance MR760ST nach 1195km, Avia AviLite II nach 859km mit kaputtem Obermaterial).

Wettkämpfe:
Ich nahm an 11 Wettkämpfen teil [Vorjahr: 10]:
1x Ultramarathon, 4x Marathon, 2x Halbmarathon, 1x20km, 2x um die 10 km, 1x5km
Neue PBs:
Halbmarathon: 1:31:37 am 01.04.2012 in Freiburg
10km: 0:41:23 am 25.03.2012 beim Ostseelauf in Timmendorfer Strand
5km: 0:19:42 am 12.08.2012 beim Diekseelauf in Malente

Vorsätze für 2013:
Das Wichtigste ist: Gesund bleiben und weiterhin Spaß am Sport haben.
Den Streak so lange wie möglich fortsetzen.
Weiter an der Optimierung der Lauftechnik arbeiten.


Sportliches Jahresziel: Halbmarathon unter 1:30

Außerdem: Eventuell im Herbst (wahrscheinlich in München) wieder mal einen Marathon am Leistungslimit laufen.
Noch ein paar andere schöne Wettkämpfe wieder als Genussläufe mitnehmen (Lümmellauf, Hamburg-Marathon, Timmendorfer Ostseelauf, …)
Liebgewonnene Jogmapper wieder treffen und gerne auch ein paar neue kennen lernen.

Und noch etwas ganz Wichtiges:
Man liest hier immer wieder mal Blogs, in denen von den Schwierigkeiten berichtet wird, den hohen Zeitaufwand für unseren Sport der Familie zu vermitteln. Ich finde in meiner Familie großes Verständnis und ideale Unterstützung. Ein Beispiel dafür war, dass wir am Wochenende unserer Hochzeit mit unseren Freunden einen Hochzeitslauf veranstaltet haben. Ich werde bei den wichtigsten Läufen immer begleitet und unterstützt. Meine Frau vertritt nicht die Ansicht, dass der Sport zu unserer gemeinsamen Zeit in Konkurrenz steht, sondern sie sagt, dass sie ja auch etwas davon hat, wenn ihr Kerl sportlich ist.
Und nicht nur das: meine Frau macht beim Streaken mit der gleichen Konsequenz mit wie ich: ihr letzter Tag ohne Sport liegt inzwischen auch schon mehr als zehn Monate zurück. Daher einen großen Dank an meine Familie an dieser Stelle.

Allen Jogmappern ein erfolgreiches und verletzungsfreies Laufjahr 2013.
Gruß
Uli

4.4
Gesamtwertung: 4.4 (5 Wertungen)

Respekt

Saubere Leistung.

Würde mich freuen, wenn wir uns in München über den Weg laufen.

Viel Erfolg für deine 2013er Ziele.



manchen bei youtube

Beim geballten Lesen...

...verschlägts mir nun doch die Sprache. Hammerleistung!
Ich wünsche Dir, dass es Dir weiterhin so gut gelingt, alles unter einen Hut zu bringen und Du Deine sportlichen Ziele erreichst.
Viele Grüße, Conny

einer Seitz finde ich die

einer Seitz finde ich die Leistung super, finde es auf der anderen Seite etwas unvernünftig sowas zu machen, meine so ganz ohne Regeneration.

Gruß
Sven

Blog auf www.SchnelleGurke.de
tweet @SchnelleGurke

Glückwunsch!!!

Nochmals herzlichen Glückwunsch zu deinem Super-Streak. Die Konsequenz, mit der du den Streak und auch die anderen Sport-Ziele angehst, ist für mich äußerst bewundernswert.
Ich wünsche dir für das neue Jahr weiterhin erfolgreiches streaken und natürlich viel Gesundheit - damit wir noch viele schöne Blogbeiträge von dir lesen können.
Viele Grüße sendet
die_alternative

???

Wo hat Uli sich unvernünftig verhalten und nicht regeneriert?

Meinst du damit den Streak? Bei den Sportstreakern sehe ich sein tägliches Training. Das hat er gut im Griff mit der Regeneration. Regeneration geht ja nicht nur, indem man sich auf's Sofa setzt und die Beine hochlegt. Aktive Regeneration kann zum Beispiel auch ein Supersauerstofflauf (SSL) nach einem harten Lauf am Vortag sein. Durch die leichte Belastung/Bewegung der Beine werden sie besser durchblutet und somit besser mit Nähstoffen versorgt. Kannst du bei Andreas Butz (Laufcampus) nachlesen. Und das ist nur ein Beispiel für aktive Regeneration.


... gelaufen seit März 2011
Der erste Lauf in 2013: Landschaftslauf in Gifhorn

geballte Ladung Fitness!

und das ganz ohne Druck. Du streakst Dich entspannt durchs Jahr.
Es ist toll zu lesen, was du alles im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt hast.
Ein sehr gutes Vorbild! Denn du achtest auf Deinen Körper und zwingst die Leistung nicht aus ihm heraus.

Ich wünsche Dir alles Gute im neuen Jahr!


& "bekloppte Verl(k)äufer"

Toll

Ohne Worte Einfach Toll.
Gefällt mir

Daumen hoch

[quote]Wo hat Uli sich

[quote]Wo hat Uli sich unvernünftig verhalten und nicht regeneriert?[/quote]
jeder den ich beim Laufsport kenne, legt in regelmäßigen Abständen die Beine wirklich hoch, so zwei und bis manchmal acht Wochen. Da ist nix aktive Regeneration, ok muss jeder selber wissen was er macht, ich finde es trotzdem unvernünftig, seinen Körper gegenüber, irgendwann geht es nicht mehr so gut.

Gruß
Sven

Blog auf www.SchnelleGurke.de
tweet @SchnelleGurke

Klar legt jeder mal die Beine hoch,

machen wir alle und der Uli schließlich auch. Nur macht er dann etwas anderes z.B. Krafttraining ohne Geräte, Fahrradfahren, Dehnen, Schwimmen oder oder oder. Meinst Du, dass sich die anderen tatsächlich zwei bis acht(???Tippfehler???) Wochen auf die faule Haut bzw. aufs Sofa legen? Glaube ich nicht.

Lieben Gruß
Tame

eine schöne...

...bilanz, lieber uli! und eine kluge einteilung!
der beste beweis, dass täglicher sport keinesfalls schadet, wenn
man die trainingsreize und regenerationsaktivitäten ins richtige verhältnis setzt!
____________________
laufend wünscht uhrli ein sportliches und gesundes neues jahr: happy™

wer pläne schmiedet, verhindert die zukunft!

Was für eine umfassende Statistik!

Sehr beeindruckend! Deine Leistung ja sowieso, aber auch die Statistik, Hut ab!
Mögest du auch in 2013 deinen Sport-Streak in voller Gesundheit fortsetzen können und möge dein sportliches Jahresziel in Erfüllung gehen!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Regeneration

@Sven: Wie heißt das Buch eines Lauftrainers, welches eine Laufpause und auch keinen anderen Sport von bis zu 8 Wochen vorsieht?

... und ohne Wertung eine sachliche Feststellung: Dein Erfahrungshorizont ist individuell. Wenn es Läufer gibt die andere Erfahrungen gemacht haben, wer hat dann recht?

Ich möchte das gar nicht diskutieren oder bewerten. Aber bist du sicher, das Pauschalisierungen jedem gerecht werden können. Könnte es da nicht auch noch andere Faktoren wie Trainingsintensität oder individuelle körperliche Konstitution (Übergewicht, muskuläre Dysbalancen), mangelndes Körpergefühl, ungeeignete Ernährungsgewohnheiten, regelmäßig zuwenig Schlaf, Wettkampfhäufigkeit ... geben, die einen unterschiedlichen Bedarf an Regeneration erforderlich machen?

Wie in jedem Jahr

Wie in jedem Jahr schreibst Du für uns eine sehr beeindruckende Jahresstatistik. Hut ab für eine solche Sportaktivität, mit der Du Dich niemals in den Vordergrund drängst oder den starken Mann markierst, sondern einfach der nette Mensch bleibst, mit dem gut laufen und plaudern kann.
Bleibe gesund und so wie Du bist.
Viele Grüße an Dich und auch an Teeblüte.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

Boah, was für ein erfolgreiches Laufjahr!!!

Herzlichen Glückwunsch Uli zu solch einem fantastischen Jahr! Keinen Tag hast Du ausgelassen und ich habe immer wieder staunend gelesen, was Du so eingetragen hast. 2012 ist nicht nur ein super tolles Laufjahr für Dich gewesen, auch ansonsten hat es Dich mit Glückseligkeit beschenkt;-) Es sollen noch viele solcher Jahre für Dich/Euch folgen!
München ist eine gute Wahl. Ich würd da immer wieder laufen, wenn ich könnte. Das Glücksgefühl beim Eintauchen ins Olympiastadion ist unbeschreiblich!

Lieben Gruß
Tame

Einfach nur schön zu lesen

Einfach nur schön zu lesen was du dies Jahr geschafft hast... meinen Glückwunsch. Und das es dir dabei gut geht zeigt das du alles richtig gemacht hast. Ich wünsche dir weiterhin ein gutes gelingen.

LG Petra

Vielen Dank

Vielen Dank für eure netten Kommentare.

Vor vielen Monaten titelte die RunnersWorld mal mit dem Aufmacher "Reizthema Regenerationstag". Ich dachte mir, denen fällt wohl auch nichts Vernünftiges mehr ein. Aber offenbar handelt es sich dabei wirklich um ein Reizthema und gerade bei uns Sport-Streakern um einen etwas wunden Punkt.

Aus meiner Sicht ist es so: ich bin ein Hobbysportler, kein Leistungssportler. Letzterer plant sein Training auf ein bestimmtes Großereignis hin (zyklisches Training) und ruft dann die Maximalleistung ab. Anschließend kommt natürlich eine Regenerationsphase.

Als Hobbysportler belaste ich mich eigentlich nie maximal aus. Dreißig Minuten Laufen mit 65% HFmax oder einen lauffreien Tag mit Krafttraining reicht meinem Bewegungsapparat daher zur Regeneration. Und die orthopädische Beschwerdefreiheit und ein Jahr lang ohne einen einzigen Erkältungstag zeigen, dass diese Einschätzung nicht völlig falsch sein kann.

Und wenn ich nicht mein Streak gebrochen dadurch hätte, hätte ich wahrscheinlich auf die kleine Laufeinheit einen Tag nach Biel tatsächlich völlig verzichtet.

Erholte Grüße nach einer kleinen 36-Minuten-Laufeinheit im unteren GA1-Bereich.
Uli

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